Angsthasentreffen, Geschichten aus der Runde

“Ich verstehe Dich” – “ich rate Dir”

Angsthasentreffen:
Die Geschichten der Teilnehmer/innen

Angsthasentreffen, Stuhlkreis (hier noch in der alten Fahrschule)
Angsthasentreffen. Auf Bitten der Teilnehmer/innen sind die Gesichter im Foto angegraut. Die Tische haben wir beiseite geräumt. Die Beteiligten sitzen im Stuhlkreis. So entsteht keine Lernatmosphäre, im Gegenteil, gegenseitige Zuwendung. Alle können ihre bedrückenden Geschichten besser mitteilen, sich austauschen, gegenseitig Verständnis zeigen, sich aufmuntern. Als Angsthasenfahrlehrer höre ich ruhig zu, notiere wichtige Punkte am Smartboard, gebe einen Rat aus meiner praktischen Erfahrung.

Die Betreuung beginnt mit einer Einladung an alle Angsthasen/ Angsthäsinnen zu einem gemeinsam Treffen. Dort stelle ich unser Programm vor. Vor allem kommen die Anwesenden zu Wort, erzählen ihre Geschichte. Alle fühlen sich endlich verstanden, erhalten Trost. Sie lernen aber auch voneinander und von mir, dem Angsthasenfahrlehrer.

So beginnt und läuft der Prozess der Angstbewältigung:

  1. Die Betroffenen mit ihrer Angst hinterm Steuer fühlen sich verstanden, und
  2. sie erhalten einen vernünftigen Rat.

Alle Angsthäsinnen brauchen Mut

Der vernünftige Rat muss aber auch in die Praxis umgesetzt werden, der wichtigste Vorgang, der naturgemäß noch mehr Angst macht.

Soweit sind wir heute noch nicht. Noch herrscht das Wort vor, nicht das Handeln. Aber wir haben schon mal mit der Angstbewältigung begonnen.  Nicht vergessen, schon der Besuch des Angsthasentreffens ist für Menschen mit Angst hinterm Steuer eine aufregende Sache, erfordert Mut.

So möchte ich auch an dieser Stelle mit Geschichten beginnen, die ich und die anderen beim Angsthasentreffen gehört haben. Es sind berührende Geschichten, Beispiele für die Leidensgeschichten von Angsthasen/ Angsthäsinnen. Es sind aber auch Geschichten, die Mut machen. Im anschließenden Gespräch zeigt sich meistens schon ein Ansatz für die weitere Betreuung und Behandlung der Probleme.

Ich habe die Geschichten nach verschiedenen Ängsten gegliedert, die beim Autofahren auftreten können. Nach jeder Geschichte lesen Sie meinen Kommentar, was ich der betroffenen Angsthäsin raten würde.

Wenn Sie sich für den den genaueren Ablauf des Angsthasentreffs interessieren, dann klicken Sie auf den Link Angsthasentreff.

Hier fünf ganz typische Erzählungen in einer Runde:

1. Angst vor dem Auto – leider den Motor abgewürgt

Eine junge Frau quält sich während der Fahrschulausbildung mit dem Anfahren. Immer wieder würgt sie den Motor ab. Der Fahrlehrer, leider ungeduldig, raunzt sie an, sie würde sein Auto ruinieren. Sie sei unbegabt fürs Autofahren. Er empfiehlt ihr dringend, auf einem Automatik-Auto zu üben. Sie will das nicht, wechselt die Fahrschule, fährt weiter Schaltwagen. Der neue Fahrlehrer ist geduldiger. Doch etwas Angst vor dem Auto und dem Autofahren bleibt. Besonders Angst vor einer Fehlbedienung. Irgendwie schafft sie die Prüfung.

Autoangst - das Auto macht, was es will
Autoangst – die Angst vor dem Auto, der unberechenbaren Maschine, die macht, was sie will. Furcht vor Kontrollverlust und Unfall. Bedienung falsch, fehlerhaft, undurchschaubar. Das Auto springt, hüpft, dreht sich, wird plötzlich schneller, bremst, bleibt abrupt stehen – mit gefährlichen Folgen. Dagegen helfen auch nicht immer elektronische Assistenten, die ihr geheimnisvolles Eigenleben führen.

Einige Wochen später fährt sie, auf dem Weg zur Arbeit, über eine Kreuzung mit Vorfahrt von rechts. Von rechts kommt ein Auto, weit weg. Sie fährt langsam weiter vor, sieht das Auto rechts, noch in weiter Ferne, möchte losfahren. Da steigt die alte Angst wieder auf. Mitten auf der Kreuzung würgt die Angsthäsin ab. Inzwischen ist der andere Fahrer da, bremst und hupt, vorwurfsvoll. Sie verfällt in Panik, will schnell weg, nichts geht mehr, der Motor würgt jedes Mal ab. Schließlich fährt der andere um sie herum, guckt nach ihrer Erzählung böse. 

Hinterher klappt es trotz aller Aufregung irgendwie. Sie fährt den Wagen rechts in eine Lücke, geht zu Fuß zur Arbeit. Sie zweifelt an sich, hat Angst vor dem Auto. Das nächste Mal, so die Angst, verwechselt sie womöglich Gas und Bremse, es kommt zu einem schweren Unfall.

Nach diesem Vorfall vermeidet sie das Fahren mehrere Jahre, wegen der Unfallangst. Auch mit dem Automatik, so fürchtet sie, könne ein Unfall passieren. Außerdem  erscheint ihr das Fahren mit Automatik wie eine endgültige Niederlage. Eine Auffrischungsstunde bei dem zweiten Fahrlehrer hilft ihr ein bisschen fürs Anfahren, befreit sie nicht von der Angst.

Welche Hilfe ist möglich (mein Kommentar während der Angsthasenrunde) ?

Der erste Fahrlehrer hat die Angsthäsin beschimpft, sie für unbegabt erklärt, Automatik empfohlen. Das richtet sich gegen das Selbstbewusstsein. Unter diesen Umständen ist der Automatikwagen schlecht, da sie von nun an als unbegabt abgestempelt wäre. Sie kann diese alte Wunde allerdings wieder heilen. Außerdem ist die Überlegung von ihr schon richtig – auch mit Automatikwagen kann es durch Fehlbedienung zu einem Unfall kommen: Beispielsweise Verwechslung von Gas und Bremse!

Ich empfehle, das korrekte Anfahren mit dem Schaltwagen noch einmal in aller Ruhe zu üben, in einem verkehrsruhigen Gebiet: Mit etwas Gas, ungefähr drei Sekunden lang schleifender Kupplung anfahren, dann die Kupplung sanft loslassen. Zusammen mit einem netten, geduldigen Fahrlehrer würde sie das schaffen, so wie mit dem zweiten Fahrlehrer. Dasselbe auch im Verkehr, soweit es keine Stressbelastung gibt. Das ist der vierte Schritt unserer sieben Schritte aus dem Ratgeber gegen die Fahrangst: “Fähigkeiten wieder auffrischen.” Allerdings wäre auch in diesem Falle die Angst vor dem Abwürgen, vor den bösen Blicken der anderen und vor der Scham wegen ihrer Unfähigkeit nicht weg.

Die normale Fahrschulausbildung, mit dem Nachdruck auf korrektes, fehlerfreies Verhalten, kann den Betroffenen leider nicht ganz helfen. Es fehlt das Verständnis der Fehlerangst, der bewussten Beschäftigung mit Fehlern und ihrer Korrektur.

Eine Fehlerkorrektur-Übung würde die Angst vor Fehlern mildern. Das wäre der sechste Schritte unserer sieben Schritte aus dem Ratgeber gegen die Fahrangst: “Das Vermeiden vermeiden.” Mit anderen Worten: Die angstauslösende Situation nicht vermeiden, sondern sie aufsuchen, sich mit ihr konfrontieren.

Wir üben den “Fehler” im ruhigen Gebiet: Die Angsthäsin soll anfahren, würgt aber ganz bewusst den Motor ab. Ja, wie geht denn das überhaupt – das Abwürgen? Die meisten Angst-Abwürger/innen wissen das gar nicht so genau. Also üben wir das Abwürgen: Die Angsthäsin gibt Gas, lässt die Kupplung zu schnell kommen. Und jetzt nicht gleich versuchen, die Kupplung zu treten, den Motor anzulassen- nein, das kann warten! Zuallererst geht es darum, ruhig zu bleiben, ein bisschen den Verkehr zu beobachten, tief zu atmen, die krampfenden Muskeln weich zu machen, den Verstand wieder einzuschalten durch lautes Sprechen über die Nervosität.

Übrigens: Das Mildern und Beruhigen der körperlichen Symptome – das entspricht dem zweiten Schritt der sieben Schritte aus dem Ratgeber gegen die Fahrangst: “Körperliche Symptome laut benennen.” 

Fehlerkorrekturübungen im Straßenverkehr. Solche Übungen können wir auch auf einer Kreuzung mit Vorfahrt von rechts durchführen. So, wie die Angsthäsin es erlebt hat, aber dieses Mal mit besserem Ausgang. Vor der Weiterfahrt muss sie unbedingt die Lage auf der Kreuzung überprüfen. Nächster Schritt wäre, den “Fehler” ganz bewusst an einer Ampelkreuzung bei Grün zu üben. Aber bitte nicht bei Grün losfahren und dann abwürgen. Das wäre für den nachfolgenden Fahrer gefährlich. Sondern stehen bleiben, die Bremse fest treten und so den Motor durch Loslassen der Kupplung abwürgen. Wir bleiben also schlicht und einfach stehen, damit es nicht zu gefährlichem Auffahren  des hinteren Fahrers kommt.

Fehlerkorrektur-Übungen dürfen nur von harmloser Art sein. Sie dürfen andere nicht gefährden!

Wir sprechen über die Angstsituation: Die Angsthäsin hat Angst, dass es wieder nicht klappt, die anderen böse gucken, sie beschämt ist, vor allen anderen als Versagerin dasteht. Sie ist im Stress – “hoffentlich klappt das Anfahren” -, daher kommt es zu Muskelverspannung, der linke Fuß an der Kupplung arbeitet nicht mehr weich, sondern verkrampft, und zuckt weg. Das sind eben blockierende Reaktionsformen der Angst.

Sie sollte sich klar machen, dass es harmlos ist, wenn das Anfahren nicht klappt. Jemand wird ein bisschen behindert – na und? Vielleicht kann sie demjenigen ein entschuldigendes Lächeln schenken. Geht schon. Über die Angst und Angstsituation zu sprechen, diese mit anderen, milderen Augen zu sehen – das ist der dritte Schritt der sieben Schritte aus unserem Ratgeber gegen die Fahrangst: “Die Gedankenfalle überwinden!”

Das üben wir praktisch: Wir stehen vorne an einer Ampel, Rot. Jetzt kommt Grün, wir würgen den Motor ab, beobachten den hinter uns stehenden Fahrer. Der schaut neutral, nicht vorwurfsvoll. Die Angsthäsin atmet ruhig, macht ein entschuldigendes Zeichen. Dann läuft der Motor wieder, wir fahren los.

Zur Angst gehört auch der Gedanke “da ich abgewürgt habe, muss ich anschließend ganz besonder schnell wegfahren, um meinen Fehler wieder gut zu machen!” Auch dieser Angstgedanke ist wichtig, muss überprüft werden. Denn das schnelle Fahren ist Gift für uns. Wir sind in kurzer Zeit vielen Informationen aus gesetzt, die wir in der Eile gar nicht richtig bewerten können. Dadurch kommt es Informationsüberflutung, Durcheinander im Kopf, Unsicherheit bei folgender Entscheidung.

Wir dagegen raten dringend zum Angsthasenfahrstil, das ist der fünfte Schritt der sieben Schritte aus dem Ratgeber gegen Fahrangst. Nach dem Anlassen des Motors atmen wir in Ruhe, beobachten den Verkehr und fahren vorsichtig – nicht schnell! – los.

Angsthasenfahrstil heißt, bewusst sehr vorsichtig, verzichtend, ruhig zu fahren. Er bedeutet natürlich Überwindung, wenn Drängler hinter uns Druck machen. Auf der anderen Seite aber steht die ruhige Einschätzung der Informationen, richtige Entscheidungen, ohne Angst.

Gegen die Verkrampfung hilft natürlich eine Pause, aber auch die bekannte Progressive Muskelentspannung (PME) nach Jacobson. Diese können wir in einer Fahrpause  auch hier anwenden, indem wir das linke Bein voll gegen das Bodenblech anpressen, nach ca. fünf Sekunden loslassen und ausatmen. So wird die Beinmuskulatur wieder weich.

Moderne Schaltwagen haben elektronische Assistenzsysteme, die der Fahrerin in Problemsituationen helfen. In diesem Falle, wenn der Motor abgewürgt wird, tritt sie einfach die Kupplung, schon läuft der Motor wieder. Das allein hilft allerdings nicht bei ihrem Problem – Stress, Angst, Verkrampfung der Muskeln, starke Ablenkung, Konzentrationsschwäche.  Im schlimmsten Fall würde sie pausenlos abwürgen und wieder anfahren. Da hilft auch der Assistent nicht mehr.

Fazit: Wir üben nicht nur das Richtige, wir beschäftigen uns auch mit dem Fehler und der Angst. Wir konfrontieren uns mit der Angst und beruhigen uns dabei. Wir stehen die Angstsituation durch, bleiben gefasst, der Verstand ist präsent. Dann, erst dann, können wir die Hilfe der Assistenten richtig bewerten.  

Automatik-Wagen? Wenn das alles wieder in Ordnung ist, dann würde ich der Angsthäsin eine Fahrt mit dem Automatikwagen empfehlen. Die Angsthäsin kann nun in Ruhe, ohne Druck, entscheiden, was für sie besser ist. Wahrscheinlich entscheidet sie sich gegen den Automatik-Wagen.

2. Ein Bagatellunfall – kleiner Blechschaden beim Parken

Stress beim Einparken rückwärts rechts - Blechschaden
Die Angsthäsin war beruflich in Eile. Dazu kam der Druck, dass links neben ihr eine Staukolonne langsam weiter fuhr und ihr wenig Zeit oder Platz zum Einparken ließ. Schließlich geriet sie so sehr unter Druck , dass es zu einer panischen, unbedachten Reaktion kam: Sie zog schnell nach rückwärts rechts. Dabei schwenkte aber das Vorderteil ihres Wagens – wie hier im Bild zu sehen – zuerst nach links Daher kam es dann zu dem im Text beschriebenen Blechschaden. In der Panik gehen Verstand und Übersicht verloren, es kommt – wie hier – zu teilweisem Kontrollverlust.

Die Mutter sieht schwarz. Eine junge Frau kommt aus einer Familie, die dem Autofahren immer sehr ängstlich gegenüber steht. Die Mutter möchte immer genauestens Bescheid wissen, ob ihre Tochter eine Autofahrt plant und spricht vorher lange mit ihr über mögliche Gefahren. Sie sieht schwarz und möchte die Tochter vom Fahren abhalten. Die Mutter hat den Führerschein und fährt selbst nicht. Auch die Tochter macht sich inzwischen Gedanken über schlimme Folgen ihrer Fahrten. Sie fühlt sich ängstlich vor den Fahrten, bemüht sich sehr, alles richtig zu machen, damit ja nichts passiert. Unbefangen und locker zu fahren gelingt ihr kaum noch.

Bei einer Fahrt zur Arbeit passiert es. Bei einer Fahrt zur Arbeit gerät sie in Hektik. Sie ist wegen eines Staus spät dran, will es noch irgendwie schaffen, bemerkt rechts im Stau einen Parkplatz in der Nähe ihrer Arbeitsstelle. Sie parkt unter Druck ein, verliert ein bisschen die Kontrolle, bemerkt nicht, dass der Vorderwagen beim Rückwärtsfahren nach links ausschwenkt. Sie kratzt dabei das links von ihr im Stau stehende blaue Auto (Bild oben). Eigentlich ein Bagatellunfall, kein großer Blechschaden, sie regelt alles korrekt. Dennoch bleiben böse Gedanken zurück: “Ich kann es nicht. Das nächste Mal übersehe ich vielleicht beim Parken einen Fußgänger und drücke ihn mit dem Auto weg. Womöglich fällt der um, schlägt mit dem Kopf auf die Bordsteinkante, muss mit einer schweren Kopfverletzung ins Krankenhaus.” Von der Mutter bestärkt, beschließt sie, das Autofahren lieber ganz aufzugeben.

Ein Jahr später bereut sie ihren harten Entschluss, nimmt sich vor, wenigstens zum Angsthasentreffen zu kommen.

Welche Hilfe ist möglich (mein Kommentar während der Angsthasenrunde) ?

Willkommen im Club! Eigentlich würde man die Angsthäsin am liebsten ein bisschen schütteln: Wach auf, es war nur ein kleiner Blechunfall. Das erleben tausende Autofahrer, regeln die Sache – ansonsten: Ein bisschen darüber nachdenken, beschließen, das nächste Mal mehr aufzupassen. Dann: Schwamm drüber! Leider denkt sie so nicht, sondern übertreibt maßlos: “Ich kann es nicht. Das nächste Mal verletze ich einen Fußgänger schwer.” Das ist das Denken der Angsthasen. Wir sollten ihr Angstgefühl ernst nehmen, so lautet der erste Schritt aus dem Ratgeber.

Tiefe Verunsicherung: Die Angsthäsin ist durch den Blechunfall sehr verunsichert. Sie fürchtet ja nun weitere, womöglich sogar schwere Unfälle. Einfach nur das Parken sozusagen “drauf los” zu üben, würde so nicht viel bringen. Das würde vielleicht ein nicht in der Angstbewältigung geschulter Fahrlehrer vorschlagen. Korrektes Parken, noch so oft geübt – die Verunsicherung wäre immer noch da. Dennoch, natürlich üben wir auch das korrekte Parken.

Korrektes Parken: Wir können, wie üblich, mit der Angsthäsin das korrekte Parken üben, Punkt für Punkt das Reagieren des Autos erklären, wenn rückwärts rechts in eine Parklücke am Fahrbahnrand eingeparkt wird. Das Verrückte dabei

Pkw -lenken rückwärts rechts: Das Heck fährt nach rechts, aber der Bug schwenkt nach links aus!
Pkw -lenken rückwärts rechts: Das Heck fährt nach rechts, aber der Bug, das Vorderteil des Autos schwenkt nach links aus!

ist ja, dass wir nach rückwärts rechts in die Lücke hinein lenken, dabei aber mit dem Bug, dem Vorderwagen des Autos, nach links ausschwenken. Um Unfälle zu vermeiden, müssen wir daher immer mal nach links schauen. Den Vorgang kann ich auch mit einem lenkbaren Automodell erklären (s. Bild neben an). Jedoch, wie schon erwähnt, bringt das korrekte Parken nicht so viel gegen die allgemeine Verunsicherung, die Angst vor einem drohenden, schweren  Unfall. Im Grunde kennt die Angsthäsin ja die Abläufe beim Rückwärtsfahren. Nur, durch Anspannung und hohe Nervosität ist dieses Wissen vorläufig blockiert.

Umfassend üben: Die meisten Angsthäsinnen haben einen weiter gehenden Ansatz. Sie wollen nicht nur das Parken üben. Wegen der tiefen Verunsicherung möchten sie alles, den ganzen Stoff, wieder durch nehmen, sich vergewissern, ob sie überhaupt noch die Fähigkeiten zum Autofahren besitzen. Ob das Anfahren, das Bremsen, Lenken, Schalten, Rückwärtsfahren, Verhalten im Verkehr usw. überhaupt noch geht. Ich erfülle den Wunsch gern, weiß ich doch, dass man diese vielen Stoffgebiete nicht etwa alle mühsam abarbeiten muss, sondern sie relativ schnell überspringen kann. Für die Betroffenen ist es allerdings ein Trost, dass es wirklich noch geht! Immerhin, sie fühlen sich hinterher besser, die Verunsicherung ist gelindert, aber die tiefen Angstgedanken sind noch da.

Unfallanalyse: Schon beim Angsthasentreffen kann ich versuchen, mit der Betroffenen und den anderen Interessierten eine vorläufige Unfallanalyse zu machen. Es reicht ja nicht, die Geschichte des Unfallhergangs zu erzählen – allein dies ist allerdings schon hilfreich. Bei der Unfallanalyse kommt hinzu, dass wir den Unfallhergang vielleicht am Smartboard mit Magnetautos und Skizzierung der Verkehrssituation und der inneren Situation (Hektik, Stress, sozialer Druck) Etappe um Etappe darstellen. Und bei jeder Etappe inne halten und uns überlegen, was hier falsch läuft, und vor allem, was die Betroffene hätte besser machen können!

Für den ewig über den Unfall grübelnden Verstand ist es wohltuend, sich den ganzen Vorgang – äußerlich und innerlich – noch einmal aufzurufen, sich Maßnahmen zur Verhinderung des Unfalls zu überlegen. Dann kann, wenigstens in der Vorstellung, die Angelegenheit friedlich beigelegt werden. Und das ewige vorwurfsvolle Grübeln hört dann hoffentlich auf. 

Übrigens gehört in manchen Fällen auch das juristische Nachspiel mit zu den Überlegungen bei der Unfallanalyse wenn es besonders unglücklich ausging.

Hier in der gesamten Unfallsituation sind vor allem vier Etappen wichtig:

  1. Die Situation im Stau, zu spät zur Arbeit, Angst, Hektik, Versuch, es noch zu schaffen.
  2. Die Parkplatz-Wahl, die Aufstellung dafür, rechts von den Staufahrzeugen
  3. Die kurze Fahrstrecke zum Einparken, der Unfall
  4. Die belastenden Gedanken hinterher und das Vermeiden weiterer Autofahrten. 

Den Einfluss der Mutter habe ich hier weg gelassen, das würde auch ein bisschen weit führen. Schließlich betreibe ich keine Familien-Therapie. Aber die Fahrsituation ist aufschlussreich genug: Die Lage spitzt sich zu, das ist klar zu bemerken, so dass der Unfall beinahe zwangsläufig kommt. Aber das muss ja nicht sein! Wir können bei jeder Etappe einhaken und uns überlegen, was die Betroffene hätte machen können, um den Unfall zu vermeiden.

Zur 1. und 2. Etappe: Angstsituation, Parken: Die Angsthäsin steht unter beruflichem Druck, sie müsste schnell einparken, ist hektisch. Der Parkplatz ist zwar vorhanden, aber schwer erreichbar, wegen der Kolonne der anderen Fahrer, die das nötige Rangieren zum Einparken behindern. Meine Frage an die Teilnehmerinnen des Angsthasentreffs: Wie könnte die Angsthäsin sich jetzt beruhigen? Wie kann sie den Druck vermeiden? Was sollte sie am besten tun?  Die Antwort war nicht überraschend. Welche Antworten, was meinen Sie, Leser/in dieser Webseite?

Zur 3. Etappe: Stress und Angst beim Parken, blockierte Vernunft: Durch Stress und Angst kommt es heftigen, körperlichen Angstreaktionen: Die Muskeln verkrampfen, die Haut schwitzt, Atem und Herz gehen schneller, der freie, offene Blick wird zum Tunnelblick, die Vernunft wird abgeschaltet, blockiert. Gerade der Tunnelblick und das Abschalten der Vernunft sind hier gefährlich. Im Kopf war nur noch der Gedanke “schnell, schnell, eilige Flucht nach rechts in den Parkplatz”. Dadurch hat die Angsthäsin die Annäherung an das andere Auto übersehen.

Eine schöne Übung dagegen ist das laute Sprechen, über die eigene Nervosität, über weiteres Verhalten. Damit wird der Atem normalisiert, die Vernunft kehrt zurück. Wenn dazu noch geübt wird, ganz bewusst zu schauen, ist schon viel gewonnen: Der angstbedingte Tunnelblick löst sich, der Blick wird frei, Angst und Hektik werden milder. 

Wir haben dann immerhin wieder die Vernunft zurück gewonnen. Dennoch bleibt die Lage schlecht, weil der Parkplatz nur schwer zu erreichen ist.

Zur 3. Etappe: Fehlerkorrektur-Übung: Diese können wir am besten in einem Parkplatz auf einem Supermarkt durchführen (Bild, kommt). Wir stellen uns zwischen zwei dort vorwärts quer geparkte Autos, fahren vorwärts rein in die Parklücke. Und nun versuchen wir, von dort aus nach rückwärts rechts heraus zu fahren –   es geht nicht, immer geraten wir zu nah an das linke Auto. Wir schaffen es erst, wenn wir zuerst geradeaus nach rückwärts fahren und erst anschließend nach rechts lenken, wenn links neben uns freier Raum ist. Dann kommen wir allerdings nicht mehr so leicht in die Lücke am Fahrbahnrand.

Alternativen bleiben immer, beinahe in jeder Lage: Die Übung zeigt, dass der gewünschte Parkplatz in der Stau-Situation nur schwer erreichbar ist. Es gibt immer noch viele Möglichkeiten. Voraussetzung ist, dass wir uns beruhigen und den Verstand behalten. Wieder die Frage an die Teilnehmerinnen des Treffens: Was würden Sie jetzt tun??

Zur 4. Etappe: Angstsituation, Angstgedanken nach dem Unfall: Nach dem Unfall wird die Angsthäsin von schlimmen Angstgedanken heim gesucht: Sie sei unfähig fürs Autofahren, nächstes Mal würde sie womöglich einen Fußgänger anfahren, umwerfen, ihn dadurch schwer verletzen. Die Angstgedanken entstanden sicher auch durch die ständige negative Beeinflussung in der Familie. Diese lässt sich jedoch nicht mehr so schnell rückgängig machen. Die Angsthäsin kann sich vielleicht in Zukunft diese Beeinflussung für sich verbitten.  Aber wie gesagt – das wäre eher das Feld einer Familientherapie.

Mein Vorschlag: Das Programm zur Angstbewältigung. Ganz konkret können wir durch viele kleine Erfolgserlebnisse während der Betreuungsfahrten wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten aufbauen. Zu den Erfolgserlebnissen gehört auch der richtige Umgang mit belastenden Situationen, die Druck machen. Dieses Ziel hat das Programm zur Angstbewältigung, das ich hier anbiete.

Bei allem Missgeschick – Lob! Wir können mit dem Erfolgserlebnis gleich beginnen – ich meine den Blechunfall. Das erscheint merkwürdig. Dennoch: Auch bei dem missglückten Einparken hat die Angsthäsin etwas richtig gemacht: Sie war zwar wegen der Angst und der Angstreaktion auf der Flucht: Daher die verkrampften Muskeln, der Tunnelblick, das Abtauchen der Vernunft. Dennoch blieb noch soviel Restvernunft, dass sie nicht Vollgas gab, sondern ganz langsam fuhr. Damit hätte sie einen Fußgänger zwar leicht angeschubst, aber nicht umgeworfen oder verletzt.

Übrigens – auch ein Fußgänger trägt Verantwortung: Ein an dieser Stelle auftauchender  Fußgänger könnte und sollte den Unfall vermeiden: Er würde sich in einer Parklücke nicht so ohne weiteres von von der Angsthäsin anfahren lassen, sondern ausweichen oder laut werden. Nicht nur die Angsthäsin ist verantwortlich, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer sind in der Pflicht, für Sicherheit zu sorgen. Diese Regel nennen Juristen “das Prinzip der doppelten Sicherheit”. Viele Angsthäsinnen sind sozusagen beinahe “überverantwortlich”. Sie laden sich Pflichten für den gesamten Verkehr auf, zucken schon beim kleinsten Hupen zusammen: “Was habe ich getan”? Da ist es doch eine Beruhigung, wenn auch andere Verkehrsteilnehmer um einen herum auf Sicherheit achten und einen Fehler einfach so ausbügeln.

Elektronische Assistenzsysteme: Zahlreiche Assistenzsystem helfen, beim Rückwärtsfahren oder generell beim Rangieren an Engstellen Unfälle zu vermeiden. Es gibt Sensoren hinten, seitlich und vorne, die Alarm durch lautes Piepen schlagen, wenn wir uns einer Person oder einem Gegenstand zu sehr nähern. Bei der Annäherung an das Auto links mit nachfolgendem Blechunfall hätte der linke Sensor energisch Alarm geschlagen – kurzes Piepen zuerst – langes Dauerpiepen bei weiterer Annäherung. Eine elektronische Rückfahrkamera zeigt in vielen modernen Autos einen ausgedehnten Weitwinkelblick auf die Lage hinter dem Auto. Ja, eine elektronische Einparkhilfe würde signalisieren, dass das Einparken an einer geeigneten Stelle möglich ist und den eigentlichen Einparkvorgang übernehmen. Wahrscheinlich wäre gerade diese Stelle nicht geeignet. Nur, diese schönen Hilfen nützen nicht viel, wenn die Angsthäsin wegen Druck und Angst blockiert ist. Dann wäre das ständige und heftige Piepen nur lästig, es würde wie im Nebel verschwinden. In der Panik könnte sie sogar Gas und Bremse verwechseln.

Die Ängsthäsin müsste sich daher dringend erst einmal beruhigen. Dann würde sie die Signale der Assistenzsysteme schon als hilfreich wahrnehmen und beachten. 

3. Vom Land in die Großstadt – Angst vor dem dichten, schnellen Großstadtverkehr

Eine geübte Autofahrerin zieht mit ihrer Familie aus der ländlichen Gegend in die Großstadt um. Der Anblick des schnellen, dichten Verkehrs schreckt sie. Sie fürchtet sich angesichts wild flutender Automassen,  irreal handelndeer Fußgänger und Radfahrer unfähig, überfordert. Sie hat Angst davor, so wie die anderen im Verkehrsstrom mitzuschwimmen.

Schwieriger Fahrstreifenwechsel im Großstadtverkehr
Schwieriger Fahrstreifenwechsel im Großstadtverkehr. Der weiße Transporter vor uns steht in zweiter Reihe. Er taucht nach einer Kurve etwas unvermittelt vor uns auf. ´Hinter uns und links hinter uns dichter Verkehr. Was tun?

Drohen schwere Unfälle? Nach ihrem Gefühl drohen schwere Unfälle, wenn sie so wie hier im Bild mithalten und den Fahrstreifen wechseln muss. Bekannte fordern sie auf, sich “einfach ins Auto zu setzen und los zu fahren.” Das lehnt sie für sich ab, sie findet die Haltung der Bekannten leichtsinnig und verantwortungslos. Sie will  aber auch nicht mehr mit ihnen reden, sondern verschiebt die Lösung auf später. Dann bemerkt sie, dass aus dem “später” eine dauernde Vermeidung geworden ist.

Welche Hilfe ist hier möglich? Mein Kommentar zu der Geschichte

Angsthasenlogik – egal, was ich tue – es passiert immer was. Es war richtig, den Rat der Bekannten abzulehnen. Der Rat berücksichtigt in keiner Weise das Angstempfinden der Angsthäsin. Nun wollen wir uns aber mit der Not der Angsthäsin beschäftigen. Zur Veranschaulichung der Angst vor dem Großstadtverkehr zeige ich das vorige Bild dichten Verkehrs auf einer breiten Straße. Mitten in der Kurve parkt sogar ein Transporter in zweiter Reihe.

Ich frage die Anwesenden, was Sie hier wohl tun oder empfehlen würden: Die Antwort ist ziemlich einmütig: Angesichts des dichten Verkehrs und der “Überraschung”  durch den weißen Transporter am Ausgang der Kurve würden sie nicht nach links wechseln, sondern bremsen und stehen bleiben. Ein paar sind allerdings bedenklich, ob sich damit nicht ein Auffahrunfall ergeben würde. Der nachfolgende weiße Transporter fährt ja ziemlich nahe hinter uns. Sie plädieren dann doch besser für einen schnellen, aber auch gefährlichen Wechsel nach links.

Die Diskussion zeigt übrigens die Angsthasenlogik: Im Großstadtverkehr gibt es so viel Irrationales (wie diesen am Ausgang der Kurve geparkten Transporter), dass man kaum noch richtig reagieren kann. Zieht man trotz des dichten Verkehrs nach links rüber oder bremst man hinter dem Transporter – in beiden Fällen kann es zu einem Unfall kommen. Weil das alles so schlimm ist, wäre es doch besser, das Autofahren gleich ganz zu vermeiden?

Wir suchen nach Alternativen – Angsthasenfahrstil: Wie irral und gefährlich die Lage auch ist – wir finden immer eine gute Alternative. Wie soll diese hier gehen? Wir üben generell, vor schwer einsehbaren Kurven immer etwas langsamer zu fahren, Nicht “einfach so”, sondern mit Blick nach hinten, rechtzeitigem, vorsichtigem Bremsen. Fahren wir langsam, vorsichtig in die Kurve hinein, entdecken wir den fahrlässig geparkten Transporter rechtzeitig, können mit Überlegung und sicher darauf reagieren, nämlich bremsen und anhalten. Nichts passiert, außer, dass hinter uns ein kleiner Stau entsteht, der eine oder andere hupt. Nur, wenn wir langsamer fahren, vorsichtig, bleibt uns die Zeit, zu überlegen und darauf das Richtige zu tun, nämlich anzuhalten. Das nenne ich den Angsthasenfahrstil – der fünfte Schritt aus dem Ratgeber zur Angstbewältigung am Steuer.

Drängler behindern? Mit dem Angsthasenfahrstil, so die Angst der Angsthäsinnen, kann es zu Drängeleien kommen. Sie scheuen es, andere zu behindern. Und hier liegt der Kern der Sache.

Behindern ist schlimm! Nur, wenn wir langsamer fahren, behalten wir in dieser Situation letztlich die Kontrolle. Dafür müssen wir andere (Drängler) eventuell behindern. Was fällt daran schwer? Die Angsthäsinnen schämen sich, dass sie nicht mithalten können, dass sie sich umständlich, übervorsichtig, langsam verhalten, kurzum, auf peinliche Weise auffällig werden.

Aus Angst vor Behinderung fahren die Angsthäsinnen daher oft schnell, zu schnell. Damit können sie aber Informationen nicht mehr rechtzeitig bewerten, geraten in einen Zustand der Überforderung. Entscheidungen sind dann nicht mehr wohlüberlegt, sondern zufällig. Das vergrößert die Angst immer mehr. 

Behindern ist sehr schlimm! Sprechen wir diese Haltung und Angstgedanken nicht vorher an, dann verhalten sie sich womöglich völlig anders, als vorher abgesprochen: Sie bremsen eher nicht ab in der Kurve. Beim überraschenden Auftauchen des Transporters kommt es zu einer überhasteten Aktion: Sie ziehen mitten in der Kurve nach links, ohne Einsicht und Übersicht. Die links daneben Fahrenden, erschreckt, machen dann gerade noch Platz, vielleicht wird auch gehupt. Zurück bleibt eine ratlose, noch mehr verängstigte Angsthäsin, denn die Entscheidung zum Fahrstreifenwechsel war vernunftlos, ohne Übersicht, einzig vom irrealen Wunsch gesteuert, nicht zu behindern.

Wie wollen ein bisschen behindern: Wir dagegen üben nun gründlich, die Kontrolle zu behalten, notfalls auch zu behindern. Zunächst einmal üben wir den Fahrstreifenwechsel – am besten in einer ruhigen, etwas breiteren Straße. Ruhig heißt, dass diese Straße mit max. 30 ausgeschildert ist. Das gibt es schon, beispielsweise aus Gründen des Umweltschutzes. Wichtig ist auch, dass die Straßenführung gerade ist, um Hindernisse rechtzeitig zu entdecken. Wir fahren rechts.

Schule im Behindern: Fährt im linken Fahrstreifen neben uns Verkehr und taucht vor uns ein Zweiter-Reihe-Parker auf, dann schauen wir uns alles an, kommentieren die Lage laut und – so ist es abgesprochen! – bremsen auf jeden Fall, vorsichtig, halten hinter dem Hindernis an! Diese Lösung ist rational, niemand wird zu doll behindert (der Zweite-Reihe-Parker, hinter dem wir stehen, behindert sowieso schon), wir sind sicher. Das bisschen Behindern schadet gar nichts, die hinter uns Fahrenden und Stehenden machen sich sofort aus dem Staube. So lernen wir, zu behindern. Was für ein Segen, denn wir können damit eine vollkommen rationale Entscheidung treffen, behalten die Kontrolle.

Varianten im Behindern: Als nächsten Schritt nehmen wir uns vor, vor dem Hindernis nach links zu ziehen, aber nur, wenn dort vollkommen frei ist. Als übernächsten Schritt, wenn links zwar jemand kommt, aber noch einigermaßen entfernt ist. Usw. Dann ein ganz schwerer Schritt: Links zu schauen und zu blinken, wenn andere schon nah sind; dann zu entscheiden, auch wenn der andere mit Lichthupe lockt, nicht nach links zu ziehen, sondern eher hinter dem Transporter zu bleiben. Das ist besonders schwer, denn wir behindern den anderen durch unsere Wechsel-Bitte ja kurz, schlagen aber sein lieb gemeintes Angebot aus. Denn wir fühlen uns durch seine Nähe doch nicht so sicher. Hier sind viele Varianten möglich und nötig.

Wichtig ist vor allem, den freien Blick zu behalten, rational und ruhig zu entscheiden. Und im Zweifel gerne mal zu behindern. 

4. Panik auf der Autobahn

Ein junger Mann sieht sich beruflichem Stress ausgesetzt. Er fühlt keinen richtigen Ausweg. Mit seinem Auto auf der Autobahn unterwegs, erleidet er ohne Vorwarnung bei Tempo 150 eine Panikattacke. Das Herz klopft wie wild, er sieht nur noch unscharf, fühlt sich verkrampft und schweißbedeckt, hat das Gefühl, neben sich, ohne Kontrolle, zu sein. Er bremst ab, schleppt sich langsam fahrend bis zur nächsten Ausfahrt. Der Vorfall beschäftigt ihn sehr, viele Wochen fährt er nicht mehr Autobahn. Dann probiert er es doch wieder. Lange Zeit passiert nichts, dann schlägt die Panik wieder zu, mit voller Kraft, dieses Mal in einem Autobahntunnel. Nicht einmal ein Seitenstreifen ist vorhanden. Irgendwie schleppt er sich mit langsamem Tempo bis zur nächsten Ausfahrt.

Autobahn, Tunnel
Autobahn, Tunnel. Für Autobahnpaniker ist ein Tunnel oft angstauslösend. Denn man ist sozusagen eingesperrt, kann nicht raus, die Seitenstreifen sind schmal oder gar nicht vorhanden (hier  zu sehen: schmal. Man würde bei einem Nothalt mit dem Auto links über den Seitenstreifen in den normalen Fahrstreifen ragen), der übrige Verkehr ist am Drängeln. Sehr gefährlich. Und das weist auf die Einstellung der Autobahnpaniker zur Autobahn: Die Autobahn ist für die Paniker ein gefährlicher Ort, denn sie können, wenn die Panik kommt, nicht so ohne weiteres anhalten.

Von Angst vor einer weiteren Panik gepeinigt, beschließt er, nie wieder auf die Autobahn zu fahren. Doch inzwischen merkt er, dass auch auf Bundesstraßen Panik droht. So beschränkt er sich beim Fahren auf Fahrten innerhalb der Großstadt.

5. Prüfungsangst

Eine Fahrschülerin steht kurz vor der praktischen Prüfung, ist leider sehr nervös. Die Eltern und ihre Freunde, erwarten viel von ihr, glauben, bei ihren Fähigkeiten sei die Prüfung leicht für sie. Doch sie hält die Anforderungen für sehr hoch, traut sich wenig zu. Bei der Ausbildung hat sie ihr Fahrlehrer ein paar Mal hart kritisiert. Sicher gut gemeint, sie fand die Kritik jedoch niederschmetternd.

Beim Kennenlernen des Prüfers auf dem Hof der Prüfstelle bringt sie kaum einen Ton heraus. Die Abfahrt erfolgt holprig, mit zitterndem Bein würgt sie mehrmals den Motor ab. Der Prüfer erkennt ihre Not, möchte ihr helfen und weist ihr eine ganz lange Parklücke als Einparkaufgabe zu. Sie schafft die Lücke nicht, ist nur noch ein Nervenbündel, ihr Gehirn fühlt sich leer an, alle Abläufe beim Parken sind weg.

Die Parklücke so lang – da sollte die Kandidatin doch reinkommen??

Nach dem Schock empfiehlt der Fahrlehrer fleißiges Üben, besonders das Parken. Doch bei der nächsten Prüfung packt sie wieder der Blackout (stressbedingter Gedächtnisverlust), dieses Mal in einer anderen Situation, beim Abbiegen nach rechts. Dort übersieht sie  einen Radfahrer. Nach der dritten, erfolglosen Prüfung mit hoher Nervosität hört sie schließlich auf und beschließt: “Nie wieder Prüfung!”

Was hilft gegen die Angst hinterm Steuer? Das Autofahren zu vermeiden ist keine Lösung

All diesen Ängsten beim Autofahren ist gemein:

  • Vorgeschichte:
    Sie haben eine lange Vorgeschichte, Familie, Schule oder Fahrschule spielen eine Rolle

  • Intensität:
    Sie plagen die Betroffenen sehr stark

  • Vermeidung:
    Sie führen bei den Betroffenen zum Schluss, das Autofahren, das so viel Angst und Schrecken mit sich bringt, zu meiden, oder zumindest in wichtigen Teilbereichen zu meiden (so bei dem jungen Mann mit Panik auf der Autobahn). Bei manchen dauert die Zeit der Vermeidung 20 Jahre und mehr!

Fahrvermeidung schafft zwar momentan Erleichterung, löst aber die Probleme nicht, sondern verschlimmert sie auf die Dauer eher. Was auch immer schlechter geht, ist der Umgang mit dem Auto und dem Verkehr. Zum Trost: Dennoch bleiben gewisse Grundfähigkeiten erhalten, auf die wir zu Beginn zurück greifen können. So wie jemand grundsätzlich das Radfahren gelernt hat. Das Balancehalten lässt sich nicht so einfach wieder verlernen, das bleibt. Oder ein anderes Beispiel: Das Schwimmen.

Lebenswende – so geht es nicht weiter: Ich gehe mit meiner Angst um, lerne wieder, stressfrei Auto zu fahren

Viele Betroffene bleiben aber Gott sei Dank nicht in diesem für sie selbst unfruchtbaren Zustand hängen. Sie erleben nach einiger Zeit eine richtige Lebenswende. Anstoß bietet oft eine neue berufliche oder familiäre Herausforderung. Oder schlicht und einfach die immer drängendere Frage: Ist es richtig, das ich mich  so von diesen Zwängen unter Druck setzen und einschränken lasse? Wäre es nicht schöner, wenn ich meine persönliche Freiheit wieder gewinnen und fahren würde, wann und wo ich möchte?

Und sie suchen dann im Internet oder im Gespräch mit anderen Betroffenen nach fachlicher Hilfe.

Welche Hilfen kann Ihnen die Angsthasenfahrschule bieten?

Wir empfehlen Ihnen, sich einen Ratgeber für Ihre Situation zu besorgen, in dem auf Ihre Probleme beim Fahren eingegangen wird.

Ratgeber “Keine Angst mehr hinterm Steuer”

Mit dem Ratgeber allein ist es nicht getan, Sie brauchen Unterstützung beim Fahren und bei der Bewältigung Ihrer Ängste. Zuerst im Fahrschulwagen, dann in Ihrem eigenen Wagen. Dabei hilft Ihnen die Angsthasenfahrschule.

Autoangst, Verkehrsangst, Unfallangst: Die zuerst beschriebenen Ängste beziehen sich eher auf besondere Situationen. Es sind spezielle Ängste (Angst vor dem Auto, vor dem Stadtverkehr, Angst vor Unfall). Daher sind sie mit kompetenter Hilfe ganz gut zu bewältigen. Dazu zählt aufgrund ihrer praktischen Erfahrung die Angsthasenfahrschule.

Panik auf der Autobahn, Prüfungsangst: Die nachfolgend beschriebenen Ängste kommen manchmal auch in in vielen anderen Lebensbereichen vor. Panik kann sich nicht nur auf der Autobahn, sondern beispielsweise auch im Aufzug oder im Supermarkt ereignen. Prüfungsangst ist eine soziale Angst. Die Betroffenen fürchten sich nicht nur während der Prüfung, sondern in anderer sozialer Umgebung vor Bewertung und Abwertung. Solche eher allgemeinen Ängste gehen oft tiefer und bedürfen zu ihrer Bewältigung oft eines Therapeuten.

Die Betroffenen wissen oft selbst am besten, ob sie eine Therapie brauchen. Diese Frage steht auch immer am Anfang der persönlichen Befragung während der ersten Betreuungsstunde. Auch, wenn die Betroffenen eine Therapie benötigen, ist die Einschaltung der Angsthasenfahrschule hilfreich, wenn es um die praktische Konfrontation mit den Ängsten geht. Seien es die Panikattacken auf der Autobahn, hier sind Angsthasenfahrlehrer in der Lage, im Fahrschulwagen für die Sicherheit und die Entspannung beim Aufkommen der Panik zu sorgen. Oder sei es bei Prüfungsangst. Hier sind Angsthasenfahrlehrer bei der Vorbereitung auf die Fahrprüfung gar nicht zu ersetzen.

Die sieben Schritte zur Bewältigung der Fahrängste

Wir haben nach langer Diskussion und gestützt auf viele Erfahrungsberichte sieben Schritte zur Bewältigung der Fahrangst entwickelt. Diese haben wir in unserem Ratgeber “F. Müller, H.J. Ruhr: Keine Angst mehr hinterm Steuer” ausführlich an vielen Beispielen dargestellt. Eine Erläuterung der sieben Schritte mit vielen Beispielen finden Sie in dem Artikel “Bewältigen Sie Ihre Fahrangst in sieben Schritten” auf dieser Homepage. Jeder einzelne der sieben Schritte bezieht sich immer auf die Umsetzung beim praktischen Fahren. Beispiel Entspannungsübungen: Alle Entspannungsübungen, die wir mit Ihnen trainieren, sind fahrtauglich.

Die sieben Schritte sind folgende:

  1. Ängste vor dem Autofahren ernst nehmen
  2. Ängste laut benennen. Extreme körperliche Symptome durch geeignete Entspannungsübungen mildern
  3. Blockierende Gedanken auflösen
  4. Fahrfähigkeiten wieder auffrischen
  5. Angsthasenfahrstil pflegen
  6. Das Vermeiden vermeiden. In angstauslösende Situationen fahren 
  7. Selbständiges Fahren.

Bleiben Sie dran!

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