Einparken rückwärts rechts, längs zum Bordstein: Abläufe kennen lernen, sich beruhigen

Einparken rückwärts rechts seitlich oder längs zum Bordstein. Schemazeichnungen
Einparken rückwärts rechts seitlich oder längs zum Bordstein. Schemazeichnung

„Beim Einparken tue ich mich schwer. Ich meine besonders das Einparken rückwärts am Bordstein. Das ist kompliziert. Ich fühle mich unter Druck, vor allem, wenn andere mich beobachten. Ich fürchte, ich schaffe es nicht. Oder noch schlimmer, ich übersehe etwas.“
(Angsthäsin kurz vor der Einpark-Übung.)

Vorwärts einparken ist leichter, rückwärts einparken schwieriger. Lohn der Mühe: Wir kommen beim Einparken rückwärts besser in eine kleinere Lücke.  Zwei wichtige Fragen, für die ich Ihnen hier Lösungen anbiete:
1) Wie kommen wir effektiv, gekonnt in die kleinere Lücke hinein?
2) Wie können wir uns beim Einparken rückwärts beruhigen, so dass wir unseren Verstand bewahren, korrekt und sicher in die Parklücke kommen?
Hier erfahren Sie die wichtigsten Abläufe beim Längseinparken. Damit knüpfe ich an den Fahrschulunterricht an. Doch ist auch einiges neu, vor allem sollten Sie sich regelmäßig beim Einparken beruhigen.

Inhalt

  1. Einleitung
  2. Einparken rückwärts längs oder seitlich zum Bordstein –
    kurzer Überblick in sechs Schritten
  3. Einparken rückwärts längs –
    ausführlicher Überblick mit Bildern
  4. Elektronische Assistenzsysteme helfen beim Einparken
  5. Aufgaben für Sie
  6. Links zum Längseinparken

1. Einleitung

Für wen ist der Beitrag gedacht? 
Im Beitrag geht es  um die manchmal etwas komplizierten Routinen beim Einparken rückwärts längs zum Bordstein. Wichtig ist in diesem Zusammenhang der Umgang mit den Einpark-Ängsten, an denen viele der Betroffenen leiden. Beruhigung steht an erster Stelle. Gedacht ist der Beitrag vor allem für Prüfungsängstliche oder für Ängstliche im Großstadtverkehr. Paniker/innen, die aktiv weiter mit dem Auto fahren – außer auf der Autobahn -, benötigen den Beitrag nicht. Sie parken wunderbar und ohne Ängste ein.

Vorteile, rückwärts rechts seitlich oder längs zum Bordstein zu parken
Diese Art rückwärts rechts längs zum Bordstein einzuparken ist mit die häufigste im Stadtverkehr. Sie bietet Vorteile: Der Verkehr wird nicht so behindert wie beim Einparken quer zum fließenden Verkehr. Und wir kommen wieder sicher heraus aus der Lücke, weil wir beim Ausparken gut nach hinten schauen können. Die erforderlichen Lücken brauchen nicht so groß zu sein wie beispielsweise beim Einparken vorwärts rechts, seitlich zum Bordstein. Nachteile sind zweifellos die etwas kompliziertere Handhabung des Autos beim Einparken rückwärts rechts seitlich, bis es endlich korrekt in der Lücke steht. Das schreckt vor allem und leider unsere Angsthäsinnen ab. Sie fürchten nicht nur das das Komplizierte am Längseinparken rückwärts rechts, sondern die damit einhergehende Behinderung anderer. Dann folgen  Angstgedanken wie „ich kann es nicht, ich behindere andere schwer, ich kann es nicht“. Der Aufregung könnte womöglich Fehlverhalten und ein Schaden folgen.

Verschiedene Möglichkeiten, längs/ seitlich einzuparken
Weil diese Art, einzuparken – rückwärts, rechts, seitlich  oder längs zum Bordstein – so oft vorkommt, auch hier im Text, nenne ich sie der Abkürzung halber auch „Längseinparken“ oder Einparken längs“.
Zum Längseinparken gibt es einige Varianten:
In einer Einbahnstraße können Sie nicht nur rechts, sondern auch rückwärts links, aber auch vorwärts links einparken. Beim Einparken rückwärts oder vorwärts links erfolgen alle Handlungsschritte spiegelbildlich zum Einparken rechts. Eine weitere Variante wäre das Einparken mit rechten oder linken Rädern oder gar allen Rädern auf dem Bordstein. Diese Varianten behandle ich hier nicht weiter, es sind Spezialfälle. Sie setzen immer auch die normalen Fähigkeiten einzuparken voraus.

Einbahnstraße, Pkw parken links und rechts in Fahrtrichtung. Auf der linken Seite wird durch das kleine blaue Zeichen angeordnet, mit den linken Rädern auf dem Bordstein zu stehen. Dies gilt nur für die Pkw links. Der Bordstein ist an dieser Stelle niedrig, so dass ein '"Erklettern" mit den Reifen gut möglich ist. Der schwarze Pkw auf der rechten Seite parkt nicht ganz korrekt. Er steht mit den rechten Rädern auf dem Bordstein, obwohl dort ein entsprechendes Schild wie auf der linken Seite fehlt. Für alle gilt das größere Schild Parken erlaubt, allerdings mit Einschränkungen: Nur mit Parkschein, oder mit Anwohnerparkausweis, in einer bestimmten Zeit. Außerhalb dieser Zeit darf ohne Parkschein oder Anwohnerparkausweis geparkt werden.
Verschieden Möglichkeiten, einzuparken, Einbahnstraße. Pkw parken links und rechts in Fahrtrichtung. Es darf vorwärts, aber auch rückwärts eingeparkt werden, wenn der angestrebte Parkplatz in der Einbahnstraße in der Nähe liegt. Auf der linken Seite wird durch das kleine blaue Zeichen angeordnet, mit den linken Rädern auf dem Bordstein zu stehen. Dies gilt nur für die Pkw links. Der Bordstein ist an dieser Stelle niedrig, so dass ein ‚“Erklettern“ mit den Reifen gut möglich ist. Bitte an dieser Stelle dennoch sehr langsam und gefühlvoll fahren! Der schwarze Pkw auf der rechten Seite parkt nicht ganz korrekt. Er steht mit den rechten Rädern auf dem Bordstein, obwohl dort ein entsprechendes Schild wie auf der linken Seite fehlt. Für alle gilt das größere Schild Parken erlaubt, allerdings mit Einschränkungen: Nur mit Parkschein, oder mit Anwohnerparkausweis, in einer bestimmten Zeit. Außerhalb dieser Zeit darf ohne Parkschein oder Anwohnerparkausweis geparkt werden.

 

Angsthäsinnen lieben das vorwärts Einparken
Warum lieben Angsthäsinnen das Einparken vorwärts? Das Einparken vorwärts rechts – vorausgesetzt die Lücke ist groß – geht einigermaßen fix, denn wir fahren direkt mit mehreren leichten Schwenks in die Lücke hinein. Wir können gut schauen, die Angsthäsin am Steuer kann sich dem nachdrückenden Verkehr leicht entziehen. Und das ist für alle Angsthäsinnen der wichtigste Grund, solche Lücken aufzusuchen. Die Betroffenen fahren daher lieber weit und weiter, um eine „schöne“ Lücke fürs vorwärts Einparken zu finden.  Jedoch bleiben gravierende Nachteile.
Eine Angsthäsin hat mir dazu folgende Geschichte erzählt:
Auf der Suche nach dem Riesenparkplatz
Die Angsthäsin hatte den Wagen vor dem Supermarkt gut beladen, Jetzt wollte sie mit ihren Einkäufen nach Hause fahren. Sie wusste, dass sie zum Einparken eine Riesenlücke benötigte, denn sie wollte unbedingt vorwärts einparken. Doch in ihrer Wohnstraße gab es nur zwei kurze Lücken. Dort wäre sie rückwärts rein gekommen, doch das traute sie sich nicht.  Verzweifelt fuhr sie weiter und weiter. Schließlich fand sie weit entfernt den ersehnten Riesen-Parkplatz, musste dann mit den vielen Einkäufen den harten Rückweg antreten. Sie hoffte, dass der Nachbar sie nicht sehen würde. Zum Glück geschah es nicht.

Die beiden kurzen Parklücken waren immer noch da.

Konfrontieren ist gut
Natürlich üben wir auch das Längseinparken vorwärts. Wir sollten uns aber vor allem in die beängstigende Situation begeben, nämlich das hier behandelte Einparken rückwärts längs üben, in seiner etwaigen Kompliziertheit und Behinderung anderer, weil es halt bei uns ein bisschen langsamer geht/ fährt. Wir setzen uns dem belastenden Druck aus und lernen so, mit unserer Aufregung umzugehen. Das Konfrontieren mit der belastenden Situation ist ein wichtiger Teil der Betreuung. Es entstehen Ängste, es klappt nicht gleich, wir machen Fehler, die Aufregung steigt. Doch wir probieren immer wieder und erlernen dabei die Angstmilderung. Das ist der beste Weg!

Der Wunschtraum aller Angsthäsinnen: Die 90-Grad-Lenkung
Der größte Wunschtraum sind riesengroße Lücken . Der weitere Wunschraum: Alle Räder sind stark lenkbar, bis zu 90 Grad. Dann wäre das Einparken so leicht.   Jetzt ist es so: Die Vorderräder der Pkw sind lenkbar, die Hinterräder nicht. Würde man zusätzlich auch die Hinterräder lenkbar machen, und beide,  Vorder- und Hinterräder, bis zu 90 Grad, also quer zur Fahrtrichtung, lenken können, dann wäre ein Wunschtraum aller Angsthäsinnen erfüllt: Wir stellen uns genau neben die Parklücke, drehen alle Räder nach rechts auf 90 Grad und fahren dann in aller Ruhe nach rechts seitwärts in die Parklücke hinein. Die Parklücke könnte dabei sogar ziemlich klein sein. Gerade mal ein bisschen länger als unser Auto. Bedingung: Alle Autos wären so lenkbar. Wie einfach!  Ein schöner Traum. Aber technisch wäre die 90-Grad-Lenkung wahrscheinlich zu aufwendig.

Nur die Vorderräder sind lenkbar, die Hinterräder nicht
Unsere Autos sind leider nicht so gebaut. Sie sind vorne einigermaßen lenkbar, hinten nicht lenkbar (bis auf ein paar Ausnahmen, Radlader auf dem Bau). Also müssen wir mit dem Kompromiss leben – Vorderräder einigermaßen lenkbar, Hinterräder nicht. So kommen wir auch in die meisten Lücken hinein, aber rückwärts. Das macht die Sache komplizierter, stimmt.

Vorwärts in die enge Lücke einparken – das bringt es nicht
Würden wir vorwärts in eine enge Lücke rein fahren wollen, müssten wir scheitern: Wir kämen zwar mit unseren lenkbaren Vorderrädern rein in die Lücke, bis zum Bordstein. Dort angekommen, mit dem rechten Vorderrad am Bordstein, stehen wir leider mit unserem Wagen schräg in der Lücke. Wir müssten, um den Wagen wieder zu begradigen,  weg lenken, weg vom Bordstein, nach links. Die starren Hinterräder würden im engen Bogen mitlaufen, schließlich stünde der Wagen halb nach links gelenkt, weit weg vom Bordstein, und mit dem Heck immer noch halb aus der Parklücke ragend.  Nicht schön, ein deutliches Hindernis im Verkehr. Weiter voran würde es nicht gehen, da stünde der vordere Wagen im Wege. Wir sind ja in einer engen Parklücke. Und wir wären nicht nur ein Verkehrshindernis. Wir würden beim wieder Herausfahren rückwärts aus der Lücke ganz schlecht nach hinten beobachten können. Also lieber nicht so!
Zum Einparken vorwärts rechts seitlich brauchen wir leider richtig viel Platz, so um 8 bis 10 m.
Große Lücke – vorwärts?
Ist die Lücke richtig groß, dann geht es mit dem vorwärts Einparken schon besser, dennoch läuft es wegen der nicht lenkbaren Hinterachse umständlich. Wir lenken in die Lücke hinein, die Hinterachse läuft im engeren Bogen ein bisschen nach. Zum Ausgleich lenken wir, am Bordstein angekommen, nach links. Dadurch bewegt sich das Auto, wie vorher beschrieben, nach links, weg vom Bordstein. Dahin wollten wir ja eigentlich nicht, sondern nach rechts. Daher lenken wir nun beim weiteren Fahren wieder nach rechts, dann nach links  – das dauert, erfordert viel Platz. Aber schließlich klappt es auch so. Nach einigem Lenken hin und her sind wir tatsächlich neben dem Bordstein. Platzbedarf: 8 – 10 m.

Rückwärts läuft es immer
Rückwärts dagegen kommen wir gut in die enge Lücke. Durch das Rückwärtsfahren schieben wir die störrische, nicht lenkbare Hinterachse im engen Bogen vor uns her, befördern sie durch heftige Schwenks mit der lenkbaren Vorderachse in einem Doppelbogen dorthin, wohin sie soll, nämlich Richtung Bordstein, und schließlich parallel zum Bordstein. Damit und gleichzeitig schwenkt auch die Vorderachse parallel zum Bordstein.
Die heftig schwenkende, rückwärts laufende Vorderachse und die starre, im engen Bogen voraus laufende Hinterachse vollbringen hier beim Rückwärtsfahren ihr großes Werk – rückwärts einzuparken in die enge Lücke.
Ja, und die Angsthäsin am Steuer leitet das große Werk. Glückwunsch!
Diese Art einzuparken verlangt das Zusammenspiel mehrerer Routinen – das langsame Fahren, das rückwärts Fahren und Lenken nach Ziel, das Fahren nach einem bestimmten Plan im Kopf, das ständige Umschauen beim Fahren. Diese Routinen sollten wir in ihrem Zusammenspiel beim Einparken schon gut beherrschen.
Bitte freuen Sie sich auf die Übungen zum Einparken rückwärts. Sie stärken Ihre Kompetenz. Wenn mal ein Fehler passiert – egal, Sie lernen zu korrigieren. Das gehört einfach dazu!

Warum die Aufregung?
Es stimmt, die Abläufe sind beim Einparken rückwärts rechts längs etwas komplizierter. Die Abläufe sollten wir natürlich gut beherrschen. Leider kommen  „hausgemachte“, eigene Angst und Nervosität dazu. Sie behindern und stören den an sich gut zu beherrschenden Vorgang. Dann das arme Menschlein am Steuer die Kompliziertheit des Vorgangs, fürchtet Unvermögen, Aufregung, Durcheinander, im schlimmsten Fall einen Unfall.  Denn in der Aufregung, so die Furcht, könnten wir vielleicht einen Fußgänger übersehen?? Wir sollten daher doppelt lernen: a) Die Abläufe beim Einparken, und b) den Umgang mit unserer Aufregung beim Einparken, das heißt die notwendige Beruhigung. Dann lassen wir uns nicht hetzen, behalten die Ruhe und sehen auch den Fußgänger. Letztlich fahren wir mit der Beruhigung nicht nur besser, sondern auch sicher.

Aufregung mildern, sich beruhigen
Eine Angsthäsin kurz vorm Einparken leidet an heftiger Angst und Aufregung. Sie atmet zu schnell, spürt Herzklopfen, Bein- und Armmuskeln krampfen, die Konzentration ist weg, die Abläufe beim Einparken im Nebel – Blackout! So kann sie nicht einparken, Fehlverhalten droht. Sie fühlt sich von Angstgedanken bedroht („in der Eile übersehe ich etwas, gleich fahre ich einen Fußgänger an“). Wie oder wo sollen wir da anfangen? Natürlich biete ich als anwesender Angsthasenfahrlehrer Schutz, dass nichts passiert. So soll es auch sein. Doch die Angstgedanken stören auch dabei, denn sie flüstern: „Warte, wenn Du mal alleine bist!“ Um all diese Vorgänge wieder besser zu kontrollieren, fangen wir von vorne an – mit der Selbstbeobachtung und der lauten Mitteilung.
Die Angsthäsin lernt natürlich die Abläufe beim Einparken kennen. Was ihre Aufregung und Angst angeht, so sollte sie zuerst lernen, sich selbst zu beobachten und darüber laut Mitteilung zu machen, in Zahlen, die die Höhe der Nervosität ausdrücken: „Ich bin jetzt bei 5!“ Diese Art der Beobachtung ist sehr wertvoll. Denn die Angsthäsin aktiviert damit ihren Verstand, da sie objektiv über ihre Angst spricht. Zweitens wird sie wegen des lauten Sprechens langsamer atmen und sich schon deshalb beruhigen. Und drittens teil sie mir als teilnehmendem Angsthasenfahrlehrer ihren Zustand mit. Wir könnten dann gemeinsam eine Maßnahme beschließen: Beispielsweise aufzuhören mit dem Einparken, auszusteigen und sich ein bisschen zu lockern.
Wir beobachten die Höhe unserer Nervosität. Wir sprechen laut darüber, auf einer Skala von 1 – 10. So steigen wir ein in die Milderung der Angst.

Angstgedanken
Was tun wir nun mit den sehr störenden Angstgedanken („das Einparken ist schwierig, ich übersehe etwas, beschädige das andere Auto, dann schauen mich die anderen böse an. Das nächste Mal übersehe ich womöglich einen Fußgänger!“)?  Die erste Idee wäre, „Stopp!“ zu solchen sehr irritierenden, sehr ablenkenden Gedanken zu sagen oder sie sogar mit Anstrengung aus dem Kopf zu verbannen. Leider hilft die heftige Art, gegen die Angstgedanken vorzugehen, wahrscheinlich wenig. Sie kommen wieder, gerade dann, wenn wir sie sehr hartnäckig los werden wollen. Die Hartnäckigkeit ist hier sozusagen Garant für die Wiederkehr. Ich würde ein Achtsamkeitstraining empfehlen. Dabei lernen wir gerade, alle Gedanken durchfließen zu lassen und uns z.B. auf eine wichtige körperliche Sache, das Atmen, zu konzentrieren. Wir kämpfen nicht an gegen die Angstgedanken, wir lassen sie einfach durchwehen. Eine andere Möglichkeit wäre, in der Bedrängnis durch die Angstgedanken an einen gekonnten Einparkversuch mit Lockerheit und gutem Gefühl zu denken. Solche guten Abläufe sollten wir nicht gleich vergessen, sondern in einer besonderen Schublade im Gehirn für diese Zwecke parat halten. Sind die Angstgedanken immer noch sehr hartnäckig, dann könnte die Angsthäsin ihnen „versprechen“, sich nicht gerade jetzt, aber vielleicht heute Abend genau 15 Min. mit ihnen zu beschäftigen. Wir machen sozusagen einen kleinen Handel. Dafür dürfen sie aber momentan nicht quälen.
Die Angstgedanken sollten wegwehen, Sie dürfen uns nicht quälen und die Konzentration rauben!

Der Ratgeber „Keine Angst mehr hinterm Steuer“
Wir bieten mit unserem Ratgeber „Keine Angst mehr hinterm Steuer“ viele, insgesamt sieben Möglichkeiten an, Angst und Aufregung zu mildern. Es geht von den heftigen, blockierenden Symptomen, über belastende Angstgedanken bis zum Fehlverhalten infolge der Aufregung. Sie lernen vor allem, zu Anfang sich selbst zu beobachten, den Stand Ihrer Nervosität einzuschätzen und Ihrem Angsthasenfahrlehrer laut mitzuteilen. Beachten Sie, dass wir bei den nötigen Schritten zum Einparken immer auch auf Pausen verweisen. Wir empfehlen diese dringend. Hier sollten Sie sich beruhigen, bewusst atmen, ein bisschen um sich schauen, laut über Ihre weiteren Pläne sprechen.

„Ich möchte nur in ganz kleinen Lücken üben!“
Eine Angsthäsin mit Angst vor dem Einparken  fordert von mir, die Parkübungen gleich mit sehr kleinen Lücken zu beginnen. Sie hätte ihren vorigen Fahrlehrer verlassen, weil dieser zuerst mit großen Lücken begonnen habe. Ich muss schmunzeln und weise darauf hin, dass ich genauso verfahre. Ich beginne grundsätzlich mit großen Lücken. Hoffentlich bleibe sie dennoch bei mir.
Mit der Belastung dürfen wir es nicht übertreiben. Viele Angsthäsinnen wissen um ihre Schwäche und fordern nun gleich zu Anfang, in möglichst kurze Lücken hinein zu parken. Dies wird aber bei den nur halbwegs Geübten nicht klappen, mit Enttäuschung oder gar Frustration enden. Am  Schluss steigen vielleicht die Ängste und Selbstzweifel. Als Angsthasenfahrlehrer rate ich vor derlei überzogenen Ansprüchen an sich selbst ab. Ich helfe, die notwendige Balance herzustellen, zwischen Belastung und Entspannung, so dass die Stunden mit einem guten Ergebnis enden. Zu Anfang empfehle ich immer, Lücken zu suchen mit einer Länge von ca. 6 m, also 1 1/2 Autolängen.
Wieder andere sind die Einschätzung der nötigen Räume überhaupt nicht gewohnt. Regelmäßig  geht die Schätzung komplett daneben, werden statt der eigentlich nötigen 6 m Werte um ca. 4 m gewählt. Um dabei sicherer zu werden, empfehle ich dringend, die entsprechende Aufgabe am Schluss des Beitrags zu üben. Auch das Einschätzen der Räume kann und sollte man lernen!
Kein falscher, überzogener Ehrgeiz! Sonst steigen wieder Angst und Nervosität. Wir gehen in neue, heraus fordernde Situationen hinein – aber nur soweit, dass wir sie lösen können. 

Mit Fehlern umgehen
Viele Betroffene sind beinahe am Boden zerstört, wenn sie beim Einparken „nicht gleich“ in die Lücke hinein kommen. Sie verzweifeln an sich, fürchten auch für später möglichen Druck oder hämische Blicke anderer. Dies ist ein willkommener Anlass, gerade mit Fehlern und zerstörerischen Gedanken umzugehen, sich auf Fehler einzulassen und ganz bewusst auch Fehlstellungen beim Einparken zu suchen. Ja, wir parken bewusst falsch ein, drehen das Lenkrad verkehrt oder gar nicht, so dass sich unmögliche Falschstellungen ergeben. Und nun wird nicht geschimpft und gejammert, sondern mit Eifer auf die richtige Parkstellung hin korrigiert. Der Lohn der Mühe, Fehler zu korrigieren: Wir werden gleichmütiger, Fehler gehören halt irgendwie mit dazu. Und die Ängste in einem der entscheidenden Punkte  werden milder.
Für mich gehört das ganz bewusste Training „Falscheinparken“ und Üben der anschließenden Korrektur zum ganz normalen Programm. Ja, den meisten macht das Verbessern der Fehlstellung am Schluss sogar Spaß.
Lernen Sie, Fehler und das Verbessern der Fehler zu lieben. Damit verlieren Sie einen Großteil der Angst. Schließlich finden Sie sogar Freude an der Fehlerkorrektur!

Assistenzsysteme können beim Einparken helfen
Ein kurzes Kapitel möchte ich den elektronischen Assistenzsystemen widmen. Denn sie können Ihnen beim Einparken helfen. Schon bei der Suche eines geeigneten Parkplatzes bis zur eigentlichen Fahrt in Parklücke hinein. Viele Angsthäsinnen lehnen diese Systeme ab, sie wollen das Parken oder anderes Verhalten im Straßenverkehr allein entscheiden und selbst ausführen. Das kann ich verstehen. Die Verantwortung bleibt immer noch bei Ihnen. Es ist grundsätzlich besser, den Durchblick zu haben. Dennoch werden diese Systeme immer sicherer. Dann ist es sogar besser, die Ausführung eines schwierigen Vorgangs dem System zu überlassen. Ein Beispiel: Früher übten wir bei der Fahrschulausbildung noch mühsam das sogenannte „Stotterbremsen“ bei glatter Fahrbahn und Gefahr. Das war angesichts menschlicher Möglichkeiten primitiv und brachte nicht viel. Heute hilft uns das ABS-System viel besser (ABS = Anti-Blockier-System). Also lassen Sie sich doch darauf ein, einen Teil dieser Systeme kennen zu lernen.

Ablaufschema, sechs Schritte sollst Du tun
Sie gelangen in sechs Schritten in die rechts hinter Ihnen befindliche Parklücke.  Zu Beginn eines jeden Schrittes steht das sehr wichtige Schauen, = rundum Schauen. Auch während der langsamen Weiterfahrt nach hinten sollten Sie immer wieder wieder um sich herum schauen, meistens seitlich oder nach hinten.  Für all die folgenden Schritte sind Routinen/ schematisierte Handlungsabfolgen notwendig, um schließlich in die Lücke zu kommen. Die Routinen verknüpfen sich im Idealfall zu einem gekonnten Zusammenspiel. Beispiel: Langsames Rückwärtsfahren in die Lücke hinein + zielsicheres Lenken + Beobachten der Umgebung bei der Rückwärtsfahrt.  Bei dem gleich folgenden kurzen Überblick benenne ich nur die Routinen und nötigen Abläufe. Beim ausführlichen Überblick im dritten Kapitel erkläre ich bei jedem neuen Schritt den Sinn dieser folgenden Routinen. Dies wird auch durch Bilder und Bildunterschriften erklärt. Zum Schluss eines jeden Schrittes wird auf das Einhalten einer kurzen Pause hingewiesen, zur Milderung der Nervosität, zur Beruhigung  und zur Erholung.
Fahren Sie bewusst langsam in die Lücke, machen Sie öfter Pause. Das wird Ihren Verstand und die Umsicht befördern und Ihnen gut tun.

Pause einhalten – wenn es sein muss jederzeit
Das Einhalten einer Pause sollte nach jeder Etappe beim Vorgang des Einparkens erfolgen. Wenn die Betroffene aber in nervliche Not gerät, dann kann sofort Schluss gemacht und eine Pause eingelegt werden. Dazu gehört auch, einen Verbrennungsmotor auszuschalten. Die Beruhigung und Wiederherstellung der Fahrfähigkeiten hat immer Vorrang vor dem Weiterfahren!

„Was mach‘ ich denn, wenn keine zwei Autos da stehen?“
Zum Schluss noch etwas Nettes: Eine schöne Lücke zwischen zwei Autos. Die Angsthäsin parkt ein, es klappt mit einigem Hin und Her, was völlig normal ist. Sie ist stolz auf das Ergebnis. Ich lobe sie und freue mich für sie. Doch plötzlich kommen ihr Bedenken: „Was mach‘ ich denn, wenn keine zwei Autos da stehen?“ Ich bin verblüfft, muss lachen, bitte sie, nachzudenken. Vielleicht, so meine Überlegung, könnte Sie Ihre Freunde bitten, vorher ihre Autos da genau fürs Einparken aufzustellen?? Da muss sie selbst lachen.

Und nun geht’s los: Die sechs Schritte beim Längseinparken in Kurzfassung

2. Einparken rückwärts rechts längs zum Bordstein –
kurzer Überblick über den Ablauf in sechs Etappen

Die folgenden Zeilen sind nur ein kurzer Überblick, zur ersten Orientierung. Sie erfahren hier, wie Sie in sechs Etappen rückwärts rechts in eine Parklücke längs zum Bordstein einparken können. Denken Sie daran: Wenn Sie den Ablauf ausführlich lesen wollen, mit Bildern zu den einzelnen Etappen beim Einparken, dann schauen Sie sich das nächste Kapitel Nr. 3 an.

Notwendige Routinen in ihrer Verknüpfung = Grundlage für das Einparken:

  • Sicheres Schauen, Abstände einschätzen, Verkehr beobachten
  • Sehr langsames Fahren, vorwärts und rückwärts
  • Vorwärts und rückwärts fahren und lenken nach Ziel
  • Einen Plan der richtigen Fahrlinie im Kopf haben und diesen richtig umsetzen, so dass sie Zug um Zug in die Lücke hinein fahren. Die Zeichnung nachher zeigt die richtige Fahrlinie in Grün und die wichtigen Etappen 3., 4. und 5.
  • Beruhigen Sie sich bei allen Etappen. Halten Sie nach jeder Etappe ein Pause ein, atmen Sie ruhig, beobachten Sie Ihre Umgebung. Sprechen Sie laut über den Stand Ihrer Nervosität, planen Sie laut, wie es weiter geht. Ist die Aufregung zu groß, ziehen Sie die Handbremse, schalten Sie den Motor aus. Jetzt können Sie aussteigen, sich entspannen und auf Ihre Gedanken achten.
  1. Vorbereitung, Parkplatz suchen, neben dem vorderen Auto anhalten 
    Beginn des Parkvorgangs. Eventuell müssen Sie dabei jemanden behindern, daher frühzeitig schauen, blinken und langsamer fahren!
    Schauen, bremsen, rechts blinken, langsam fahren, eine geeignete Parklücke suchen (6 m, = ca. 1 1/2 Pkw-Länge). Kommt eine Lücke in Sicht, noch langsamer fahren, Seitenabstand zu dem Auto rechts ein knapper Meter. Anhalten. Pause.
    Nun sollte die Feinabstimmung erfolgen, mit Hilfe der einander zugewandten Außenspiegel. Ihr Auto sollte auf einer Höhe, Spiegel an Spiegel, zu dem anderen Auto stehen. Dazu fahren Sie, je nach Lage der Spiegel, sehr langsam, vorwärts oder rückwärts, bis sich Ihr rechter Außenspiegel auf einer Höhe mit dem linken Außenspiegel des anderen Autos neben Ihnen befindet. Anhalten. Pause, ruhig atmen, ein bisschen schauen.
  2. Unseren Wagen gegenüber dem anderen  Wagen zurück versetzen
    Noch ein bisschen zurück fahren, damit wir bei den weiteren Manövern nicht zu nah am vorderen Wagen vorbei fahren müssen.
    Schauen, rechts blinken, langsam geradeaus rückwärts fahren. Im Seitenfenster hinten rechts beobachten, bis dort das Heck (das Wagenende) des anderen Pkw auftaucht. Das Heck sollte sich in der Mitte des Seitenfensters hinten rechts befinden. Ungefähr auch, wo das rechte Hinterrad ist. Dadurch überragen wir den rechts stehenden Wagen ein wenig nach hinten. Anhalten. Pause, lächeln, sich freuen, entspannen.
    Anmerkung: Wenn der rechts stehende Pkw eher kurz ist, brauchen wir nicht mehr weiter zurück zu fahren.
  3. Nach rückwärts rechts schwenken, auf die beiden Scheinwerfer des hinteren Autos achten
    Hier beginnt die eigentliche Hineinfahrt in die Parklücke, mit einem kräftigen Schwenk nach hinten rechts. Diesen und die folgenden Vorgänge 3., 4. und 5. illustriert die unten stehende Zeichnung mit der grünen Fahrlinie.

    Einparken rückwärts längs Abschnitte 3., 4. und 5.
    Einparken rückwärts längs Abschnitte 3., 4. und 5.

    Schauen, vor allem auch nach links hinten aber auch überall hin, rechts blinken. Rückwärts fahren. Dabei das Lenkrad scharf nach rechts drehen, bis zum Anschlag, und in die Parklücke hinein schwenken. Im linken Außenspiegel den hinteren Pkw beobachte – bis seine beiden Scheinwerfer voll, d.h. in der Mitte, in unserem linken Außenspiegel zu sehen sind.  Anhalten. Pause. Ruhig atmen, ein bisschen sprechen „ich bin ruhig, weiß, wie es weiter geht.“
    Anmerkung: Ist der die Parklücke sehr groß, weit über 6 m, dann sollten die beiden Scheinwerfer in unserem linken Außenspiegel nicht in der Mitte, sondern ganz links zu sehen sein.

  4. Ein Stück weit gerade und schräg nach schief, in die Lücke fahren
    Aus der Schrägstellung fahren wir nun gerade weiter, um noch mehr vom vorderen Wagen entfernt zu sein und uns dem Bordstein zu nähern.

    Schauen. Fahren Sie langsam weiter und drehen Sie das Lenkrad wieder zurück auf die Gerade-Stellung. Das sind etwa 1 1/2 Umdrehungen nach links. Sie sehen das Logo des Herstellers in der Mitte des Lenkrades zum Schluss der Drehung aufrecht stehen. Fahren Sie langsam weiter, bis das linke Rücklicht des vorderen Pkw gleichauf steht mit Ihrer Umweltplakette rechts unten in der Frontscheibe Ihres Pkw. Anhalten. Pause. Atmen Sie ruhig. Kommen schlechte Gedanken („das ist viel zu kompliziert, ich verliere die Kontrolle!“) kurz entspannen, die Gedanken durchziehen lassen.
  5. Nach links schwenken, sich dem Bordstein nähern, gerade ziehen
    Zum Schluss des eigentlichen Einparkens kommt ein scharfer Linksschwenk, Richtung Bordstein. Sie fahren dabei ein kleines Stückchen Kreis, nach links, nähern sich so mit der rechten Seite Ihres Pkw immer mehr dem Bordstein. 
    Schauen. Fahren Sie langsam weiter, drehen Sie das Lenkrad scharf nach links, aus der Geradestellung 1 1/2 Umdrehungen nach links. Ihr Wagen muss mit seinem Heck (dem Wagenende) nach links ziehen, um sich dem Bordstein rechts von Ihnen  langsam anzugleichen. Wenn Sie immer wieder nach hinten schauen, werden Sie dies begreifen. Bei vielen Wagen gibt es eine Stellung beim Schaltknopf der Spiegeleinstellung, bei der der rechte Außenspiegel beim Einlegen des Rückwärtsganges nach unten schwenkt. Dadurch sehen Sie den Bordstein besser. Sind Sie soweit, dann drehen Sie das Lenkrad wieder 1 1/2 Umdrehung zurück nach rechts auf Geradeaus-Fahrt rückwärts. Bitte beachten Sie den nötigen Abstand zum hinteren Auto. Solange Sie dessen Motorhaube in Ihrem Rückfenster noch teilweise sehen können, stimmt der Mindestabstand. Anhalten. Pause. Längere Pause. Atmen und lächeln Sie. Freuen Sie sich, Sie sind bald soweit, haben es gleich geschafft.
  6. Schlussetappe – nach vorne ziehen, etwas Abstand zum Bordstein lassen
    Nun sind wir in der Schlussetappe, die gar nicht so schwer ist. Es ist ein bisschen so wie vorwärts rechts einparken. Sie schließen zum vorderen Wagen auf, nähern sich eventuell noch ein wenig dem Bordstein rechts. 
    Beobachten Sie den Bordstein in Ihrem rechten Außenspiegel, ob Sie noch zu viel Abstand haben. Unter 30 cm wäre gut. Dann legen Sie den ersten Gang ein, fahren los, drehen das Lenkrad nach rechts, falls dort noch Platz zum Bordstein. Anschließend aber wieder mehr nach links und wieder gerade aus drehen, damit der Wagen parallel zum Bordstein fährt. Zum vorderen Wagen aufschließen, nicht zu nah, sonst kommen Sie oder der andere Fahrer womöglich nicht mehr raus aus der Lücke. Am besten, wenn Sie dessen Kennzeichen unten noch sehen können. Anhalten. Große Pause. Glückwunsch, Sie haben es geschafft. Große Pause. Die Pause haben Sie sich verdient.
    Wenn Sie den Wagen verlassen wollen: Sichern Sie diesen gegen Wegrollen. Die Scheiben hochfahren. Beim Aussteigen vorsichtig sein, auf Radfahrer achten! Anschließend von außen die Türen verriegeln.

Und nun lesen Sie im dritten Kapitel dieses Beitrags eine ausführliche Darstellung des Längseinparkens, wieder in sieben Schritten, begründet und mit Bildern erklärt: 

3.  Ausführliche Erklärung des Längseinparkens mit Bildern und den nötigen Schritten zur Entspannung

Vorbereitung, Parkplatz suchen

  1. Sie brauchen einen angenehm großen Parkplatz, in den Sie in Ruhe, unter Beachtung von Sicherheitsabständen und „schräg nach schief“ einfahren können. Dieser sollte deutlich länger als Ihr eigenes Auto sein. Empfehlung. Ca. 6 m. Um die Größe des Parkplatzes richtig einschätzen zu lernen, verweise ich auf die Aufgaben am Schluss des Beitrags.

    Parkplatzlänge richtig einschätzen
    Parkplatzlänge richtig einschätzen: Die Länge des blauen Wagens beträgt ca. 4 m. Um „schräg nach schief“ in die Lücke einzufahren und zusätzlich Sicherheitsabstand zu haben, brauchen wir vorne und hinten „Luft“, etwa je einen Meter. Versuchen Sie im Bild mal selbst einzuschätzen: Entspricht die Gesamtlänge dieser Parklücke wirklich 6 m?

Ablauf: In die Spiegel schauen, vorsichtig bremsen, rechts blinken, eine Lücke suchen. Parkplatzlänge richtig einschätzen, am Beispiel einer gewöhnlichen Parksituation: Diese sollte ungefähr 1 1/2 mal so groß sein wie unser Auto,. Ist unser Auto wie oben  4 m lang , also etwa Standard, dann  kommen wir auf die benötigte Länge der Parklücke von ca. 6 m. Hier im Bild hat der Autofahrer allerdings eine Lücke mit etwas weniger als 6 m gewählt, für Anfänger:innen schon etwas knapp.  Wir brauchen vorne  und hinten je etwa einen Meter „Luft“. Denn wir fahren „schräg nach schief“, mit dem Heck des Wagens zuerst, in die Lücke hinein. Dazu kommen noch Sicherheitsabstände. Für das Einschätzen der Lücke müssen Sie langsam fahren und noch langsamer fahren. Und womöglich andere hinter Ihnen behindern. Tief atmen, laut sprechen. Beispiel: „Ich bin nervös, ich beruhige mich, atme ruhig.“ Erst, wenn Sie den Parkplatz aus der Nähe sehen, können Sie ihn auch richtig einschätzen. Wenn Sie eine geeignete Lücke gefunden haben, wieder schauen, noch langsamer fahren. Achten Sie auf einen seitlichen Abstand zum vorderen Pkw von ungefähr einem knappen Meter. Anhalten, ungefähr neben dem vorderen Pkw. Pause.
Hoher Platzbedarf, ca. 6 m
Die meisten Anfänger/innen unterschätzen den nötigen Platzbedarf bei dieser Art einzuparken. Es reicht leider nicht, eine Lücke zu wählen, die „ein bisschen“ länger ist als ein normal großer Pkw, also nur ein bisschen mehr als 4 Meter. ‚Wir fahren ja nicht, wie vorher geschildert, einfach quer hinein in die Lücke. Das gibt unsere Lenkung nicht her. Es bleibt uns nur, die nicht lenkbare Hinterachse durch heftige Schwenks der Vorderachse voraus und „schräg nach schief“ in die Lücke zu bugsieren. Die Hinterachse hilft dabei, weil sie im engen Bogen mitläuft. Die Schrägfahrt in die Lücke hinein erfordert aber Platz. Dazu kommen noch nötige Sicherheitsabstände. Damit Sie beim Einschätzen der nötigen Lücken kompetenter werden, üben Sie bitte die am Schluss des Beitrags aufgeführte Aufgabe.

Halten, Abgleich zum nebenstehenden Pkw, Spiegel an Spiegel stehen

  1. Das Einschätzen der Parklücke bindet viel Aufmerksamkeit. Daher ist es schon möglich, dass Sie nicht ganz korrekt neben dem vorderen Pkw stehen. Meistens stehen Sie nach dem ersten Halten zu weit vorne.
    Ablauf: Wenn Sie schon vornherein auf Höhe der beiden Außenspiegel stehen, ist es gut. Ansonsten müssen Sie ein wenig zurück fahren, auf Höhe Spiegel an Spiegel neben dem vorderen Pkw. Pause. Entspannen Sie sich, freuen Sie sich, Sie haben eine schöne Parklücke gefunden. 
  2. Ihren Wagen zurück versetzen
    Sie sollen in dieser Etappe Ihren Wagen schlicht und einfach ein bisschen zurück versetzen, parallel zum neben Ihnen stehenden Wagen. Der Sinn dieser Etappe ist es, hinterher, beim folgenden Schwenken, etwas mehr Abstand zum Heck des neben Ihnen stehenden Wagens zu gewinnen. Ihr Wagen soll hinten über den anderen Wagen rechts von Ihnen hinaus ragen. Damit gelingen die folgenden Schwenks, zuerst nach rechts, später nach links, besser und sicherer. Denn Sie kommen nicht in die Nähe des vorderen Wagens.
    Ablauf: Schauen, ob um Sie herum frei ist. Langsam rückwärts fahren, bis sich das Heck (das Hinterteil) des neben Ihnen geparkten Pkw in Ihrem hinteren rechten Seitenfenster

    Der vordere Wagen rechts neben Ihnen ist beim Rückwärtsfahren mit seinem Heck in Ihrem Seitenfenster hinten rechts gelandet. So wie hier ragt Ihr Wagen hinten ein bisschen über den roten Wagen hinaus. Damit kommen Sie gut in die Lücke.
    Unseren Wagen etwas nach rückwärts versetzen: Der vordere Wagen rechts neben Ihnen ist beim Rückwärtsfahren mit seinem Heck in Ihrem Seitenfenster hinten rechts gelandet. So wie hier ragt Ihr Wagen hinten ein bisschen über den roten Wagen hinaus. Damit kommen Sie gut in die Lücke hinein. Ab jetzt drehen Sie, wenn alles frei ist, bei der weiteren Rückwärtsfahrt energisch nach rechts in die Lücke hinein. Anmerkung: Wenn der Wagen neben Ihnen sehr kurz ist, brauchen Sie nicht mehr rückwärts zu fahren.

    rechts befindet. Pause. Je weiter Sie rückwärts fahren, umso mehr nähert sich das Heck des anderen Pkw dem vorderen Teil Ihres hinteren Seitenfensters. Ihr Wagen ragt dann ein wenig rückwärts über den anderen Wagen hinaus. So soll es sein. Sie kommen dann besser in die Lücke hinein. Pause. Sie können sich kurz entspannen, Sie haben bis jetzt alles richtig gemacht. 

  3. Nach rückwärts rechts schwenken
    Hier beginnt Ihr erster tatsächlicher Fahrzug hinein in die Lücke, durch einen kräftigen Schwenk nach rechts. Lücke. Wir wollen aber den Schwenk nach rechts begrenzen, dass Sie mit Ihrem Wagen nicht allzu steil auf den Bordstein zu laufen. Daher ist das Ende dieser Etappe erreicht, wenn in Ihrem linken Außenspiegel der hintere Wagen auftaucht und mit beiden Scheinwerfern mitten im linken Außenspiegel zu sehen ist.

    Einparken längs rückwärts, 4. Etappe. Scheinwerfer des hinteren Wagens in Sicht im linken Außenspiegel. Etwa jetzt wieder kurz Pause machen.
    4. Etappe. Scheinwerfer des hinteren Wagens in Sicht im linken Außenspiegel: Fahren Sie rückwärts rechts, dann sehen Sie die Scheinwerfer des hinteren Autos zuerst rechts im Innenspiegel auftauchen. Dann wandern diese bei der Weiterfahrt mehr zur Mitte. Dort sind Sie richtig, das ist Ihr Ziel. Nur wenn das hintere Auto weiter entfernt ist, dann sollten die Scheinwerfer noch weiter nach links im linken Außenspiegel wandern. 

    Ablauf: Weiter rechts blinken. Wieder umschauen. Achten Sie auch auf Verkehr von links hinten. Sehr langsam weiter rückwärts fahren, dabei das Lenkrad kräftig nach rechts drehen, bis zum Anschlag (= 1 1/2 Umdrehungen). Ihr Wagen schwenkt dabei nach rückwärts rechts ein, dahin, wohin Sie gelenkt haben. Beobachten Sie dabei auch Ihren linken Außenspiegel. Der hinten geparkte Wagen kommt bei der Rückwärtsfahrt nach rechts immer mehr in Sicht in Ihrem linken Außenspiegel. Sehen Sie dort die beiden Scheinwerfer des hinteren Wagens, halten Sie an. Pause. Wenn Sie sich angestrengt fühlen, ruhig mal den Motor ausmachen, ein paar Mal tief atmen, sich umschauen. Vielleicht auch Fenster auf, frische Luft ziehen.
    Anmerkung: Ein Sonderfall. Der hintere Wagen steht weit zurück, viel mehr als die geforderte Länge des Parkplatzes von 6 m. Beispielsweise 7 oder 8 m. Dann sollten Sie die Scheinwerfer des hinter hinteren Wagens im Außenspiegel nicht mittig, sondern mehr nach links außen kommen lassen. Woher kommt das? Wenn der hintere Wagen soweit weg steht, erscheint er früher im Außenspiegel. 

  4. Ein Stück weit gerade, schräg nach schief, in die Lücke fahren
    Sinn! Wieder umschauen. Nun fahren Sie sehr langsam weiter zurück, lenken dabei das Lenkrad zurück  nach links auf Stellung geradeaus. Das sind ungefähr wieder 1 1/2 Umdrehungen, nach links. Sie fahren gerade, sehen das Logo des Herstellers aufrecht in der Mitte des Lenkrades. Fahren Sie langsam weiter zurück, schräg nach schief, aber gerade. Bis Ihre Umweltplakette rechts unten in der Frontscheibe das rote Rücklicht des vorderen Wagens überdeckt. Halten Sie an. Pause
  5. Nach links schwenken, in Richtung Bordstein, und parallel  zum Bordstein
    Sinn! Wieder umschauen. Vorsichtig weiterfahren, dabei das Lenkrad scharf nach links drehen. Dabei dreht sich Ihr Wagen in einem Viertelkreis nach links, fährt Richtung Bordstein, anschließend immer mehr parallel zum Bordstein. Sind Sie soweit, noch ein bisschen zurück fahren, dabei das Lenkrad 1  1/2 Umdrehungen nach rechts drehen, wieder in Stellung gerade aus. Schauen Sie rundum, vor allem auch nach hinten. Denn Sie nähern sich immer mehr dem hinteren Auto. Wenn Sie dessen Motorhaube nur noch zu einem Drittel sehen, ist Vorsicht geboten beim weiteren Rückwärtsfahren. Halten Sie besser an. Achten Sie auf den Abstandspiepser, oder auch auf das Display der Rückfahrkamera. Im Zweifel steigen Sie lieber aus, schauen Sie direkt nach. Pause
    Sie haben die Hauptsache geschafft, ruhen Sie sich kurz aus. 
  6. Schlussetappe – nach vorne ziehen, den nötigen Abstand zum Bordstein einhalten
    Sinn, nach vorne nach hinten? Überprüfen Sie Ihren Abstand und Ihre parallele Stellung zum Bordstein rechts. Bei vielen modernen Wagen geht das durch eine besondere Schaltung des rechten Außenspiegels, sobald Sie den Rückwärtsgang eingelegt haben. Der rechte Außenspiegel senkt sich dadurch etwas nach unten und erlaubt so eine bequeme Sicht nach hinten unten Richtung Bordstein und Abstand zum Bordstein. Wenn Sie die automatische Neigung des rechten Außenspiegels in Ihrem Auto nicht haben, aber den rechten Außenspiegel wenigstens durch Knopfbedienung elektrisch absenken können, dann tun Sie das. Sollten Sie Sie nur eine mechanische Verstellung des Außenspiegels vorfinden, dann müssen Sie sich weit nach rechts herüber beugen, um den rechten Außenspiegel nach unten zu stellen. Das wird nicht genau gehen. Oder steigen Sie einfach aus und schauen direkt nach. Etwas umständlich, aber sehr informativ.
    Und nun korrigieren Sie den Wagen für seine Endstellung: Fahren Sie im Idealfall noch ein bisschen nach rechts vorne dann gerade aus. Soweit, dass Sie das Kennzeichen des vorderen Wagens noch sehen. Dann halten Sie an, ziehen Sie die Handbremse, oder legen Sie den ersten Gang ein; bei Automatik die Stellung des Wählhebels P. Geschafft. Große Pause. Freuen Sie sich. 


S

„Ich möchte auf einmal in die Parklücke rein kommen. Meinetwegen langsam, aber sofort, ohne Fehler, ohne zu korrigieren und hin und her zu fahren.“
„Beim Einparken tue ich mich schwer. Ich fühle mich unter Druck, fürchte, ich schaffe es nicht. Oder, noch schlimmer, ich übersehe etwas.“
(Angsthäsinnen kurz vor der Einpark-Übung.)

Einparken – ruhig, gekonnt und sicher

Inhalt

  1. Vorwort
  2. Allgemeine Hinweise
  3. Drei Geschichten vom Einparken:
    1) Marianne fühlt sich nur noch fix und fertig
    2) Sabine hält sich die Ohren zu
    3) Paula kommt nicht in die Lücke rein
  4. Elektronische Assistenten für das Einparken
  5. Zusammenfassung
  6. Links zum Thema Einparken

1. Vorwort

Bloß keine Fehler, keine Korrekturzüge, gleich rein in die Lücke
Im Internet finden Sie viele konkrete Hinweise, wie Sie richtig einparken. Mit Bildern und Filmen, gut erklärt. Das Einparken ist ein großes Thema bei Fahrschüler:innen und Angsthäsinnen. Was allerdings bei diesen Anleitungen fehlt, sind Hinweise, wie Sie beim Einparken mit Ihrer Angst und Nervosität umgehen können. Angst und Nervosität, wie Sie in den vorigen Zitaten von Angsthäsinnen zum Ausdruck kommen: Keine Fehlstellungen zu produzieren, sofort in die Lücke zu kommen, ja keine Korrekturzüge zu benötigen.  Oder unter Druck zu geraten, etwas zu übersehen, so dass womöglich Schlimmeres passiert. Der Druck beim Einparken, unter dem viele der Betroffenen leiden, ist äußerer Druck, sei ein Drängler oder ein übereifriger Freund. Noch mehr kann innerer Druck quälen, wie er im ersten Zitat zum Ausdruck kommt. Die Betroffenen trauen sich nichts zu. Sie fürchten Fehlstellungen oder allgemein „Fehler“, und schämen sich deswegen vor anderen, geübten Fahrern. Sie fürchten unter den Belastung womöglich etwas zu übersehen, einen Unfall zu verschulden.

Parkschäden im Verein mit Grübeleien sind oft Angsttreiber
Durch die Angstgeschichten erfahre ich viel, warum Angsthäsinnen schließlich große Angst bekommen und das Autofahren aufgegeben haben. Dabei spielt unglückliches, nervöses Parken (Ein- oder Ausparken) mit Folgeschäden oder Beinahe-Schäden eine große Rolle. Für einen geübten Autofahrer ist das beinahe unverständlich. Aber bei Angsthäsinnen läuft vieles anders. Sie sind oft von zu Hause aus empfindlich, nachdenklich, grüblerisch veranlagt. Wenn es dann beim Einparken infolge der Aufregung zu einem Blechkratzer kommt, wird alles korrekt geregelt. Das ist nicht das Problem. Problem sind die Angstgedanken: Ich kann es nicht, das nächste Mal verletze ich womöglich einen Fußgänger! Da höre ich doch lieber gleich auf mit dem Autofahren! Nach jahrelanger Fahrvermeidung leiden sie jedoch unter dem Zwang dieser Angst. Sie wollen wieder frei und sicher fahren können.

Angsthäsinnen fahren im Verkehr zu hektisch
Wenn sie zu mir als Angsthasenfahrlehrer kommen, dann ist der erste Eindruck von der Fahrweise: Unruhig, gehetzt, hektisch, durcheinander, nicht vernunftgeleitet, sondern zufallsbetont. Sie wirken durch Ihr Verhalten völlig überfordert. Wenn ich den Betroffenen dann sage, dass sie mit mir zusammen langsam und sehr vorsichtig fahren dürfen – wir fahren doch im Fahrschulwagen  kommt erst einmal ungläubige Abwehr. Sie wollen ja niemanden behindern, unangenehm auffallen. Das ist übrigens auch der Grund für die hektische Fahrweise. Aber später sind sie dann doch wie erlöst. Sie lernen den sehr vorsichtigen Angsthasenfahrstil zu schätzen, denn er lässt sie sehr vorsichtig, vernünftig fahren, mit Übersicht. Jetzt erst verstehen sie ganze Sache richtig. Sie können Informationen erkennen und bewerten, Wichtiges entgeht ihnen nicht, Entscheidungen sind wohl begründet. Ihr Fahrstil ist sicher. Dafür müssen Sie halt ein bisschen behindern. Das ist ein schwieriger, aber lohnender Weg.

Auf die innere Ruhe kommt es an
Sie brauchen Kenntnisse und Fertigkeiten, um richtig einzuparken. Sie brauchen vor allem die innere Ruhe beim Einparken, sonst droht die Sache schief zu laufen. Sie können womöglich richtig und ganz anständig einparken. Aber Sie sind leider auch zu nervös, zu ängstlich beim Einparken, fürchten Fehler zu machen, Übersicht und Kontrolle zu verlieren. Die Furcht davor kann die Angst noch verstärken, so dass nicht nur das Einparken schief geht, sondern womöglich Gefahr droht. Das muss aber nicht sein. Die nötige Ruhe können Sie sich verschaffen und einparken, wie Sie auch möchten, mit all der nötigen Ruhe und Vorsicht.  Wie das geht, das zeigen Ihnen Beispiele aus den praktischen Stunden der Angsthasenfahrschule.

Die folgenden Kapitel enthalten allgemeine Hinweise zum Thema, ruhig, gekonnt und sicher einzuparken. Weitere Beiträge zu diesem Menüpunkt gibt es am Schluss unter entsprechenden Links. Hier stehen auch die Links zu den besonderen Arten des Einparkens, beispielsweise rückwärts rechts in eine Parkbox einzuparken, wie auf dem Supermarkt zu sehen.

2. Allgemeine Hinweise

Was ist Einparken?
Beim Einparken wollen wir das Auto abstellen, oft für einige Zeit. Wo und ob das überhaupt erlaubt ist, das regelt die StVO. Laut StVO beginnt das Parken dann, wenn wir das Auto verlassen, und wenn das Parken schon mehr als drei Minuten dauert. Hier in diesem Beitrag geht es mir allerdings nur am Rande um rechtliche Regeln, sondern um den Vorgang des Einparkens, und die damit bei Ihnen verbundene Angst. Die wollen wir ja in den Griff bekommen.

Längs und quer – zwei wichtige Arten des Einparkens
Gewöhnlich erfolgt das Einparken längs zur Fahrtrichtung, vorwärts oder rückwärts, auf der rechten Seite am Fahrbahnrand, parallel zum Bordstein, in einer Lücke zwischen zwei schon geparkten Autos. Überall in der Großstadt sieht man die Autos so am Rand der Fahrbahn hintereinander aufgestellt. Andere häufige Möglichkeiten des Einparkens bieten sogenannte Parkboxen, quer zur Fahrrichtung. Parkboxen befinden sich beispielsweise auf dem Parkplatz eines Supermarktes. Auch in Parkboxen können Sie vorwärts oder rückwärts einfahren.

Besondere Arten, einzuparken
Die beiden geschilderten Parkmöglichkeiten sind die häufigsten Arten einzuparken. Daneben gibt es noch zahllose besondere Arten des Einparkens: Beispielsweise in einer Einbahnstraße rückwärts links. Oder zwar auch rückwärts links, aber mit den linken Rädern auf dem Bordstein, soweit dies durch ein Verkehrszeichen so angeordnet ist. Oder quer zu einzuparken in eine Parkbox, aber vorwärts rechts und schräg. All diese  besonderen Arten des Einparkens behandle ich hier nicht, es würde zu weit führen. Sie sollten zuerst die beiden wichtigsten Arten einzuparken kennen lernen, dann wagen Sie sich auch einmal an die besonderen Arten heran.

Für wen ist der Beitrag nützlich?
Die Beiträge über das Einparken auf dieser Website werden häufig besucht. Zu den Betroffenen und damit Interessierten gehören ängstliche Prüflinge, Angsthäsinnen mit Angst vor den Anforderungen im Großstadtverkehr. Eigentlich nicht dazu gehören Paniker/innen mit Angst vor Panik auf der Autobahn. Diese kommen oft mit eigenem Auto zu den Betreuungsstunden, parken gewandt und sicher ein. Ihre Angst tritt nur auf der Autobahn auf, nicht im Stadtverkehr. Dennoch haben auch diese Menschen einen Nutzen von diesen Seiten, wenn Sie die Möglichkeiten der Angstbewältigung am konkreten Beispiel studieren wollen. Zum Kreis der Interessierten gehören auch professionelle Helfer, wie beispielsweise Fahrlehrer:innen.

Was ist beliebter – vorwärts oder rückwärts einzuparken?
Bei einigen Parkplätzen kann vorwärts oder rückwärts eingeparkt werden. Vorwärts ist natürlich beliebter. Denn die Sichtverhältnisse sind besser, auch das Lenken vorwärts ist vertraut. Beim Einparken rückwärts sind die Sichtverhältnisse  schlechter. Sie müssen sich umdrehen, was eine Verrenkung des Körpers bedeutet. Viel sehen tun Sie nicht, denn die Heckscheiben sind kleiner als die Frontscheiben. Wenn Sie Pech haben, dann behindern hoch aufragende Kopfstützen die Sicht. Und links und rechts hinten machen sich als weitere Sichthindernisse – beispielsweise fette Dachstützen – breit. Auch die Seitenscheiben hinten ähneln manchmal eher Seiten“schlitzen“ als richtigen Scheiben.

[Bild Auto mit schlechter Sicht nach hinten]

Der tote Winkel ist groß
Es ist heute vom Autodesign her Mode geworden, die Autos mit viel Blech zu umkleiden und die Scheiben immer schlanker und schlitzförmig zu gestalten. Diese Autos ähneln schon kleinen Panzern.  Kaufen Sie sich bitte kein derartiges Auto. Sie werden beim Abbiegen, Ausweichen oder Einparken Angst empfinden, da die toten Winkel hier sehr hoch sind.  Außer wiederum, diese Autos haben Rundum-Kameras und elektronische Assistenten, die Sie vor einem Fahrzeug im toten Winkel warnen. In der Betreuung zeigt sich allerdings immer wieder, dass viele Angsthäsinnen den elektronischen Assistenten misstrauen. Sie wollen auch „ohne“ zurecht kommen, was auch begrüßenswert ist. Dennoch, an den Assistenten führt keine Weg vorbei. Sie machen das Fahren in vieler Hinsicht sicherer.

Display der Rückfahrkamera – leider nur ungern beachtet
Design und Ausstattung vieler moderner Autos sind leider nicht umschaufreundlich, sondern eher umschaufeindlich. Immerhin haben viele dieser Autos wenigstens eine Rückfahrkamera mit starkem Weitwinkelobjektiv und Display. Dort sehen Sie eine schöne, übersichtliche Ansicht des Raumes hinter dem Auto. Eine willkommene Hilfe, die starken Sichteinschränkungen nach hinten zu verbessern. Leider sind viele Angsthäsinnen dagegen, mal zwischendurch – in einer kleinen Fahrpause während es Einparkens – aufs Display zu schauen. Mit dem Argument, bei ihren – vielleicht etwas älteren Autos – gäbe es so etwas gar nicht. Außerdem könnten Sie mit den verschiedenen Linien auf dem Bild nichts anfangen. Das ist so der Ausgangspunkt. Dennoch, sie lernen, mit den besseren Möglichkeiten der Beobachtung nach hinten umzugehen. Viele Dinge, die sonst im absoluten toten Winkel verschwinden – hohe Bordsteine, Poller, Bauschutt, Anhängerdeichseln, kleine Kinder – sind hier plötzlich zu sehen. Geduldiges Erklären der Sicht nach hinten im Display nimmt dann doch etwas von der etwas unerklärlichen Abneigung. Außerdem können wir das Display auch mal „zur Übung“ abschalten.

[Bild Display]

Auch das Lenken rückwärts fällt vielen schwer
Nicht nur das Schauen, sondern auch das Lenken rückwärts fällt schwer
Das Lenken rückwärts ist vielen ungewohnt. Dabei ist die Sache doch so einfach: Wohin das Auto auch fahren soll – dahin muss ich lenken.  Gemeint ist damit das Hinterteil des Autos, auch „Heck“ genannt. Dieses und seine Richtung müssen Sie beim Lenken rückwärts im Auge behalten. Wohin das Heck nach Ihrem Plan im Kopf auch soll – dahin lenken Sie auch. Verwirrend für viele ist die alte Gewohnheit, beim Lenken das Vorderteil des Autos mit der Motorhaube anzuvisieren. Nein, das gilt jetzt nicht mehr. Wenn Sie es richtig machen, dann schauen Sie nach hinten, und fragen sich: Wohin sollte ich denn jetzt das Heck lenken? Wenn Sie die Fahrlinie in die Parklücke seitlich neben dem Bordstein hinein im Kopf haben und wissen, dass Sie das Auto zuerst nach hinten rechts bewegen müssen, dann lenken Sie eben nach rechts. Und „wie von Zauberhand“ fährt das Auto tatsächlich nach rechts hinten.

Welche besondere Art einzuparken fällt am schwersten?
Angsthäsinnen nennen sehr oft das Einparken rückwärts längs zum  Bordstein als besonders schwer. Grund: Die schon bekannten Sichthindernisse. das Lenken rückwärts, das Schauen nach hinten, die sehr langsame Fahrt. Als besonders schwierig wird empfunden: Das Einparken  erfolgt beim Rückwärtsfahren in die Lücke zwischen zwei geparkten Autos hinein in einer Art gestutzter S-Kurve, die schräg nach schief in die Lücke hinein verlaufen soll. Dabei sollte die Raumeinschätzung stimmen, Fußgänger  dürfen nicht übersehen werden.

Belastung → Angst und Angstreaktion ← Beruhigung
Weil die Betroffenen diese Art zu parken besonders fürchten, behandle ich sie hier an erster Stelle. Wir sollten Angstsituationen nicht ausweichen, sondern lernen, mit ihnen umzugehen. Das ist ein wichtiger Grundsatz, um Ängste zu mildern. Diese Methode ist gut als „Konfrontation“ mit der Angst auslösenden Situation bekannt. Der Umgang mit den belastenden Situationen sollte aber in Ruhe erfolgen. Sonst käme es womöglich zu einer Überflutung mit Ängsten, Kontrollverlust würde drohen, die Verkehrssicherheit stände auf dem Spiel. Zu diesem Thema lesen Sie später in diesem Beitrag in Geschichten, die Angsthäsinnen erlebt haben.  Wir steigern die Belastung zwar, aber nur soweit den Betroffenen die nötigen Mittel zur Beruhigung zur Verfügung stehen.  Erfahrene Angsthäsinnen verfügen über einige Mittel der Angstmilderung und Beruhigung und bleiben auch in angstbetonten Situationen gelassen. Unerfahrene lassen sich leider in sehr angstbesetzte Situationen treiben, in denen die Kontrolle verloren geht.

Eine Warnung: Nicht ohne Schutz üben
Bitte üben Sie das Einparken, wenn Sie ängstlich sind, nicht ohne Schutz und nicht ohne kompetenten Begleiter. Es könnte sonst für alle Beteiligten gefährlich werden. Die persönliche Belastung durch Üben ohne Schutz und ohne kompetente Begleitung könnte stark ansteigen und womöglich zu einer panischen Reaktion führen.
Dazu lesen Sie später ein paar Geschichten aus der Angsthasenrunde.

Was sagt Ihr Betreuungsvertrag?
In Ihrem Betreuungsvertrag, den Sie zu Beginn der Betreuung zur Unterschrift erhalten, finden Sie auf S. 2 einen warnenden Hinweis zum Thema selbständiges Fahren: Ich rate Ihnen dringend davon ab, schon während der Betreuungszeit allein oder mit Partner/ Freundin selbständig mit dem eigenen Auto zu üben. Vom Programm her ist vorgesehen, das selbständige Fahren zuerst unter Begleitung des Angsthasenfahrlehrers, dann allein im Auto zu üben. Dies aber erst zu Ende der Betreuung, wenn Sie Ihre Angst gemildert und unter Kontrolle haben. Betreuungsvertrag

Denken Sie bitte daran: Selbständiges Fahren erhöht die Belastung, weil es von Ihnen Verantwortung verlangt. Auch das muss geübt werden. 

Für Anfänger:innen gilt, belastende Faktoren möglichst gering halten
Beispiel: Wir beginnen in einer ruhigen Wohnstraße mit dem Einparken, in einer schönen, großen Lücke. Das wäre ein idealer Fall. Doch müssen wir im Straßenverkehr immer mit Überraschungen rechnen. Durch das Auftauchen eines Lkw kann sich die Lage plötzlich ändern. Oder die Ängste entwickeln sich durch Überreaktion so stark, dass  auch die harmloseste Wohnstraße Anlass zur Sorge gibt. Schlecht ist auch sozialer Stress, wenn Partner beispielsweise baldige Ergebnisse verlangen.

Mangelndes Können Ursache der Angst?
Liegen die Schwierigkeiten und die Ängste wegen des Einparkens an mangelndem Können? Jein. Bei den praktische Übungen stellt sich oft heraus, dass die Betroffenen trotz Ausbildung und bestandener Prüfung wenig Ahnung vom Einparkvorgang haben. Nach den langen Jahren der Fahrvermeidung aus Angst sind viele der einst in der Ausbildung gelernten Tricks und Tipps zum Einparken vergessen. Dennoch sind einige der einst erlernten Routinen noch da. Und die Betroffenen trainieren aber mit großem Eifer. Das ist beinahe rührend und schön, wie Sie sich Mühe geben. Und Sie würden den eigentlichen Parkvorgang schaffen.   Hindernis auf dem Weg zum Erfolg sind aber oft die blockierenden Ängste. Diese können auch die schönsten Fertigkeiten zerbröseln lassen. Daher müssen wir immer zweigleisig üben, den Umgang mit den Ängsten und das Einüben und Auffrischen der nötigen Routinen.

Routinen beim Einparken
Für das Einparken brauchen Sie die oben im Eingangsbild besprochenen Routinen. Beispielsweise das Beobachten der Räume und des Verkehrs, das langsame Fahren, das Lenken vorwärts und rückwärts nach Ziel und die Möglichkeiten des Korrigierens und Vorstellung einer richtigen Fahrlinie, mit der Sie erfolgreich in die Lücke fahren.

Routinen können zur Beruhigung beitragen
Die Routinen sollten auf möglichst ruhige, erholsame Weise ausgeführt werden. Es sollte bei der Ausführung der Routinen Zeit zum zum Schauen und Nachdenken Verbleiben. Beim langsamen Fahren in die Parklücke hinein sollten wir beispielsweise nicht durchgehend langsam fahren, sondern kleine Pausen oder sogar etwas längere  Zwischenhalte einlegen. So haben Sie Gelegenheit, sich kurz zu erholen, zu schauen und zu überlegen, wie es weiter geht. Damit tragen auch die Routinen zur Entspannung beim Einparken bei.

Schön langsam fahren beim Einparken
Bitte versuchen Sie nicht, womöglich „mit Schwung“ in die Lücke hinein zu fahren. Während dies für geübte Autofahrer:innen beinahe normal ist, wäre es für Sie als Angsthäsin verheerend. Sie hätten womöglich ein ganz schlechtes Gefühl, etwas Wichtiges übersehen zu haben. Hast und Hektik vergrößern nur die Angst. Also schön langsam in die Lücke fahren. Halten Sie bei allen Zwischenetappen beim Einparken kurz an. Lassen Sie sich Zeit, überlegen Sie, wie es weiter geht, schauen Sie in Ruhe. Dann sind die nächsten Entscheidungen wohl begründet.

Sind große Lücken besser?
Ich empfehle zu Anfang immer beim Einparken rückwärts seitlich am Bordstein gute, große Lücken von etwa 6 m Länge und mehr zu suchen.  Bei einem Pkw durchschnittlicher Länge von etwas über 4 m haben Sie dann immer noch vorne und hinten ein bisschen weniger als je 1 m Rangierplatz. Das ist gut fürs Einparken. Leider beträgt der Rangierplatz sogar noch weniger als 1 m, wenn Sie überlegen, dass Ihr Pkw beim Ein- oder Ausparken zwischendurch diagonal in der Lücke steht, dadurch sozusagen länger wird. Dann schrumpft Ihr Rangierplatz von 1 m auf weniger als 75 cm. Und nochmal leider auf noch weniger, denn Sie können diesen Rangierplatz in der Praxis gar nicht voll ausnützen. Sonst würden Sie die beiden anderen Pkw vorne und hinten womöglich touchieren. Ich bleibe dabei, die Empfehlung der 6 m großen Lücke ist richtig.

Warum bloß lehnen die Betroffenen große Lücken ab?
Jeder Autofahrer wäre gottfroh über eine große Lücke. Warum? Man kommt schneller rein, spart Zeit. Die meisten Angsthäsinnen lehnen große Lücken aber sofort ab, bestehen auf kleine Lücken. Neulich bekam ich sogar von einer Betroffenen zu hören, sie habe den Fahrlehrer gewechselt, weil der zu Anfang mit ihr große Lücken für das Einparken gesucht habe, sich auch nicht umstimmen ließ. Ich erklärte ihr lachend, dann müsste sie auch mich wechseln, denn ich fände es gut, zu Beginn mit großen Lücken zu üben. Sie lachte mit, aber ich merkte schon, dass sie enttäuscht war.

Welche Angst steckt hinter dem Wunsch nach kleinen Lücken? 
Oft in ihrer belasteten Vergangenheit als Fahranfängerinnen waren die Betroffenen auf große Lücken angewiesen, 8, 9 m lang. Dort wurde dann bequemerweise vorwärts eingeparkt. Das Einparken vorwärts geht immer oder meistens, erfordert aber eine große Lücke. Da die großen Lücken im heftigen Großstadtverkehr eher selten sind, mussten die Betroffenen oft weit fahren, bis endlich eine derart große Lücke in Sicht kam. Leider auch weit entfernt vom angestrebten Ziel. Anschließend war ein ausgedehnter Fußmarsch zurück fällig. Zweierlei Ängste sind hier im Spiel: Einmal die Angst, auf der Suche nach großen Lücken sinnlos weit fahren und weit zurück gehen zu müssen, unnötig Zeit zu verlieren. Wichtiger aber die Angst, sich wieder mal als unfähig zu erweisen, weil kleine Lücken halt nicht geschafft werden.

Die Angst vor großen Lücken = „große-Lücken-Abwehr“
Absurderweise ist aus den geschilderten Gründen wahrscheinlich die Angst vor großen Lücken entstanden. Diese schlägt dann so um, dass nur noch kleine Lücken angestrebt, große dagegen abgelehnt werden. Nach dem Motto: Je kleiner, umso besser!  Kleine Lücke sind aber nach wie vor schwierig zu bewältigen.

Was ist schwierig bei den kleinen Lücken?
Unter 5 m Länge der Lücke wird es ganz schwer, dann haben Sie vorne und hinten gerade mal 50 cm, mit den genannten zusätzlichen Einschränkungen vielleicht nur noch 25 cm. Bei kleinen Lücken ist alles knapp, was schon gefährlich ist. Wegen der Enge laufen Sie dauernd Gefahr, irgendwo anzustoßen. Die Fahrlinie in die kleine Lücke hinein muss exakt stimmen. Sie müssen beim Einfahren in die kleine Lücke  schnell und gekonnt lenken, Korrekturen sind wegen der engen Räume nur schwer möglich. Wenn es nicht geklappt hat, dann fahren Sie am besten wieder komplett raus aus der kleinen Lücke. Oft versuchen es die Betroffenen in der kleinen Lücke wieder und wieder, sind enttäuscht, weil es nicht gelingt. Sie erwarten von mir einen „Zaubertrick“. Den gibt es leider nicht. Zurück bleibt viel Frust. Es ist eine Qual für alle Beteiligten, vertane Zeit.

Zuerst an großen Lücken üben, später an kleineren
Richtig ist natürlich, zuerst mit größeren Lücken zu üben. Später können wir dann auch in einer ganz ruhigen Situation mit einer kleinen Lücke üben. Und da stellt sich heraus, dass die Betroffenen bei freier Wahl sich mit unserem VW Golf eine Lücke von 4 m Länge suchen. Das geht schon physikalisch gar nicht. Hier spielt ein anderer Grund herein: Sie können schlicht und einfach noch nicht richtig schätzen. Dazu dann eine der Aufgaben am Schluss des Beitrags: Ohne Druck, vielleicht bei einem Spaziergang, sich Parklücken ansehen, abschreiten und sich vorstellen, was geht und was nicht.

Lassen Sie sich zu Anfang bitte beim Einparken auf große Lücken ein. Dort lernen oder wiederholen Sie das Einparken und mildern Ihre Angst. Kleine Lücken produzieren zu Anfang nur unnötige Misserfolge, belasten Sie und fördern die Angst. Verschieben Sie das Üben mit kleinen Lücken auf später. 

Stoff üben und Angstbewältigung:
Die Angstbewältigung sollte zur Routine werden

So sollten Sie sich Betreuungsstunden vorstellen. Es wird eben nie nur der „Stoff“ geübt – wie parke ich richtig ein?, – sondern immer der Stoff im Zusammenhang mit der Angstbewältigung.  Angstbewältigung nicht „extra“, sondern immer auch in den Stoff verwoben. Auch die Methoden der Angstbewältigung sollten dann irgendwann Routine werden, so wie auch die Routinen beim Einparken in der Fahrzeugbedienung. Das macht es für Angsthäsinnen nicht gerade leichter. Aber sie sind ja auch angetreten mit dem Ziel, ihre Fahrängste zu überwinden. Die Aufgabe ist schwerer, als wenn Sie „nur“ wie Fahrschüler:innen den Stoff zu lernen haben. Jedoch leidet auch eine starke Minderheit dieser Gruppe unter heftigen Ängsten in der Prüfung.

In weiteren Beiträgen, die sich mit den einzelnen Arten des Einparkens beschäftigen, mache ich Sie mit dem genauen Ablauf des Einparkens bekannt. Und gleichzeitig erfahren Sie auch einige Möglichkeiten, Angstreaktionen beim Einparken gemildert und unter Kontrolle zu halten.

In den folgenden drei Geschichten schildere ich, mit welchen Schwierigkeiten ängstliche Anfängerinnen beim Einparken zu kämpfen haben. Für die Schwierigkeiten ist oft das soziale Umfeld verantwortlich. Aber auch die jeweilige Angsthäsin, die notgedrungen Selbstbewusstsein erlernen und sich gegen die Zumutungen wappnen muss.

3. Drei Geschichten über Einparken und Angst

1) Marianne fühlt sich nur noch fix und fertig

Der Freund drängelt
Marianne gibt dem Drängen ihres Freundes nur sehr widerwillig nach. Der Freund möchte, dass sie sich nach jahrelanger Fahrvermeidung wieder ins Auto traut. Er will mit ihr am Sonntag auf einem großen Parkplatz mit seinem Wagen das Einparken üben. Marianne will das nicht. Sie hat nach der Prüfung zwei kleine Unfälle im Zusammenhang mit Parken erlebt. Eigentlich nur kleinere Blechschäden. Sie dachte nach dem zweiten Vorfall, sie könne es nicht, vermied das Fahren. Die ganze Geschichte war seither ein kleiner Streitpunkt zwischen ihr und ihrem Freund. Sie wollte eigentlich nichts mehr zu tun haben mit dem Autofahren. Doch er war verbissen, sah es nicht ein.

Üben = Ängste weg?
An diesem Sonntagmorgen gibt sie schließlich nach. Er drängelt besonders heftig, hat einen schönen Plan. Sie soll auf einem heute verlassenen Parkplatz üben. Ein wenig lockt auch die vom Freund verkündete Hoffnung, durch das  Üben auf dem Parkplatz die Ängste zu verlieren. „Je mehr Du übst, umso schneller verschwinden Deine Ängste. Am Ende bist Du ganz locker und entspannt!“ So der Freund. Das glaubt sie eigentlich nicht, aber vielleicht doch ein bisschen?

Erschöpft – „ich will’s nur noch hinter mich bringen“
Auf dem Parkplatz ist sie sehr nervös. Dennoch klappt es zu Anfang einigermaßen. Der Freund ist hoch erfreut lobt sie pausenlos. Nach ca. einer halben Stunde ist sie müde, drängt auf den Schluss der Sache. In seiner Begeisterung geht der Freund noch weiter: Nun soll sie auch noch nach Hause fahren, was gar nicht geplant war. Er erklärt das wieder mit seiner „Üben = Angst weg!“ Sie erschrickt, ist aber   zu erschöpft, um sich dagegen zu wehren, möchte die Sache nur noch hinter sich bringen. Der Weg führt über die Ausfahrt aus dem Parkplatz auf eine Wohnstraße. Die Sicht auf die Wohnstraße ist wegen dort geparkter Autos schlecht, hier müsste sich Marianne vorsichtig nach vorne tasten und beobachten, ob alles frei ist.

Panische Reaktion, gefährlich
Das schafft sie nun gar nicht mehr. Sie hört ihren Freund wie weit entfernt auf sie einreden. Sie ist am Ende ihrer Kräfte, Ihr Herz klopft, die Konzentration ist weg, sie wäre so gern woanders. Plötzlich reagiert sie panisch, möchte eigentlich bremsen, gibt aber statt dessen Vollgas, lässt die Kupplung los. Der Wagen macht einen Satz nach vorne, landet mitten auf der Wohnstraße. Wenn da jetzt ein Radfahrer, Fußgänger oder ein anderes Auto gewesen wäre… Der Freund, hilflos und völlig durcheinander  schreit vor Schreck auf. Er schimpft, macht ihr Vorwürfe, die er gleich wieder zurück nimmt. Nichts ist passiert, es ist doch alles noch einmal gut gegangen. Nicht ganz. Marianne verlässt  weinend das Auto, will vom Freund nichts mehr wissen. Der versteht gar nichts.

Aufgaben 

Mehr üben = weniger Angst?
Um die zögernde Marianne zu überreden, gebraucht ihr Freund folgendes Argument: Sie müsse nur viel üben, je mehr sie übe, um so mehr verschwinde die Angst. Was halten Sie von dieser Aussage?

Wie werde ich entschlossen?
Die Aufgabe könnte heißen: Was sollte Marianne tun, um nicht in diese gefährliche Lage zu geraten? Denn im schlimmsten Fall wären vielleicht andere Verkehrsteilnehmer verletzt worden. Die Aufgabe ist eigentlich leicht zu lösen: Marianne hätte im Vorfeld und entschlossen „nein!“ zu ihrem Freund sagen müssen. In der Praxis ist solch ein entschlossenes Verhalten leider nicht immer so leicht, im Gegenteil: Partner, Freunde … können Sie mit ihren eigenen Vorstellungen und ihrem Unverständnis für Ihre Lage richtig überrennen, Ihre vielleicht zu schwache Gegenwehr zerbröselt. So, wie in Mariannes Fall geschehen. Überlegen Sie, wie Sie Ihre Gegenwehr noch entschlossener gestalten können. Bleiben Sie fest. Es geht doch um die Verkehrssicherheit und Ihre Verantwortung! Lesen Sie dazu bitte den Beitrag : „Autofahren ohne Panik – seit 12 Jahren mein Ziel“. In diesem Beitrag bitte das Schlusskapitel auswählen: „Mein Mann hat sich zu sehr eingemischt“. 

2) Sabine hält sich die Ohren zu

Sabine hat bestanden. Dennoch bleiben schwere Gedanken zurück
Sabine ist glücklich nach der bestandenen Fahrprüfung. Andererseits denkt sie eher zwiespältig an die Prüfung zurück. Vor allem beim Einparken hatte sie Angst und wusste zeitweise nicht mehr, wie es weiter geht. Eine Art „Gehirnlähmung“ hatte sie erfasst, so dass der Parkvorgang nicht mehr gewärtig war. Nur durch die Hilfe des Prüfers hat sie es dann geschafft. Der Prüfer händigt ihr anschließend den Führerschein mit Lob und Tadel aus: Der überwiegende Teil der Prüffahrt war seiner Meinung nach zwar in Ordnung. Aber das Einparken müsse sie noch üben. Alleine würde sie das wahrscheinlich nicht schaffen. Dieses halb abwertende Urteil trifft Sabine schwer. Sie grübelt und grübelt. Wie soll das nun weiter gehen?

Fahrschülerin ängstlich, Fahrlehrer ungeduldig
Auch an die Ausbildung denkt sie ungern zurück. Denn sie ist selbst eher ängstlich, sehr zurückhaltend. Unter der etwas barschen, ungeduldigen Art ihres Fahrlehrers hat sie gelitten. Er ist kein Bösewicht. Aber ihm geht es oft viel zu langsam. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie noch weiter geübt, vor allem das Einparken. Sie wollte noch gar nicht in die Prüfung. Doch ihr Fahrlehrer macht einfach Schluss mit der Ausbildung, er meldet sie ohne Rücksprache zur praktischen Prüfung an. Sabine nimmt das hin, ärgert sich insgeheim. Auch nach der Prüfung hat ihr Fahrlehrer sich kaum mit ihr gefreut, sondern sie angemeckert: Sie hätten das Einparken doch so oft geübt. Da sollte „man“ doch keine Angst mehr haben. Und dann so ein jämmerliches Schauspiel, nur noch Schiss und Herumzittern, und das nach so vielen Stunden! Die verletzenden Worte haben sie tief getroffen.

Aber das alles ist jetzt Geschichte. Sabine beschließt, sich nur zu freuen, all die niederdrückenden Beiworte zu vergessen. Aber es gelingt ihr nicht ganz. Immer wieder kehrt die unerfreuliche Erinnerung zurück.

Ihr Freund will mehr
Ihr Freund hat auf dem Hof der Prüfstelle auf sie gewartet. Er gratuliert ihr und umarmt sie. Sein Auto steht in der Nähe geparkt. Sie wollen nun zu seinen Eltern fahren, mit ihnen zusammen den Führerschein feiern. Ihre Eltern sind ebenfalls dort. Als er das Auto aufschließt, kommt ihm eine Idee: „Du hast doch jetzt den Führerschein. Du könntest uns zu den Eltern fahren?“ Einladend zeigt er auf den Sitzplatz links vorne. Sabine erschrickt und zögert. Sie wollte erst in Ruhe feiern, die Sache überschlafen. Die Fahrprüfung hat sie erschöpft. Über so etwas wie den Plan ihres Freundes hat sie gar nicht nachgedacht. Er drängelt weiter: „Versuch’s doch, ich bin ja dabei. Du wirst sehen, es geht immer besser. Und am Schluss macht es sogar Spaß!“ Der Freund lockt, und ein bisschen kann sie ihn verstehen. Schließlich gibt sie nach, ihr Herz klopft. Sie fühlt sich dem Alleinfahren noch gar nicht gewachsen. Sie hat sich das eher später und sehr vorsichtig vorgestellt, auf keine Fall gleich nach der Prüfung. Weil der Freund nicht nachgibt, setzt sie sich schließlich ans Steuer.

Das fremde Auto
Sabine ist eingeschüchtert von dem fremden Auto. Sie wollen losfahren, dabei würgt sie ein paar Mal den Motor ab. Schließlich schafft sie das Anfahren, es kostet Kraft. Sie fühlt sich durch das fremde Auto sehr abgelenkt, sie verschaltet sich, achtet mit Mühe auf den Verkehr. Ihr Freund freut sich und jubelt beinahe, spinnt Pläne, wie sie am Wochenende Ausflüge machen, irgendwo aufs Land nach Brandenburg. Sabine bleibt sehr angespannt, sie würde lieber aufhören. Sie konzentriert sich mit aller Energie, damit ihr keine wesentlichen Informationen verloren gehen. Merkt aber mit Entsetzen, dass ihr wegen der scharfen Konzentration etwas schummrig wird. Am liebsten würde sie das Auto einfach irgendwo abstellen und selbst einfach abhauen.

Die Eltern warten schon, wollen sich mit freuen
Nun haben Sie die Wohnstraße erreicht, in der die Eltern ihres Freundes wohnen. Ihr Freund entdeckt diese auf dem Balkon ihrer Wohnung, zusammen mit den Eltern der Freundin. Dort stehen sie und winken ihnen zu. Sie wollen ja gleich den Führerschein feiern. Der Freund berichtet ihr das alles genau. Parklücke in Sicht, auf der rechten Seite. „Da“ – so der Freund – „kannst Du gleich noch zum guten Schluss einparken. Die Eltern würde es so freuen, wenn sie vom Balkon aus zu gucken könnten.“

Rückwärts einparken, das nicht auch noch
Sabine erschrickt. Sie war doch so erleichtert, dass gleich Schluss ist. Und jetzt noch eins drauf auf ihre Schwierigkeiten. Nein, das nicht auch noch! Wo das Einparken auch nicht in der Prüfung geklappt hat. Die jetzige Parklücke ist zu kurz, um vorwärts einzuparken, das hätte sie vielleicht noch geschafft. Aber rückwärts in die Lücke, das geht gar nicht. Das Herz klopft wieder mehr, sie schwitzt, merkt, dass sie die Kupplung kaum noch ruhig halten kann. Sie spürt dieselbe Gehirnlähmung wie in der Prüfung. Die ganzen Abläufe beim Parken sind weg. Sie stellt sich zögernd neben das vordere Auto. Zum Freund: „Ich kann nicht mehr. Ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll.“ Der Freund ist enttäuscht, fasst sich aber sofort: „Das schaffen wir schon. Ich sage Dir alles an, was Du jetzt tun musst. Das kriegen wir hin. Wir sagen den Eltern nichts davon.“ Nun redet er auf sie ein, ein wirrer Wortsalat. Sie versteht nichts, legt den Rückwärtsgang ein, gibt heftig Gas. Der Motor brüllt auf, in der Panik lässt sie die Kupplung los. Der Wagen macht einen kleinen Satz nach hinten. Nichts ist passiert, dort ist frei.  Der Freund ist erschrocken, redet noch mehr.

Verantwortung
Sabine versucht es noch einmal, lässt den Motor an. Doch nun erlebt sie einen positiven Impuls: So geht es nicht weiter! Das ist ja nur noch Qual, und letztlich gefährlich. Sie besinnt sich auf ihre Verantwortung, dass weiter nichts passieren darf. Vom Fenster, das offen ist, weht ein kühler Hauch. Sie atmet tief ein, das erfrischt!  Nun weiß sie, was zu tun ist. Sie spricht laut: „So geht das nicht weiter, ich höre auf!“ Sie zieht die Handbremse ganz fest hoch, schaltet den Motor aus, lässt die Kupplung los. Alles gut. Dann bedeckt Sabine mit beiden Händen ihre Ohren, um dem aufgeregten Gebabbel ihres Freundes zu entgehen.   Der hält erschrocken inne. Sabine sagt kurz zu ihrem Freund, sie wolle jetzt mal allein sein. Sie geht nicht mit ihm zu den Eltern hoch. Vorsichtig öffnet sie die Autotür, steigt aus, macht zu, geht weg. Endlich Ruhe. Die hat sie verdient, nach der Fahrprüfung.

Aufgaben

Was tun bei einer Gehirnlähmung?
Sabine erlebt schon in der Prüfung eine Art „Gehirnlähmung“, wodurch die ganzen Abläufe beim Parken im Gedächtnis weg sind. Dies wird gemeinhin auch mit „Blackout“ bezeichnet. Später kommt die Lähmung wieder, als ihr Freund von verlangt, in der Wohnstraße unter den Augen der Eltern einzuparken. Bitte informieren sich über Möglichkeiten der Hilfe und lesen Sie den Beitrag über Blackout beim Einparken, was können Sie tun?

Der positive Impuls
Sabine lässt sich lange von ihrem Freund zu der qualvollen Fahrt treiben, bis zur Erschöpfung. Sie hätte gleich und standhaft „nein!“ sagen müssen. Nach dem missglückten Einparkversuch erlebt sie einen positiven Impuls: Sie möchte aufhören. Und sie setzt ihr Vorhaben entschlossen in die Tat um. Wie hat sie das geschafft, so dass es doch noch zu der glücklichen Wende kam? Was wäre noch besser gewesen?

3) Paula kommt nicht in die Lücke rein

Parkunfall – der Kratzer
Paula, 32, ist Verwaltungsangestellte, verheiratet, hat zwei Kinder . Außerdem ist sie Angsthäsin mit Führerschein. Sie hat seit ihrem Führerschein Probleme mit dem Parken gehabt. Einmal gab es beim Einparken einen kleinen Kratzer. Sie fühlte sich anderen zur Eile gedrängt. Damals hat sie das Autofahren aufgegeben.

Angst vor einem Drängler
Sie möchte mit mir in einer stillen Wohnstraße das Einparken rückwärts seitlich am Bordstein üben. Paula ist nervös, schaut unruhig, schaltet hektisch, bremst heftig, auch wenn es gemütlich ginge. Sie hat Angst vor einem Drängler, der hinten nah auffährt, sie nicht in Ruhe lässt. Es geht hier vor allem um die Parkplatzsuche, wo wir etwas langsamer fahren müssen, um etwaige Lücken zu erkennen und einzuschätzen. Dann wird bisweilen gedrängelt, aber nie richtig heftig. Paula nennt solche Menschen „böse“, wundert sich, dass diese nicht ein bisschen Mitleid mit ihr als Fahranfängerin haben. Hinweis: Auf dem Dach des Fahrschulautos thront ein Fahrschulschild.

Korrekturzüge
Das letzte Mal beim Einparken kam sie nur schwer in die Lücke. Sie war verzweifelt, weil sie nicht sofort reinkam, sondern sich in vielen Korrekturzügen verhedderte. Das ist eine weitere Angst: Sie fürchtet sich vor Korrekturzügen, möchte sofort, auf einmal in die Lücke kommen. Sie findet das beschämend, ein Beweis ihres Nichtkönnens, dass es nicht gleich klappt.

Wie kommen wir der Drängler-Angst bei?
Wir haben vor der Fahrt über ihre Ängste gesprochen. Ich nehme diese ernst. Aber ich habe auch versucht, ihr nahe zu bringen, dass sie diese Drängler überzeichnet. Sie sind nicht „böse“, wir können auch nicht mit ihrem Einfühlungsvermögen rechnen. Sie haben es schlicht und einfach eilig. Deshalb fahren sie manchmal ruppig und zu nah. Wenn wir ihnen Platz machen, zack, sind sie weg, und versuchen, weitere „Hindernisse“ aus dem Weg zu schaffen. Paula nimmt aber meine Rede kaum an. Etwas nachdenklicher wird sie allerdings, als ich auf das Beispiel vieler Angsthäsinnen zu sprechen komme: Diese haben sich schließlich alle an das lästige Drängler-Unwesen gewöhnt, beachten die Drängler nur noch, wenn nötig. Sie reagieren gleichgültiger.

Rettungsmaßnahme: Dem Drängler ausweichen
Befragt, was ihr denn vorschwebt, wenn ein  Drängler auftaucht, schlägt sie folgendes vor: Sie möchte gerne irgendwohin ausweichen, warten bis der vorbei ist. Gut, ich bin einverstanden. Das wäre eine Art Rettungsmaßnahme, warum nicht? Wir sprechen kurz über die Möglichkeiten. Am besten wäre seitlich eine sehr große Parklücke, oder eine breite Aus- oder Einfahrt. Dort könnten wir jeweils vorwärts hinein fahren. Dann geht es los. Wir warten auf den nächsten Drängler, fahren bewusst langsam, blinken rechts, wie auf der Suche nach einem Parkplatz. Ich hoffe laut, dass der nächste Fahrer wirklich ein bisschen drängelt, und nicht gerade super nett mit Abstand hinter uns her schleicht. Darüber müssen wir beide lachen. Gott sei Dank taucht ein wenn auch harmloser Drängler auf. Doch Paula nimmt ihn ernst, sie ist schnell auf 6. Ich ermuntere sie, weiter laut zu sprechen und sich an unseren Plan zu halten. Und sie redet weiter, sieht eine große Lücke, schaut in den Innenspiegel, schön, bremst ein bisschen, und zieht langsam, sehr vorsichtig da hinein. Ich lobe sie, gut gemacht!

Was bringt die Übung „dem Drängler ausweichen“?
Paula findet die Übung hervorragend, weil sie die Drängler so immer los werden kann. Weitere Wirkung? Ich frage sie, ob dieser Drängler gerade wirklich böse oder mitleidslos war? Nein, so die Antwort. Aber er war halt eine Ausnahme. Darüber muss ich wieder lachen und verkünde ihr: Es wird noch weitere Ausnahmen geben. Ich verspreche ihr, dass wir diese Übung noch ein paar mal wiederholen. Denn sie hat ihr viel gebracht. Aber gibt es auch ein bisschen Kritik? Ja, das fällt ihr sofort ein: Wenn wir jedem Drängler ausweichen, dann wird unsere Fahrt wahrscheinlich länger dauern. Das findet sie nicht so schlimm. Dennoch: Ich nehme Paula das Versprechen ab, dass wir auch mal üben, einem Drängler durch innere Beruhigung stand zu halten.

Vorbereitung, schriftlich = sehr gut
Inzwischen hat Paula eine schöne Parklücke für unsere Einpark-Übung gefunden, mehr als 6 m lang. Sie steht mit reichlich einem halben m Abstand neben dem vorderen Auto, Spiegel an Spiegel. Das und weitere Punkte für das erfolgreiche Einparken haben wir schon oft besprochen. Außerdem hat sich Paula den ganzen Ablauf zu Hause aufgeschrieben, das Schreiben mitgebracht, von mir korrigieren lassen. Gute Vorbereitung, wie es viele Angsthäsinnen so drauf haben, = hervorragend.

Keine Pause, Hektik
Sie schaut nach hinten, möchte ein wenig zurück ziehen. Ich frage sie, nach dem Stand ihrer Nervosität – 5! Ein bisschen viel. Befragt, warum, antwortet sie: Sie möchte so gern die Sache „erfolgreich“ durchziehen, d.h. ohne Korrekturzüge, elegant, sofort und richtig in die Lücke hinein. Ich bitte sie darauf, auf die Pausen während des Einparkens zu achten. So haben wir es besprochen, so hat sie es aufgeschrieben. Das kommt mir inzwischen alles zu hastig, ich hätte gerne noch ein bisschen gesprochen. Aber sie hat schon los gelegt mit dem Einparken. Sie fährt langsam zurück, bis das Heck des des vorderen Autos im hinteren Seitenfenster auftaucht. Noch ein bisschen weiter, so dass wir später ganz sicher am vorderen Auto vorbei lenken können. Gut. Aber jetzt kommt etwas, was wir nie besprochen haben. Sie sollte eigentlich nach dem Zurückfahren kurz Pause machen, sich erholen, laut sprechen, wie es weiter geht. Doch von Erholung keine Rede, Paula wirkt verspannt, abwesend. Sie macht keine kurze Pause.

Aufregung = Primitivlösung
Statt dessen zieht sie weiter, stumm, fährt scharf nach rechts in die Lücke hinein. Und sie zieht immer weiter scharf nach rechts, weiter, ohne irgendwann dagegen zu lenken. Unser Fahrschulwagen läuft immer mehr nach rechts hinten, inzwischen beinahe senkrecht auf den Bordstein zu. So kommen wir leider nicht in die Lücke hinein` In der Aufregung ist ihr nur noch die Primitivlösung geglückt, alles weitere war weg. ich warte gespannt. Schließlich kommt sie heraus, verzweifelt: „Es geht nicht, ich kann es nicht, das werde ich nie lernen!“ Ich sehe Tränen in ihren Augen, tröste sie, biete Ihr ein Paket Papiertaschentücher an. Sie lehnt heftig ab.

Pause + Erholung
Ich frage sie, was sie jetzt vorschlägt. Gut, sie ist dafür, die Handbremse zu ziehen, den Motor auszumachen. Wenigstens die Vernunft ist wieder da. Wir stören durch die merkwürdige Stellung unseres Autos – senkrecht zum Bordstein –  niemanden. Ich bitte sie, mit mir zusammen auszusteigen, Luft zu holen. Das, so versichere ich ihr eindringlich, wäre die Lösung der Probleme. Einfach Pause und ein bisschen Erholung. Hätte sie das, wie abgemacht, bei ihrem Einparkversuch berücksichtigt, dann wäre die Fehlstellung gar nicht passiert.

„Fehler“, Korrekturzüge = Grund zur Scham? Eine Übung
Nun müssen wir aber endgültig über ihre Haltung reden, „schnell“ und „ohne Korrekturen“ in die Lücke zu kommen zu wollen. Sie ist Anfängerin, es ist sinnlos und macht Frust, wenn sie sich mit erfahrenen Autofahrern vergleicht und deren Maßstäbe für sich setzt. Sie darf und sollte langsam fahren, „Fehler“ und Korrekturzüge einberechnen. Aber, so ihr Argument, müsste sie sich vor den anderen schämen! Ich darauf: Dann müssten sich Millionen von Autofahrern, die pausenlos beim Einparken korrigieren, ebenfalls schämen.

Fehler-Korrekturübung + Schämübung
Wir werden nun, so kündige ich ihr an, folgende Übung abhalten, um diese Angstgedanken ein bisschen aufzulösen. Erst einmal fahren wir wieder raus aus unserer etwas unglücklichen Stellung. Ich erkläre ihr die folgende Übung, dann geht es los:

  1. Sie fährt ganz bewusst wieder so steil nach rechts in die Lücke ein.
  2. Anschließend  redet sie laut, stellt Nervosität fest, macht bewusst eine Pause. Handbremse wird gezogen, Motor ausgeschaltet. Dann steigt sie aus, erholt sich ein bisschen. Ich steige mit aus, spiele Autofahrer, der sie beobachtet und sagt: „Das ist ein ja Ding. Da kann man doch nichts verkehrt machen. In diese Lücke kommt sogar ein Lastwagen rein!“ Paula atmet jetzt bewusst ruhig. Sie kann darauf beispielsweise sagen: „Ich lerne ja noch. Ich schaffe die Lücke, allein. Danke für Ihre Hilfe. Aber jetzt bitte nicht stören!“
  3. Darauf fährt sie wieder ganz raus, fährt anschließend rein in die Lücke, so wie sie es gelernt hat.

„Paula, schämst Du Dich?“
Wie sie es gelernt hat, heißt: Vorsichtig, ruhig, mit viel Beobachtung, vor entscheidenden Etappen, beim Einparken etwas Pause einlegen und laut sprechen. Das klappt auch, bis zum Schluss. Wir kommen dieses Mal viel besser rein in die Lücke. Allerdings zu weit ab vom Bordstein. Sie bespricht die Lage und ihren nervlichen Zustand, der erträglich ist, sie befindet sich etwa auf 4. Sie beschließt laut, vorwärts nach rechts zu fahren, anschließend rückwärts ebenfalls nach links,  Richtung Bordstein. Immerhin viermalige Korrektur. Jedes mal laut angesagt. Ich frage sie laut, ob sie sich nun „schäme“. Sie muss lachen – „nein!“

Rollenspiel – Gespräch mit dem spöttischen Autofahrer
Das „Gespräch“ mit dem leicht spöttischen Autofahrer war nicht so einfach. Wir mussten mehrmals üben. Paulas Stimme klang zu Anfang zu leise, kaum vernehmlich. Sie hatte Angst davor, heftig belehrt zu werden, das zu Recht, sich schämen zu müssen. Zuerst kam von ihr auch nur der erste Satz: „Ich lerne ja noch!“ Das war ein bisschen die Mitleidsschiene. Da musste auch noch ein bisschen mehr dazu. Der Autofahrer wäre ja gar nicht so gewesen. Wie die meisten Berliner hätte und hat er – in meiner Person – zur Kontaktaufnahme ein bisschen gefrotzelt. Er hätte in Wirklichkeit sogar helfen wollen. Das ist ja nicht schlecht. Aber trotzdem – Paula möchte die Lücke allein schaffen. Daher die höfliche Ablehnung. So haben wir das Gespräch langsam zurecht gebastelt und geübt. Auch an der Lautstärke mussten wir üben. Paula war zu Beginn viel zu leise.  Letztlich hat das Rollenspiel doch etwas gebracht. Sie wird nicht mehr in den Boden vor Schreck oder Scham versinken, wenn sie auf ihr Parken angesprochen wird. Sie wird weniger darüber nachgrübeln, was andere von ihr denken. Sie wird vielleicht freundlicher über die anderer Fahrer denken. Diese wollen ja eigentlich helfen, auf jeden Fall nichts Böses.

Auf jeden Fall machen wir ab jetzt beim Parken immer wieder Korrekturübungen. Wir fahren ganz bewusst etwas falsch in die Lücke hinein, üben Korrekturzüge. Immer hin und her. Sie kommt gut damit zurecht, kann Fehler beim Reinziehen in die Lücke kurzer Hand damit ausgleichen. Sie stellt inzwischen lachend fest, dass sie sich ein Parken ohne Korrekturzüge kaum noch vorstellen könne. Sie hätte jetzt weniger Angst davor, beim Einparken Fehler zu machen. Na bitte. Wir sind beide zufrieden.

  • Aufgaben

Rettungsmaßnahmen – ein Drängler

Sie sind auf der Suche nach einem Parkplatz. Hinter Ihnen taucht ein Drängler auf. Er fährt nah, unangenehm. Ihnen wird unwohl. Welche Rettungsmaßnahmen fallen Ihnen ein?

Korrekturzüge – der Sinn

Warum ist es so gut, wenn Ihnen Korrekturzüge so geläufig sind?

Würstchenbude

Nach langem Suchen haben Sie endlich einen schönen Parkplatz gefunden, neben einer Würstchenbude. Die Leute dort langweilen sich. Nun haben diese endlich was Interessantes gefunden. Sie drehen sich um, schauen Ihnen beim Einparken zu, machen Bemerkungen. Wie können Sie sich helfen?

4. Elektronische Assistenten für das Einparken

5. Zusammenfassung

  1. Rettungsmaßnahmen
    Wenn irgend etwas vor oder beim Einparken gründlich schief geht, wenn Sie sehr nervös sind, dann greifen Sie lieber auf Rettungsmaßnahmen zurück: Sie können jederzeit aufhören, auch mitten im Einparken, die Handbremse ziehen, aussteigen und tief durchatmen. Sie können aufgeben, irgend wo anders hin fahren. Sie können vielleicht einen Mitfahrer mit Führerschein bitten, das Einparken für Sie zu übernehmen. Alles ist besser, als dass etwas passiert.
  2. Routinen beherrschen
    Sie sollten die Routinen zum Einparken beherrschen – die Beobachtung Ihrer Umgebung, das langsame Fahren, das Lenken nach Ziel, die richtige Fahrlinie zum Erreichen der Lücke, eventuell nötige Korrekturzüge. Das ist Ihr grundsätzliches Handwerkszeug, die Beobachtung der Umgebung, die richtige Bedienung des Autos, die Umsetzung einer besonderen Fahrlinie, um in die gewünschte Lücke hinein zu kommen.
  3. Sorgen Sie für Beruhigung und Kontrolle
    Beobachten Sie sich selbst, sorgen Sie dafür, dass Sie ruhig und kontrolliert bleiben. Sprechen Sie laut das Niveau Ihrer Nervosität an, beruhigen Sie sich. Halten Sie bei wichtigen Etappen des Einparkens kurze Pausen ein, um sich erholen zu können, die Weiterfahrt zu planen. Dabei dürfen Sie ruhig auch mal aussteigen, frische Luft atmen, beobachten. Sprechen Sie laut, um den Atem zu kontrollieren, den Verstand präsent zu halten.
  4. Korrekturzüge üben und einplanen
    Korrekturzüge beim Einparken sind nichts Besonderes, sondern ganz normal
    Seien Sie freundlich zu sich: Wenn das Einparken nicht gleich klappt, verzweifeln Sie nicht, seien Sie nicht sauer.  Machen Sie eine kurze Pause, erholen Sie sich und planen die nötigen Korrekturzüge. Die Beherrschung der Korrekturzüge tut Ihnen gut. Denn so verlieren Sie die Angst vor vermeintlichen „Fehlern“.
  5. Größere Lücken sind zu Anfang besser
    Wählen Sie, falls vorhanden, lieber eine größere Lücke. Dort gelingt das Einparken besser, Sie fühlen sich sicher und haben Erfolgserlebnisse. Später können Sie sich gerne auch an kleineren Lücken versuchen. Planen Sie aber bitte keine „Heldentaten“. Unter 5 m Länge der Lücke wird es sehr schwierig.

6. Links zum Thema Einparken

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu „Einparken rückwärts rechts, längs zum Bordstein: Abläufe kennen lernen, sich beruhigen“

  1. Ich habe irgendwie einparken nie wirklich gelernt und bin jetzt morgens immer sehr gestresst wenn ich bei der Arbeit einen Parkplatz suchen muss. Ein Glück habe ich in der Nähe meiner Wohnung einen gemietet. Ich denke auch, dass es gerade beim Einparken eine Sache der Gewohnheit ist.

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