Es tut mir sehr leid – ich höre bald auf

Liebe Angsthäsinnen, liebe Angsthasen,

nach über 25 Jahren der Zusammenarbeit mit Ihnen höre ich als Angsthasenfahrlehrer auf. Leider. Vielen Betroffenen konnte ich helfen, mit ihren Ängsten hinterm Steuer besser umzugehen. Das waren schöne Momente, wenn ich ihre Freude und Dankbarkeit spürte, endlich vom Zwang der Ängste befreit zu sein. Das Aufhören tut mir sehr leid, aber es geht nicht anders. Konkret nenne ich als Datum für das Aufhören das Jahresende 2022.

Das Aufhören fällt mir auch deswegen schwer, weil nun so viele Betroffene ohne kompetente Hilfe sind. Es gibt in Deutschland nur ganz wenige Angsthasenfahrlehrer:innen. Dagegen zählen Betroffene mit Angst hinterm Steuer zu Millionen! Ich denke an die Prüflinge mit Prüfungsangst, ich denke an die vielen Betroffenen mit Angst vor dem dichten, schnellen Großstadtverkehr, oder mit Angst vor Panikattacken auf der Autobahn. All diesen Menschen könnte heutzutage kompetent geholfen werden. „Könnte“ – aber wer ist denn kompetent dafür?

Erster Ansprechpartner für die Betreuung dieser Menschen wären eigentlich Fahrlehrer:innen. Leider sind diese im allgemeinen nicht gewohnt, über ihre beruflichen Grenzen hinaus zu blicken. Sie sind für das Eingehen auf diese psychischen Probleme nicht ausgebildet. Auch die Fahrlehrerverbände, an die ich mich gewandt habe, hatten nie wirkliches Interesse. Einzig die Medien waren aufmerksam, berichteten regelmäßig über meine Arbeit.

Therapeuten:innen können die psychischen Probleme verstehen und bei der Überwindung helfen. Jedoch sind sie nicht in der Lage, die Betroffenen bei der praktischen Konfrontation mit den Ängsten im Straßenverkehr zu begleiten und zu schützen. Ich habe zwar manchmal von solchen Aktionen gehört. Aber gefährlich sind und bleiben diese.

Kompetente Fahrlehrer:innen wären am besten geeignet, die Betroffenen bei der Fahrt in die Angst auslösenden Situationen zu begleiten und zu schützen. So könnten sie die therapeutische Arbeit wirksam unterstützen.

Der Beruf des Angsthasenfahrlehrers ist nötig. Doch am Schluss war meine Lage so, dass ich wegen der überbordenden Nachfrage nach Betreuung zu nichts anderem mehr kam und mich auf die dringendsten Fälle konzentrieren musste.  So geriet geriet mir auch das wichtige Problem meines Nachfolgers zeitweise aus dem Fokus. So geht es wohl vielen Selbständigen. Ich würde gerne aufhören und meine Nachfolge gesichert haben. Doch das ist leider nicht der Fall.

Wie soll das nun während der Übergangszeit bis Ende 2022 und danach weiter gehen?

  • Praktische Betreuung bis Ende 2022
    Soweit ich Betroffene mit Angst hinterm Steuer jetzt schon praktisch betreue, geschieht dies auch weiterhin. Möglichst bis zum Schluss, d.h. bis zum erfolgreichen Umgang mit den Fahrängsten. „Möglichst“, weil meine zeitliche Grenze für das Aufhören das Jahresende 2022 ist. Verständlich, dass ich bei nicht voraus zu sehenden Ereignissen wie Krankheit dieses Versprechen auf Betreuung bis zum Erfolg leider nicht werde einhalten können.
  • Warteliste
    Wenn mir dann doch wider Erwarten weitere Zeit bleibt, kann ich auch die Betroffenen auf der Warteliste berücksichtigen. „Wenn…“
  • Bei sehr dringenden Gründen setze ich noch ein paar Wochen dazu, aber nur im absoluten Ausnahmefall.
  • Neuanmeldungen
    Wie auch vorher schon geschrieben, kann es manchmal ganz dringende Fälle geben, bei denen ich eine Ausnahme mache.  Ich setze auch sehr auf weitere Ausbildung eines möglichen Nachfolgers, wobei ich dann eben mitfahren würde.
  • Webseite
    Die Website www.auto-angst.de bleibt bestehen. Ich werde sie pflegen, soweit mir neue Erkenntnisse oder Tipps zukommen. Viele Betroffene haben mir direkt auf die Webseite einen Kommentar zu Beiträgen geschrieben und von ihren Problemen berichtet. Ich werden weiterhin meinen Rat geben, wenn Sie dort Anfragen stellen.
  • Broschüre
    Ich werde eine Broschüre schreiben, einen schriftlichen oder digitalen Ratgeber, in der ich kurz die Erkenntnisse aus den vielen Jahren der Zusammenarbeit mit Betroffenen hinterm Steuer zusammen fasse. Es gibt zwar nach wie vor den Ratgeber von mir und dem Kollegen H.J. Ruhr: „Keine Angst mehr hinterm Steuer“. Doch hat sich in den Jahren und durch viele neue Erfahrung einiges verändert. Z.B. müsste ich über den sozialen Umkreis von Angsthäsinnen schreiben. Sie sind eigentlich dringend auf Unterstützung aus ihrem Bekannten- oder Verwandtenkreis angewiesen und müssen sich diese auch irgendwie organisieren. Sonst wird es schwer. Das ist eine wichtige Erfahrung, auf die wir damals, als wir den ursprünglichen Ratgeber schrieben, noch nicht eingehen konnten.
  • 123fahrschule, interessierte Kollegen
    Ich bin gerne bereit, interessierten Kollegen in der 123fahrschule Unterricht über die Angstbewältigung hinterm Steuer zu geben. Wie wir das im einzelnen organisieren können, bleibt noch offen.  Jedenfalls käme es den vielen Betroffenen zugute, die verzweifelt eine kompetente Betreuung suchen. Falls sich durch diese Zusammenarbeit doch noch neue Möglichkeiten der Betreuung ergeben, bin ich gerne bereit, allen Betroffenen Mitteilung zu machen, die verzweifelt Hilfe wegen Ihrer Ängste suchen.

Zum Schluss bedanke ich mich bei den vielen Angsthäsinnen und Angsthasen für die gute Zusammenarbeit. Diese werde ich sehr vermissen. Es tut richtig weh. Aber vielleicht ergibt sich doch noch eine Chance, bei der möglichen Ausbildung eines Nachfolgers.  Alles Gute für Sie! 😥

Frank Müller, Angsthasenfahrlehrer  😥  🙂

Berlin, 01.10.2022

5 Gedanken zu „Es tut mir sehr leid – ich höre bald auf“

  1. Hallo Herr Müller,
    ich danke Ihnen von Herzen für diesen wertvollen Content und Ihre Arbeit. Es gibt leider viel zu wenig Fachleute, die dies praktisch begleiten und Hilfestellung geben können. Das dies auch heutzutage noch der Fall ist, bleibt mir ein Rätsel.

    Können Sie mir bitte einen Fahrlehrer in Münster oder Umgebung empfehlen?

    Vielen Dank und Ihnen alles Gute!

    1. liebe Sandra, liebe Gisi, vielen Dank für die netten Worte, sie tun mir wohl. Das Aufhören fällt mir doch sehr schwer. Leider kenne ich weder in Münster noch in München jemanden, der/die kompetent in der Sache wäre. Vor längerer Zeit habe ich allerdings eine sehr begabte Fahrlehrerin aus München ausgebildet – und leider den Kontakt zu ihr verloren. Vielleicht lässt sie sich wieder finden unter dem Stichwort München Angsthasenfahrlehrerin? Ich wünsche Euch beiden alles Gute. Frank Müller

  2. Lieber Herr Müller, gerade bin ich auf Ihre Seite gestoßen und total erleichtert zu hören, dass es viele andere Angsthasen gibt. Ich habe im Juli den Führerschein gemacht, traue mich nicht zu fahren und schäme mich dafür! Schade, dass Sie aufhören! Ich hätte keine Scheu, nach Berlin zukommen. Daher meine Frage: kennen Sie einen Angsthasenfahrlehrer in München? Ihr Buch habe ich gerade bestellt und freue mich darauf. Herzliche Grüße

  3. Hallo Herr Müller
    Ich habe erst vor kurzem ihre Seite kennengelernt und war total erfreut das es sowas gibt. Ich leide ebenfalls wie tausend andere Angsthasen unter Panikattacken beim Autobahnfahren.Schon seid mehreren Jahren. Auch ich würde gern wieder so unbeschwert Autobahn fahren können wie früher. Ich hatte bereits früher eine Verhaltenstherapie aufgrund einer Angststörung. Was ich sehr schade finde ist das es so wenig erfahrene gibt wie Sie. Ich wohne am Bodensee Konstanz. Kennen Sie vielleicht jemanden von hier der sich mit dieser Problematik auskennt ? Oder haben Sie Tipps was ich tun kann ?
    Ich würde mich über Antwort wenn Sie Zeit haben freuen.
    Mit freundlichen Grüßen vom Bodensee
    Steffi (44 Jahre )

    1. Liebe Steffi,
      danke für Ihre Anfrage. Schön, dass Sie schon eine Verhaltenstherapie gehabt haben. Die Angst vor Panikattacken auf der Autobahn ist leider weit verbreitet. Es lässt sich allerdings schon etwas dagegen tun. Gegen die Angst und ihre Auswirkungen. Das müsste dann in der Praxis geschehen, auf der Autobahn. Sie sind am Bodensee zu Hause. Eine Idee? Gruß Frank Müller

Schreibe einen Kommentar zu Frank Müller Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert