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Fahrangst

Bild: Gewerbegebiet. Lkw in zweiter Reihe. Foto Frank Müller

Angstbewältigung für Menschen mit Fahrangst

In Deutschland gibt es wahrscheinlich Millionen Menschen mit Fahrangst. Sie haben den Führerschein, aber sie können ihn nicht nutzen, da sie am Steuer eines Autos zuviel Angst empfinden. Menschen mit Fahrangst haben nicht nur vor dem Auto, sondern vor allen möglichen Situationen im Straßenverkehr große Angst: Parken, enge Wohnstraßen, Überqueren von Kreuzungen, Abbiegen, große Straßen mit dichtem, schnellen Verkehr, Autobahn. Es sind Situationen, an die ein normaler, geübter, lockerer Autofahrer keinen Gedanken verschwenden würde. 

Menschen mit Fahrangst leiden an einer Mischung mehrerer Ängste:

  • Angst vor dem Auto, das mit ihnen macht, was es will,
  • Angst vor komplizierten Rangiermanövern, Angst vor dem Chaos und Durcheinander, wenn viele Autos zugange sind,
  • Angst vor aggressiven Dränglern oder vor Fußgängern und Radfahrern, die sich, so die Furcht, nur irrational verhalten,
  • Angst vor der eigenen Unfähigkeit und vor Fehlern, so dass es womöglich durch ihre Schuld zu gefährlichen Situationen und Unfällen kommt, bei denen andere Schaden erleiden,
  • Angst vor der eigenen Nervosität, die in Drucksituationen hochschießt, so dass sie die Kontrolle verlieren und irrational handeln. 

Kontrollverlust - die schlimmste Angst. Viele sind schon immer ein bisschen ängstlich, fühlen sich aber bis zur Führerscheinprüfung vom Fahrlehrer beschützt. Hinterher fahren sie ängstlich und allein weiter, bemühen sich krampfhaft, alles richtig zu machen, Fehler zu vermeiden. Das kann sogar eine Zeitlang klappen. Aber irgendwann kommt es zu einer größeren Belastung mit hoch schießender Nervosität. Die Kontrolle geht verloren, ein Fehler passiert, vielleicht sogar ein kleiner Unfall. Beispielsweise ein Blechunfall beim Einparken. Durch die Angst kommt es hinterher zu wild kreisenden Angstgedanken: "Das nächste Mal fahre ich vielleicht einen Fußgänger um, der fällt auf den Kopf, muss ins Krankenhaus, liegt dort im Koma." An Ort und Stelle beschließen sie dann, nicht mehr zu fahren, vermeiden das Fahren jahrelang. 

Jahrelang sind sie in dieser Sache passiv. Aber da die Angst "nur" auf die Angst am Steuer eines Autos beschränkt ist, meistern sie ihr sonstiges Leben und ihre Probleme gut. Und irgendwann kommt der Punkt, ab dem sie sagen "jetzt lasse ich mich nicht mehr von den Zwängen der Angst beherrschen." Sie suchen nach einem Fahrlehrer, der kompetent ist und ihnen helfen kann. Und wenn sie einen solchen gefunden haben, sind sie genau aktiv und eifrig bei der Sache.

Wie kann ich als Angsthasenfahrlehrer Menschen mit Fahrangst helfen? 

  1. Die Angstgeschichte erzählen. Sie müssen vor Gleichgesinnten erzählen können, wie es ihnen ergangen ist. Das ist ein wichtiger Punkt, denn sie werden von "normalen" Autofahrern oft nicht verstanden oder gar abgelehnt. Das läuft in der Angsthasenfahrschule bei den gemeinsamen Angsthasentreffen. Das Erzählen und Diskutieren mit den anderen Angsthasen, was man vielleicht hätte besser machen können, ist ein wichtiger Punkt beim Abbau der Angst. 
  2. Schutz und Sicherheit. Sie brauchen zu Anfang Schutz und Sicherheit durch mich als kompetenten Fahrlehrer mit Fahrschulwagen. Sie brauchen ein ruhiges Übungsgebiet, müssen den Umgang mit dem Auto üben können, vor allem das langsame Fahren. Damit entsteht wieder eine Art Urvertrauen zu sich und seinen Fahrkünsten. 
  3. Umgang mit der starken Nervosität. Sie lernen mit ihrer überbordenden Nervosität umzugehen. Hier gibt es viele Hilfen, vor allem solche, die den Verstand, der sich im Stress zurück ziehen möchte, wieder aktivieren. 
  4. Selbständiges Fahren. Sie lernen von Anfang an, auch selbständig zu fahren, beispielsweise auf Strecken, die sie schon kennen. Immer noch mit meiner Begleitung im Fahrschulwagen, aber ohne Hilfe, oder nur im Notfall. Das ist eine wesentliche angstauslösende Situation, in der sie auch selbständig den Umgang mit den nervositätssenkenden Maßnahmen trainieren. Ein Erfolgserlebnis stellt sich ein, wenn es zu einer Belastung mit Nervositätsanstieg kommt, die Nervosität gesenkt werden kann, kein Kontrollverlust eintritt. Das ist dann doch sehr erleichternd!

Schauen Sie sich bitte das Beispielbild oben und hier an:  Im ruhigen Gewerbegebiet treffen wir auf Lkw + Anhänger, die in zweiter Reihe stehen. Was macht an der Situation Angst?

  • Die Aufstellung halb links, um vor dem Vorbeifahren erstmal zu schauen, macht schon Angst, denn sie erfordert, so halb in den den Gegenverkehr hinein zu ragen, damit man etwas sieht.Lkw in zweiter Reihe, schlechte Sicht
  • Bild ganz oben, über der Seite: Die Lkw ragen hoch auf, perspektivisch verengt sich die Strecke, es kommt vielleicht ein bisschen klaustrophobisches Gefühl auf. Die Strecke ist aber eigentlich nicht zu eng, aber ist man da sicher?
  • Die Strecke ist frei, dennoch kann unverhofft Gegenverkehr auftauchen. Nachfolgende Kfz drängeln. Wegen der Verengung würde man gern langsamer fahren. Doch das Gebot ist ja eigentlich, schneller zu passieren, damit man nicht dem vielleicht auftauchendem Gegenverkehr im Wege ist. Aber da ist auch noch die geöffnete rote Fahrertür...
  • Viele Dinge, die man falsch machen kann, zu schnell, zu langsam, zu weit links, zu weit rechts, dauern können Fehler passieren.
  • Angst und Nervosität steigen, das Herz klopft, der Atem geht schneller, die Gedanken kreisen - wo ist nur mein Verstand??

Nervositätstraining in der belastenden Situation:  Ohne Nervositätstraining würde die Angsthäsin hektisch vorbeifahren, womöglich nicht auf Gegenverkehr oder hinten fahrenden Verkehr oder auf die geöffnete Tür des zweiten Lkw achten. Mit dem Training würde sie sich vorsichtig hinter dem Lkw einigermaßen links aufstellen und warten und nach vorne und hinten schauen. Sie würde bewusst langsam atmen und laut (!) sprechen: "Ich bleibe ruhig, ich fahre nicht los, sondern achte darauf, dass hinter mir und vorne frei ist." In einer weiteren Stufe der Entspannung könnte sie sogar dem hinter ihr stehenden, vielleicht hektischen Fahrer ein Handzeichen geben, vor ihr loszufahren. Vorbeifahren an den Lkw würde sie eher langsam, sorgsam schauen, vor der Tür angekommen, beinahe kriechen und auf den eventuell erscheinenden Fahrer achten. 

Der nächste Schritt: Sie fährt ruhig atmend und laut sprechend an den Lkw vorbei. Nicht schnell, eher kontrolliert langsam. Denn die Angst sagt ja, schnell, Flucht. Wir wollen aber, dass Vernunft waltet. Ja, die Angsthäsin schafft es sogar, nach hinten zu schauen und vor der geöffneten Türe des hinten stehenden Lkw kurz stehen zu bleiben. Gefahr: Der Fahrer steigt aus. Weitere Gefahr: Unser nachfolgender Verkehr. Weitere Gefahr: Vielleicht kommt inzwischen jemand von vorne. Immer weiter ruhig atmen und laut sprechen. Schöne Übung!! 

Keine übertriebene Angst - Sicherheit ist wichtig. Die Betroffenen lernen, in den angstauslösenden Situationen ihre Angst auszuhalten und zu kontrollieren. Dabei ist immer zu beachten, dass wir es mit der Angst nicht übertreiben dürfen. Denn die Betroffenen sind auch verantwortliche Führer des Kfz, sie müssen in der Lage bleiben, auf die Sicherheit zu achten. Zwar bin ich als Fahrlehrer auch noch dabei. Aber ich sollte möglichst nur im Notfall eingreifen. Mein Geschick als Angsthasenfahrlehrer ist es, die Angstsituationen im Rahmen zu halten, so dass die Belastung nicht zu hoch wird. 
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Ende Mai hatte ich eine mittelschwere Operation. Leider kommt Ende Juni noch eine weitere Op dazu. Ich werde danach mindestens einen Monat pausieren müssen. Alle neuen Angsthäsinnen können sich bei mir in eine Warteliste eintragen. Wer es ganz dringend mit der Betreuung hat, kann sich auch an die Fahrschule Glowalla  wenden. Cesur Özdal, Leiter der Fahrschule, wird mich in meiner Abwesenheit vertreten. Wir haben schon öfter über die Betreuung von Angsthäsinnen diskutiert. 

Fahrschule Glowalla

Das nächste Angsthasentreffen findet  am Sonnabend 11. August 2018 um 15 Uhr statt. Dauer ungefähr zwei Stunden. 
Ort der Veranstaltung: Fahrschule Glowalla, Saalestr. 82, Nähe S- oder U-Bahnhof Neukölln, Ausgang Saalestraße.
Leitung des Treffens: Frank Müller, Angsthasenfahrlehrer

Das letzte Angsthasentreffen war am Sa 24. März. 2018. Viele Teilnehmer/innen saßen in der Runde, was mich natürlich gefreut hat. Fahrangst im Stadtverkehr, Panik auf der Autobahn, Angst vor weiteren Unfällen - viele Geschichten wurden erzählt und von den Betroffenen verständnisvoll aufgenommen. Übrigens, eine erfreuliche Nachricht: Cesur Özdal, der Leiter der Fahrschule Glowalla, möchte sich aktiv an der Angsthasenbetreuung beteiligen. Das finde ich schön, wegen der Unterstützung.  

 Anmeldungen zum Angsthasentreffen bitte per unten stehender Email oder mobil. Bei der Anmeldung auch Adresse und Telefon beifügen. Beim Angsthasentreffen erzählen alle ihre Geschichte, wir sprechen über die Bewältigung der Angst am Steuer und den Ablauf der Angsthasenbetreuung. Jede/r kann sich dort auch zur ersten Betreuungsstunde eintragen lassen. 

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mobil 0163 4281079 

Link zum Ablauf des Angsthasentreffens


Eine Bemerkung in eigener oder fremder Sache: Die Angsthasenfahrschule Frank Müller hat mit der Webseite der Fahrschule Schaffen Wir GmbH nichts zu tun, weder mit ihren Preisen noch mit ihren sonstigen Angeboten. Die Fahrschule Schaffen gibt es rechtlich gar nicht mehr, sie ist schon längst geschlossen. Schaffen Wir bildet weder Fahrschüler aus, noch betreuen sie dort Angsthasen - auch wenn davon auf der immer noch vorhandenen Webseite die Rede ist. Die Webseite ist  veraltet, mangels Pflege. Eigentlich gehört sie gelöscht. Schade, ich habe sie einst selbst geschrieben. Auf der Startseite ist sogar noch mein Name zu lesen, als Garant für die Webseite. Leider habe ich es bis jetzt nicht erreicht, diesen löschen zu lassen.  

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Fahrängste bewältigen, entspannt und sicher fahren

Viele Menschen leiden an Fahrängsten. Unter der Auswirkung von Angst kann man aber weder entspannt noch sicher Auto fahren oder sich im Verkehr bewegen. Daher hören sie irgendwann ganz auf mit dem Fahren. Es "geht" dann eben nicht mehr, außerdem spüren sie die Verantwortung, unter diesen Umständen lieber nicht weiter zu fahren.