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Anständig fahren, dann passiert nichts

Aufbauseminare für Fahranfänger (ASF) - wenn in der Probezeit etwas passiert

Im Verkehr auffällig gewordene Fahranfänger in der Probezeit müssen ein Aufbauseminar in einer Fahrschule besuchen. Es beinhaltet Gruppengespräche und eine Beobachtungsfahrt. Bei Nichtbelegung eines Aufbauseminars innerhalb der vorgegebenen Frist droht der Führerscheinentzug.

Ich bin Fahranfänger, die Behörde hat mir eine Aufforderung zum ASF geschickt. Und jetzt?

Was soll ich denn tun? Rufen Sie uns oder eine unserer Partnerfahrschule Fahrschule Schaffen Wir oder PS Profi an und vereinbaren Sie einen Termin. Zum Termin nehmen Sie Ihre behördlichen Unterlagen mit. Dort lassen Sie sich beraten, wie es weitergeht und machen eventuell schon Termine für ein Seminar aus. Kontakt

Was ist ein Fahranfänger?

Wer mit dem frischen Führerschein in die Verkehrsrealität entlassen wird, der gilt als Fahranfänger. Er gerät nun in die sogenannte Probezeit. Die Probezeit dauert zwei Jahre. In dieser Zeit wird er/sie im Kraftfahrtbundesamt gesondert geführt. Viele wissenschaftliche Forschungen und Statistiken der Versicherungen haben leider ergeben, dass Fahranfänger - im Vergleich mit geübten Fahrern - besonders viele Unfälle bauen. Sie verschulden leider mehr Unfälle mit Personenschaden und auch schwerere Sachschäden, als andere Kraftfahrer. Es sind insbesondere eine kleine Gruppe unter den Fahranfängern - risikobereite jungen Männer -, die die meisten Schäden anrichten. Alle Fahranfänger werden durch die besondere Registrierung sozusagen beobachtet, ob sie ordentlich fahren oder verkehrswidrig. Tut es eine/r nicht, dann folgen besondere Maßnahmen, um ihn/sie zu bessern.

Zum Thema ein nur halbwegs "lustiges Bild", Thema: "Fahranfängerin übersieht Panzer", aus der Hannoverschen Allgemeinen. Es ist ja "nur" Sachschaden entstanden, Gott sei Dank wurde niemand verletzt.

Was geschieht mit verkehrswidrig fahrenden Fahranfängern?

Fahranfänger, die sich nicht an  die Regeln halten, bekommen wie andere auch, kleinere oder größere Strafen verpasst: Bußgeld ab 60 €, Geldstrafe, und erhalten Punkte im Fahrerlaubnisregister. Zusätzlich aber müssen sie auf Anordnung der Behörde an einem Aufbauseminar für Fahranfänger (ASF) teilnehmen. Wer daran nicht teilnimmt, dem wird die Fahrerlaubnis entzogen! Für alle, die auffällig geworden sind, verlängert sich die Probezeit auf insgesamt vier Jahre.

Wie läuft das Aufbauseminar für Fahranfänger ab?

Das Aufbauseminar findet in einer Fahrschule statt, geleitet von einem dazu berechtigten Fahrlehrer. Es umfasst 4 Seminarsitzungen zu 135 Minuten, dazu nach der ersten Sitzung eine Fahrprobe (Beobachtungsfahrt), die in Gruppen mit mehreren Teilnehmern abgehalten wird. Das Aufbauseminar muss in einem Zeitraum von mindestens 14 Tagen und höchstens 4 Wochen abgehalten werden. Zum erfolgreichen Abschluss stellt der Leiter eine Bescheinigung aus, die der Behörde vorgelegt werden muss.

Auf Antrag kann das Aufbauseminar auch als Einzelseminar absolviert werden. Dann umfassen die einzelnen Sitzungen nur 60 Minuten. Der Gesamtablauf läuft ansonsten wie beim Gruppenseminar.

Wer einzelne Sitzungen oder die Fahrprobe versäumt, kann leider keine Bescheinigung erhalten!

Sinn des Aufbauseminars ist es, dass die Teilnehmer/innen "durch Mitwirkung an Gruppengesprächen und an einer Fahrprobe veranlasst werden, eine risikobewusstere Einstellung im Straßenverkehr zu entwickeln und sich dort sicher und rücksichtsvoll zu verhalten" (§ 2 b StVG). In den Gruppensitzungen wird vor allem über das Fehlverhalten der Teilnehmer/innen und über die Fahrproben gesprochen. Mit einbezogen in die Gespräche werden auch selbst erlebte, gefährliche Situationen. Diese werden von allen gemeinsam in ihrem Ablauf analysiert. An den kritischen Punkten des Ablaufs überlegen alle, was man in dieser Situation hätte besser machen können, um nicht in den verhängnisvollen Unfalltrichter zu geraten.

Bei den Fahrproben beobachten alle das Fahrverhalten, am Schluss gibt es eine gemeinsame Auswertung mit Lob und Kritik. Achtung: Es findet dabei keine Prüfung statt!

Unfallanalyse An dem nebenstehenden Bild einer Unfallanalyse lässt sich eine gemeinsame Analyse einer gefährlichen Situation erläutern. Es geht dabei um ein "Stechen", an dem einer der Seminarteilnehmer beteiligt war. Das Stechen endete mit einem schweren Unfall, bei dem der Beteiligte mit seinem Auto in einen U-Bahneingang krachte. Der Beteiligte selbst und seine Mitfahrer waren übrigens nicht angeschnallt. Am Ablauf des Stechens lässt sich einhaken, wo es überhaupt möglich ist, die Sache noch zu wenden. Der hier abgebildete Tafelanschrieb zeigt dazu auf der rechten Seite in Grün die Äußerungen der Seminarteilnehmer. Wichtiger noch ist, über die grundsätzliche Haltung zu reden, die überhaupt zur Annahme eines für sich und andere lebensgefährlichen Wettrennens auf Großstadtstraßen führt.

Der Inhalt der gemeinsamen Gespräche ist vertraulich. Niemand muss befürchten, dass Gespräche an die Behörde weitergegeben werden.

Ein Seminar dauert mindestens 2, höchstens 4 Wochen.

ASF als Einzelseminar

Achtung: Wie schon oben ausgeführt gibt es auch für diejenigen, die zum ASF aufgefordert worden sind, die Möglichkeit, unter bestimmten Bedingungen ein Einzelseminar besuchen zu können. Vereinbaren Sie in diesem Falle ein Gespräch mit uns.

Ich selbst als Seminarleiter halte von der Möglichkeit eines Einzelseminars viel. Man hat viel mehr Ruhe, sich mit den Problemen dieses einzelnen Menschen zu beschäftigen und mit ihm auf Lösungen für seine Probleme einzugehen.

Was ist, wenn ich nach dem Aufbauseminar für Fahranfänger wieder auffällig werde?

Wer nach dem Besuch eines Aufbauseminars ASF wieder durch erhebliches Fehlverhalten auffällt, bekommt von der Behörde nahegelegt, freiwillig eine verkehrspsychologische Beratung aufzusuchen.

Wer dann noch einmal auffällt, dem wird die Fahrerlaubnis entzogen. Zurück erhält sie nur, wer sich einer MPU (medizinisch-psychologische Untersuchung) unterzieht, und das ist nicht leicht.

Kommentar: Hilfe durch Aufbauseminare für Fahranfänger?

Die Drohung mit der Probezeit und eventuell verhängten Aufbauseminaren hat sich nicht so bewährt, wie man sich das ursprünglich wohl erhofft hatte. Ich sehe im Gruppencharakter der Aufbauseminare nichts Fortschrittliches, im Gegenteil, die Jugendlichen bestärken sich manchmal sogar in ihrer Haltung. Die Einzelseminare sind meiner Erfahrung nach viel sinnvoller. Jedoch werden mir von der Behörde regelmäßig Steine in den Weg gelegt, wenn ich diese beantrage. Es wird bei ablehnenden Bescheiden sogar behauptet, Gruppenseminare seien - wissenschaftlich erwiesen - besser in ihrer Auswirkung. Das halte ich für für Gerede, nichts ist bewiesen.

Ich hoffe, das wird sich jetzt, da bei FES endlich Einzelseminare ganz legal zugelassen sind.