Blue Flower

"Am Anfang war es Quälerei..."

Email-Korrespondenz mit einer ehemaligen Angsthäsin über ihre Schwierigkeiten beim Alleinfahren

Die folgende Korrespondenz über ein halbes Jahr lang zwischen mir und einer ehemaligen Angsthäsin soll Ihnen einen Blick verschaffen für die Schwierigkeiten, die nach der Betreuung beim Alleinfahren in der alltäglichen Verkehrsrealität auftauchen. Es geht dabei um Landstraßen, Stadtverkehr, Autobahn, einen rücksichtslosen Nachbarn, der mit seinem Wohnmobil die Ausfahrt versperrt. 

Am wichtigsten ist die innere Entwicklung, die unsere Heldin durchlebt. Denn sie kämpft sich mit  unglaublicher Zähigkeit durch viele Tiefs und Zweifel. Manchmal ist die Rede sogar von "Wut", als es gar nicht mehr weiter geht. Ich habe damals versucht, dem Begriff eine positive Wendung zu geben, und die Wut in "Mut" umbenannt. Und doch ist es richtig, dass auch Wut mal produktiv sein kann. Jedenfalls dürfte die Lektüre dieser Berichte für viele, die sich fragen, was hinterher auf sie zu kommt, von großem Interesse sein. Insofern hat auch die Angsthäsin nach einigen Bedenken der Veröffentlichung zugestimmt. 

Ihren Namen habe ich geändert. Einige Bilder stehen noch aus, die will sie schicken. Soweit ich aus meinen Bildverzeichnissen aushelfen kann, tue ich das. Ihren Namen habe ich geändert. Sie müssen die einzelnen Emails zeitlich rückwärts lesen, die neuesten kommen zuerst. 

Frank Müller

 


 E. Dahlen

Gesendet Sa 20.11.2015

Hallo Herr Müller,

vielen Dank für Ihre Rückantwort. Ich werde sie mir die Tage in Ruhe durchlesen was Sie mir zu Autobahnaufffahrten geschrieben haben. In den nächsten Tagen gönne ich mir etwas Urlaub uns ich muss gleich noch packen.

Die ersten Schritte bei der Angsthasenfahrschule sind wichtig

Eins muss ich jedoch jetzt schon los werden. Die "ersten Schritte" bei Ihnen waren sehr wichtig. Ohne diese Schritte wäre ich nicht soweit gekommen wie ich jetzt bin. Diese Schritte haben mich sozusagen auf den Weg gebracht. Sie glauben gar nicht, wie gut es mir getan hat, als Sie mir nach den zweiten oder dritten Tag in Berlin gesagt haben, Sie hätten sich bei mir verschätzt. Sie erzählten mir, dass Sie am Anfang davon ausgegangen sind, dass ich nur eine leichte Angst hätte. Und haben dann festgestellt, dass meine Ängste wesentlich größer sind. Ich glaube, Sie sprachen auch von leichter Panik. Ich habe mich in dem Moment verstanden gefühlt. 

Wie Sie schon geschrieben haben: Die Herausforderung lag und liegt in den alltäglichen Fahraufgaben. Am Anfang war es Quälerei. Inzwischen suche ich mir Aufgaben, um zu sehen, ob ich die auch meistern kann. - Naja, manchen Aufgaben weiche ich auch noch aus. Aber das empfinde ich jetzt nicht als besonders schlimm, weil ich merke dass die Zeit so oder so kommt, dass ich mich diesen Aufgaben auch stelle. Ich nenne da als Beispiel eine sehr kurze Autobahnauffahrt ohne anschließender Standspur. 

Fehler kommen vor, andere passen ebenfalls auf

Wichtig war für mich zu lernen, dass ich beim Autofahren nicht den Preis des besten Autofahrers gewinnen muss. Ich mache Fehler und meine Mitmenschen machen Fehler und trotzdem funktioniert es, weil es ein ständiges Miteinander und Kommunizieren ist. - Und ganz wichtig: Ich habe sehr schnell aufgehört zu überlegen was für unwägbare Situationen mir passieren könnten. - Das fällt zwar auch schwer, wenn man in einem Kilometer sieht, da ist irgend etwas auf der Strecke. Aber ich versuche mir erst Gedanken zu machen, wenn so eine Situation da ist. - Die meisten dieser Situationen lösen sich übrigens in Luft auf bis man da ist. Ich hätte mir also umsonst Gedanken gemacht. 

Die wichtigste Erkenntnis: Zähigkeit

In diesem Sinne wünsche ich allen Angsthäsinnen, dass sie etwas von meiner Zähigkeit haben und sich nicht davon beirren lassen, wenn sie am Anfang von der Toilette nicht runter kommen (oder was auch immer sich die Psyche einfallen lässt, damit man sich seiner Angst nicht stellt). 

Viele Grüße
E. Dahlen


Frank Müller
Gesendet:
 Mittwoch, 17. November 2015

liebe Frau Dahlen,
vielen Dank für die lieben Wünsche.

Ich habe durch den Emailwechsel mit Ihnen gelernt, dass wir hier in der Angsthasenfahrschule doch nur die ersten "Schritte" gehen und Hinweise zur Bewältigung der Angst geben können. Sie selbst leisten durch Ihre Zähigkeit und Ihren Mut bei bei den alltäglichen Fahraufgaben den Hauptanteil. Sie sind allein, Sie müssen so oft die Unsicherheit ertragen und tapfer weiter machen. Das haben Sie geleistet  Sie sind weiter gekommen, jetzt können Sie mit Recht stolz auf sich sein. Und andere werden bei Lektüre Ihrer Berichte sicher viel besser im Stande sein, allein weiter zu machen.

Wie verhalte ich mich auf der Autobahn – wenn andere womöglich herein drängeln?

Zum Schluss noch zu Ihrer Frage, die Sie sehr bewegt: Wie soll ich mich verhalten, wenn ich auf der Autobahn auf der rechten Spur fahre, und von rechts kommen über den Beschleunigsstreifen andere Fahrer an, die gerne auch in die Autobahn hinein wollen? Manchmal kommen nicht nur einzelne Autos, sondern, so Ihre Befürchtung, ganze "Ampelladungen" auf dem Beschleunigungsstreifen angefahren? Wie verhalte ich mich jetzt am besten?

  • Möglichst nicht den Fahrstreifen wechseln:
    Mein erster Tipp ist, beobachten Sie die Stelle schon im Vorfeld, und beobachten Sie auch Ihren nachfolgenden Verkehr. Wechseln Sie nicht routinemäßig den Fahrstreifen, sondern beobachten Sie, wie die Autos von rechts, vom Beschleunigungsstreifen aus, heranziehen und nach links zu Ihnen auf dem rechten Streifen der Autobahn wollen. Routinemäßiges Wechseln, ohne weitere Beobachtung, kann Gefahren mit sich bringen, die sollten Sie möglichst vermeiden.

  • Aufteilen der Autos, vorne/ hinten:
    Kommen nun von rechts vereinzelt Autos an, dann lassen Sie diese vor Ihnen herein, wenn diese räumlich vor Ihnen fahren.  Unterstreichen Sie Ihre Absicht durch Wegnahme des Gases. Ein räumlich hinter Ihnen fahrendes Auto sollte dagegen hinter Ihnen nach links wechseln. Geben Sie deswegen ein bisschen Gas, um die Lage für Sie und den anderen klar zu machen.

  • Ampelladungen:
    Mein zweiter Tipp bezieht sich auf die von Ihnen befürchtete ganze Ampelladung:  "Teilen" Sie in Gedanken die von rechts heran brandende Autoladung in zwei Hälften: a) Die räumlich vor Ihnen fahrende Autoladung, b) die räumlich hinter Ihnen fahrende Ladung. Die vor Ihnen fahrende Ladung lassen Sie vor Ihnen herein, verzögern Sie zu diesem Zweck Ihre Fahrt ein wenig durch Zurücknahme des Gases. Die hinter Ihnen befindliche Autoladung sollte möglichst hinter Ihnen auf die Autobahn wechseln. So wäre ein ganz natürlicher, vernünftiger Ablauf zu erreichen.

  • Autos neben Ihnen:
    Dritter Tipp: Achten Sie auf Autos und deren Fahrer, die sich womöglich in der Mitte der beiden Ladungshälften, also etwa neben Ihnen, befinden. Mit denen müssen Sie sich wahrscheinlich gesondert einigen. Wenn Sie zurückhaltend fahren, werden diese Fahrer wahrscheinlich Gas geben und damit versuchen, vor Ihnen in die Autobahn zu fahren. Wenn diese sich zögerlich verhalten, dann geben Sie selbst eben ein wenig Gas.

  • Reißverschluss:

    Autobahn kombinierte Ein- und Ausfahrt, sich überkreuzender Verkehr
    Autobahn kombinierte Ein- und Ausfahrt, sich überkreuzender Verkehr

    Letztlich ist das alles ein Frage der Beobachtung, der Kommunikation und des räumlichen Ineinanders. Das zeigt sich auch bei einem etwas komplizierteren Fall, einer Autobahn mit kombinierter Ein- und Ausfahrt. Schauen Sie sich dazu mein Bild an. Die hier zu sehenden Autos verhalten sich wie beim Reißverschlußverfahren, der erste (im Vordergrund) fährt nach links, der nächste nach rechts, der dritte wieder nach links.

Ich bin ganz sicher, dass Sie für sich diese Probleme lösen können. Ich kann mich noch gut erinnern, wie verständig Sie hier in Berlin auf die Autobahn gefahren sind.

Alles Gute beim weiteren Fahren und Üben
Frank Müller


E. Dahlen
Gesendet:
 Mittwoch, 11. November 2015

Hallo Herr Müller,  

ich kann nur die Genesungswünsche der anderen Angsthasen unterstreichen. Bitte werden Sie Gesund. Sie werden noch gebraucht. Und bitte, bitte schauen Sie sich um nach jemanden, der Sie unterstützen kann bei Ihren Ansatz der Angstbewältigung. Sie haben da mit Ihrer Erfahrung und Engagement ein Werk geschaffen was sich lohnt weiterzugeben.  

Ich habe es geschafft, trotz Fahrabstinenz und großer Angst. Ich möchte anderen Mut machen

Ja ich bin sehr stolz auf das, was ich geschafft habe. Die Geduld hatte ich zeitweise verloren. Am Ziel bin ich noch nicht. Da sind noch ein  paar Baustellen bis ich wirklich alle Situationen im Verkehr ohne Stress schaffen werde. Jedoch bin ich nachdem was ich erreicht habe zuversichtlich, dass mir die letzten Schritte auch noch gelingen werden. Gerne dürfen Sie unseren Emailwechsel auf Ihrer Homepage veröffentlichen. Natürlich wie Sie schon geschrieben haben ohne Hinweise auf meine Person. Ich möchte gerne Mut machen, dass es auch nach so langer Fahrabstinenz (mehr als 20 Jahre) und so großen Angstzuständen wie ich sie hatte, gelingen kann sich hinters Steuer zu setzen und  am Selberfahren Freude zu haben.

Das Foto der Überlandstrecke sende ich noch zu. Dazu muss ich dann mal eine gute Stelle zum Halten finden, so dass die Streckenführung gut zu erkennen ist. Beim Fahren will ich ja schließlich kein Foto machen. Ich habe ja keinen Beifahrer mehr :-) 

Was tue ich, wenn ganze „Ampelladungen“ von Autos auf die Autobahn wollen?

Ich bin jetzt etwas penetrant, aber ich hätte gerne noch einen Rat von Ihnen, da ich an dem Punkt gerade hänge. Ich habe es schon mal geschildert: "Mein derzeitiges Problem ist, dass ich nicht stressfrei bin, wenn ich bereits auf der Autobahn auf der rechten Spur bin und eine Auffahrt kommt. Auf der Beschleunigungsspur befinden sich Autos. Es wäre sicherlich einfacher, sich daran zu gewöhnen, wenn sich dann nur vereinzelt ein Auto einsortiert. Hier im Ballungsgebiet entlädt sich ja direkt eine ganze Ampelladung auf der Auffahrspur. Das macht mir Stress, wenn die anderen Fahrer um mich herum sich auf die rechte Spur (auf der ich bin) einfädeln. Und da komme ich auch noch nicht besonders weit mit der Taktik Abstand halten zum Wagen vor mir. Vielleicht haben Sie da noch einen Tipp für mich wie ich am Besten mit dieser Situation umgehen kann."

Viele Grüße

E. Dahlen


Frank Müller
Gesendet:
 Samstag, 07. November 2015 um 18:16 Uhr

liebe Frau Dahlen,
spannend, was Sie hier berichten. Wenn ich mich erinnere, wie wir angefangen haben, mit viel Verschnaufpausen im dichten Verkehr. Aber Sie waren die ganze Zeit eine Kämpferin, großes Lob. Auch mit Ihrem Mann läuft es gut. Er muss nicht mehr mitfahren, das spüren Sie selbst, wahrscheinlich ist ihm das auch aufgegangen.
Darf ich unseren Emailwechsel wieder auf der Homepage veröffentlichen (ohne persönliche Hinweise)? Dann kämen Ihre Berichte auch anderen zugute. Schön wäre dazu auch ein Foto von der Überlandstrecke, die Sie so gern gefahren sind.

Liebe Grüße aus Berlin
Frank Müller

Mein  Fuß will und will nicht fertig heilen. Was mir Kraft gibt, ist die Unterstützung durch meine Familie und durch die Angsthasen. Sie erkundigen sich sehr lieb nach meinem Zustand. "Herr Müller, werden Sie bloß wieder gesund. Wir brauchen Sie noch!" Ist das nicht süß?



E. Dahlen
Am 07.11.2015 um 07:18

Guten Tag Herr Müller, 

nun melde ich mich mal außerhalb meines sonst üblichen Rhythmus. Ich möchte Sie gerne an einem mir sehr wichtigen Schritt in meiner Bewältigung der Fahrangst teilhaben lassen:

Allein fahren, möglichst auch ohne Partner

Ich fahre inzwischen im starken Berufsverkehr komplett alleine Strecken, die ich nicht oder nicht wirklich gut kenne.

Es ist schon interessant zu erleben was in mir vorgeht. Vor der Fahrt kämpft es immer noch in mir. In dem Moment wo ich hinter dem Steuer sitze, bin ich ruhig. So als ob die Situation davor nie existiert hätte. 

Letztens war ich auf einer längeren Strecke über Land unterwegs und mir wurde dabei so bewußt was ich da gerade inzwischen für mich aller Selbstverständlichkeit leiste. Mir sind die Freudentränen die Wange runtergelaufen.

Inzwischen sind die Zeitspannen, dass ich mich an eine neue Situationen heran taste, immer kürze. Es ist inzwischen für mich eine Faszination herauszubekommen, ob ich die neue  Situation, die ich mir stelle, auch hinbekomme.

Auch Perfektionismus kann blockieren

Zuweilen besuche ich Ihre Homepage "Auto-Angst", um zu sehen was Sie Neues zu berichten. Ich musste Schmunzeln. Die Zusammenfassung der letzten Gesprächsrunde vom 31.10. hat bei mir Erinnerungen an gemeinsame Situationen im Auto mit meinem Mann hervorgerufen. So sehr mich mein Mann unterstützt. Aber es gab dann einen Punkt wo er mir in meinen Ängsten nicht mehr folgen konnte. Da ging es dann nicht mehr um Angstbewältigung, sondern um "Perfektionismus". Je besser ich gefahren bin, desto mehr hat er versucht, dass ich das noch optimiere. Das ist aber nicht mein Ziel. Ich will sicher und angsfrei am Straßenverkehr teilnehmen. Im Endeffekt begann sich da wieder eine Blockade aufzubauen. Inzwischen sitzt er eher selten bei mir im Auto. Das ist auch gut so. Wenn ich merke, dass ich in ein Tief rutsche, wähle ich inzwischen die Variante dass er hinter mir her fährt. Das beruhigt mich, weil ich dann nicht alleine bin. Mehr brauche ich dann nicht mehr. 

Den Fragebogen von Frau Fischer (Universität Landau) habe ich übrigens auch ausgefüllt. Es fällt mir im Nachgang natürlich nicht ganz so leicht, weil viele Situationen für mich ihren "Schrecken" verloren haben. 

Nun verbleibe ich mit den besten Wünschen für ein angenehmes Wochenende.

Viele Grüße aus Stuttgart

E. Dahlen


E. Dahlen
Gesendet:
 Samstag, 17. Oktober 2015 um 12:37 Uhr

Hallo Herr Müller, 

es freut mich, dass Ihr Fuß gut verheilt. Ich hoffe, dass sich Ihr Gesundheitszustand weiterhin verbessert und Sie damit natürlich auch noch vielen Angsthasen unterstützen können. 

Unser Wasserrohrbruch mit anschließender Trockenlegung ist ja nix dagegen. Die Gesundheit ist nun mal ein hohes Gut. 

Bei mir hat sich fahrtechnisch in den letzten Wochen viel getan. 

Immer wieder kommen Tiefs

Nichtsdestoweniger hat es mich schon sehr beeindruckt, dass ich dann doch noch so ein Tief durchschritten habe. Es hat mich aber auch gelernt das solche Tiefs immer noch kommen können. Was Grund für das Tief war, weiß ich noch nicht mal. Ich vermute unser Urlaub hat mich aus der aufgebauten Fahrroutine raus gerissen und ich habe am Anfang einfach nicht den Tritt gefunden und war somit wieder direkt von allem beeindruckt was um mich geschah...also z.B. der Fahrer hinter mir, der hupte weil ich aus seiner Sicht nicht schnell genug die Kreuzung überquert habe oder derjenige der mich auf der Landstraße überholt hatte.

Festgefahren auf der Landstraße

Dazu gehörte dann auch die Situation wo ich mich festgefahren habe: Eigentich banal aber in dem Zusammenhang habe ich es dann doch nicht einfach weg gesteckt. Was war passiert?

Eine enge Ortdurchfahrt mit Gegenverkehr, die links und rechts zugeparkt ist. Mit erhöhtem Gegenverkehr ist auf der Straße zu rechnen. Ich fahre also in die Straße rein, sehe auch dass auf der Gegenfahrbahn ein Auto hält, erkenne jedoch nicht dass dieser Wagen nicht hält, sondern liegengeblieben ist und dass sich nun der Gegenverkehr seinen Weg sucht, um an den Wagen vorbei zukommen. Jetzt komme ich und fahre bis direkt zu dem Wagen um die nächste große Lücke zu suchen.

Mit dieser gefundenen Lücke habe ich nun aber dem Gegenverkehr die Luft genommen am Wagen vorbeizukommen und ich bin auch nicht weitergekommen, weil der Gegenverkehr und parkende Autos auch meine Fahrbahn versperrt hatten. Zurück konnte ich nicht mehr. Hinter mir war schon jemand. Nach vorne ging für mich auch nichts, weil es mir zu eng war. Der Gegenverkehr hat sich dann an mir vorbei geschlichen bis mir ein gegenkommende Fahrer soviel Platz gelassen hatte, dass ich weiterfahren konnte. Ich hätte mich wohler gefühlt, wenn ich die Situation eher erkannt hätte und rechtzeitig vor dem liegengebliebenen Auto gehalten hätte, um den Gegenverkehr durchzulassen. 

Inzwischen habe ich mich aber schon einigermaßen von dem Tief erholt. Ich fahre wieder alleine. In der ersten Zeit durfte (musste) mich mein Mann begleiten.

Gestern habe ich erstmalig sogar jemanden mitgenommen. Ich hatte einen Kollegen ein Stück mit genommen. Bisher habe ich es vermieden jemand anderen als meinem Mann im Auto sitzen zuhaben. Es war mir unangenehm. Was könnte der fremde Mensch zu meinem Fahrstil sagen? So habe ich lieber andere fahren lassen, auch wenn mir deren Fahrstil nicht gefallen hat.

Über Zähigkeit und Weitermachen

 Überrascht bin ich übrigens am meisten über mich selber. Einer der Gründe der "Zähigkeit" am "Ball" bzw. am Lenkrad zu bleiben, ist sicherlich, dass ich mich nicht einschränken möchte auf bereits errungene Bequemlichkeiten zu verzichten. Ich bin es satt bei Wind und Wetter (Kälte und Regen) Fahrrad zu fahren. Ich bin es satt an einsamen Bushaltestellen auf Busse zu warten, die einen dann auch noch übersehen.  Die Überraschung ist eine ganz andere: Inzwischen macht mir Autofahren Spaß. Und sobald ich meine Widerstände vor dem Auto überwunden habe, beginnt die Freude im Auto. Und daran erinnere ich mich, wenn ich vor der Fahrt mein Teufelchen auf der Schulter mit mir spricht.

Autobahnauffahrten

Mein momentanes Ziel ist es mich noch mehr an die Autobahnauffahrten zu gewöhnen. Zu einem habe ich gemerkt, dass ich von der Autobahnauffahrt doch noch stärker beeindruckt war als ich gedacht hatte. Mir fehlte bei der Auffahrt oft genug noch ein Grundtempo, um gut die Spur wechseln zu können. Also habe ich auf den Landstraßen das Beschleunigen geübt. Geschwindigkeit ist ja definitiv nicht mein Problem. Meine Beschleunigung ist jedoch eher zaghaft. Es dauert halt eine Weile bis ich auf der Geschwindigkeit bin.

So habe ich auf den gewohnten Strecken geübt das Gaspedal fester durchzudrücken, um schneller auf Geschwindigkeit zu kommen. (Es hat schon was, wenn an einer zweispurigen Ampel der SOV sich hinter einem einsortieren darf, weil sie ihm einfach zu schnell waren und er eben nicht an ihm vorbei gekommen ist ;-) - aber darauf lege ich es nicht an, mir ist es im Endeffekt egal ob sich jemand vor oder hinter mir einsortiert. Mir ist wichtig, dass ich mich in meinem Auto zu jedem Moment sicher fühle und fahrtechnisch nicht über dem hinaus gehe was ich mir mit ihm zutraue).

Mein zweites Problem mit den Autobahnauffahrten habe ich noch nicht gelöst. Aber vielleicht können Sie mir hierzu noch einen Tipp geben: Ich hatte es u.s. schon einmal beschrieben "Mein Problem ist, dass ich nicht stressfrei bin, wenn ich bereits auf der Autobahn bin und eine Auffahrt kommt. Es wäre sicherlich einfacher daran zu gewöhnen, wenn sich dann nur vereinzelt ein Auto einsortiert. Hier im Ballungsgebiet entlädt sich ja direkt eine ganze Ampelladung auf der Auffahrspur. Das macht mir Stress. Und da komme ich auch noch nicht besonders weit mit der Taktik Abstand halten zum Wagen vor mir. Vielleicht haben Sie da noch einen Tipp für mich wie ich am Besten mit dieser Situation umgehen kann." 

Über Angsthasenbetreuung

Es freut mich, dass Ihre Angsthasentreffs einen so regen Zuspruch haben. Ich weiß genau, dass ich mit dem Problem "Angst vor dem Autofahren" keine Exotin bin. Wenn ich mich mit Menschen darüber unterhalte, dass ich damit ein Problem habe, so kennt jeder wenigsten eine/n dem es genauso geht. Die Spannbreite liegt zwischen: Nur eine Strecke zu fahren, keine Autobahn zu fahren oder seit Jahrzehnten den Führerschein nicht genutzt zu haben.

Ihre Fahrlehrerkollegen orientieren sich leider bei Ihrem Geschäft (und nichts anderes ist es ja) an den jungen hungrigen Mann dem man nur das Handwerkzeug beibringen muss und dann läuft alles. Schade! Schade aus mehreren Gründen: Schade für die Angsthasen, da es keine vernünftige Anlaufstelle Vorort vorfinden. Schade für die Fahranfänger, die mit so einer Einstellung in den Straßenverkehr entlassen werden, Schade für die Fahrlehrer, die die Möglichkeit nicht erkennen hiermit Einnahmen zu erwirtschaften.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie jemanden finden, der Sie bei Ihrem Unternehmen unterstützen kann und es ggf. auch Ausbauen kann. Aber vielleicht sollten Sie hierzu nicht nur bei den Fahrlehrern suchen (wobei, aus eigener Erfahrung weiß ich ja, das kann auch schief gehen).

Wie Frauen bzw. Männer Autos kaufen

Abschließend möchte ich Ihnen noch von einem Marketing-Vortrag erzählen den ich in den letzten Tagen gehört habe: Es ging um Kaufverhalten. Und im Speziellen um Kaufverhalten von Männern und Frauen bezüglich Autos. Da wurde die Theorie aufgestellt, dass Männer auf der Straße eher auf Jagd sind. Und das Auto ein Gegenstand der Jagd ist. Also Männer daher eher von BMW, Audi oder Porsche angesprochen werden. Wobei für Frauen das Auto eher ein Familienmitglied ist. Frauen also eher Mini mit den großen Kulleraugen (Scheinwerfern) kaufen. Das Auto bekommt bei Frauen auch einen eigenen Kosenamen. Das ginge dann soweit, dass die Markenwerkstätten nach längerer Reparatur dieser Autos auch schon einen Gruß vom Auto für die Fahrerin heften, der lautet: "Ich habe dich vermisst".

Wenn ich so einen Zettel am Lenkrad finden würde, würde ich den Werkstattleiter zwar fragen, ob es ihm sonst noch gut geht. Aber ich kann es doch ein Stück nachvollziehen. 

Für mich durfte mein Auto kein Fremdkörper mehr sein. Nun trägt er keinen Namen und er darf auch schmutzig sein, aber er ist zu den Gegenständen aufgestiegen die die Beschreibung "mein" erhalten haben. 

Viele Grüße aus dem Schwäbischen

Ihre E. Dahlen


Frank Müller
Gesendet:
 Dienstag, 22. September 2015 um 23:01 Uhr

liebe Frau Dahlen,

vielen Dank für Ihre Nachfrage. Ich freue mich immer, wenn eine Email von Ihnen kommt.
Mir geht es besser, der Fuß heilt zusehends. Ich kann wieder Auto und Fahrrad fahren, nur das Gehen fällt mir noch schwer. Aber ich habe eine tüchtige Physiotherapeutin.

Ich freue mich, dass Sie Ihre Tiefs schon auf hohem Niveau erleben. Aber was war denn genau passiert? Wie haben denn die anderen geholfen? Sie sind ja unermüdlich, machen richtig zäh weiter. Dafür großes Lob.

Die Angsthasentreffs sind neuerdings sehr gut besucht. Voll, wie ich es noch nie erlebt habe. Ich finde das einerseits gut. Andererseits frage ich mich schon: Wer soll diesen vielen Menschen denn helfen? Ich allein schaffe es nicht. Ich habe viel Freude bei der Betreuung und merke, dasss sie auch ankommt. Dennoch, bei der Nachfrage bräuchte ich dringend Unterstützung. Leider sind meine Fahrlehrerkollegen wie blind für das Thema.
Schöne Grüße
Frank Müller


E. Dahlen
Am 22.09.2015

Hallo Herr Müller, 

nachdem ich solange nichts von Ihnen gehört habe, möchte ich doch mal nachfragen, ob alles in Ordnung ist und es Ihnen gesundheitlich gut geht. 

Mein letztes E-mail liegt schon eine ganze Weile zurück und inzwischen ist bei mir auch viel passiert. Der Urlaub war angekündigt. Der danach gekommene Wasserrohrbruch in der Wohnung nicht. - Wir waren und sind also weiterhin gut beschäftigt. 

Fahrerisch habe ich nach meinem Urlaub auch wieder ein kleines Tief durchschritten. Mir ist dann einiges wieder schwerer gefallen als ich gedacht habe. Inzwischen hatte ich mich auch mal fest gefahren und kam alleine aus einer Situation nicht mehr raus. Meine Umwelt - sprich die Autofahrer um mich rum - durften es dann richten.

Inzwischen rappele ich mich aus dem Tief wieder raus. Aber zusammengefasst ist das Tief schon auf einem sehr hohen Niveau. 

Viele Güße aus Stuttgart

E. Dahlen


E. Dahlen
Gesendet:
 Dienstag, 11. August 2015

Hallo Herr Müller,

nun hat es einen Augenblick gedauert, bis ich Ihnen antworten konnte. Wie immer hatte ich doch beruflich einiges zu tun und so langsam bin ich wieder absolut urlaubsreif. Aber zum Thema Urlaub später mehr. 

Ich wünsche Ihnen auf dem Genesungsweg weiterhin alles Gute. Es hört sich ja schon alles sehr vielversprechend an.

Nicht Wut, besser Mut

Nein, Sie haben mich nicht verärgert. Ich glaube ein Teil der Kommunikation bleibt einfach im E-mail stecken, da zwischen Beschreiben und das Beschriebene aufnehmen ganz unterschiedliche Interpretationen liegen können. Gerne nehme ich daher Ihren Vorschlag an einfach den Konsonanten zu wechseln. Nennen wir es also Mut was mich da nach langer Zeit errreicht hat. (Wobei ich mich schon vorher als mutig gesehen habe indem ich mich tapfer meiner Angst gestellt habe).

Tja und um mit den Missverständnissen im E-mail gleich aufzuräumen: Ich vergleiche mich nicht mit "angstfreien Autofahrern"! Das sorgenlose ins Auto einsteigen wird es bei mir nicht geben und das habe ich akzeptiert. Auch wenn ich keine Angsthasenfahrer kenne, so kann ich mir lebhaft vorstellen dass meine Leidensgeschichte sich in gleicher und in abgeänderter Form wiederfinden lässt. 

Ich habe in den letzten Wochen so große Sprünge gemacht, dass ich selber nicht glauben mag dass ich das bin. Ich fahre alleine durch den dicksten Berufsverkehr, fahre alleine über Land, suche mir meine Parkplätze im Parkhaus usw. usw.

Landstraße und Autobahn fahre ich gern

Was mich so glücklich macht ist, dass es mir dabei gut geht. Auf der Landstraße rede ich mit mir damit die Angst überhaupt erst nicht aufkommt. Das hilft gut. Die Strecken sind lang und so lenke ich mich von dem Gedanken ab, dass ich in alte Schemata zurück fallen könnte.

Ich fahre gerne Autobahn und auch die Auffahrten. Das haben Sie richtig in Erinnerung. Sie erinnern sich an meinen Satz: "Geschwindigkeit ist nicht mein Problem." Da hatte ich auch einen großen Respekt als ich das erste Mal ohne meinen Mann Landstraße gefahren bin. Ich wußte nicht wie schnell ich fahren werde. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, dass ich ganz langsam über die Landstraße fahre. - Was für mich dann auch in Ordnung gewesen wäre. Es ist dann aber anders gekommen. Für mich hat es keinen Unterschied gemacht, ob jemand neben mir sitzt oder ob ich alleine im Auto sitze. Meine Geschwindigkeit war annähernd genauso wie zu den Zeiten mit Beifahrer. Ich fahre da schnell wo ich es mich zu traue und mich wohl fühle und da langsamer wo ich merke die Strecke möchte von mir erst noch erorbert werden.

Wie verliere ich meinen Stress, wenn Autofahrer in die Autobahn rein wollen?

Mein Problem mit den Autobahnauffahrten ist ein ganz anderes. - Natürlich muss ich noch das Auffahren mehrfach üben bis auch dort die Routine Einzug gehalten hat. Da bin ich jedoch zuversichtlich. Das Spurwechsel habe ich mir Stück für Stück erarbeitet bzw. erabeite ich mir noch. Mein Problem ist, dass ich nicht stressfrei bin, wenn ich bereits auf der Autobahn bin und eine Auffahrt kommt. Es wäre sicherlich einfacher daran zu gewöhnen, wenn sich dann nur vereinzelt ein Auto einsortiert. Hier im Ballungsgebiet entlädt sich ja direkt eine ganze Ampelladung auf der Auffahrspur. Das macht mir Stress. Und da komme ich auch noch nicht besonders weit mit der Taktik Abstand halten zum Wagen vor mir. Vielleicht haben Sie da noch einen Tipp für mich wie ich am Besten mit dieser Situation umgehen kann. Das ist dann auch die Situation wo ich noch einen Fahrerwechsel brauche, da ich dann sehr schnell erschöpft bin.

Mit meinem Mann Kolonne gefahren, das war erholsam

Ansonsten sieht der Erschöpfungszustand inzwischen anders aus: Ich hatte mal einen anstrengenden Arbeitstag hinter mir und am Ende des Tages habe ich mich alleine nicht mehr nach Hause getraut. Ich habe meinen Mann gebeten mich abzuholen. Das Abholen sah wie folgt aus: Ich fuhr in meinem Auto vor. Er fuhr mir in seinem Auto hinterher. So sind wir dann 30 min über die Landstraße gefahren. Das war für mich ein sehr erholsames fahren. .... bitte bedenken Sie vor einem Jahr wäre daran noch nicht mal im Traum zu denken gewesen. Erinnern Sie sich noch an meine so dringend benötigte Erholungsphasen?    

Ich kann es mit einem großem Danke zusammenfassen was Sie mir im letzten September alles mit auf dem Weg gegeben haben.

Der Nachbar versperrt mit dem Wohnmobil die Ausfahrt

Mein Nachbar ist mit seinem Wohnmobil jetzt im Urlaub. Natürlich hätte ich ihn ansprechen können, ob er das gute Stück etwas nach vorne rollt. Wenn sie jedoch merken, dass seine Stressfähigkeit bezüglich einer konstruktiven Kritik des Umparkens gerade sehr abgenommen hat und ihnen selber das Ausparken nicht mehr viel ausmacht, dann ist ihnrn der Nachbarschaftsfrieden heilig und lassen den Nachbarn in Frieden mit seinem Wohnmobil in den Urlaub ziehen. Wenn er dann wieder kommt, sind wir im Urlaub so dass die schwierige Ausparkphase sich auf wenige Tage beschränkt hat. 

Apropos Urlaub und damit wäre ich am Anfang dieses E-mails. Auch wir starten jetzt bald in den Urlaub. Und es wird die erste Urlaubsfahrt sein wo wir geplant haben uns annähernd 1:1 beim Autofahren abzulösen. Ich wünsche mir, dass es so auch klappt. 

Viele Grüße aus Stuttgart

Ihre Angsthäsin

E. Dahlen


Frank Müller
Gesendet:
 Montag, 03. August 2015

liebe Frau Dahlen,

ich bin gerade zurück aus dem Urlaub, ich konnte sogar schwimmen mit dem operierten Fuß (der Arzt hat es ausdrücklich erlaubt). Es ist ein Gefühl, als ob ein Brett im Fuß wäre (das Brett ist in Wirklichkeit eine Titanplatte), aber es ging, der Fuß wurde sogar ein bisschen in sich weicher.
Aber es dauert dennoch, bis ich ich wieder soweit bin, wieder normal gehen und fahren kann, ohne Schutzschuh und Krücken: bis Mitte August. Ende August steht eine kleine Versammlung an, das nächste Infotreff der Angsthasen. Dann will ich auch mit der Fahrbetreuung beginnen.

Und nun zu Ihrer Email:

Habe ich Sie geärgert, weil Sie die Veröffentlichung unserer Email-Gedanken nicht wollen? Das lag mir völlig fern. Ich habe freundliche Gefühle für Sie.

Wut oder Mut?

Hier nochmal zum Thema Wut: Wut ist durchaus ein produktives Gefühl, sie kann uns aus einer verfahrenen, festgefahrenen Situation heraus katapultieren. Das war Ihre Situation, Sie wollten endlich weiter kommen, angesichts des ganzen Einsatzes, den Sie schon geleistet hatten.
Andererseits kann uns Wut auch schaden. Im Straßenverkehr können wir uns das Gefühl der Wut eigentlich gar nicht leisten. Nennen wir es doch anders, was Sie empfunden haben, verändern wir nur einen Konsonanten, sagen wir nicht Wut, sondern Mut. Mut und Entschlossenheit, sich in den Verkehr zu stürzen, sich daran zu beteiligen, wie andere auch. Das haben Sie geschafft. Gratuliere. Und das was Sie hier in Berlin gelernt haben, wenden Sie immer noch an, das Angstniveau zu senken und Angstspitzen zu verhindern. Das klingt doch sehr rund.

Auch wenn es mit den Autobahn auffahrten noch nicht so gut geht. Ich erinnere mich, dass Sie die hier bei unserem Training die Autobahn ganz gerne gefahren sind? Ist das auch so geblieben??

Vergleich mit anderen Angsthasen?

Mit anderen Angsthasen oder Angsthäsinnen wollen Sie sich nicht vergleichen? Das finde ich schade. Ich kann Ihnen versichern, dass diese genau dasselbe anstreben wie Sie - Stadt, Land, Autobahn - und sich mit widrigen, unkalkulierbaren Ereignissen herumschlagen. Es läuft nicht immer glatt, es gibt es kleine Rückschläge oder wieder Fortschritte. Ich nehme an, Sie kennen wahrscheinlich nicht sehr viele Angsthasen/Angsthäsinnen. Ich schon, und wenn Sie vielleicht doch mal wollen, kann ich Ihnen gerne eine Adresse vermitteln zum gegenseitigen Austausch. Ich bin sehr für Solidarität unter Angsthasen/Angsthäsinnen, auch diese kann die weitere Entwicklung positiv beeinflussen.

Der Nachbar mit seinem sperrigen Wohnmobil

Schön, dass Sie es inzwischen schaffen, sic h am Wohnmobil des Nachbarn vorbei rückwärts auf die Straße zu tasten. Stolz, stimmt's? Ich freue mich für Sie. Wenn es dann gut geht, mit Routine, ein Vorschlag: Reden Sie mit dem Nachbarn, ob der sein Wohnmobil nicht ein bisschen zur Seite fährt. Irgendwann wird es ja nur noch lästig.

Schöne Grüße aus Berlin
Frank Müller


E. Dahlen
Am 26.07.2015 um 19:57

Hallo Herr Müller, 

vielen Dank für Ihre Antwort - auch ich brauchte eine Weile um Ihre Antwort auf mich wirken zu lassen. 

Um es direkt vorweg zunehmen. Dieses Mal stimme ich einer Veröffentlichung auf Ihrer Homepage nicht zu.

Das liegt daran, dass sich für mich meine Wut anders dargestellt hat als Sie es jetzt wahrgenommen haben. 

Ich stimme Ihnen insofern zu, dass Wut eine einmalige Kraftanstrengung hervorrufen kann, die einen genau in einer Situation einen Weg ermöglicht den es vorher und auch nachher nicht gegeben hat und gegeben wird. 

In der Zeit bei Ihnen in Berlin habe ich viel gelernt. Und damit meine ich nicht nur die Fahrtechnik. Das ist nach wie vor das Handwerkzeug, um fahrtechnischen in allen Verkehrssituation zu recht zu kommen. Das klappt sehr gut. Ich habe darauf inzwischen einen ganz guten Grundsockel an Routine aufgebaut.

Fahrtechnik und Angstbewältigung

Noch wichtiger ist mir jedoch die zweite Säule mit der ich aus Berlin zurückgekommen bin: mit meiner Angst zu arbeiten, Ruhe bewahren, auf mich Vertrauen, meinen Weg gehen, meinen Stil fahren, mich zu nichts drängen lassen und ganz wichtig: Hilfe anzunehmen.

Mein eigener Fahrstil ist wichtig

Ich habe für mich gelernt "nicht im Verkehr mitzuschwimmen", sondern mein Tempo und meinen Stil zu fahren, so dass ich mich zu jedem Moment sicher fühle. Und ich habe auch gelernt zu akzeptieren, dass ich nie eine Autofahrerin werde, die sich sorgenlos zu jedem Zeitpunkt hinters Steuer setzt und losfährt. Ich vergleich mich daher auch nicht mit meinem Mann. Für mich ist es eine große Freude, dass ich meinem Mann Fahrstrecken und Kilometer abnehmen kann, so dass er Strecken nicht komplett alleine fahren muss. Da hat es bei uns viele Jahre keine Frage gegeben wer fährt. Er musste fahren, weil ich mich nicht getraut habe (Inzwischen gibt es bei uns ein nettes Abkommen: Wer fährt, braucht die Einkäufe nicht aus dem Auto ausräumen und in die Wohung tragen.....ich habe den Einkaufskorb schon lange nicht mehr in die Wohnung getragen).  

Mein Fortschritt ist, dass die Angst-Pirouetten, die in meinem Gehirn vor dem Autofahren stattgefunden habe, und die mich gehindert haben zu fahren, nicht mehr existent sind.   

In den letzten Monaten habe ich so intensiv an den Angstspitzen gearbeitet, so dass viele Situationen zum Fahralltag geworden sind ohne dass ich jetzt noch darüber nachdenke. Ich habe nicht gemerkt, dass ich wieder ein Stück weiter war. Erst meine Wut auf mich selber hat mir gezeigt, dass diese Weg inzwischen bereitet ist. - Ich glaube nicht, dass man seine Wut auf Wochen so konservieren kann, dass man ständig über sich herauswächst. 

Geblieben ist - nach wie vor, dass ich an einigen Punkten noch arbeiten muss. Das ist der Punkt den ich beschrieben habe mit "das ist noch nicht rund". Für mich logisch, dass dies die Autobahnauffahrten sind, da ich mir diese Aufgabe auch erst sehr spät gestellt habe.  

Ich bin noch nicht am Ziel. Mein Ziel ist es auch nicht mich mit angstfreien Autofahrern und Autofahrerinnen zu vergleichen. Mein Ziel ist alles das zu schaffen an was vor einem Jahr noch überhaupt nicht zu denken war: Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn zu fahren - und dies auch auch mit unkalkulierbaren Ereignissen. Hierzu möchte ich Ihnen ein Beispiel geben (die meisten anderen habe ich schon wieder vergessen, weil sie schon zum Alltag gehören).

Der Nachbar parkt sein Wohnmobil ausgerechnet in der Ausfahrt

In ein paar Tagen startet hier die Ferienzeit. Unser Nachbar hat sich bereits jetzt ein Wohnmobil gemietet und dieses so geparkt, dass das Rückwärtsausparken aus unserer Einfahrt absolut unübersichtlich geworden ist. Vor einem Jahr hätte ich aufgegeben und mich dieser Aufgabe nicht gestellt. Ich hätte Angst gehabt und mir ausgemalt was alles passieren kann. Heute taste ich mich da langsam, rückwärts aus der Einfahrt raus. Ich wünsche mir nach wie vor, dass da niemamd mit überhöhter Geschwindigkeit durch das Wohngebiet fährt, aber die Vorstellung, dass was passieren könnte, hat ihren Schrecken verloren. 

Nun möchte ich Ihnen noch einen angenehmen und erholsamen Urlaub wünschen, 

Viele Grüße

Ihre Noch-Angsthäsin

E. Dahlen


F. Müller
Gesendet:
 Samstag, 25. Juli 2015

liebe Frau Dahlen,

also nochmal vielen Dank für die ausführliche Emai. Gesundheitlich geht es mir besser, ich muss halt mit einem Spezialschuh und Krücken herumlaufen. Dafür habe ich wieder gerade Zehen. Ende August kann ich weiter machen mit der Betreuung der Angsthasen. Nächste Woche fahren wir für einen Kurzurlaub nach Polen.

Ich habe Ihre Geschichte gelesen, auf mich wirken lassen und in meinen Erinnerungen gekramt. Sie haben Ihre Angst erstmal mit Wut beiseite gedrängt und sind dann so gefahren, wie Sie es sich immer erträumt haben, in schwierigen Verkehrssituationen, ruhig und solide, wie Ihr Mann Ihnen versicherte.

Eher keine Kraftanstrengung bei der Angstbewältigung, sondern Lockerheit

Ich kenne solche Kraftanstrengungen beispielsweise aus Prüfungen, in denen die Prüflinge mit äußerster, geradezu finsterer Entschlossenheit ihre anfangs bibbernde Angst weggeboxt haben und einigermaßen gefahren sind. Hinterher gab's ein Lob vom Prüfer, na, warum nicht gleich so?
Diese äußerste Kraftanstrengung ist mir verdächtig.

Ich gratuliere Ihnen und freue mich für Sie. Aber Sie werden verstehen, dass ich eher für die lockere Haltung bin, also Ruhe, Entspannung, Pause machen, Verstand aktivieren durch lautes Reden, die Angst annehmen, nicht dagegen ankämpfen.

Warum der Zorn auf die Angst? Sie will Ihnen doch nicht schaden, sondern Sie schützen. Wir sind uns einig, dass extreme Angst wirklich nicht brauchbar ist, und dagegen wollen wir ja trainieren. Aber an sich ist Angst doch ein gutes Gefühl.

Angst zulassen

Sie sollten nach wie vor in Situationen fahren, die schwierig sind, in denen die Angst hochlodert. Dann kappen Sie die Angstspitzen, wenn der Stress besonders hoch schießt, bleiben Sie vernünftig, senken Sie die Angst durch unsere Übungen. Bleiben Sie locker, machen Sie einen Deal mit der Angst: Sie lassen die Angst zu, gehen mit ihr vernünftig um, fahren aber verkehrssicher, achten auf sich und auf Ihre Umgebung.

Woher die Wut? Sie sind frustriert, weil Sie mit großem Einsatz aus Ihrer Sicht nicht genug erreicht haben.

Hier stimmen aber die Maßstäbe und die Ziele nicht. Sie dürfen sich nicht etwa mit Ihrem Mann vergleichen. Ihr Mann steigt ins Auto, er fährt locker und geübt, ohne sich ein bisschen Gedanken zu machen. Geschweige denn mit Wut gegen aufkommende Angst zu arbeiten. Das ist ihm alles so fern. Ihn interessieren diese Gefühle gar nicht, weil er locker bleibt und sich gefühlsmäßig kaum ums Autofahren kümmert. Natürlich interessiert er sich für Sie, so meine ich das nicht, er ist sicher mitleidig wegen Ihres Zustandes, aber für sich selber fährt er total gelöst. Keine Wut, keine Angst, nichts dergleichen.

Vergleiche mit anderen können frustrieren

Ich vergleiche Sie mit anderen Angsthasen, die alleine fahren und alle zusammen ihr Päckchen zu tragen haben. Und das sollten Sie auch tun.
Da ist beispielsweise Gabriele, deren Bericht ich auf der Homepage gestellt haben. Panikerin auf der Autobahn.
http://www.auto-angst.de/index.php/mein-umgang-mit-der-autobahnpanik/34-protokoll-einer-autobahnfahrt-an-die-ostsee-und-zurueck
Sie ist schlimmer dran als Sie. Sie schreibt dort über ihre Ostseefahrt, ganz optimistisch. Aber am Schluss lesen Sie, dass Tempo über 80, 90 nicht geht, und schon gar nicht überholen auf der Autobahn. Das ist für Sie noch ein bisschen traurig. Aber im Herbst wollen wir uns noch einmal dranmachen, vielleicht wird sie auch beim Überholen und Tempo über 100 gelöster.
Dennoch ging bei ihr vor der Betreuung gar nichts mit der Autobahn, nichts, kein bisschen. Also von daher war es doch ein großer Fortschritt. NIemals hätte sie vorher auf die Autobahn fahren können. Die Panik hat sie inzwsichen gut unter Kontrolle. Das ist sehr, sehr wichtig, wichtiger als alles andere.

Schöne Grüße und weiter viel lockeres Üben
Frank Müller

Darf ich die Email wieder auf die Homepage setzen, sie ist sehr interessant, wegen der Schwierigkeiten?


E. Dahlen
Am 22.07.2015

Hallo Herr Müller, 

ich hoffe es geht Ihnen gesundheitlich bereits besser. Alles Gute für den weiteren Genesungsweg.

Vielleicht hilft ja meine Geschichte, die ich Ihnen jetzt erzähle den Genesungsfortgang weiter zu treiben: 

 Tja, was soll ich sagen. Vor einem Monat war ich noch so verzweifelt, dass ich meine Ängste vor der Fahrt so garnicht runter geboxt bekomme. Und jetzt.....?!

Die Angst ist nicht mehr da. Ja, sie haben richtig gelesen. Sie ist weg.

(Ich mache mir nichts vor: Im Kern wird sie irgendwo stecken. Aber ich kämpfe nicht mehr mit mir. Ich fahre und mache mir im Vorfeld nicht mehr den Kopf, ob alles in Ordnung ist.)

Mit Wut im Magen?

Was ist passiert, dass ich auf einmal so einen Sprung nach Vorne gemacht habe? Ich war wütend. Und zwar wütend auf mich. Inzwischen müsste es ungefähr ein Jahr her sein, dass ich Ihnen ein E-mail mit meinen Nöten geschrieben habe und Sie gefragt habe, ob Sie mir bei meinen Fahrängsten helfen können. Vor ca, 11 Monaten war ich bei Ihnen. Und nun habe ich Resumee gezogen und geschaut wo ich meine Ängste bewältigt habe und wo ich noch daran verzweifele. Ich habe aber auch Resumee gezogen auf was ich alles verzichtet habe, umso weit zu kommen. Dabei habe ich festgestellt, dass mein Einsatz sehr, sehr hoch war und auch noch hoch ist. Ich habe sehr viel meiner Freizeit in die Bewältigung meiner Fahrangst investiert und meine Interessen und Hobbies gänzlich zurückgestellt. Beim Resumee ziehen war ich sauer, weil mir bewusst geworden ist, dass das was ich erreicht habe für das was ich investiert habe, mir noch lange nicht ausreichend ist. - Und mein innerer Schweinehund hat dann gesagt: Das muss sich ändern.

Und auf einmal mit dieser Wut im Magen fahre ich im dicksten Berufsverkehr über Landstraßen und Stadtverkehr, fahre alleine und übe mich weiter im Spurwechsel. ...und das Ergebnis ist, dass in allen diesen Situation davor und während des Fahrens zu keinem Moment meine Angst aufgekommen ist. Ich halte Verkehrssituationen aus, die mir früher den Schweiß auf den Stirn und in den Nacken getrieben hätte.

Das größe Kompliment hat mir letztens mein Mann gemacht. Er ist hinter mir hergefahren und beschrieb meinen Fahrstil als ruhig und solide. Er sagte, dass man nicht vermuten würde, dass ich diese Vorgeschichte haben würde. 

Manche Situationen sind noch nicht rund. Das liegt auch daran, weil ich sie noch nicht ausdauernd üben konnte. Dazu gehört z.B. Autobahnauffahrten. Aber, ich merke. dass sie rund werden. Hier brauche ich noch etwas Gewöhnungseffekt so dass mir auch diese Fahrsituation kein Stress mehr bereitet.

Nun bin ich also zuversichtlich, dass es doch langsam die Formen annimmt, die ich mir wünsche.

Ich hoffe, dass ich Ihnen bald ein E-mail schreiben kann mit dem Schlussatz: "Das Ziel ist erreicht. Ihre Fahrschülerin fährt zu jedem Zeitpunkt stressfrei Auto." 

Viele Grüße aus Stuttgart

Ihre Noch-Angsthäsin

E. Dahlen


Frank Müller
Gesendet:
 Dienstag, 16. Juni 2015

liebe Frau Dahlen,

vielen Dank für Ihre liebe Email. Übermorgen werde ich operiert, morgen ist Voruntersuchung. Es ist einerseits nicht schlimm, am Fuß, ein hallux valgus. Andererseits soll es die ersten Tage danach sehr weh tun. Ist mir egal, wenn ich gute Schmerzmittel bekomme.

Zähigkeit – eine wichtige Eigenschaft der Angsthäsinnen

Ja, die anderen sind Menschen, aber Sie sind auch ein Mensch, mit allen Zweifeln, Fort- und Rückschritten. Ihre gute Seite unter vielen anderen ist Ihre Zähigkeit. Sie lassen nicht locker, das wird das Teufelchen einsehen und sogar mal anerkennend schmunzeln müssen. Quälen Sie sich nicht im Einzelfall, wenn Sie den Antritt einer Fahrt mal nicht schaffen. Seien Sie nachsichtig mit sich. Auf die Dauer werden Sie es schaffen, das glaube ich ganz fest.
Alles Gute und schöne Grüße

Ihr Frank Müller


E. Dahlen
Am 14.06.2015

Hallo Herr Müller, 

auf Ihrer Internetseite habe ich gesehen, dass es Ihnen anscheinend gesundheitlich nicht ganz so gut geht.

Ich wünsche Ihnen von meiner Seite gute Besserung. 

Gerne möchte ich noch kurz auf Ihr letztes E-mail eingehen. Sie haben mit einem Nebensatz vermutlich mein Kernproblem angesprochen. Der soziale/kommunikative Akt zwischen Menschen. Sie haben so was von Recht, wenn Sie davon sprechen, ich soll nicht nur von einer Lücke sprechen. Die Lücke wird ja von einem Auto bzw. einem Autofahrer erzeugt. Und dieser darf dann verstehen: Hallo, da möchte jemand die Spur wechseln. 

Als Zwischenstand kanni ich Ihnen mitteilen, dass ich gerade in ruhigeren Fahrwassern bin. Ich hatte die letzten Wochen ein Tief bei dem ich sehr an mir gezweifelt habe. Es ging so gar nicht mit der Bewältigung der Ängste voran. Geholfen hat mir zwar, dass ich mir verdeutlicht habe was ich schon alles erreicht habe. - Aber die Fortschritte sind gerade etwas kleiner und das bringt mich ungeduldigen Menschen doch schon zur Verzweifelung. 

- Was soll es. Aufgeben will und werde ich nicht. Es wird halt seine Zeit dauern bis ich vor Antritt der Fahrt nicht ständig diesem Kampf mit dem Teufelchen auf der Schulter führen muss. - Das Nervende ist halt, dass das Teufelchen manchmal auch gewinnt und ich den Start einer geplanten Fahrt verzögere. 

Viele Grüße

Ihre Angsthäsin aus Stuttgart

E. Dahlen


Frank Müller
Gesendet:
 Dienstag, 05. Mai 2015

liebe Frau Dahlen,

vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Ich werde Frau S. entsprechend informieren. Sie kann aber Ihren Bericht lesen, das wird ihr sicher auch helfen.

Schön, wie Sie den Fahrstreifenwechsel für sich beschreiben. Das ist doch nachzuvollziehen! Ich würde allerdings nicht nur die Lücke beschreiben, sondern die Menschen, die mit ihren Autos die Lücke freilassen. Das Wechseln oder auch nicht Wechseln ist ja ein kleiner sozialer/ kommunikativer Akt. Alles Gute und fleißig weiter üben.

Gruß Frank Müller


E. Dahlen
Am 03.05.2015

Guten Tag Herr Müller, 

die letzten Tage war ich im Urlaub und habe meine ErFahrungen auf Autobahnen und ausländischen Strassen gemacht.

Meine Kreise werden also langsam aber stetig immer größer und ich erobere mir immer mehr Fahrsituationen. 

Probleme beim Spurwechsel – langsam gelöst

Der Spurwechsel ist bei mir eine Baustelle, die ich sehr langsam angegangen bin und auch oft genug ausgewichen bin.

Bis zu einer Situation wo auf einer meiner Lieblingsstrecken auf einmal eine Baustelle war und die Spuren auf eine zusammengeführt worden ist...da hatte ich den Spurwechsel, den ich doch so gar nicht haben wollte.

Spurwechsel in Ruhe

Nach einem kurzen Unwohlsein ist dann der Film abgelaufen über all das was wir über diese Situation besprochen hatten:

1) Ich muss nicht rüber, ich kann vor dem Hinderniss anhalten. Irgendwann wird es dann hinter mir frei werden, so dass ich keinen Zwang habe sofort zu wechseln. Das hat mir die Luft gegeben, über alle weiteren nächsten Schritte in Ruhe nachzudenken und zu handeln 

2) Den rückwärtigen Verkehr beobachten

3) Eine Lücke suchen, die mir die andere Spur lässt

4) Blinker setzen

5) Weiter schauen, ob die Lücke weiterhin da ist

6) Ganz langsam (!) die Spur gewechselt. 

und als das alles gemacht war, war ich auf einmal auf der zweiten Spur und es war alles in Ordnung. Es fühlte sich alles sehr einfach an. Der Schlüssel für mich war wie gesagt der erste Satz: Ich muss nicht rüber. Ich kann anhalten und warten.

Ich habe mich aber auch an was anderes erinnert: Nicht zu lange warten, wenn man sich eine Lücke ausgesucht hat. Irgendwann ist diese Lücke dann auch wieder zu. Ein bisschen musste ich mir auch einen inneren Ruck geben, diese angebotene Lücke zu nehmen. 

Seitdem stelle ich mich mehr dem Spurwechsel.  

Nun aber zu Ihrer Bitte: Aus meiner Sichtweise wird es weder Frau S. noch mir helfen, dass wir uns ausführlich über Spurwechsel unterhalten.

Ich bin weder Psychologin noch Expertin zum Thema Autofahren. Im schlimmsten Fall mache ich nur noch mehr kaputt.

Wenn Frau S. den wirklichen Wunsch hat gegen ihre Angst etwas zu tun, dann kann ich ihr aus der Ferne nur den Rat geben sich in Ihre Hände oder die Hände eines anderen Profi zu geben. Daher werde ich Frau S. nicht anrufen.

 Es freut mich, wenn Ihnen meine Erlebnisberichte weiterhelfen sollten und andere AngsthäsInnen sich in bestimmten Situationen wiedererkennen und sehen dass es auch (langsame) Wege gibt mit der Angst umzugehen und diese zu minimieren. 

Mehr soll und kann es von meiner Seite nicht nicht sein.  

Viele Grüße

Ihre Angsthäsin aus Stuttgart

E. Dahlen


Frank Müller
Gesendet:
 Mittwoch, 29. April 2015

liebe Frau Dahlen,

könnten Sie bitte eine Angsthäsin anrufen und sie ein bisschen beraten, aufgrund Ihrer Erfahrungen? Sie wünscht sich das.

Sie leidet daran, vor dem Fahrstreifenwechsel sehr große Angst zu haben.
Sie wohnt in Gießen.
Ihr Name: S....

Gruß Frank Müller