Blue Flower

Die MPU ist kein Idiotentest

Wissenswertes über die MPU

Der Führerschein ist in Gefahr

Im Volksmund heißt diese Untersuchung Idiotentest. Darin steckt ein Lächerlichmachen der Betroffenen. Sie sind angeblich zu blöd, um sich als Autofahrer einigermaßen korrekt zu verhalten. Sie werden mit dem Begriff ausgegrenzt. Aber auch die Untersuchung wird damit lächerlich gemacht. Manche glauben, es genügten ein paar sprachliche Tricks, um die Psychologen zu einer positiven Einschätzung zu bringen.

Tatsächlich ist die Angelegenheit aber vielschichtiger. Diese Menschen sind keinesfalls zu blöd, sondern entwickeln durch Lebensumstände und für sie unlösbare Probleme falsche, gefährliche Einstellungen und Verhaltensweisen. Das ist keine Entschuldigung. An diesem Punkt muss der Staat mit harter Hand eingreifen und die Allgemeinheit vor ihnen schützen.

Keinesfalls jedoch will der Gesetzgeber Ausgrenzung, sondern Klarheit. Jeder bekommt durch die MPU eine Chance, sich wieder korrekt zu verhalten. Wer die Chance allerdings nicht wahrnimmt, sondern höchstwahrscheinlich weiter Alkohol trinkt oder Straftaten begeht, der bekommt mit Recht den Führerschein nicht mehr. Die MPU ist in diesem Zusammenhang kein Sprach- oder Intelligenztest, sondern ein allgemeiner Persönlichkeitstest, um einigermaßen genaue Voraussagen machen zu können, ob sich der Betreffende in Zukunft an die Regeln halten wird oder nicht.

Verkehrssünder beim Gespräch mit dem Psychologen
Verkehrssünder beim Gespräch mit dem Psychologen

Übrigens wurde früher die MPU auch auf Prüflinge angewandt, die mehr als dreimal durch die Prüfung gefallen waren. Auch das war Anlass, von der MPU als Idiotentest zu reden. Diese Bestimmgung ist aber Gott sei Dank weggefallen. Denn das mehrmalige Nichtbestehen der Fahrprüfung hat mit Verkehrssünden nichts, aber auch gar nichts zu tun.

Hilfe, ich muss zur MPU. Was soll ich tun?

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf oder mit einer unserer Partnerfahrschulen. Lassen Sie sich telefonisch beraten oder vereinbaren Sie einen Beratungstermin (kostenlos). Bringen Sie zum Termin Ihre Verkehrssünder-Akte der Behörde mit. Beim Termin müssen viele Dinge geklärt werden, beispielsweise, wenn Sie beim Fahren Alkohol getrunken oder Drogen genommen haben. Sie müssen eine einjährige Abstinenz nachweisen. Melden Sie sich vorher weder bei der Führerscheinbehörde noch bei einer MPU-Untersuchungsstelle an. Lieber alles vorher in Ruhe klären. Kontakt

Was ist die MPU?

MPU bedeutet ausgeschrieben medizinisch-psychologische Untersuchung. Sie wird im Auftrag der Führerscheinbehörde durchgeführt von einer der Untersuchungsstellen für Fahreignung.

Die Fahreignung steht für grundsätzliche Anforderungen an jeden Kraftfahrer. Dazu gehören körperliche Anforderungen (beispielsweise die Sehfähigkeit), keine Straftaten, kein Alkohol- oder Drogenmissbrauch. Die Fahreignung darf nicht mit der Befähigung zum Führen eines Kfz im Straßenverkehr verwechselt werden. Diese wird mit der theoretischen und praktischen Fahrprüfung erteilt, beinhaltet das sichere Führen eines Kfz.

Unser Thema hier ist aber die Eignung. Nur wer entsprechend geeignet ist zum Führen eines Kfz wird von der Behörde für den Straßenverkehr zugelassen. Umgekehrt, wer nicht mehr geeignet ist, oder wer durch sein Verhalten Zweifel an seiner Fahreignung erweckt, der kann auch nicht mehr zum Straßenverkehr zugelassen werden.

Werden der Führerscheinbehörde negative Tatsache bekannt, die gegen die Fahreignung des Betroffenen sprechen, dann wird sie ihn auffordern, innerhalb einer bestimmten Frist ein Gutachten beizubringen, das die Zweifel der Behörde entkräftet. Das Gutachten kann von einem Facharzt mit zusätzlicher Verkehrsqualifikation oder von der schon erwähnten Untersuchungsstelle für Fahreignung stammen. Diese sind von der Behörde für solche Untersuchungen amtlich zugelassen. Unter den entsprechenden Fachärzten oder Untersuchungsstellen kann der Betroffene wiederum frei wählen.

Fällt das Gutachten positiv aus, wird sich die Behörde dem Urteil anschließen und den Führerschein erteilen. Ist dieser wegen einer Straftat oder wegen Alkoholmissbrauchs entzogen worden, dann ist die Erteilung des Führerscheins eine Neuerteilung, keine Wiedereinsetzung in den alten Führerscheinstand, bei dem der Betreffende vielleicht noch einige Führerscheinklassen besaß.

Fällt das Gutachten negativ aus, dann kann die Behörde den Führerschein nicht neu erteilen.

MPU = Strafe?

Die Betroffenen empfinden den ganzen Vorgang meistens als schwere Strafe – zusätzlich zu den anderen Strafen, die gegen sie verhängt wurden. Wahrscheinlich wären ihnen noch härtere Strafen sogar lieber, um der MPU zu entgehen. Eine Strafe ist zwar hart, aber irgendwie auch absehbar. Die MPU dagegen wird als undurchsichtig und willkürlich wahrgenommen, ein Ende ist nicht überschaubar. Für viele ist die MPU ein böses Lotteriespiel, bei dem sie hohe Einsätze an Zeit und Geld beisteuern müssen, aber wahrscheinlich nie gewinnen, sondern nur verlieren. Vor allem der dritte Teil der Untersuchung, das Gespräch mit dem Psychologen, ist gefürchtet.

Das Gefühl der Undurchschaubarkeit und Willkür in der MPU treibt die Betroffenen in Scharen zu MPU-Vorbereitungs-Kursen. Eine Vorbereitung ist meistens in Ordnung, verbessert die Chancen. Dennoch sollte man genau auf die Einzelheiten achten. Der Erfolg ist fraglich, wenn die Kurse in Gruppen von 6 bis 12 Teilnehmern statt finden. Dort kann auf die Vorgeschichte und die Probleme des einzelnen gar nicht eingegangen werden. Für die Veranstalter sind Gruppenkurse allerdings lohnender.

Der Ausgangspunkt war die Frage: Ist die MPU eine Strafe? Auch wenn viele Betroffene so empfinden, rechtsphilosophisch ist sie nicht so gemeint. Sie ist als als Chance zur Resozialisierung gedacht. Auch wenn dieser Weg vielen Betroffenen härter und ungewisser erscheint, innere Arbeit und Verhaltensänderungen verlangt – letztlich ist die Vorgehensweise doch humaner als eine knallharte Strafe oder gar Ausgrenzung. Sie verlangt aber harte, innere Arbeit und nachgewiesene Verhaltensänderungen, um die Gutachter der MPU-Stelle zu überzeugen.

Zahlen zur MPU

Jährlich müssen ungefähr 100.000 Autofahrer zur MPU. Von diesen haben mehr als die Hälfte ein Alkoholproblem, knapp ein fünftel haben Drogen konsumiert. Der Rest muss wegen sonstiger Straftaten (Beispiel: Unfallflucht) oder wegen Erreichen der 8-Punkte-Grenze zur MPU.

Die Durchfallquote (negatives Gutachten) liegt ohne Vorbereitung bei ungefähr 2/3 der Fälle, mit Vorbereitung bei 1/3.

Im zentralen Fahrerlaubnis-Register beim Kraftfahrbundesamt in Flensburg sind etwa 8 Millionen Kraftfahrer mit Verkehrssünden registriert. Werden durch Verkehrssünden (Ordnungswidrigkeiten normaler oder schwererer Art oder gar durch Straftaten) Punkte gesammelt und 8 Punkte erreicht, muss die Behörde die Fahrerlaubnis entziehen. Mehr als die Hälfte der Registrierungungen erfolgen wegen zu hoher Geschwindigkeit. Dann folgen Alkohol (viel mehr Männer als Frauen) und Verstöße gegen die Vorfahrt (mehr Frauen). 

Der Ablauf der MPU

Ihnen ist wegen Ihres widerrechtlichen Verhaltens die Fahrerlaubnis entzogen worden. Wenn Sie sich damit begnügen, dann geschieht nichts weiter, Sie müssen auch nicht zur MPU. Nur, wenn Sie nach Ihrer Sperrfrist die Fahrerlaubnis neu beantragen, wird sich die Behörde bei Ihnen melden und eine MPU verlangen. Leider sind in Ihrem Falle die Gebühren für einen Neuantrag viel höher als bei einem Fahrschüler. Sie bezahlen ca. 240 €.

Hier besteht schon eine erste, kleine Zeitfalle, die Sie berücksichtigen müssen. Bei Alkohol- oder Drogenproblemen wird als Voraussetzung eine einjährige Abstinenz verlangt. Diese müssen Sie belegen, durch Blut- oder Urinproben im Labor, organisiert beispielsweise beim Hausarzt. Die Kosten für die Laboruntersuchungen müssen Sie selbst tragen. Erst, wenn Sie die einjährige Abstinenz einigermaßen geschafft haben, lohnt es sich überhaupt, den Führerschein neu zu beantragen!

Im Schreiben der Behörde werden auch Untersuchungsstellen für die MPU aufgezählt. Unter diesen dürfen Sie eine Untersuchungsstelle wählen, müssen sich an diese wenden und der Behörde Mitteilung davon machen. Lassen Sie sich in Ihrem Vorbereitungskurs beraten, welche Kriterien bei der Wahl wichtig sind.

Alle seriösen Untersuchungsstellen bieten übrigens Infoabende an, um die Betroffenen zu beraten. Die Infoabende sind kostenlos. Ich rate dringend dazu, einen Infoabend zu besuchen und dort Fragen zu stellen, wenn nötig.

Die Untersuchungsstelle wird Ihnen dann den Termin der Untersuchung schicken.

Bis dahin sollten Sie Ihren Vorbereitungskurs für die MPU erledigt haben, möglichst zeitnah. Auf die Inhalte des Vorbereitungskurses gehe ich in einem anderen Artikel ein. Die Kursdauer beträgt im Schnitt zwischen 4 und 10 Stunden. Die Kosten betragem zwischen 400 und 1500 €. Die Kosten müssen Sie selbst tragen.

Auch die Kosten für die medizinisch-psychologische Untersuchung bei der Untersuchungsstelle für Fahreignung müssen Sie selbst bezahlen. Sie betragen je nach Anzahl und Art der Straftaten ungefähr zwischen 400 und 800 €.

Für die Untersuchung selbst planen Sie ca. 3 bis 4 Stunden ein. Die Untersuchung gliedert sich in drei Teile:

  1. Ein medizinischer Teil

  2. Ein Leistungstest (Reaktionstest)

  3. Das Gespräch mit dem Psychologen

Teil 1 und 2 wird Ihnen keine große Sorgen machen, wohl aber Teil 3. Im Vorbereitungskurs wird hauptsächlich über Teil 3 gesprochen.

Das Gespräch mit dem Psychologen dauert ungefähr eine Stunde. Sie können am Schluss des Gesprächs mit dem Psychologen schon mal vorab nach einer Tendenz fragen, ob eher positiv oder negativ.

Erstellt die Untersuchungsstelle ein positives Gutachten, dann sind Sie froh und glücklich, bringen Ihr Gutachten bei der Behörde vorbei und erhalten nach einer gewissen Frist Ihren neuen Führerschein.

Erstellt die Untersuchungsstelle ein negatives Gutachten (die Zweifel der Behörde sind dann berechtigt), dann müssen Sie das Gutachten nicht bei der Behörde einreichen. Sie brauchen sich nicht selbst zu belasten. Für die Ärzte und Psychologen der Untersuchungsstelle gilt die Schweigepflicht. Allerdings erhalten Sie in diesem Falle auch keinen Führerschein.

Nach einem Jahr können Sie wieder einen neuen Antrag stellen. Dann geht der Ablauf von vorne los. Sie können die MPU beliebig oft wiederholen. Aber das wäre ja wohl nicht in Ihrem Sinne.

Der Vorbereitungskurs

Sie haben nur eine reale Chance in einem Vorbereitungskurs, wenn sich in diesem jemand hauptsächlich mit Ihnen und Ihren Problemen beschäftigt. Ein Gruppenkurs kann Sinn machen, wenn man Ihnen und anderen zu Beginn allgemeines Wissen über die MPU und ihren Ablauf beibringt. Doch dann muss sich der Gruppenkurs auffächern, Sie selbst mit ihrer Vergangenheit und ihren Problemen sollten  im Mittelpunkt stehen.

Orientieren Sie sich vor allem an der Akte der Führerscheinstelle, in denen die Vorwürfe gegen Sie zusammengefasst sind. Davon gehen Sie aus und versuchen sich an alle wichtigen Ereignisse zu erinnern.

Sie begeben sich noch einmal tief in Ihre Alkoholvergangenheit, vergegenwärtigen sich die vielen Trinkgelegenheiten und berichten von ihren damaligen Lebensumständen. Dies aber nicht als Entschuldigung, sondern als Anlass zum Nachdenken. 

Das Nachdenken muss in zweierlei Richtung erfolgen:

  1. Obwohl sie wussten, wie schädlich Alkohol- oder Drogenkonsum oder andere Straftaten für Sie und andere sind, müssen Sie Ihre Probleme benennen und erklären können, warum Sie dennoch Verkehrssünder wurden. Sie müssen schildern können, was geschehen ist und warum es geschehen ist. Dabei wird schon verlangt, dass Sie das Geschehene reflektieren, sich nicht selbst als armes Opfer darstellen. Sie waren trotz der Umstände Täter, Sie waren trotz allem selbst verantwortlich.
  2. Sie müssen erklären können, wie Sie diese Probleme inzwischen ohne die genannten Mittel, Alkohol, Drogen, Straftaten, lösen können.

Das nächste Thema wäre die heutigen Lebensumstände, inwiefern Sie aus Ihrem Nachdenken Schlüsse gezogen haben. Sie müssen dem Psychologen schildern können, dass Sie Ihr Leben inzwischen nachhaltig geändert haben. Dabei spielt eine wichtige Rolle, welche Motive inzwischen eine zentrale Rolle spielen. "Ich will den Führerschein wieder haben und behalten" klingt wahrscheinlich nicht sind sehr überzeugend.

Ein nächster wichtiger Teil der Vorbereitung sind Tests. Ihr Vorbereiter wird dabei den Psychologen spielen und Sie befragen. Hinterher sprechen Sie über den Ablauf des Testgesprächs. Hier zeigt sich dann im besten Falle, dass das eine oder andere Problem gar nicht erkannt, geschweige denn gelöst ist. Dann wäre Gelegenheit, sich noch einmal mit der Vergangenheit zu befassen. Lassen Sie sich darauf ein. Stellen Sie sich auch positiv zur MPU. Denn  sie bietet Ihnen Anlass, eine Lebenswende einzuleiten und endgültig mit ihrer zerstörerischen Vergangeheit zu brechen.