Fahrschulwagen, Blick auf die Bedieneinrichtungen, die Doppelbedienung der Pedale, die doppelten Spiegel.

Routinen beim Einparken automatisch und locker

Zum Beitragsbild: Bedieneinrichtungen im Fahrschul-Pkw, für die Routinen beim Einparken.
In diesem Beitrag geht es um vier wesentliche Routinen, die Sie beim Einparken brauchen:
– Langsam und sehr langsam fahren, vorwärts und rückwärts
– Weiches, flüssiges Lenken, nach Ziel, vorwärts und rückwärts
– Einen Plan im Kopf haben und wissen, wie Sie ihn umsetzen können, um in die verschiedenen Arten von Lücken hinein zu fahren. Wieder vorwärts und rückwärts
Das ständige Beobachten und Einschätzen des Verkehrsgeschehens und der Räume um Sie herum, und angemessene Reaktionen, beim Einfahren in Ihre Lücke.
Diese Routinen sollten Sie beherrschen, um in Ruhe und gut einparken zu können. Sie sind sozusagen die Basics. Sie sehen hier im Bild die wichtigsten Bedieneinrichtungen im (Fahrschul-)Pkw, die es Ihnen als Fahrerin ermöglichen, die vier wichtigsten Routinen fürs Einparken Routinen zu umzusetzen.
Bequemes, sicheres Sitzen: Sie sollten im Auto bequem sitzen und alle Bedieneinrichtung gut erreichen. Den Sitz nicht zu nah ans Lenkrad heran schieben, eher ein bisschen auf Abstand. Arme am Lenkrad und Beine bei der Bedienung der Pedale sind leicht gebeugt. Ihren Sitz einigermaßen aufrecht stellen. So kommen Sie locker an alle Bedieneinrichtungen und haben die die nötige Übersicht.
Pedale: Unten vor Ihrem Sitz die Pedale, von links nach rechts: Kupplung, Bremse, Gas. Vor dem Beifahrersitz die Pedale des Beifahrers (Fahrlehrers). Mit den drei Pedalen regeln Sie, pauschal gesagt, das Tempo. Mit dem Gaspedal fahren Sie schneller, mit der Bremse langsamer. Und wozu ist die Kupplung da? Damit haben viele ihre Schwierigkeiten. Sie brauchen die Kupplung beim Schalten, rauf und runter, beim Anfahren, beim Anhalten. Und, für unser Thema sehr wichtig, Sie brauchen die Kupplung beim langsamen Fahren. Die Kupplung ist beim Schaltwagen ein wunderbares Instrument, um im ersten oder Rückwärtsgang so langsam zu fahren, wie es gerade nötig ist. Und das ist beim Parken immer nötig. Hinweise zur automatischen Schaltung ohne Kupplung finden Sie später.
Lenkrad: Mittig vor Ihnen befindet sich das Lenkrad, mit dem voluminösen Mittelsteg. Dahinter verbirgt sich der Airbag für die Fahrerin. Fürs Parken ist das Lenkrad sehr wichtig,  denn Sie sollten beim Parken „viel“ lenken, so der Fahrlehrerspruch in der Überschrift. Das stimmt. Aber vor allem sollten Sie ein Gespür dafür haben, wohin Sie lenken müssen, um in Ihren gewünschten Parkplatz hinein zu kommen. Und dies vorwärts wie rückwärts. Kurz gesagt, Sie müssen immer dahin lenken, wohin Sie auch wollen, ob vorwärts oder rückwärts. Weil so oft danach gefragt wird: Ein zweites Lenkrad für den Fahrlehrer gibt es nicht. Normalerweise reicht es, wenn der Fahrlehrer im Notfall mit der linken Hand am Lenkrad eingreift.  Das Lenkrad und das Lenken werden uns bei unserem Thema noch sehr beschäftigen.
Drehzahlmesser. Er befindet sich im Bild über der Innenspeiche links im Lenkrad, halb angeschnitten, der  Drehzahlmesser. Er zeigt die Umdrehungen des Motors in der Minute an. Er ist hilfreich bei vielen Aktionen, beim Anfahren, langsamen Fahren, Schalten, Herunterschalten, verbrauchsgünstigen Fahren.
Der Tacho rechts hinterm Lenkrad wird beim Parken nichts anzeigen, da wir uns beim Einparken im Bereich des sehr langsamen Fahrens befinden.
Schalthebel. Rechts unten Mitte befindet sich der Schalthebel. Im Falle des Parkens kommt der erste oder der Rückwärtsgang zum Einsatz. Vor dem Schalthebel die mechanische Handbremse.
Die Beobachtung des Verkehrsgeschehens und der Räume ist ein weiteres Thema des Beitrags. Zur Beobachtung dienen die großen Fenster, vorne, seitlich, hinten etwas kleiner, dazu der Innen- und die beiden Außenspiegel, jeweils zusätzlich mit Spiegeln für den Fahrlehrer. Im Bild nicht zu sehen das Display der Rückfahrkamera, das ein weitwinkliges Bild der Räume hinter dem Auto zeigt. Zum weiteren akustischen „Beobachten“ nach hinten dient ein warnender Piepton, der sich beim Rückwärtsfahren und Annähern an ein Objekt meldet und immer dringlicher wird.

„Fahre langsam und drehe viel, dann ist das Parken ein Kinderspiel!“ 


(Alter Fahrlehrerspruch) 

Routinen beim Einparken –
automatisch und locker ausführen

In diesem Beitrag beschreibe ich einige wesentliche Routinen, die Sie zum Einparken benötigen. Das sind folgende vier Routinen:

  • Langsames oder sehr langsames Fahren, vorwärts, rückwärts
  • Weiches, flüssiges Lenken, und Lenken nach Ziel, d.h. zu wissen, wohin ich lenken muss, um mein Auto in die Lücke zu bringen. Diese Routinen ebenfalls vorwärts und rückwärts
  • Ein Plan im Kopf und dessen Umsetzung, um in die verschiedenen Arten von Lücken hinein zu fahren, wieder vorwärts und rückwärts
  • Das ständige Beobachten und Einschätzen des Verkehrsgeschehens und der Räume um Sie herum, und angemessene Reaktionen, beim Einfahren in Ihre Lücke.

Diese vier Routinen vereinigen und ergänzen sich zu und bei einem kompletten Parkvorgang. Den kompletten Parkvorgang beschreibe ich in einem weiteren Beitrag.

Routinen beim Einparken automatisch und locker ausführen
Die genannten Routinen brauchen Sie bei sämtlichen Parkvorgängen. Sie sind sozusagen die Basics. Wenn nötig, sollten Sie diese noch einmal gründlich kennen lernen und auffrischen. Die erste Forderung an die Routinen lautet, sie „richtig“ auszuführen. Richtig heißt, technisch richtig, gekonnt und vor allem sicher. Die zweite Forderung lautet, die Routinen entspannt, locker und ruhig auszuführen, um Ängste zu beruhigen. Dabei hilft Ihnen der Beitrag.

Der Verstand kann mal loslassen
Routinen sind automatisierte Tätigkeiten bei der Autobedienung, die beinahe „von alleine“, ohne Mitwirkung des Verstandes, ablaufen. Der Verstand muss sich sozusagen nicht mehr um jede Kleinigkeit bemühen, er kann ein bisschen abschalten. Routinen machen Sie unempfindlicher gegen Ärger, Stress oder Angst, der Verstand hat Ruhe, kann  für den Moment mal loslassen.

Durch die Ausführung der Routinen entspannt und locker fahren
Haben Sie Fahrängste, die Sie in Unruhe und Nervosität versetzen und bei der Ausführung der Routinen verwirren und blockieren? Der Beitrag beschreibt Ihnen, wie Sie Ihre Nervosität mildern, und damit die Routinen feinfühliger und ruhiger ausführen können. Umgekehrt, wenn Sie gelernt haben, die Routinen sehr weich, locker und ruhig auszuführen, dann werden diese entspannten, ruhigen Abläufe sich wohltätig auf  die Angst auswirken.

Mit der ruhigen, entspannten und lockeren Ausführung der Routinen signalisieren Sie Ihrer Angst: „Kein Grund, Alarm zu schlagen, ich bin entspannt und locker!“ Das ist die weitere Forderung an die Routinen: Sie sollen beim entspannten Fahren helfen.

Der Sinn des Beitrags
Bitte lesen Sie den folgenden Beitrag aufmerksam durch, damit Sie beim praktischen Einpark-Training mit dem Angsthasenfahrlehrer schon eine Übersicht über die nötigen Routinen und die Methoden der Angstbewältigung haben. Aufgaben zum Schluss bereiten Sie ebenfalls auf das praktische Training fürs Einparken vor.

Für wen ist der Beitrag geeignet?
Der Beitrag ist für alle Menschen mit Fahr- oder Prüfungsangst geeignet, die sich speziell für das Thema Ängste beim Einparken interessieren und sich besser auf die praktische Betreuung vorbereiten wollen. Für Menschen mit Panik auf der Autobahn ist der Beitrag wegen der Angstbewältigung lesenswert. Ansonsten bewegen sich diese Menschen frei und sicher im Stadtverkehr, ohne Angst. Das Parken selbst macht keinerlei Probleme.

Praktische Aufgaben
Am Schluss der Kapitel im Beitrag erhalten Sie praktische Aufgaben zu den vier Routinen gestellt. Diese sollten Sie in einem Auto mit Schaltwagen oder einem Auto mit automatischem Getriebe probieren. Der Motor bleibt dabei aus, die Handbremse ist gezogen. Damit ist der Vorgang ungefährlich, aber doch praxisnah. Die Routine-Übungen im Auto werden womöglich Ängste und Nervosität bei Ihnen hervor rufen. Falls sich Nervosität  bei Ihnen meldet, bleiben Sie offen. Es kann Ihnen nichts passieren. Es ist vielleicht eine Gelegenheit, die entsprechenden Übungen zur Milderung der Nervosität zu üben.

Warnung
Bitte probieren Sie im Zustand der Angst diese Übungen keinesfalls im fließenden Verkehr. Nehmen Sie Ihre Angst ernst. Sie könnten andere in Gefahr bringen. Fahren Sie auch nicht mit Begleiter oder normalem Fahrlehrer. Diese sind nicht kompetent bei Fahrängsten und können Ihnen bei Angstzuständen in belastenden Situationen nicht helfen. Vertrauen Sie sich einem Angsthasenfahrlehrer an. Dieser kann Sie im Fahrschulwagen schützen und ist kompetent, um Ihnen bei der Bewältigung Ihrer Fahrängste zu helfen.

Inhalt 

    1. Routinen, automatisierte Handlungsabläufe, gehören zur Autobedienung. Sie machen das Autofahren sicher und erholsam. Wie gehen wir um mit falsch gelernten Routinen?
    2. Ich suche einen Parkplatz – ist er groß genug?
    3. Langsam fahren – eine der wichtigsten Routinen
      Angst vor dem langsamen Fahren? Lob des Angsthasenfahrstils
    4. Mit dem Schaltwagen langsam fahren: Kupplungsbremse und Kupplungsgas
    5. Mit Automatik-Pkw langsam fahren: Über der Bremse bleiben
    6. Lenken beim Einparken: „Viel“ Lenken ist angesagt
    7. Methode „Übergreifen“: Weich und fließend lenken mildert die Angst
    8. Wohin muss ich denn lenken? Wie lenke ich wieder gerade?
    9. Wie komme ich in die Lücke hinein? Ein Plan im Kopf und dessen Umsetzung
    10. Beobachten, eine wichtige Routine: Rundumblick und Minipausen
    11. Zusammenfassung
    12. Links und wichtige Hinweise

 

Parken rückwärts seitlich, Parklücke sehr lang
Fahrprüfung, Fehler beim Einparken rückwärts in eine große Parklücke.     Susanne, 18, kurz nach dem Abitur, möchte später einen Medienberuf ergreifen, dafür benötigt sie den Führerschein. Sie befindet sich in ihrer ersten Fahrprüfung. Zu Hause warten die Eltern und ihr Freund, aufgeregt. Auch Susanne ist aufgeregt. Sie ist ängstlich wegen der Prüfung. Sie will ihre Lieben mit der schönen Nachricht „bestanden!“ überraschen, ist bestrebt, alles richtig zu machen, ist verkrampft und nervös. Mit ihrem Fahrlehrer hat sie geübt und geübt, vor allem das Parken und die Autobahn, wo sie sich unsicher fühlte. Der Prüfer merkt ihren Zustand, beschließt, ihr ein bisschen zu helfen, gibt ihr eine besonders große Parklücke als Aufgabe. Gut gemeint, doch kann eine solche Aufgabe eine Anfängerin verwirren. Susanne ist angesichts der großen Lücke nicht nur ängstlich, sondern ratlos. Sie beschließt in ihrer Not, sich genau, gar übergenau, an ihre Anleitungen fürs Parken rückwärts zu halten. In ihrer Aufregung besinnt sie sich gerade noch auf den Fahrzug zu Beginn des Einparkens und zieht den Wagen gleich kräftig nach rechts in die Lücke.  Dadurch gerät sie  mit dem Fahrschul-Pkw in eine unglückliche, schwer korrigierbare Lage. Das rechte Hinterrad läuft schon am Bordstein an. Und vorne befindet sie sich mit dem Fahrschul-Pkw schon in gefährlicher Nähe zum blauen Pkw. Korrigieren ist nun beinahe unmöglich geworden. Genau das versucht Susanne, wird dabei immer verzweifelter, nähert sich bei den Korrekturzügen immer mehr dem blauen Wagen. So kann es auf keinen Fall weiter gehen! Und nun zu Ihnen, liebe Surferin: Susanne hat die Routinen fürs Einparken gut drauf, sie hat fleißig geübt. Dennoch läuft die Sache durch die enorme Belastung aus dem Ruder: Zu Hause warten die Lieben auf ein gutes Ergebnis, die Prüfungsaufgabe entwickelt sich zum Desaster. Zum Schluss eine Aufgabe für Sie: Denken Sie ein bisschen nach, was würden Sie der verzweifelten Susanne empfehlen? Lösungsvorschläge am Schluss des Kapitels.

1. Routinen, automatisierte Handlungsabläufe, gehören zur Autobedienung. Sie machen das Autofahren sicher und erholsam. Wie gehen wir um mit falsch gelernten Routinen?

Routinen = Automatismen, fest gespeichert
„Fahre langsam und lenke viel…“: Das sind zwei wichtige Routinen, die wir beim Einparken benötigen: Langsames, sogar sehr langsames Fahren; und Lenken, viel, aber nicht nur viel, sondern vor allem zielgerichtet. Routinen sind automatisierte Handlungsabläufe bei der Autobedienung. Von denen gibt es unzählig viele: Beispiele: Gas geben und beschleunigen, schalten und kuppeln, bremsen, langsam fahren, sehr langsam fahren (tasten oder kriechen), lenken, rückwärts fahren, beobachten.  Die Handlungsabläufe haben Sie sich mühsam über den Verstand klar gemacht und antrainiert, oft wiederholt, auch im Stress, bis sie im Gehirn fest eingeprägt waren. Routinen sind im Gehirn gespeichert, werden auf einen bestimmten Anlass  hin abgerufen und erleichtern die Bedienung des Autos enorm. Denn sie laufen von allein ab, automatisch, schnell, feinfühlig, wir müssen dabei nicht mehr groß nachdenken. Der Verstand kann sich auf andere, wichtigere Probleme konzentrieren, beispielsweise Fußgänger am Rande der Fahrbahn.  Routinen machen das Autofahren sicher und erholsam. Denn vieles funktioniert nun „wie von selbst“.

Was ist ein „bedingter Reflex“?
Warum bremsen wir überhaupt, warum wollen wir langsamer fahren? Wir sehen einen Anlass, eine Gefahr, Kinder am Rande der Fahrbahn, eine Kreuzung mit Vorfahrt von rechts, eine enge Wohnstraße, einen Parkplatz. Bei einem Zusammenhang zwischen Anlass, Gefahr und einer entsprechenden, gelernten Antwort sprechen die Psychologen von einem „bedingtem Reflex“. Bedingt, weil gelernt, in der Fahrschule und später, beim weiteren Lernen im Verkehr. Reflex, weil auf den Anlass hin (Kinder, Kreuzung mit Vorfahrt von rechts, Wohnstraße, einparken in den Parkplatz) automatisch und schnell eine passende  Handlung erfolgt: Wir schauen, bremsen, fahren langsam, sehr langsam, im ersten Gang, mit schleifender Kupplung, je nachdem. Bedingte Reflexe sind etwas Schönes, denn Sie als Ausführende handeln auf den Anlass hin, schnell, automatisch, richtig. Ohne, dass sich der Verstand groß bemühen müsste. Bedingte Reflexe sind der Natur abgeschaut: Denken Sie an das bekannte Beispiel des Lidschlags, wenn sich dem Auge ein Fremdkörper nähert. Allerdings sind diese gelernten Routinen nicht ganz so fest eingerichtet wie die körperlichen, sondern eben „nur“ gelernt, sozial beeinflusst und abhängig.

Hoffnung für Sie: Routinen bleiben Ihnen jahrelang erhalten
Übrigens, Routinen gibt es auch in sonstigen Bereichen, nicht nur beim Autofahren. Denken Sie ans Radfahren oder Schwimmen.  Wenn Sie nach jahrelanger „Abstinenz“ mal wieder schwimmen wollen, sind Sie wahrscheinlich etwas unsicher. Sie versuchen es zu Anfang lieber im nicht so tiefen Wasser, ohne lebhafte Umgebung. Dennoch, nach ein bisschen Gewöhnung schwimmen Sie wieder „wie von selbst“. Auch Angsthäsinnen mit langer Autovermeidung genießen diesen Vorteil, die alten, vielleicht eingerosteten Fähigkeiten schnell wieder auffrischen zu können. Meine Rekordhalterin in der Vermeidung des Autofahrens brachte es auf über 25 Jahre. Dennoch, als sie im Gewerbegebiet mit mir als Angsthasenfahrlehrer los fuhr, ging es mit dem Auffrischen der alten Kenntnisse recht flott. Da staunte sogar ich alter Hase. Anfahren, schalten, kuppeln, bremsen, lenken – alles ging wieder, nach wenigen Stunden. Fahren nach rückwärts verlief nicht so gut, aber das war auch in ihrer Frühphase bei der Fahrschulausbildung eher schlecht. Meine Folgerung aus diesen Erfahrungen ist, dass ich Ihnen Mut machen kann: Es wird schon wieder! Sie werden die neuen Routinen und weitere Fähigkeiten schneller lernen als pure Fahranfänger.

Ihre einst gelernten Routinen lassen sich, trotz langer Fahrpause, relativ gut auffrischen. 

Falsch gelernte, von anderen bestätigte Routinen machen Angst. Wir kriegen sie leider schlecht wieder los
Bei falsch gelernte und womöglich „kompetent“ von anderen bestätigten Routinen kommt uns eine an sich nützliche Eigenschaft der Routinen in Quere: Auch die falsch gelernten Routinen sind für immer fest im Gehirn gespeichert. Wir können diese falsch gelernten Routinen nicht einfach „verlernen“.
Im folgenden ein paar Beispiele für falsch gelernte Röoutinen:

Anfahren und langsames Fahren ohne Gas
Als Beispiel, das mich in meiner Praxis als Angsthasenfahrlehrer sehr oft beschäftigt, nenne ich den sogenannten „Diesel-Fehler“ bei der Fahrschul-Ausbildung. Viele Fahrlehrer bilden mit Dieselautos aus. Vielleicht sind sie der irrigen Ansicht, Dieselautos würden Geld „sparen“. Egal, beim Ausbilden bieten sie „Vorteile“. Danach wird das Anfahren mit Dieselauto gelernt, ohne Gas zu geben. Das kostet weniger pädagogische Mühe. Der Dieselmotor verkraftet das leicht. Er läuft bei niedrigen Drehzahlen immer noch kräftig wie ein Trecker, würgt nur schwer ab. Mit dem Dieselmotor können Sie anfahren, langsam fahren, alles, ohne Gas zu geben. Das ist einfach.

Instrumentenanzeige an der Armaturentafel, Pkw. Links Drehzahlmesser, rechts Tacho
Instrumentenanzeige an der Armaturentafel, Pkw. Links Drehzahlmesser, rechts Tacho = Geschwindigkeitsmesser. Der Drehzahlmesser zeigt die Drehgeschwindigkeit des Motors an, in Zahl der Umdrehungen pro Minute. Sie können sich am Drehzahlmesser orientieren beim Anfahren und langsamen Fahren, beim Hochschalten, beim Herunterschalten nach dem Bremsen und für das verbrauchsgünstige Fahren. Dieser Drehzahlmesser zeigt hier 1.600 Umdrehungen in der Minute an (er zeigt auf die 16. Diese Zahl * 100 = 1.600). Ungefähr eine Drehzahl zwischen 1.000 und 2.000 brauchen wir beim Anfahren und beim langsamen Fahren zum Einparken. Verbrauchsgünstig fahren Sie bei Drehzahlen zwischen 1.000 und 2.000. Wenn Sie durch Gasgeben die 2.000 erreicht haben, sollten Sie hochschalten in den nächst höheren Gang, beispielsweise vom ersten in den zweiten Gang. Dann sinkt die Drehzahl des Motors wieder auf vielleicht 1.500. Gleichzeitig macht der Motor im zweiten Gang weniger Lärm. Motorlärm wäre ein weiterer Anlass, hoch zu schalten. Je langsamer und leiser der Motor dreht, um so weniger Kraftstoff braucht er. Daher die „liebste“ = leise und verbrauchsgünstige Drehzahlspanne des Motors zwischen 1.000 bis 2.000. Unter 1.000 wird es allerdings kritisch, da beim Verbrennungsmotor das plötzliche Ausgehen (= Abwürgen) droht. Genau gesagt, bei Drehzahlen unter der Leerlaufdrehzahl von etwa 700 bis 800. Wenn Sie unter der Leerlaufdrehzahl fahren würden, würde sich der Motor „wehren“, durch brummendes, bockiges, schüttelndes Verhalten. Man sprich von „untertourigem“ Fahren.  Sie kennen diese Verhältnisse vielleicht auch vom Radfahren mit einem Rad mit Gangschaltung. Sie kurbeln mit den Pedalen am liebsten in einem unaufgeregten Takt von wahrscheinlich zwei  bis drei Umdrehungen in der Sekunde. Damit fühlen Sie sich wohl. Merken Sie, dass die äußeren Umstände es zulassen, ein wenig schneller zu fahren, strampeln Sie ein bisschen schneller, schalten in den höheren Gang und haben wieder Ihren gemütlichen 2-3-Sekunden-Takt wie zuvor. 

Angst durch das Abwürgen des Motors – der Vollgas-Fehler
Der Benzinmotor verhält sich hier leider anders. Er holt sich die Kraft erst durch höhere Drehzahlen. Das heißt, Sie sollten beim Anfahren oder langsamen Fahren auch ein bisschen Gas geben. Tun sie das nicht, dann wird dieser Motor jedoch schnell abwürgen, das heißt mit einem plötzlichen Ruck stehen bleiben. Unangenehm an einer Ampel, die gerade auf Grün schaltet. Leider ist es nun mal so, dass viele Angsthäsinnen – wie auch andere Anfänger*innen sich nach der Prüfung ein Auto mit Benzinmotor kaufen.  Wenn sie niemand über die falsche Routine aufklärt und mit ihnen korrekt übt, werden Sie womöglich von einer Stresssituation in die andere geraten, Angst vor dem Auto und anderen Fahrern entwickeln.  Das ist schon eine Belastung. Sie haben das Gefühl, die Sache nicht mehr unter Kontrolle zu haben. In der Angst machen Sie womöglich den entgegen gesetzten Fehler, fahren mit Vollgas los, wobei ihnen dabei die Kontrolle verloren geht.

Eine merkwürdige Lenkmethode –  „Ziehen-Schieben“? Versuch einer Beschreibung
Wiederum eine falsche Routine ist das umständliche, ruckelige „Ziehen – Schieben“, als Methode zum Betätigen des Lenkrades, das kurioserweise nur im ehemaligen Berlin (West) gelehrt wurde, nicht jedoch im sonstigen Deutschland. Es geht die Sage in Berlin, dass Prüflinge in der Fahrprüfung durchfielen, weil sie statt des geforderten „Ziehen-Schieben“ schlicht und einfach mit dem eigentlich verbotenen Übergreifen“ lenkten.  „Natürlich“ und leicht erklärbar ist das Übergreifen. Umständlich und „unnatürlich“, schwer zu klären ist das Ziehen-Schieben. Grund, das Ziehen-Schieben dennoch zu üben, war die Hoffnung, dass sich wegen der umständlichen Handhabung die folgende Kurve nur sehr langsam durchfahren ließ. Dazu würde ich sagen, das Kurventempo sollte nicht von der Lenkmethode abhängig sein, sondern von der Sicherheit.

Kein Gefühl für die Drehrichtung
Nun ein paar Worte zum „Ziehen-Schieben“. „Viel“ lenken wird man bei dem ständigen Geruckel am Lenkrad sowieso nicht  können.  Das ist aber nicht so entscheidend. Entscheidend und negativ bei dieser Methode ist folgendes: Ich kann beim „Ziehen-Schieben“ kein Gefühl für die Drehrichtung entwickeln. Warum ist das so? Die Hände bleiben beim Ziehen-Schieben schön verteilt auf der jeweiligen Seite – linke Hand links am Lenkrad, rechte Hand rechts am Lenkrad – egal, wohin ich drehen will.

Will ich beispielsweise nach rechts lenken, dann packt die rechte Hand oben am Lenkrad zu, geht mit der rechten Seite des Lenkrades  runter, nach unten. Derweil folgt ihr die linke Hand auf der linken Seite des Lenkrades „leer“, ebenfalls nach unten, übernimmt unten das Lenkrad von der rechten Hand, packt zu, führt das Lenkrad nach oben. Dort übernimmt wieder die rechte Hand, usw. Irritierend für das Gefühl ist, dass bei der als Beispiel genannten Lenkung in Richtung rechts die rechte Hand nach unten lenkt (= „zieht“), die linke Hand anschließend, ebenfalls für die Richtung rechts, nach oben lenkt (= „schiebt“). Für dieselbe Drehrichtung nach rechts  bewegen sich die zupackenden Hände unterschiedlich, die rechte Hand runter, die linke Hand rauf.  Das Verfahren ist so merkwürdig, schwer zu vermitteln, dass man es kaum beschreiben kann. Jetzt stirbt es langsam aus, gut so.

Das „Übergreifen“ ist einfach
Beim Übergreifen sitzen beide Hände beim Lenken  nach in Richtung rechts oben am Lenkrad, übereinander, und lenken es abwechselnd auf dieser rechten Seite durch Drehung nach unten in Richtung nach rechts. Das ist so leicht zu begreifen und vollkommen weich und natürlich. Alle geübten Autofahrer lenken so. Keiner will mit dem „Ziehen-Schieben“ etwas zu tun haben.

Eine weitere falsche Routine ist das Betätigen des Lenkrades im Stand. Es ist ein mechanisches, beinahe hirnloses Verfahren, das dahinter steckt, nach dem Motto „try and error“. Als Fahrlehrer hat man es sich halt ein wenig zu leicht  gemacht. Wer im Stand lenkt, quält nicht nur die Reifen und das Lenkgetriebe.  Er weiß nicht, wohin die Reise anschließend geht. Dann muss halt wieder angehalten und neu probiert werden. „Try and error“, wie gesagt, – ein Trauerspiel. Ja, zugegeben, es ist pädagogisch ein wenig aufwendiger, das richtige Lenken bei langsamer Fahrt, und nicht im Stand, zu vermitteln. Dafür lohnt aber er richtige, vernünftige Umgang mit dem Lenkrad.

Und noch eine falsche Routine, die Angsthäsinnen sich leider oft selbst beigebracht haben: Falsches, gefährliches Verzögern vor einem Hindernis.
Als begleitender Angsthasenfahrlehrer bleibt einem dabei das Herz stehen. Die Betroffene sieht das Hindernis, beispielsweise einen Stau. Nun wird zuerst gekuppelt, zurück geschaltet, vielleicht vom vierten in den den dritten Gang. Dann weiter gekuppelt, in den zweiten Gang geschaltet. Dabei nähern wir uns mit relativ hohem Tempo immer mehr dem Stauende!! Und schließlich am Schluss, wenn es gar nicht anders geht, wird auch gebremst, denn die Gefahr ist nun unübersehbar. Angst! Und was sagt die Betroffene zu dieser gefährlichen Routine: „Ich wollte nicht, dass der Motor abwürgt.!“ Es spielt also die Sorge mit, sich mit dem Abwürgen des Motors  und dadurch verzögertem Wiederanfahren vor anderen schämen zu müssen. Daher wird die andere Gefahr – im Stau auf zu fahren – erst einmal in Kauf genommen. Das erzeugt dann mehrfache Ängste.

Erst schauen und bremsen, dann auskuppeln
Die richtige Routine in diesem Falle wäre: Schauen, bremsen und dann erst, aber wirklich erst dann, auskuppeln. Wenn das rechtzeitig geschieht, wenn der Drehzahlmesser noch etwa auf 1.000 Umdrehungen in der Minute steht, dann wird der Motor auch nicht abwürgen. Wichtig in diesem Falle wären aber auch Übungen, das Abwürgen nicht so schwer, sondern  locker zu nehmen.

Wie umgehen mit falsch gelernten Routinen?
All die genannten fehlerhaften Routinen sind bestätigt und fest im Gehirn gespeichert. Hier  wirkt sich diese an sich positive Eigenschaft der Routinen negativ aus. Wir kriegen sie schlecht wieder los.  Besser, wir ignorieren sie einfach und lernen die richtige Routine neu. Dann verblasst die alte Routine, wird bei Stress aber leider versuchen, sich durch zu setzen. Dennoch sind meine Erfahrungen mit vielen Angsthäsinnen positiv: Sie sind hoch motiviert, das neue Verhalten zu lernen.  Eine weitere gute Art, mit falsch gelernten Routinen umzugehen: Wir probieren bewusst die falsche Routine aus. Irgendwo, eine ruhige Sackgasse. Wir fahren an, ohne Gas zu geben. Dann wird der Motor wahrscheinlich ausgehen. Übrigens auch der Dieselmotor, wenn wir das etwas grob anstellen, die Kupplung einfach loslassen. Und andere Fahrer werden vielleicht „komisch“ oder „vorwurfsvoll“ gucken. Na und? Und nun sollten Sie auch üben, Ihre Scham wegen des „Fehlers“ auszuhalten.

Eine falsch gelernte Routine können wir einigermaßen „vergessen“, indem wir die neue, bessere  Routine an ihre Stelle setzen. Durch Fehlerübungen und Korrektur lernen wir, uns auf die „beschämende“ Fehlersituation einzulassen. Die ist doch gar nicht so schlimm! 

Fehlerkorrektur-Übungen gehören zum Schritt Nr. 6 aus dem Ratgeber zur Überwindung der Fahrängste. Dieser Schritt heißt, „das Vermeiden vermeiden“, das soll anders gesagt heißen, sich bewusst hinein in eine Angstsituation begeben. Beispiel: Sie würgen ganz bewusst beim Anfahren den Motor ab. Mit einem Fremdwort heißt dieser Vorgang Konfrontation. Allerdings müssen wir beide – Angsthäsin und Angsthasenfahrlehrer – sehr darauf achten, uns nur allmählich, in kleinen Schrittchen, unter Entspannung, in die Angst auslösende Situation zu begeben. Sie würgen also zuerst einmal in einer ruhigen Sackgasse ab. Das verschafft schon ein bisschen Aufregung, die Sie in Ruhe mildern können. Später fahren wir in belastende Situationen, um dort das Abwürgen zu üben. Aber: Die Verkehrssicherheit geht immer vor!!

Susanne leidet in der Fahrprüfung unter Stressbelastung. Heftige  körperliche Symptome blockieren die Routinen beim Einparken. Dagegen gibt es viele Mittel
Routinen funktionieren normalerweise gut, sie entlasten sogar den Verstand. Mit zunehmender Stressbelastung wird der Körper jedoch in einen Alarmzustand versetzt, körperliche Symptome wie Herzklopfen, schneller Atem, Tunnelblick, Schwitzen und Muskelkrampf blockieren die normale, weiche Abfolge der Routinen. Das hat Susanne in der Prüfung erlebt. Obwohl sie mit ihrem Fahrlehrer geübt und geübt hat. Das Üben ist ja nicht schlecht. Aber auf die Dauer üben die beiden am falschen Thema. Nicht die Routine beim Einparken an sich ist jetzt noch wichtig, sondern alle Möglichkeiten, mit der Belastung und Aufregung umzugehen. Da wären beispielsweise viele Möglichkeiten, sich aus der Stressbelastung zu retten, oder die Aufregung durch Entspannungsübungen zu mildern. Wir können die Routinen von vornherein auch so gestalten, dass sie durch die Art ihrer Ausführung beruhigen und entspannen. Das ist mit eines der spannendsten Themen hier im Beitrag.

Hohe Stressbelastung stört und blockiert die die Ausführung der Routinen.  Dagegen gibt es viele Mittel. Wir sollten auch die Routinen selbst von vornherein ruhig und entspannt ausführen. Das wiederum mildert die drückende Angst. Dafür steht die nachfolgende Schemazeichnung: 

Das Angstgefühl abschwächen: Durch Milderung der Symptome, durch freundliche, aufbauende Gedanken, durch Übungen, in denen wir bewusst Fehler machen und diese korrigieren
Das Angstgefühl ist eines unserer mächtigsten Gefühle. Es stellt sich ein bei Gefahr, oder auch schon bei vermeintlicher Gefahr. Im Gefolge des Angstgefühls erleben Sie drei wichtige Reaktionen: Heftige körperliche Reaktionen, Angstgedanken und Fehlverhalten. Das Angstgefühl abschwächen: Sie können das Angstgefühl nicht einfach so abschwächen. Aber sehr wohl, indem Sie die drei beschriebenen Reaktionsformen der Angst mildern: Sie beruhigen die heftigen körperlichen Symptome, „reden“ vernünftig und optimistisch mit den kreisenden Angstgedanken, üben Alternativen zu Fehlverhalten: Übungen, in denen wir bewusst Fehler machen und diese korrigieren.

1.1 Aufgaben zum 1. Kapitel

1. Aufgabe: Fehler beim Einparken rückwärts in die große Parklücke (zum Bild und Text vorher).  Was würden Sie der verzweifelten Susanne empfehlen? 

Lösung: Susanne befindet sich in einer verzweifelten Lage. Sie ist nervös, hat kein Gedächtnis mehr und keinen Überblick. Ihr Verstand hat ausgesetzt. So weiter zu machen, könnte schwere Fehler auslösen. Jetzt hilft nur noch eine Rettungsmaßnahme: Sie atmet ein paar mal ruhig, bleibt stehen, da wo sie ist, zieht die Handbremse, macht den Motor aus. Sie spricht laut, dass es ihr nicht gut geht, atmet ruhig weiter, schaut ein bisschen. Schon damit geht es ihr wieder besser. Sie informiert Fahrlehrer und Prüfer, dass sie kurz Erholung braucht. Dann steigt sie aus (vorher schaut sie, das kann sie inzwischen wieder), lässt den Blick schweifen, geht ein bisschen hin und her. Sie sagt laut zu sich selbst: „Ich kann mich beruhigen ich schaffe das! Ich habe das schon so oft mit meinem Fahrlehrer geübt.“ Dann schaut sie sich das Auto und dessen Lage an.

Jetzt überlegt sie, wie es weiter gehen kann: Sie spricht laut: „Ich schaue, blinke, fahre wieder raus aus der Lücke, mache dabei einen kleinen Schlenker nach links.“ Sie geht den Weg aus der Lücke heraus zu Fuß.“ Dann spricht sie weiter: “ Das nächste Mal nutze ich die große Lücke aus, fahre viel weiter nach hinten!“ Ein Stückchen geht sie auch diesen Weg. Auf dem Weg zum Fahrschauto überlegt sie: „Prüfer und Fahrlehrer sind freundlich. Sie haben nichts gegen mich, im Gegenteil.“ Dann steigt sie ins Fahrschulauto, informiert Prüfer und Fahrlehrer von ihrem Vorhaben. Und schon geht es los, ruhig, sicher.

In einer verzweifelten Lage, in der wir uns und unsere Nervosität nicht mehr kontrollieren können, sollten wir nicht mehr weiter machen. Wir ergreifen eine Rettungsmaßnahme. Diese sollte uns beruhigen, unseren Verstand wieder herstellen. 

Unzureichende Lösung: Oft empfehlen Prüfer etwas voreilig in dieser Lage, wieder raus aus der Lücke zu fahren und es noch einmal zu versuchen. Das ist gut gemeint, sie wollen helfen, aber es ist nicht hilfreich. Denn ohne vorherige Beruhigung könnte es schwere Fehler geben. Beispiel: Der vor ihnen stehende Pkw wird gerammt; oder es wird raus gefahren, ohne genügende Verkehrsbeobachtung.

2. Aufgabe: Die vier Routinen fürs Einparken überprüfen. Wobei fühlen Sie sich noch unsicher?

Hier habe ich noch einmal die vier fürs Parken geforderten wichtigen Routinen aufgezählt:

  • Langsames oder sehr langsames Fahren, vorwärts, rückwärts
  • Weiches, flüssiges Lenken, und Lenken nach Ziel, d.h. zu wissen, wohin ich lenken muss, um mein Auto in die Lücke zu bringen. Diese Routine ebenfalls vorwärts und rückwärts
  • Ein Plan im Kopf und dessen Umsetzung, um in die verschiedenen Arten von Lücken hinein zu fahren, wieder vorwärts und rückwärts
  • Das ständige Beobachten und Einschätzen des Verkehrsgeschehens und der Räume um Sie herum, und angemessene Reaktionen, beim Einfahren in Ihre Lücke.

Studieren Sie diese vier Routinen in Ruhe. Sie werden in den weiteren Kapiteln im Beitrag alle genau beschrieben. Machen Sie sich Notizen, wenn es Ihrer Ansicht nach bei Ihnen Schwächen oder Lücken in der Ausführung der entsprechenden Routine gibt. Informieren Sie sich, schreiben Sie Fragen auf.   Diese Notizen sollten Sie auch zu Ihrer ersten Betreuungsstunde mit mir, Ihrem Angsthasenfahrlehrer, mitbringen.

3. Aufgabe: Lesen Sie bitte die Beschreibung der falsch gelernten Routinen durch. 

Ich zähle Ihnen hier alle vorher erwähnten falsch gelernten Routinen auf:

 

 

Falsch gelernte Routinen können Ängste vergrößern. Überlegen Sie, ob sie selbst solche eine unsichere Routine anwenden.

2. Ich suche einen Parkplatz – ist er groß genug?

  • 3. Langsam fahren: Eine der wichtigsten Routinen.
    Angst vor dem langsamen Fahren? Lob des Angsthasenfahrstils

Warum langsam oder sogar sehr langsam fahren beim Einparken?
Beim Parken müssen Sie schon sehr langsam fahren, dazu zwingen uns die beengten Platzverhältnisse und die Pflicht, den verbleibenden Raum über alle Seiten hinweg ständig zu überwachen. Wenn Sie zu schnell fahren, droht ein Blechunfall oder gar ein Unfall mit einem übersehenen Fußgänger. Ich „drohe“ mit dieser Aussage niemandem oder schüre gar Angst. Aber es ist nun mal Tatsache, dass zu schnelles Fahren in beengten Situationen gefährlich sein kann. Es gibt Gefahren, auch im Straßenverkehr, die wir selbstverständlich akzeptieren müssen. Wir arbeiten allerdings zusammen gegen übertriebene, blockierende Furcht vor diesen Situationen.

Ihre Fähigkeiten sind begrenzt
Ein weiterer Grund für das langsame Fahren sind Ihre begrenzten Fähigkeiten. Viele Angsthäsinnen sind jahrelang nicht mehr gefahren und überdies ängstlich. Ängstlich auch vor dem Einparken. Da ist langsames Fahren bei diesem etwas komplizierten Vorgang des Einparkens doch eine Wohltat. Tatsächlich beruhigt das langsame Fahren, weil Sie die Sache unter Kontrolle haben. Sie können in Ruhe schauen, überlegen, die richtige Entscheidung treffen. Das langsame Fahren  wäre sozusagen eine ideale Routine für Angsthäsinnen. Doch leider gibt es ein starkes Hindernis.

Angsthäsinnen fahren zu hektisch, haben Angst vor dem langsamen Fahren
Ein großes Hindernis für Angsthäsinnen ist der enorme Druck, den sie im Verkehr erfahren. Druck schneller zu fahren, im allgemeinen Verkehrsfluss, Geschiebe, Gedrängel, Hupen, nicht aufzufallen. Sie haben gelernt, sich anzupassen, irgendwie mitzuziehen und bloß nicht aufzufallen. Mit verheerenden Folgen. Denn heraus kommt dabei hektisches, nervöses Fahren, ohne Überblick, mit großer Überforderung, so dass wohl wichtige Informationen verloren gehen. Daher auch die Angst im Straßenverkehr, dass deshalb etwas passiert – ohne überhaupt die gefährliche Situation mitbekommen zu haben. Es sind zwei sich realiter widersprechende Ängste, die hier einwirken: Die Angst vor Dränglern und die hektische Anpassung an diese – und die Angst vor Hektik, Überforderung und Fehlverhalten in der Folge. Eine der wichtigsten Maßnahmen, die wir daher empfehlen, ist der Angsthasenfahrstil. Der wird schnell als Wohltat empfunden – wenn da nicht die Angst vor den überall herum flitzenden Dränglern wäre.

Drängelnde Autofahrer machen Druck – künftig halten Sie den lieber aus
Der wichtigste Rat: Lassen Sie sich nicht von drängelnden Autofahrern unter Druck setzen. Diese können ja in den meisten Fällen an Ihnen vorbei ziehen. Solange müssen Sie allerdings stehen bleiben oder langsam weiter fahren, bis alles frei ist. Atmen Sie bewusst langsam, schauen sie sich um, sprechen Sie laut „ich fahre generell sehr sehr langsam und vorsichtig, lasse andere gern vorbei. Ich bleibe stehen, beruhige mich, schaue mich um. Wenn der andere weg ist, fahre ich langsam weiter. Ich behindere gern, denn es dient der Sicherheit.“

Der Angsthasenfahrstil – schön langsam in die Parklücke
Den Angsthasenfahrstil empfehlen wir in unserem Ratgeber „Keine Angst mehr hinterm Steuer“ als einen der sieben Schritte zur Überwindung der Fahrängste. Beim Einparken sollten Sie den langsamen, sehr ruhigen, überlegten Angsthasenfahrstil pflegen. Der ist Ihre Rettung. Andere Autofahrer „flitzen“ vielleicht in einer viertel Minute in die Parklücke. Sie jedoch brauchen mehr, 5, 10 oder 15 Minuten, bis Sie in der Lücke stehen. Für einen geübten, „normalen“ Autofahrer wären solche Zeiten undenkbar. Egal, das ist Ihr sicherer Fahrstil, bei dem Sie immer die Kontrolle haben. Der ist ein wichtiges Mittel gegen die Angst. Anders gesagt: Für Sie wäre es ein Fehler, sich von anderen drücken zu lassen oder aus innerem Druck zu versuchen, schneller zu werden, etwa wie andere in die Lücke zu flitzen. Sie würden ziemlich schnell die Kontrolle verlieren, es gäbe keine Verkehrssicherheit mehr. Das ist aber unser wichtigstes Ziel, die Verkehrssicherheit.

Drängler aushalten, öfter mal nachgeben: Rettungsaktion
Druck kann es auch geben, wenn Sie bei einer Parklücke einparken möchten, die dazu gehörige Wohnstraße jedoch eng ist. Ausgerechnet jetzt taucht ein anderer Fahrer auf, der nicht an Ihnen vorbei kann. Es ist einfach zu eng. Sie sind gerade am Beginn des Parkvorgangs, und wegen Ihrer langsamen Art wird es noch ein bisschen dauern. Was tun? Ich empfehle Ihnen eine Art Rettungsaktion. Die versteht jede Angsthäsin sofort. Sie brechen jetzt lieber ab, tun sich den Druck nicht an, fahren einfach weiter. Suchen Sie ruhig eine andere Lücke auf, bei der das Einparken auch für andere Vorbeifahrende nicht so hinderlich ist. In solch einem Fall lieber nachgeben, das rettet Sie vielleicht vor schwerem, inneren Druck und einer unbedachten Handlung.

Druck durch Beifahrer. Innerer, selbst erzeugter Druck
Weiterer Druck geht auch von Beifahrern aus. Der ist womöglich schwer auszuhalten, vielleicht näher stehende Personen, Verwandte, Bekannte, Partner sind. Oder noch härter, Druck von innen, Sie haben selbst Sprüche und feste Meinungen parat, Leitsprüche fürs Leben, die leider schädlich sind, Sie in Hektik versetzen: „Ich darf niemanden behindern, muss immer mit dem Tempo der anderen mithalten!“ Während die meisten Angsthäsinnen mit dem äußeren Druck anderer Fahrer gut fertig werden, tun sie sich schwer mit dem inneren Druck (andere im Auto) oder dem selbst ausgeübten Druck. Diese Probleme müssen im Gespräch zwischen Angsthasenfahrlehrer und Angsthäsin  aufgedeckt werden. Eine Lösung kann beispielsweise im Rollenspiel erfolgen. Sollte ein Beifahrer zu sehr Druck machen, dann würde ich Ihnen empfehlen, ihm das Steuer selbst zu übergeben – weitere Rettungsaktion.

Sagen Sie laut zu sich: „Ich fahre gern vorsichtig und ruhig. Ich liebe den Angsthasenfahrstil. Ein bisschen behindere ich vielleicht damit. Aber ich fahre sicher, weil ich wichtige Informationen rechtzeitig erkenne und vernünftig entscheiden kann. Von anderen lasse ich mir keinen für mich und andere gefährlichen Fahrstil aufzwingen.“!

Sehr langsames Fahren ist gut in vielen, stressigen Situationen
Sie werden die Routine des sehr langsamen Fahrens nicht nur beim Parken, sondern überall im Straßenverkehr brauchen, wo von den Verhältnissen her sehr langsam gefahren werden muss: Beim Zeichen „Vorfahrt gewähren!“ oder „Halt! Vorfahrt gewähren!“, in einer sehr engen Wohnstraße, beim Vorbeifahren an einer lebhaften Kindergruppe, im Stau. Also oft im Stadtverkehr. Sogar auf der Autobahn, bei den häufigen Staus im Berufsverkehr. Das sehr langsame Fahren mit Kupplungsbremse oder Kupplungsgas sollte Ihnen in „Fleisch und Blut“ übergegangen sein, eben zur Routine geworden.

Autobahn Stau, im Feierabendverkehr. Schrittgeschwindigkeit oder Stillstand
Autobahn Stau, im Feierabendverkehr. Schrittgeschwindigkeit oder Stillstand. Im Stau stellt sich schnell Gewöhnung ein: Anfahren, langsam weiter fahren, sehr langsam fahren, bremsen, Stopp! Folgende Routinen werden gebraucht: Langsam fahren im ersten Gang; die Kupplung drücken, eventuell bremsen, wenn Halt erforderlich. Anfahren mit  etwas Gas und schleifender Kupplung. Die Entscheidung für eine der Routinen erfolgt nach Beobachtung des Autostroms um uns herum. Die immer gleichen Abläufe ermüden, lassen die Konzentration schwinden. Kommt dann womöglich von der Spitze der Kolonne her bis nach hinten ein plötzlicher, scharfer Bremsruck der durch die Kolonne wandert, sind Sie vielleicht unkonzentriert, nicht mehr darauf vorbereitet. Daher hübsch aufpassen. Das ist sozusagen die höhere „Weisheit“, sprich Kompetenz beim Fahren: Zu wissen, dass der einfache Gebrauch der Routinen manchmal nicht ausreicht. Sondern dass sich hier eine Gefahr entwickeln kann, schlicht und einfach durch: Gewöhnung, im Stau vor sich hin zu ruckeln – und plötzliches, scharfes Bremsen im Stau, bis zu dem Wagen vor Ihnen! Schreck!!

4. Mit dem Schaltwagen langsam fahren: Kupplungsbremse und Kupplungsgas

Varianten des langsamen Fahrens
Für die Routine des langsamen Fahrens gibt es einige Varianten – von mäßigem, etwas schnellerem Tempo bis zu sehr, sehr langsamer Fahrt, auch tasten oder kriechen genannt. Für die schnelleren Varianten des langsamen Fahrens können Sie den Wagen im 2. oder im 1. Gang ohne Gas einfach rollen lassen. Ja, wirklich, ohne Gas mit dem Gaspedal. Den rechten Fuß nehmen Sie weg vom Gaspedal.  Der Motor dreht sich ungefähr mit 800 Umdrehungen in der Minute im Leerlauf, bekommt ein wenig Gas, ohne ihr Zutun. Das reicht, um den Wagen gemächlich vorwärts zu bewegen.  Sie nehmen den Fuß vom Gaspedal, dennoch fährt das Auto weiter und weiter, immer schön langsam. So fahren Sie beispielsweise im ersten Gang im verkehrsberuhigten Bereich.

Zeichen 325 Verkehrsberuhigter Bereich, Anfang
Zeichen 325 Verkehrsberuhigter Bereich, Anfang. Im verkehrsberuhigten Bereich bitte Schritt-Tempo fahren: Erster Gang, kein Gas, max. 7 km/h. Sind Kinder oder Erwachsene auf der Straße, anhalten, vorsichtig weiterfahren, wenn möglich. Niemand hat Vorrang, gegenseitige Rücksichtnahme. Am Ende des verkehrsberuhigten Bereichs müssen Sie Vorfahrt gewähren. Meistens geht die Fahrt dort über einen abgesenkten Bordstein. Kreuzen sich zwei Straßen mit Verkehrsberuhigung, gilt rechts vor links. 

Für das Einparken fahren wir noch langsamer
Jetzt möchte ich Ihnen die Varianten des langsamen und sehr langsamen Fahrens nahe bringen. Diese werden beim Parken ja tatsächlich gebraucht. Die vorher geschilderte Variante, mit Leerlaufgas im ersten oder zweiten Gang zu fahren, wäre fürs Parken immer noch viel zu schnell.

Mit der Kupplung sehr langsam fahren = Kupplungsbremse
Wenn Sie mit Ihrem Pkw statt schnell langsamer fahren wollen, dann lassen Sie erstens das Gaspedal los  und treten, nach Verkehrsbeobachtung, schlicht und einfach auf die Bremse. Der Wagen wird immer langsamer. Anschließend müssen Sie auch auf die Kupplung treten – ungefähr unter einer Drehzahl von 1.000 Motorumdrehungen in der Minute. Dies, damit der Motor nicht ausgeht. Muss die Weiterfahrt noch langsamer und sehr feinfühlig sein, dann nehmen Sie die Kupplung zu Hilfe. Sie fahren schon einigermaßen langsam im ersten Gang und treten die Kupplung. Damit trennen Sie den Motor vom Getriebe und den angetriebenen Rädern, so dass der laufende Motor nicht ans Getriebe und an die Räder heran kommt, um diese anzutreiben. Man spricht auch von „Kupplungsbremse“. Der Wagen wird langsamer, bleibt stehen. Lassen Sie die Kupplung dagegen nur ein wenig und vorsichtig kommen, bis in den Schleifpunkt am Motor hinein, zusammen mit ein bisschen Gas mit dem Gaspedal, dann fährt der Wagen los und wird ein wenig schneller. Man spricht auch von „Kupplungsgas“.

 

Fahrschul-Pkw, Blick vom Platz der Angsthäsin auf die Pedale, unterhalb des Lenkrades
Fahrschul-Pkw, Blick vom Platz der Angsthäsin auf die Pedale, unterhalb des Lenkrades. Rechts die Pedale des Angsthasenfahrlehrers. Pedale von links nach rechts: Kupplungspedal, Bremspedal, Gaspedal. Beim langsamen Fahren arbeiten die beiden Füße sehr feinfühlig. Der linke Fuß am Kupplungspedal, der rechte am Gaspedal. Eingelegt ist der erste Gang oder der Rückwärtsgang. Lassen Sie das Kupplungspedal mit Hilfe des linken Fußes ein wenig zu sich her kommen, dann erreichen sie den sogenannten Schleifpunkt der Kupplung. Die Kupplung wird dadurch immer mehr an den Motor gepresst und überträgt seine Drehkraft allmählich durch Reibung ans Getriebe und an die Räder. Der Wagen fährt langsam los. Umso langsamer, je weniger Sie die Kupplung in den Schleifpunkt hinein lassen. Wie können Sie den Schleifpunkt erkennen? Der Motor klingt anders, etwas dumpfer. Die Drehzahl sinkt ein wenig – zu sehen am Drehzahlmesser, denn der Motor muss jetzt arbeiten. Dabei helfen Sie dem Motor, indem Sie gleichzeitig mit dem Gaspedal ein wenig Gas geben, mit dem rechten Fuß, etwa 1.500 Umdrehungen in der Minute. Diese Drehzahl sehen Sie auf dem Drehzahlmesser auf der Armaturentafel. Der Drehzahlmesser befindet sich im Bild halb links über dem Lenkrad, etwas angeschnitten. Die anzeigende rote Nadel steht hier im Bild wahrscheinlich auf der 0. Erreicht die anzeigende Nadel durch Drücken des Gaspedals die Stelle etwa zwischen der 1 und der 2 entspricht das der Umdrehungszahl von 1.500 Umdrehungen in der Minute. Dieser Vorgang – das Kupplungspedal etwas kommen zu lassen bis in den Schleifpunkt und dazu etwas Gas zu geben – das ist dann das angesprochene „Kupplungsgas„. Drücken Sie die Kupplung ein wenig durch, geben Sie kein Gas mehr, dann wird der Wagen langsamer, immer langsamer. Denn nun kommt keine Drehkraft des Motors an die Räder. Das ist die im Beitrag angesprochene „Kupplungsbremse„. Bei beiden Vorgängen – Kupplungsbremse oder Kupplungsgas – ist die Bewegung der Füße an den Pedalen gegenläufig. Der Ablauf dieser Routine erfordert viel Feinfühligkeit der Beinmuskulatur, daher auch praktische Übung. Da hohe Nervosität sich sofort auf die Muskeln auswirkt, diese verkrampft, kann leider einiges schief gehen. Sie müssen daher auf mehreren Ebenen üben, müssen auch die Milderung der Nervosität betreiben. Und auch üben: Die Routine ruhig ausführen, die Nervosität mildern, nicht verzweifeln, wenn etwas schief geht, sondern lernen, mit einem Fehler umzugehen. 

Kupplungsbremse oder Kupplungsgas = sehr langsam, weniger langsam fahren
Mit der getretenen oder nur ein bisschen zu Ihnen kommenden Kupplung können Sie sehr langsam oder ein bisschen schneller fahren. Den Umgang mit Kupplungsbremse und Kupplungsgas, vorwärts und rückwärts fahrend, sollten Sie gut beherrschen. Das erfordert feinfühliges Arbeiten des linken Fußes mit der Kupplung. So können Sie sehr langsam, langsam und wieder ein wenig schneller fahren. Diese Routine ist genau die richtige Voraussetzung für das Einparken.

Schubweise oder gleichmäßig sehr langsam fahren?
Mit Kupplungsbremse und Kupplungsgas können Sie schubweise oder gleichmäßig sehr langsam fahren. Schubweise langsam fahren Sie so, wie gerade beschrieben: Sie geben Kupplungsgas, mit wenig Gas und etwas kommender Kupplung. Dann fährt der Wagen ein bisschen los. Sobald der der Wagen los fährt, treten Sie die Kupplung, der Wagen rollt aus, bleibt beinahe stehen. Schubweise langsam zu fahren heißt: Sie fahren ungleichmäßig langsam, einmal ein bisschen „schneller“, einmal beinahe stehen bleibend. Gleichmäßig langsam fahren Sie so: Sie geben sehr wenig Gas und lassen die Kupplung gerade mal einen Hauch in den Schleifpunkt kommen. Der Wagen wird nun sehr langsam los- und weiterfahren – viel langsamer als ein Fußgänger geht. So langsam, dass ein Fußgänger neben Ihnen auf dem Gehweg Sie im Fahrschulwagen überholt. Zur Korrektur das Kupplungspedal wiederum nur einen Hauch drücken oder kommen lassen. So fahren Sie gleichmäßig und sehr langsam.

Ich empfehle Ihnen für den Anfang die schubweise Variation des langsamen Fahrens. Sie ist für den Anfang leichter zu lernen. Wenn der Wagen zwischendurch beinahe stehen bleibt, so haben Sie immer wieder die bessere Kontrolle: Diese Routine verschafft Ihnen in kleinen Abständen eine geringe, aber notwendige  Pause: Nämlich dadurch, dass der losrollende Wagen durch die getretene Kupplung zum Ausrollen und beinahe Anhalten gezwungen wird. So  können Sie sich zwischendurch besser erholen. Die Routine des schubweisen langsamen Fahrens fördert Ruhe und Übersicht. Wenn Sie später mehr Erfahrung haben, werden Sie auch die gleichmäßige Art des langsamen Fahrens einsetzen.

Wir fahren am besten mit der Methode des schubweisen Langsamfahrens. So fahren wir sehr langsam, mit kleinen Pausen dazwischen. Damit können wir uns erholen, die Umgebung kurz beachten und uns schlicht und einfach wieder beruhigen. 

Das Einparken vorbereiten
Wenn wir das erste Mal ins Gewerbegebiet und dort in eine ruhige Sackgasse fahren, dann üben wir genau diese wichtige Routine, das schubweise langsame Fahren. Sie fahren langsam, sehr langsam, mit wenig schleifender Kupplung und ein bisschen Gas, zuerst vorwärts, dann auch rückwärts. Und zum Schluss sogar rückwärts lenkend. Eine sehr gute Vorbereitung auf das Einparken!

Schubweise langsam fahren = Ruhe und Kontrolle behalten
Diese Routine verschafft Ihnen die Kontrolle. Sie können alle Informationen in Ruhe bewerten und sich für das richtige Handeln entscheiden. Und während des langsamen Fahrens haben Sie immer wieder winzige Pausen durch das schubweise langsame Fahren. Darüber hinaus können Sie noch bei jeder wichtigen Etappe im Vorgang des Einparkens bewusst eine Unterbrechung einlegen, um zur Ruhe zu kommen, zu beobachten und weiter zu entscheiden.  Allerdings, Sie werden manchmal ein bisschen auffallen und angehupt werden. Da müssen Sie durch.

Die Vorteile des schubweise langsamen Fahrens sind dagegen erheblich: Informationen zur Kenntnis nehmen, in Ruhe beurteilen, richtige Entscheidungen treffen, ein gutes, sicheres Gefühl. Dafür können Sie die leichte Behinderung anderer und das ewige Gedrängel im Verkehr wohl in Kauf nehmen. Übrigens zum Trost:

Meine Erfahrung ist, dass in der Praxis sich die Angsthäsinnen sehr schnell an den Druck durch Drängler gewöhnen und beherzt ihre ruhige, langsame Fahrweise pflegen. Die Vorteile sind auch zu offensichtlich.  

Wenn die Beinmuskulatur krampft
Trotz aller Mahnung, sich nicht auf Drucksituationen einzulassen, herrscht bei Ihnen womöglich Druck, vielleicht schon von innen her: „Ich möchte doch endlich diese verflixten Parklücken schaffen!“ Der Druck erzeugt Angst, eine der Reaktionen darauf ist Verkrampfung der Muskeln. Mit verkrampften Muskeln können Sie aber unmöglich weich und vorsichtig kuppeln. Im Gegenteil, daraus wird nun echt ein Krampf, Fehlverhalten droht, beispielsweise, dass der Motor abwürgt, wie gerade geschildert. Man spricht von einem Teufelskreis der Angst.

Muskelentspannung nach Jacobson
Sie sollten sich nun eine Pause verschaffen. Der Motor ist aus, die Handbremse gezogen. Um die verkrampften Muskeln wieder weich und locker zu machen, empfehle ich Ihnen eine progressive Muskelentspannung (PME) nach dem amerikanischen Arzt Edmund Jacobson: Sie pressen das linke Bein, das am Kupplungspedal zu verkrampft war, fest gegen das Bodenblech. Dort halten Sie die Pressung vielleicht fünf Sekunden aufrecht. Dann lösen Sie den Druck und atmen Sie ruhig aus. Dadurch, so spüren Sie, werden auch die verkrampften Beinmuskeln wieder weich. Das Trainieren mit der PME gehört zum zweiten Schritt unserer sieben Schritte gegen Fahrängste. Damit werden körperlich heftige und blockierende Symptome gemildert.

Progressive Muskelentspannung nach Jacobson (PME)
Progressive Muskelentspannung (PME) nach Jacobson. Hier am Lenkrad, in einer Fahrpause: Zuerst verkrampfte Arm- und Handmuskeln am Lenkrad anspannen. Etwa fünf Sekunden angespannt halten. Dann ausatmen, Muskeln lockern sich. Sie sind wieder weich. PME können Sie auch anwenden über die Beinmuskeln, Bauch- oder Schultermuskeln. Alle Maßnahmen zur Entspannung sollten möglichst in die Fahrt oder weitgehender in eine Fahrtpause integriert werden.

Gute Nachricht: Der Verbrennungsmotor läuft aus
Noch einmal zurück zum Verbrennungsmotor und seinen Eigenheiten, ob Diesel- oder Benzin-Motor. Ein Trost, die Zukunft des Verbrennungsmotors ist begrenzt. Mit dem Elektromotor haben wir all diese Probleme nicht mehr. Der Elektromotor braucht keine Kupplung mehr, gefahren wird wie mit Automatik. Aber ohne kompliziertes Getriebe. Ein genial einfacher und daher auch leichter Motor. Leicht und ein guter Energieverwerter. Außerdem ist er leise und stößt keine giftigen Abgase aus wie der Verbrennungsmotor. Nur die Probleme mit den Batterien, ihrem Gewicht und der Reichweite des gespeicherten Stroms müssen noch gelöst werden. Vom Umweltschutz her gesehen ist wichtig, dass dieser Motor mit Strom aus regenerativen Quellen betrieben wird. Und nicht gerade mit Strom aus Braunkohle-Kraftwerken.

6. Mit dem Automatik-Pkw langsam fahren:
Über der Bremse bleiben

Den Automatik-Wagen können Sie nur starten a) wenn der Wählhebel auf P steht (die Stufe P befindet auf der Schaltanzeige ganz vorne in Fahrtrichtung und bedeutet Parken), und b) wenn Sie das Bremspedal drücken. Läuft nun der Motor, dann schalten Sie, weiter die Bremse drückend, normalerweise mit dem Wählhebel die Fahrstufe D ein (D steht für drive = fahren).  Wenn Sie anschließend  die Bremse loslassen, dann wird der Wagen langsam wegfahren. Einfach so, ohne Gas zu geben.  Das ist für Automatik-Anfängerinnen immer ein Moment des Erschreckens.  Bleiben Sie also weiter über der Bremse, beispielsweise bei Ampel Rot, lassen Sie die Bremse erst los, wenn Rot Gelb und Grün kommt. Dann wird der Wagen schon losfahren und Sie können die Fahrt noch beschleunigen durch mehr Gas.

Anmerkung: Auch beim Automatik-Wagen gibt es eine Handbremse. Diese kann gezogen sein und muss vor dem Start gelöst werden. Zwar ist mit Stellung P der Wagen gegen Wegrollen gesichert. Doch beim Parken im Gefälle oder am bergauf sollte man immer auch mit der zusätzlichen Bremse (= Handbremse) sichern.

Beim Fahren eines Automatik-Wagens, ohne Kupplung, fährt dieser, ohne Ihr Zutun, einfach so an, wenn Sie das Bremspedal nach dem Starten loslassen. Sie sind bei engem Raum nur sicher, wenn Sie den Fuß über der Bremse lassen, ein bisschen bremsen oder mehr bremsen, je nachdem. Fahren Sie ein Elektroauto oder eines mit Hybridmotor (Verbrenner und Elektroauto kombiniert), dann tut sich nach dem „Start“ zuerst gar nichts. Erst nach dem Tritt auf das „Gas“-Pedal fährt der Wagen los. Aufpassen, womöglich sofort wieder über die Bremse gehen!

Automatik-Pkw, Pedale. Links Mitte Bremspedal, rechts Gaspedal.
Automatik-Pkw, Pedale. Links Mitte Bremspedal, rechts Gaspedal.

weiter: langsam, sehr langsam fahren

7. Lenken beim Einparken: „Viel“ Lenken ist angesagt

Das Lenkrad – für Angsthäsinnen das wichtigste Bedieninstrument
Das Lenkrad thront groß und rund vor Ihnen. Mit ihm lenken Sie in Kurven und wieder gerade, wechseln den Fahrstreifen oder rangieren Sie links und rechts beim Einparken.  Für viele Angsthäsinnen ist es das wichtigste Bedieninstrument. Zu Beginn übe ich mit allen das Übergeben des Wagens an mich, aus Sicherheitsgründen. Dabei sollten Sie die Pedale und das Lenkrad loslassen. Die Pedale sind kein Problem, aber das Lenkrad! Damit verlieren sie vom Gefühl her wirklich die Kontrolle. Nun, es ist ja zu einem guten Zweck. Schließlich kommt die Gewöhnung. Sogar auf der Autobahn üben wir die Übergabe. Nur, wenn sie dann mit dem eigenen Wagen fahren, unter Begleitung des Angsthasenfahrlehrers, ist die Übergabe des Wagens per Überlassung des Lenkrades tabu. Jetzt sind sie wirklich und allein verantwortliche Fahrer/in.

„Freihändig“ fahren
Die meisten Angsthäsinnen verkrampfen sich leider sehr am Lenkrad. Richtig wäre, dieses locker zu halten, mit beiden Händen, kurz oberhalb der mittleren Speiche. Der Krampf kommt oft daher, dass sie fürchten, beim Loslassen des Lenkrades würden wir irgendwohin wild per zickzack durch die Gegend schießen. Daher ist eine wichtige Übung zu Beginn, in einer einsamen Sackgasse bei Tempo 30, das Lenkrad mal los zu lassen und zu schauen, was passiert: Nichts. Beinahe ungläubiges Staunen. So ist das Auto nun mal eingestellt, dass es von alleine gerade aus fährt. Ungefähr so wie ein Fahrrad, mit dem Geübte ebenfalls „freihändig“ fahren können.

Was heißt „viel“ lenken?
Laut Fahrlehrerspruch zu Beginn des Beitrags sollten Sie fürs Einparken „viel“ lenken. Und da ist etwas dran. Mit dem Lenkrad Ihres Pkw drehen Sie die gelenkten Vorderräder nach rechts und links, bis zum Lenkanschlag. Weiter geht es nicht. Das bedeutet in Zahlen: Vom Lenkanschlag ganz nach links bis Lenkanschlag ganz rechts müssen Sie Ihr Lenkrad dreimal komplett drehen. Und natürlich auch umgekehrt von ganz rechts nach links. Und wenn Sie vom Lenkanschlag zu einer Seite hin wieder geradeaus fahren wollen: Von ganz links Lenkanschlag bis geradeaus oder von ganz rechts Lenkanschlag bis wiederum geradeaus sind es daher eineinhalb Umdrehungen am Lenkrad. Müssen Sie nacheinander nach rechts und dann nach links drehen, oder umgekehrt, wie es bei manchen Rangierbewegungen nun mal vorkommt, dann müssen Sie noch mehr drehen. Das zeigen Ihnen die folgenden Beispiele.

Fahrzeugbedienung: Lenkrad, Instrumente und Leuchtsignale. Das Lenkrad groß im Bild, mit Kunststoffbelederung und drei Speichen. In der Mitte eine halb runde Dreiecksplatte, hinter der sich der Airbag für den Fahrer verbirgt. Links und rechts neben der breiten Speiche sind Symbole für die Hupe zu sehen. Hinter dem oberen Teil des Lenkrades sind a) Instrumente zu sehen. Von links nach rechts Tacho, Kraftstoffanzeiger, Kühlwassertemperatur, Drehzahlmesser; b) Leuchtsignale zur Information und Warnung. Von links nach rechts: Handbremse angezogen (unten im Tacho), Scheinwerfer an (grün, zwischen Kraftstoffanzeiger und Kühlwassertemperatur), Motormanagement (gelb), Batterie und Ölkontrolle (beide rot), nicht angeschnallt (alle beim Drehzahlmesser). Lenkrad, Bedienung: Sie fassen das Lenkrad mit beiden Händen außen an, locker, kurz über der breiten Speiche in der Mitte.  Jedes Lenkrad hat bei der Übertragung des Lenkens an die gelenkten Vorderräder ein wenig „Spiel“. Sie können mit dem Lenkrad ein bisschen hin und her wackeln, bis die gelenkten Vorderräder wirklich mitgenommen werden. Technisch muss das so sein. Das Spiel soll etwa drei Fingerbreiten betragen, außen am Lenkrad gemessen. Sie können das Lenkrad im Stand, ohne dass der Motor läuft, insgesamt nur schwer drehen. Immerhin lastet das Gewicht des Motors auf den gelenkten Vorderrädern. Im Stand sollten Sie das Lenkrad sowieso nicht weiter hin und her drehen, da die Reifen sonst leiden, aber auch das Lenkgetriebe. Wenn der Motor läuft, dann hilft er Ihnen beim Drehen, das Lenken geht plötzlich ganz leicht. Aber auch daran denken: Nicht im Stand drehen, nur ausnahmsweise, beispielsweise, wenn Sie aus einer ganz engen Parklücke heraus fahren wollen. Geringe Drehung des Lenkrades im Stadtverkehr: Im Stadtverkehr fahren Sie vorwiegend gerade aus. Es kann sein, dass Sie geringfügig schwenken oder den Fahrstreifen wechseln müssen. Das erledigen Sie, nach Verkehrsbeobachtung, mit einer leichten Drehung am Lenkrad. Die beiden Hände bleiben dabei zur Sicherheit am Lenkrad. Lenkrad drehen in Kurven, beim Einparken, wichtige Stellungen:  Von der Mittelstellung aus, wie hier, können Sie 1  1/2 mal nach links oder nach 1  1/2 mal nach rechts drehen, bis zum sogenannten Lenkanschlag. Da geht es nicht weiter. Vom Lenkanschlag, links oder rechts, geht es zurück in Richtung Mittelstellung, d.h. auch mit 1  1/2 Umdrehungen. Insgesamt, von ganz links Lenkanschlag nach ganz rechts Lenkanschlag oder umgekehrt, sind es volle drei Umdrehungen. Bei jeder größeren Drehung am Lenkrad müssen wir mit den Händen um- oder übergreifen. Fahrt geradeaus? Nach dem optischen Eindruck, den Sie beim Blick aufs Lenkrad haben –  Speichen gerade, Logo des Herstellers (rot, FIAT) aufrecht zu sehen  – können Sie leider nicht erkennen, ob Sie anschließend gerade aus weiter fahren, oder in eine Kurve. Da täuscht Sie vielleicht die Regel der 1 1/2 Umdrehungen: Von der echten Mittelstellung des Lenkrades mit Fahrt geradeaus kommt es vielleicht zu einer einer vollen Umdrehung des Lenkrades nach links oder rechts. Ergebnis: Speiche waagrecht, Logo des Herstellers aufrecht zu sehen. Jedoch Ergebnis: Fahrt in eine Kurve nach halb links oder halb rechts. Da hilft nur Ausprobieren! Fahren Sie vorsichtig los, visieren Sie bei der Fahrt kurz die Motorhaube: Fährt diese in eine Kurve, dann mit dem Lenkrad gegendrehen, bis das Auto wieder gerade aus fährt. Fahren wir sowieso schon gerade aus, ist alles in Ordnung. Das ist übrigens auch ein Grund, das Lenkrad nicht im Stand zu drehen. Sie sollten immer aktiv sehen können, wohin Sie eigentlich lenken. Sonst wird das Lenken zum Ratespiel. Wie Sie das Lenkrad drehen, darüber im weiteren Kapitel mehr. 

Wie viel mal müssen wir beim Einparken drehen?
Sehr viel müssen Sie lenken, wenn Sie beispielsweise einparken wollen, rückwärts parallel zum Bordstein. Sie stehen links neben dem vorderen Auto, ungefähr einen guten halben Meter von diesem entfernt. Rechts hinter Ihnen liegt Ihre Parklücke. Alles ist frei. Nun fahren Sie zuerst ein kurzes Stück gerade zurück, gerade aus = keine Lenkung.  Als nächstes drehen Sie bei Weiterfahrt das Lenkrad von gerade aus Mittelstellung nach scharf nach rechts, bis zum Anschlag = 1  1/2 Umdrehungen. Bei der Weiterfahrt drehen Sie das Lenkrad wieder gerade aus nach links zur Mittelstellung = 1  1/2 Umdrehungen. Dann, um parallel zum Bordstein zu fahren, drehen Sie das Lenkrad von der Mittelstellung nach links bis zum Anschlag = 1  1/2 Umdrehungen. Am Schluss, parallel neben dem Bordstein stehend, sollten wir das Lenkrad wieder nach rechts gerade zur Mittelstellung drehen, um eventuell nach vorne zum anderen Auto aufzurücken = 1  1/2 Umdrehungen. Insgesamt drehen Sie zum Einparkvorgang das Lenkrad 4 * 1  1/2 = insgesamt 6 komplette Umdrehungen. Sie haben sicher bemerkt: Wir müssen beim Einparken nicht nur „viel“ lenken, sondern jeweils auch in unterschiedliche Richtungen, nach rechts oder nach links. Das alles spielt sich ab beim Einparken rückwärts parallel zum Bordstein auf einer Strecke von ca. 8 – 10 m.

Wegen der beengten Platzverhältnisse und der etappenweise geforderten erheblichen Richtungsänderungen beim Einparken müssen wir laut Fahrlehrerspruch relativ „viel“ lenken. Das trifft zu.

Langsames Fahren hilft dabei, viel zu lenken
Das häufige und mehrfache Drehen des Lenkrads beim Einparken macht Ihnen vielleicht Angst. Geradeaus zu fahren ist angenehmer, überschaubarer, als Richtungsänderungen. Dazu kommt auch hier Ihre lange Fahrpause und die generelle Ängstlichkeit vor dem Auto und dem Verkehr. Wir besinnen uns zurück auf das langsame Fahren, am besten auch schubweise, wie vorher beschrieben. Das schützt Sie schon mal vor dem Verlust der Kontrolle. Später werde ich Sie noch mit dem System der Minipausen beim Einparken vertraut machen, so dass Sie in kleinen Etappen in die Lücke fahren. Sie fahren von eine entscheidenden Etappe zu nächsten, machen zwischendurch eine kleine Pause.

8. Methode Übergreifen: Weich und flüssig lenken

Ich mache Sie hier mit einer Lenkmethode bekannt, die viele vielleicht schon kennen: Das Übergreifen. Das Übergreifen kann Ihnen  das häufige und mehrfache Lenken hin und her  sehr erleichtern kann. Zuvor möchte ich ein Missverständnis klären, das an dieser Stelle vielleicht aufkommt und wiederum Angst macht. Verlangt der Fahrlehrerspruch womöglich, „schnell“ zu lenken? Nein, nur „viel“. Mit der Methode Übergreifen können Sie genau so wie gefordert „viel“ lenken, ohne Anstrengung, locker, fließend, weich. Das ist entscheidend – die Methode selbst trägt schon zur Entspannung bei. Auf und ab und locker ziehen die Hände nacheinander am Lenkrad! Und genauso können Sie locker umschalten von rechts auf  links zu lenken. Und wenn Sie das gut beherrschen erfolgt das Lenken beinahe zügig. Aber das ist nicht in erster Linie das Ziel. Das Ziel ist locker, fließend, weich zu lenken, entspannt zu lenken.

Dabei sind beide Hände am Lenkrad nacheinander beschäftigt, auf derselben Seite des Lenkrads, nach der Sie lenken wollen. Beispiel, die Fahrt soll nach rechts gehen: Eine Hand packt auf der rechten Seite des Lenkrades oben an und zieht das Lenkrad bis nach unten. Derweil geht die andere Hand über die gerade herab ziehende Hand nach oben, sozusagen über Kreuz, packt oben am Lenkrad an und zieht dies ebenfalls nach unten. So ergibt sich eine gleichmäßige, weiche, zügige oder nach Bedarf natürlich auch langsamere Lenkradbewegung nach rechts oder bei Bedarf nach links.

Weich und fließend, nicht schnell
Noch einmal, damit Sie mich nicht missverstehen: Sie sollen nicht schnell lenken, sich womöglich mit Anstrengung am Lenkrad quälen, damit sie möglichst viel Umdrehungen schaffen. Sie lenken vielmehr ruhig und flüssig. Ihre Hände lenken weich, gleichmäßig, nacheinander / übereinander am Lenkrad.

Durch das Übergreifen ergibt sich die leichte, flüssige Bewegung des Lenkrades. Entspannung ist angesagt. Diese Art zu lenken ist eben locker und beinahe anstrengungslos. Sie entspannt.

Das Übergreifen beim Parken ist natürlich für beide Wagenarten erforderlich, Schaltwagen oder Automatik. Mit dem Automatik-Wagen ersparen Sie sich nur das Schalten und Kuppeln. Alle anderen Routinen bleiben gleich. 

Das „Ziehen – Schieben“, ein Graus
Viel zu lenken, wie im Fahrlehrerspruch gefordert, haben einige Angsthäsinnen gar nicht gelernt. Manche plagen sich immer noch mit dem umständlichen „Ziehen – Schieben“ am Lenkrad herum, das sie mal in der Fahrschule gelernt haben. Das läuft mit Unterbrechung, ruckelnd und stockend, bei der Übergabe des Lenkrades oben und unten von einer Hand in die andere und ist etwa so effektiv, wie eine Ameise am Lenkrad herum läuft, die sich überdies immer mal wieder ausruhen muss. Diese Methode ist für das Einparken nicht geeignet.

9. Wohin muss ich denn lenken? Wie lenke ich wieder gerade?

Wie lenke ich wieder gerade?
Viele Angsthäsinnen sind beim Hin-und-her-Lenken völlig verunsichert, sind ängstlich und fragen sich nach heftigen Lenkeinschlägen und Richtungswechseln hin und her: „Wohin fährt denn nun mein Auto? Ich fahre plötzlich irgendwohin, was ich gar nicht erwartet habe? Was kann ich denn tun? Wie kann ich denn jetzt wieder geradeaus fahren?“ Denn das Fahren geradeaus bringt wieder ein bisschen Erholung.

Bewusst  verlenken, gerade lenken
Halten Sie sich vor allem an die eiserne Regel, fahren Sie langsam! Dann kann im Grunde auch bei starkem Lenkeinschlag kaum etwas passieren. Ansonsten stellen wir uns in in einer ruhigen Sackgasse auf, „verlenken“ uns, d.h. Sie drehen bewusst das Lenkrad irgendwohin und probieren, den „Fehler“ zu korrigieren, gerade aus zu fahren. Klare Antwort: Ein wenig losfahren, wieder langsam, vorne an der Motorhaube beobachten, wohin die Reise geht. Wenn das Auto gerade fährt, gut. Wenn nicht, dann müssen Sie schlicht und einfach gegenlenken, gegen die Richtung lenken, in die das Auto gerade fährt. Fährt das Auto nach links, dann lenken Sie ein bisschen nach rechts. So viel, dass Sie wieder geradeaus fahren. Sehr guter Tipp: Nicht das Lenkrad einfach im Stand drehen. So kommen Sie aus der Unsicherheit nicht heraus. Sondern langsam losfahren, und beobachten: „Wohin läuft mein Auto, nach links, gerade, nach rechts? Dann langsam weiter fahren und drehen, ein wenig gegen die Richtung, in der das Auto gerade läuft, oder gar nicht, wenn es schon gerade läuft. Das ist zu Anfang ein bisschen schwieriger, dann allerdings ein Segen. Fahren Sie langsam, dann klappt auch die anschließende Geradeausfahrt.

Beim Parken oder bei anderen Rangiertätigkeiten gilt die Regel: Nach jedem Rangierzug wieder gerade lenken!

Lenken nach Ziel rückwärts
Große Schwierigkeiten macht wiederum das Fahren und Lenken rückwärts. Bei vielen Angsthäsinnen gibt es gar keine rechte Vorstellung davon, was mit dem Lenkrad passieren muss, wenn der Wagen rückwärts nach rechts fahren soll, in die Parklücke hinein. Gefragt, wohin denn beim Ziel rechts rückwärts das Lenkrad gedreht werden sollte, kommt oft die Antwort: „Ich muss das Lenkrad nach links drehen.“ Das probieren wir natürlich aus, genügend Raum und freie Fahrbahn vorausgesetzt. Dreht die Angsthäsin nach ihrer Vorstellung nun das Lenkrad beim rückwärts Fahren nach links – was passiert? Der Vorderwagen fährt tatsächlich nach rechts, in die Lücke hinein. Verquer. Daher kommt es wahrscheinlich zu der Vorstellung, man müsse links lenken, um rückwärts rechts in eine Lücke zu gelangen. Also recht gehabt? Doch nicht, denn leider fährt der Hinterwagen – bei der Linksdrehung und weiterer Fahrt nach links – wieder hinaus aus der Lücke, Richtung Fahrbahn. Und damit schließlich auch der restliche Wagen. Und so kommen wir nie in die Lücke hinein, höchstens wieder hinaus.

Das Lenkrad auch rückwärts dahin drehen, wohin wir wollen
Nun müssen wir lernen und uns daran gewöhnen, dass auch bei der Fahrt nach rückwärts das Lenkrad dahin gedreht werden muss, wohin wir wollen. Ein bisschen umständlich, aber es gelingt: Wir wollen in die Lücke rechts hinter uns hinein fahren? Dann drehen wir das Lenkrad beim langsamen Losfahren nach rechts. In der Folge schert der Vorderwagen nach links aus und somit wandert der Wagen insgesamt nach rechts in die Lücke. Das ist übrigens der Grund, bei dem Manöver gehörig auf den anderen Verkehr aufzupassen. Denn wenn wir auf dem Weg in die Lücke rechts hinter uns erst einmal nach links ausscheren, blockieren wir dort eventuell den Verkehr, wenn wir nicht aufpassen.

Bitte achten Sie darauf: Ob Sie vorwärts oder rückwärts fahren – immer drehen Sie das Lenkrad in die Richtung, in die Sie fahren wollen. 

Die Hinterachse ist nicht gelenkt = kleinerer Radius
Ob vorwärts oder rückwärts, Sie sollten auch im Hinterkopf haben, dass die starre, nicht gelenkte Hinterachse leider einen kleineren Radius fährt als die Vorderachse mit ihren gelenkten Rädern. Das wird dann interessant, wenn Sie links neben einem anderen Auto stehen, sehr nah, und vorwärts oder rückwärts einparken wollen. Lieber mehr Abstand halten, oder nicht gleich drehen, damit es keine Kratzer gibt.

Langsam und schnell gleichzeitig – geht das?
Das mehr oder weniger langsame Fahren ist eine der Routinen, die wir zum Parken dringend benötigen. Ebenso das weiche, flüssige Lenken. Eine langsame Routine und eine schnellere gleichzeitig auszuführen, das ist nicht einfach. Zu Anfang wird entweder langsam gefahren und langsam gelenkt, dann klappt es nicht mit der Lücke. Wird dagegen schnell gelenkt und schnell gefahren, dann droht ein Blechunfall. Gut, dass es den Fahrlehrer gibt, der vorher eingreifen kann.

Lenken im Stand?? Bloß nicht! Lenken bei langsamer Fahrt!
Viele der Beteiligten kommen deshalb auf die Idee, langsam zu fahren, geradeaus, ohne zu lenken, stehen zu bleiben, dann heftig zu lenken, anschließend wieder zu fahren, wieder stehen zu bleiben, usw. So wird es auch im Internet von einigen Fahrschulen vorgemacht. Ich bleibe aber dabei: Hier wird letztlich das Falsche gelernt. Eine Routine, hat sie sich erst einmal eingeprägt, wird sich schwer wieder rückgängig machen lassen. Pädagogisch besser ist es, nicht im Stand, sondern nur bei der (langsamen) Fahrt zu lenken. Auch wenn das anfangs schwierig ist. Denn nur so weiß und sehe ich, was beim Lenken passiert. Das prägt sich ein. So ähnlich lenkt man ja auch bei der Fahrt vorwärts.

Oder kommt jemand auf die Idee, bei normaler Fahrt vorwärts vor einer Kurve stehen zu bleiben, dann zu lenken, dann mit den gelenkten Rädern in die Kurve zu fahren, wieder stehen zu bleiben, dann im Stand gerade für den Kurvenausgang zu lenken, und schließlich wieder zu fahren?? Absurd! Zugegeben, das Lenken bei der langsamen Fahrt ist zu Anfang schwieriger. Aber wenn es gekonnt wird, läuft es auch mit dem Einparken plötzlich viel besser. So machen es ja auch die geübten Autofahrer.

10. Wie komme ich in die Lücke hinein?
Ein Plan im Kopf und dessen Umsetzung

Lenken nach vorgegebener Fahrlinie fürs Einparken
Bei jeder Art von Einparken und Parklücke gibt es eine dazu passende, ideale Fahrlinie, um effektiv in die Lücke zu fahren. Zur Fahrlinie gehören wichtige Zwischenpunkte, an denen es zu einer Richtungsänderung kommt. Diese Fahrlinie, passend zur Art des Einparkens und der Lücke, haben Sie im Kopf und versuchen sie Etappe für Etappe umzusetzen. Sie wissen, wo, an welcher Stelle der Etappe Sie sich gerade befinden und wohin Sie als nächstes (langsam) fahren und (viel) lenken müssen. Das geschieht ungefähr nach dem Schema der Fahrlinie, vor allem aber durch dauernde Beobachtung des eigenen Wagens und der Umgebung und entsprechender Feinkorrektur. Erst damit finden die Routinen ihre sinnvolle Anwendung. Später bei den Aufgaben werden Ihnen noch Fragen zu den wichtigsten Fahrlinien beim Einparken gestellt.

Fahrlinie rückwärts rechts seitlich am Fahrbahnrand
Als Beispiel für eine bestimmte Lücke und die entsprechende Fahrlinie nehmen wir eine der wichtigsten Möglichkeiten einzuparken: Das Einparken mit dem Pkw rückwärts rechts seitlich am Fahrbahnrand, in eine dort vorhandene Lücke von ca. 6 m Länge. Hinterher, wenn Sie es geschafft haben, stehen Sie in Ihrer Lücke ungefähr in einer Reihe mit den anderen geparkten Pkw, vor und hinter Ihnen, mit etwas Abstand zu diesen, und auch etwas Abstand zum Bordstein. Diese Möglichkeit einzuparken kommt in unseren überfüllten Städten sehr häufig vor. Jedenfalls verglichen mit anderen Möglichkeiten, einzuparken.

11. Beobachten – eine wesentliche Routine. Die Feinkorrektur nach Beobachtung. Minipausen und Rundumblick

Bei der Umsetzung Ihrer Fahrlinie kommt eine sehr wichtige Routine hinzu, die Beobachtung beim Einparken. Sie beobachten während des Einparkvorgangs laufend die räumliche Umgebung, die anderen Autos und das eigene  Auto – darüber hinaus auch den Verkehr. Und Sie schätzen die Beobachtung ein, ob Sie eventuell nachkorrigieren oder stehen bleiben müssen. Solange, bis Sie glücklich in der Lücke stehen. Das Beobachten ergibt sich bei der Fahrt, vor und bei Kurskorrekturen.

Nicht nur viel lenken – viel schauen!
Insgesamt sollten Sie beim Schauen immer an eine Art Rundumblick oder Panoramablick denken, denn bei Ihrer Tour in die Parklücke kann es von überall her Neuigkeiten geben, die Sie beachten sollten. Sie schauen direkt nach hinten, das ist der Hauptblick. Aber auch zur Seite, nach vorn, und bitte beziehen Sie immer wieder die Spiegel ein. Bei dennoch möglicher Unsicherheit steigen Sie lieber aus und schauen direkt nach.

Das Bild der Rückfahrkamera ist hilfreich 
Wenn Sie bei modernen Autos den Rückwärtsgang einlegen, dann sehen Sie auf dem Display vor Ihnen an der Armaturentafel das rückwärtige Bild einer hinten angebrachten Kamera mit starkem Weitwinkel. So, wie Sie selbst hinter dem Auto stehen und weiträumig schauen könnten. Das Bild der Rückfahrkamera ist schon eine sehr gute optische Hilfe beim Rückwärtsfahren.

Bloß nicht auf das Display der Rückwärtskamera schauen??
Leider lehnen viele Angsthäsinnen den Blick auf das Display mit der Rückansicht nach hinten ab, mit Verweis auf ihr eigenes, altes Auto. Sie wollen es richtig lernen, schauen sogar etwas ängstlich über das Display hinweg. Bloß nicht darauf schauen! Dann bleibt vor allem der Blick über das hintere Fenster, und natürlich die Spiegel. Befragt von mir gestehen sie ein, dass sie im hinteren Fenster ihres eigenen Autos oft schlechte Sicht haben: Ausufernde Dachpfosten, von Haus aus kleine Fenster, hochragende, im Moment gar nicht gebrauchte Kopfstützen der hinteren Sitze tun da ihr schlechtes Werk. Bei neueren Autos ist die Sicht nach hinten oft noch schlechter, weil das hintere Fenster manchmal sehr schmal ist. Das ist Design, hat mit Sicherheit nichts mehr zu tun.

Nach hinten ist die Sicht oft schlecht
Sie sind es gewohnt, beim Vorwärtsfahren durch eine große Frontscheibe und große Seitenscheiben zu blicken. Außerdem entspricht die Blickrichtung nach vorne Ihrer körperlichen Gesamthaltung im vorderen Sitz. Beim Rückwärtsfahren müssen Sie Ihren Körper + Kopf unbequem nach hinten rechts krümmen. Dabei erleben Sie die blickfeindliche Konstruktion des Autos hinten, wie gerade geschildert: Schmale Heckscheibe und schlitzförmige hintere Seitenscheibe, breite ausufernde Dachpfosten, Kopfstützen versperren die Sicht. Überall tun sich tote Winkel auf, in die Sie nicht einsehen können.

Beim Rückwärtsfahren alle Hilfsmittel ausnützen
Ich versuche, zweifelnde Angsthäsinnen sanft zu überreden, trotz aller Bedenken auf das Display der Rückfahrkamera zu achten. Es ist doch schön, mit allen nützlichen Neuigkeiten umgehen zu können. Beim Fahren rückwärts befinden sich möglicherweise so viele Objekte im toten Winkel, dass man nur dankbar für jedes Hilfsmittel sein sollte. Wir benutzen die eingeschränkte Sicht nach hinten, wohltuend ergänzt durch die Rückfahrkamera, wir benutzen alle Spiegel, Innen- und die beiden Außenspiegel, wir schauen in die toten Winkel links und rechts.  Damit haben wir einen umfassenden Blick nach hinten und seitlich, einen Panoramablick. Und wenn die Rückfahrkamera mit ihrem Bild nach hinten nicht vorhanden ist, so wie in Ihren alten Autos? Dann, wie gesagt, bei schlechter Sicht und größeren Bedenken – lieber mal aussteigen und direkt nachschauen.

Minipausen einhalten, beruhigen, genau beobachten
Ein guter Rat, um mit diesen Schwierigkeiten umzugehen: Wir gehen aus von der idealen Fahrlinie mit ihren bestimmten Etappen und Punkten, die Sie ansteuern. Die nächste Etappe bedeutet immer etwas Neues, beispielsweise eine Richtungsänderung. Halten Sie nach diesen Etappen oder bei diesen Punkten kurz an, machen Sie eine Minipause! Atmen Sie ruhig, schauen Sie nach Art des Panoramablicks und überlegen Sie, wie es weitergeht.

Minipausen verschaffen wieder Überblick
Wenn Sie Zweifel haben und Ihren Beobachtungen aus dem Auto heraus mit dem vielen, den Blick hemmenden Blech, nicht ganz trauen, ziehen Sie die Handbremse, stoppen Sie den Motor, steigen Sie aus und schauen Sie direkt, per Augenschein, nach! Dann schauen Sie fleißig, fahren Sie langsam los und lenken weich und flott in die richtige Richtung. Ist diese Etappe beendet, machen Sie die nächste kurze Pause. Ahmen Sie keinesfalls geübte Autofahrer nach, die gekonnt in ein paar Sekunden in die Lücke ziehen. Das wäre für Sie eine Überforderung, Hektik statt ruhiger Überlegung! Sie dürfen viele Minuten brauchen, bis Sie in der Parklücke sind. Überlegen und schauen Sie in Minipausen, lassen Sie sich Zeit!

Schön, wenn Sie das Parken mit den Minipausen beherrschen. Die beschriebenen Routinen sind ein Kernstück der Autobedienung und des Einparkens. Wenn Sie diese gut können, fahren Sie ruhiger und sicherer. Gut ausgeführt, mindern sie die Angst. Sie fahren gekonnt in Ihre Parklücke. Und das ist doch sehr wertvoll.

12. Zusammenfassung

Gut gelernte Routinen können beruhigen und lassen Zeit für kurze Erholung und zum Nachdenken. Daher die Idee der Minipausen beim Einparken. Zu den gut ausgeführten Routinen gehört aber auch die Milderung der Angst.

Folgende Routinen sollten Sie als Grundlage für das Einparken beherrschen: 

  • Sehr langsames und langsameres Fahren mit Kupplungsbremse oder Kupplungsgas. Sehr langsames, schubweises Fahren mit der Kupplungsbremse
  • Gleichmäßiges, weiches und flüssiges Lenken nach der Methode des Übergreifens. Das Lenken auch bei langsamer Fahrt. Richtungslenken, vorwärts und rückwärts, nach links, nach rechts, wieder gerade
  • Beide Methoden kombiniert, vorwärts wie rückwärts. Vorwärts und rückwärts fahren und lenken nach Ziel. Lenken rückwärts wie vorwärts nach einer bestimmten Fahrlinie
  • Beobachten der Räume und des Verkehrs rundherum, nach Art eines Rundum- oder Panoramablicks. Dazwischen Minipausen einlegen

13. Aufgaben für Sie 

Realitätsnah üben
Die Aufgaben des Beitrags können Sie allein ausführen, meistens in einem Auto. Der Motor ist aus, die Handbremse gezogen. Sie sind geschützt.  Für das Gehirn ist die Situation halbwegs realistisch und womöglich angstbesetzt, aber nicht wirklich gefährlich. Damit können Sie die Angstmilderung schon in Ihre eigenen Übungen mit einbeziehen. Anmerkung: Wenn in den Aufgaben die Rede davon ist, den Motor anzuschalten, die Handbremse zu ziehen, Gas zu geben, zu bremsen, dann nur so tun, also ob. Einfach das Auto richtig bedienen, ruhig und gelassen, ohne sich in den Verkehr zu begeben.

Achtung, Warnung:
Die praktischen Übungen im Verkehr und die begleitende Angstmilderung sollten Sie nur zusammen mit einem Angsthasenfahrlehrer  und im Fahrschulwagen absolvieren. Der Angsthasenfahrlehrer hat den Überblick, kann Sie kompetent beraten und im Notfall schützen. Ein gewöhnlicher Begleiter kann Sie in einer psychischen Ausnahmesituation nicht schützen.

Aufgaben im Auto 

  • Rettungsmaßnahmen, wenn Sie in Not sind
    Situation: Sie sitzen im Auto. Stellen Sie sich vor: Sie sind beim Einparken, Das langsame Fahren klappt nicht, das Auto macht plötzlich ein Satz nach hinten. Sie sind sehr nervös, brauchen dringend eine Pause.
    Ihre Übung/ 1: Sprechen Sie laut: „Mir geht’s nicht gut, ich brauche eine Pause!“ Atmen Sie ruhig, schauen Sie ein bisschen. Treten Sie die Kupplung und die Bremse. Ziehen Sie die Handbremse (sie ist schon gezogen, dennoch, tun Sie so, als ob). Schalten Sie den Motor aus (er ist schon aus, tun Sie so, als ob). Beobachten Sie den Verkehr, öffnen Sie die Tür und verlassen Sie das Auto. Machen Sie ein paar tiefe Atemzüge, schauen Sie sich ein bisschen um. Sagen Sie laut: „Ich bin nervös. Ich beruhige mich. Mir geht es besser.“
    Ihre Übung/ 2: Machen Sie eine Minipause, Handbremse anziehen und Motor ausschalten. Dann versuchen Sie eine progressive Muskelentspannung. Diese habe ich zu Beginn des Beitrags beschrieben.
  • Nervosität mildern, Druck abbauen (Schaltwagen)
    Situation: Sie stehen links neben einem geparkten Auto, wollen rückwärts einparken. Wohnstraße, etwas eng. Hinter Ihnen taucht ein anderer Fahrer auf, will vorbei, wegen der Enge geht es nicht. Sie werden nervös.
    Ihre Übung: Atmen Sie ruhig, schauen Sie ein bisschen. Sprechen Sie laut: „Ich bin nervös. Ich will dennoch die Situation entspannen.“ Winken Sie kurz dem anderen Fahrer zu. Treten Sie die Kupplung, legen Sie den ersten Gang ein. Beobachten Sie nach hinten, blinken Sie nach links und fahren Sie vorsichtig los und weg, bis Sie eine breitere Stelle oder eine Einfahrt gefunden haben. Dort lassen Sie den anderen Fahrer vorbei.
  • Routinen korrekt und ruhig ausführen, nicht hektisch:
    Situation: Keine besondere Situation, sie sitzen einfach hier im stehenden Auto und versuchen die folgenden Routinen: Schalten, vom 3. in den 4. Gang. Oder Beobachten über die Spiegel, Innenspiegel – Außenspiegel.  Sie merken beim Schalten oder beim Beobachten des Verkehrs, dass Sie diese Routinen hektisch ausführen, den Schalthebel durchreißen, die Augen kaum in die Außenspiegel schauen lassen, sondern sofort wieder nach vorne starren.
    Ihre Übung: Sprechen Sie laut: Ich bin nervös, bei 6, atme ruhig, beruhige mich.“ Üben Sie mit dem Schalthebel, vergleichen Sie und beobachten Sie die Wirkung auf Ihre Nervosität: a) Schalten Sie hektisch, per Durchreißen, vom dritten in den vierten Gang. b) Schalten Sie ruhig, mit kleiner Pause im Leerlauf, vom dritten Gang in den vierten Gang. Können Sie bestätigen, dass die Übung b) Ihnen gut tut? Üben Sie auch vergleichsweise a) das hektische Schauen nach vorne und in die Außenspiegel, und b) das ruhige, überlegte Schauen. Hintergrund der Hektik beim Schauen: Bei Angst entstehen als Reaktion Fluchtgedanken und Tunnelblick. Das Schauen in die Außenspiegel ist daher angstauslösend. Umgekehrt beeinflusst ruhiges Schauen die Angst positiv.

Übungsaufgaben: Langsames Fahren. Schnelles Lenken. Langsames Fahren und schnelles Lenken. Rückwärts Fahren und Lenken nach Ziel

Benötigte Geräte: 
Ein Auto, Schaltwagen, in dem Sie ein bisschen üben können. Der Motor bleibt aus, die Handbremse ist gezogen.
Eventuell ein Auto mit automatischer Schaltung. Wählhebel auf P, Handbremse gezogen.
Wenn Sie einige der Übungen in einem Auto probieren, dann ist die Situation für das Gehirn schon sehr realistisch. Nervosität kann kommen. Atmen Sie ruhig, schauen Sie ein bisschen hin und her, sprechen Sie laut: „Ich bin nervös, ich beruhige mich. Ich verhalte mich ruhig und sicher. Ich fühle mich wohl im Auto.“
Ein Lenkauto (Spielzeugauto). Falls Sie keines haben, können Sie vielleicht eines Ihrer Kinder bitten, es für Sie zu basteln (beispielsweise mit Fischer Technik). Einfache Lenkung über Starrachse reicht. Sie können auch das bei Kleinkindern beliebte Bobby Car verwenden. Es hat ein Lenkrad, die gelenkten Räder vorne haben einzelne Achsen, wie im Auto.
Ihr Ausbildungsstand: Sie sind Anfänger/in, möchten die Routinen schon ein bisschen vorüben, genauso das Training zur Beruhigung der körperlichen Symptome.

Übung 1, im Auto: Langsames Fahren (Motor aus, Handbremse gezogen):
Setzen Sie sich bequem hinters Lenkrad. Der rechte Fuß sitzt auf dem Hacken vor dem Gaspedal. Der linke Fuß auf der Ablage ganz links neben der Kupplung. Atmen Sie ruhig, schauen Sie ein bisschen, bevor es losgeht. Setzen Sie den linken Fuß auf die Kupplung. Drücken Sie mit dem linken Fuß die Kupplung ganz durch und lassen Sie den Motor an (Sie tun so, als ob). Sie sehen am Drehzahlmesser eine Drehzahl im Leerlauf von ungefähr 700 bis 900 pro Minute. Dann legen legen Sie den ersten Gang ein, oder den Rückwärtsgang. Lösen Sie die Handbremse (Sie tun, als ob). Drücken Sie nun das Gaspedal, nur ein wenig. Beobachten Sie den Drehzahlmesser. Die Nadel, die die Drehzahl anzeigt, sollte ungefähr auf 1.400 – 1.500 stehen. Beobachten Sie die Umgebung. Nun lassen Sie die Kupplung, die der linke Fuß gedrückt hält, ein wenig kommen, bis etwa zur Hälfte des Kupplungsweges. Ein kleiner Ruck geht durch das Auto, es fährt langsam los (= Kupplungsgas). Drücken Sie den Kupplung durch, lassen Sie das Gaspedal los, das Auto fährt langsam, rollt aus (= Kupplungsbremse).

Übung 1a, im Automatik-Auto: Langsames Fahren mit dem Automatik-Auto:
Motor ist aus, Wählhebel auf P = Parken. Setzen Sie den rechten Fuß fest auf die Bremse, lassen Sie den Motor an (Sie tun, als ob). Lösen Sie die Handbremse (Sie tun, als ob). Drücken Sie oben am Wählhebel den Knopf, wählen Sie mit dem Wählhebel die Stellung D (= drive, engl fahren). Nun lassen Sie das breite Bremspedal vorsichtig los, drücken es wieder ein bisschen. Je nachdem fährt das Auto langsam oder ein wenig schneller.

Übung 2, im Auto: Schnelles Lenken üben, Methode Übergreifen:
Der Motor bleibt aus, Handbremse ist angezogen. Anmerkung: Wenn der Motor nicht läuft und mithilft, geht das Lenken sehr schwer. Wir streifen bei der Lenkübung daher nur mit den Händen am Lenkrad entlang. Das reicht zur Übung völlig. Wir wollen zuerst nach rechts lenken: Daher üben wir auf der rechten Seite des Lenkrades. Ziehen Sie zuerst mit der rechten Hand das Lenkrad von rechts oben nach rechts unten (lassen Sie in Wirklichkeit das Lenkrad durch die Hand streifen). Solange die rechte Hand am Lenkrad nach unten geht, greift die linke über sie hoch, packt oben rechts am Lenkrad an und zieht nach unten. Dann greift wieder die linke Hand oben an, usw. Das alles läuft weich und flüssig. Dann dasselbe an der linken Seite des Lenkrades üben, für das Lenken nach links.
Zur Veranschaulichung beachten Sie bitte den Film.

Übung 3, im Auto, langsames Fahren und schnelles Lenken üben:
Versuchen Sie, die Übung 1 und 2 zu kombinieren, in drei Etappen, Fahren vorwärts und fahren rückwärts. Zuerst fahren Sie vorwärts, gerade, dann vorwärts rechts und viel lenken, dann links, und viel lenken. Schön langsam fahren und viel lenken. Dann dasselbe rückwärts, zuerst gerade, dann rechts,, dann links, immer schön langsam fahren und viel lenken. Machen Sie zwischen den Etappen kurze Pause mit der Kupplungsbremse.

Übung 4, einige wichtige Fahrlinien zuordnen:
Beachten Sie die hier gezeigten Fahrlinien und die verschiedenen Parklücken. Zu welchen Parklücken gehören welche Fahrlinien?

Übung 5, rückwärts Fahren und Lenken, nach Art einer idealen Fahrlinie:
Nehmen Sie Ihr Spielzeugauto mit Lenkung. Legen Sie ein paar Spielzeugautos auf einen Tisch vor Ihnen. Diese sollen eine Parklücke bilden. Bilden Sie eine Parklücke für das Parken quer, oder eine für das Parken seitlich am Bordstein. Wenn Sie das Bobby Car verwenden, lassen Sie es auf dem Boden. Die Stellung kleinerer Autos auf dem Tisch können Sie mit einem Heft oder Blatt im Format DIN-A-5 oder noch kleiner anzeigen. Setzen Sie Ihr Spielzeugauto in die Ausgangsposition.
Parken Sie vorwärts und rückwärts ein, wie Sie wollen. Halten Sie sich ungefähr an die vorgegebene Fahrlinie. Wenn es nicht sofort klappt, versuchen Sie es mit Korrekturzügen. 


14. Links und wichtige Hinweise

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