Angst vor dem Einparken? Einparken ruhig, gekonnt und sicher

Anmerkung: Der Beitrag ist noch nicht fertig. Er enthält dennoch wertvolle Infos über das Einparken. Im Eingangskapitel geht es vor allem um das Mildern der Ängste beim Einparken.

Einparken - ruhig, gekonnt und sicher. Einparken rückwärts längs zum Rand der Fahrbahn. Die grün gepunktete Linie ist die Fahrlinie

Beitragsbild: Einparken rückwärts rechts seitlich zum Bordstein.
Einparken – ruhig, gekonnt und sicher: Was bedeutet das? 
Ruhig: Sie bleiben gefasst, fahren beim Einparken schön langsam, mit Pausen dazwischen, dadurch haben Sie Zeit, in Ruhe zu beobachten. Nervosität können Sie kontrollieren. Sie haben keine Angst vor Fehlern, da sie gelernt haben, diese zu korrigieren. Ihr vernünftiges Denken funktioniert, Sie haben keine Angst vor dem Verlust der Kontrolle. Im Gegenteil – Sie haben die Kontrolle. Wenn es ganz schief geht oder ein anderer Fahrer drängelt, dann fahren Sie vernünftig und ruhig mit Ihrem sehr vorsichtigen Fahrstil weiter. Zur Not haben Sie auch paar Rettungsmaßnahmen bereit – beispielsweise weiter zu fahren, es woanders zu versuchen.
Gekonnt: Sie beherrschen die nötigen Routinen fürs Einparken in ihrem Zusammenspiel. Dazu gehören:
Die Einschätzung der der Räume und Hindernisse beim Einparken; die Beobachtung des Verkehrs, beispielsweise Fußgänger oder überholende Autos.
Das sehr langsame Fahren, mit zusätzlichen Pausen beim Übergang zu einem nächsten Abschnitt beim Einparken.
Das Lenken, wohin Sie auch wollen, vorwärts wie rückwärts.
Die passende Fahrlinie – die Vorstellung und Umsetzung einer Fahrlinie, mit der Sie in den gewählten Parkplatz einfahren können. Zur passenden Fahrlinie gehören auch die Kenntnis geeigneter Korrekturzüge, falls es mal nicht gleich geklappt hat. Üben Sie Fehlstellungen beim Einparken und die dazu gehörigen Korrekturzüge ganz bewusst. Dann verlieren Sie die Angst vor dem Korrigieren.
Die Routinen setzen Sie bewusst langsam um, legen zwischen den Etappen beim Einparken Pausen ein, um sich zu besinnen und zu beobachten.
Sicher: Sie fahren ruhig, Sie sind vernünftig, kontrollieren Angst und Nervosität. Sie beherrschen den Parkvorgang mit den geforderten Routinen. Das greift sinnvoll ineinander. Es  klappt noch nicht perfekt. Aber Sie wissen, dass mögliche Korrekturen keine „Fehler“, sondern normal sind. Vor allem lassen Sie sich viel Zeit beim Einparken. Sie stehen dazu, dass Sie den Parkvorgang Als Angsthäsin und/oder Anfängerin nicht perfekt beherrschen. Beobachten Sie in Ruhe die Verkehrsvorgänge und Hindernisse um Sie herum, versuchen Sie, Ihre geplante Fahrlinie in die Lücke hinein entsprechend umzusetzen. Atmen Sie ruhig, schauen Sie ebenso, halten Sie möglichst bei den Zwischenetappen des Parkvorgangs an, um sich zu beruhigen und neu zu orientieren. 

„Ich möchte auf einmal in die Parklücke rein kommen. Meinetwegen langsam, aber sofort, ohne Fehler, ohne zu korrigieren und hin und her zu fahren.“
„Beim Einparken tue ich mich schwer. Ich fühle mich unter Druck, fürchte, ich schaffe es nicht. Oder, noch schlimmer, ich übersehe etwas.“
(Angsthäsinnen kurz vor der Einpark-Übung.)

Einparken – ruhig, gekonnt und sicher

Inhalt

  1. Vorwort
  2. Allgemeine Hinweise
  3. Drei Geschichten vom Einparken:
    1) Marianne fühlt sich nur noch fix und fertig
    2) Sabine hält sich die Ohren zu
    3) Paula kommt nicht in die Lücke rein
  4. Elektronische Assistenten für das Einparken
  5. Links zum Thema Einparken

1. Vorwort

Bloß keine Fehler, keine Korrekturzüge, gleich rein in die Lücke
Im Internet finden Sie viele konkrete Hinweise, wie Sie richtig einparken. Mit Bildern und Filmen, gut erklärt. Das Einparken ist ein großes Thema bei Fahrschüler:innen und Angsthäsinnen. Was allerdings bei diesen Anleitungen fehlt, sind Hinweise, wie Sie beim Einparken mit Ihrer Angst und Nervosität umgehen können. Angst und Nervosität, wie Sie in den vorigen Zitaten von Angsthäsinnen zum Ausdruck kommen: Keine Fehlstellungen zu produzieren, sofort in die Lücke zu kommen, ja keine Korrekturzüge zu benötigen.  Oder unter Druck zu geraten, etwas zu übersehen, so dass womöglich Schlimmeres passiert. Der Druck beim Einparken, unter dem viele der Betroffenen leiden, ist äußerer Druck, sei ein Drängler oder ein übereifriger Freund. Noch mehr kann innerer Druck quälen, wie er im ersten Zitat zum Ausdruck kommt. Die Betroffenen trauen sich nichts zu. Sie fürchten Fehlstellungen oder allgemein „Fehler“, und schämen sich deswegen vor anderen, geübten Fahrern. Sie fürchten unter den Belastung einen Unfall zu verschulden.

Angsthäsinnen fahren im Verkehr viel zu hektisch
Das beste Mittel gegen Fehler wäre langsames, vorsichtiges Fahren. Doch gerade dies wird von den Betroffenen gefürchtet, weil sie nicht unangenehm auffallen wollen.  Der erste Eindruck von der Fahrweise für mich als Beifahrer ist unruhig, gehetzt,  durcheinander, nicht vernunftgeleitet, sondern zufallsbetont. Sie wirken durch Ihr Verhalten völlig überfordert. Wenn ich den Betroffenen dann sage, dass sie mit mir zusammen langsam und sehr vorsichtig fahren dürfen – wir fahren doch im Fahrschulwagen -, kommt erst einmal ungläubige Abwehr. Aber später sind sie dann doch wie erlöst. Sie lernen den sehr vorsichtigen Angsthasenfahrstil zu schätzen, denn er lässt sie sehr vorsichtig, vernünftig fahren, mit Übersicht. Jetzt erst verstehen die ganze Sache richtig. Sie können Informationen erkennen und bewerten, Wichtiges entgeht ihnen nicht, Entscheidungen sind wohl begründet. Ihr Fahrstil ist sicher. Dafür müssen Sie halt ein bisschen behindern.

Auf die innere Ruhe kommt es an
Sie brauchen Kenntnisse und Fertigkeiten, um richtig einzuparken. Sie brauchen vor allem die innere Ruhe beim Einparken, sonst droht die Sache schief zu laufen. Sie können womöglich richtig und ganz anständig einparken. Aber Sie sind leider auch zu nervös, zu ängstlich beim Einparken, fürchten Fehler zu machen, Übersicht und Kontrolle zu verlieren. Die Furcht davor kann die Angst noch verstärken, so dass nicht nur das Einparken schief geht, sondern womöglich Gefahr droht. Das muss aber nicht sein. Die nötige Ruhe können Sie sich verschaffen und einparken, wie Sie auch möchten, mit all der nötigen Ruhe und Vorsicht.  Wie das geht, das zeigen Ihnen Beispiele aus den praktischen Stunden der Angsthasenfahrschule.

Die folgenden Kapitel enthalten allgemeine Hinweise zum Thema, entspannt, ruhig und richtig einzuparken. Weitere Beiträge zu diesem Menüpunkt gibt es am Schluss unter entsprechenden Links. Hier stehen auch die Links zu den besonderen Arten des Einparkens, beispielsweise rückwärts rechts in eine Parkbox einzuparken, wie auf dem Supermarkt zu sehen.

2. Allgemeine Hinweise

Was ist Einparken?
Beim Einparken wollen wir das Auto abstellen, oft für einige Zeit. Wo und ob das überhaupt erlaubt ist, das regelt die StVO. Laut StVO beginnt das Parken dann, wenn wir das Auto verlassen, und wenn das Parken schon mehr als drei Minuten dauert. Hier in diesem Beitrag geht es mir allerdings nur am Rande um rechtliche Regeln, sondern um den Vorgang des Einparkens, und die damit bei Ihnen verbundene Angst. Die wollen wir ja in den Griff bekommen.

Längs und quer – zwei wichtige Arten des Einparkens
Gewöhnlich erfolgt das Einparken längs zur Fahrtrichtung, vorwärts oder rückwärts, auf der rechten Seite am Fahrbahnrand, parallel zum Bordstein, in einer Lücke zwischen zwei schon geparkten Autos. Überall in der Großstadt sieht man die Autos so am Rand der Fahrbahn hintereinander aufgestellt. Andere häufige Möglichkeiten des Einparkens bieten sogenannte Parkboxen, quer zur Fahrrichtung. Parkboxen befinden sich beispielsweise auf dem Parkplatz eines Supermarktes. Auch in Parkboxen können Sie vorwärts oder rückwärts einfahren.

Besondere Arten, einzuparken
Die beiden geschilderten Parkmöglichkeiten sind die häufigsten Arten einzuparken. Daneben gibt es noch zahllose besondere Arten des Einparkens: Beispielsweise in einer Einbahnstraße rückwärts links. Oder zwar auch rückwärts links, aber mit den linken Rädern auf dem Bordstein, soweit dies durch ein Verkehrszeichen so angeordnet ist. Oder quer zu einzuparken in eine Parkbox, aber vorwärts rechts und schräg. All diese  besonderen Arten des Einparkens behandle ich hier nicht, es würde zu weit führen. Sie sollten zuerst die beiden wichtigsten Arten einzuparken kennen lernen, dann wagen Sie sich auch einmal an die besonderen Arten heran.

Für wen ist der Beitrag nützlich?
Die Beiträge über das Einparken auf dieser Website werden häufig besucht. Zu den Betroffenen und damit Interessierten gehören ängstliche Prüflinge, Angsthäsinnen mit Angst vor den Anforderungen im Großstadtverkehr. Eigentlich nicht dazu gehören Paniker/innen mit Angst vor Panik auf der Autobahn. Diese kommen oft mit eigenem Auto zu den Betreuungsstunden, parken gewandt und sicher ein. Ihre Angst tritt nur auf der Autobahn auf, nicht im Stadtverkehr. Dennoch haben auch diese Menschen einen Nutzen von diesen Seiten, wenn Sie die Möglichkeiten der Angstbewältigung am konkreten Beispiel studieren wollen. Zum Kreis der Interessierten gehören auch professionelle Helfer, wie beispielsweise Fahrlehrer:innen.

Was ist beliebter – vorwärts oder rückwärts einzuparken?
Bei einigen Parkplätzen kann vorwärts oder rückwärts eingeparkt werden. Vorwärts ist natürlich beliebter. Denn die Sichtverhältnisse sind besser, auch das Lenken vorwärts ist vertraut. Beim Einparken rückwärts sind die Sichtverhältnisse  schlechter. Sie müssen sich umdrehen, was eine Verrenkung des Körpers bedeutet. Viel sehen tun Sie nicht, denn die Heckscheiben sind kleiner als die Frontscheiben. Wenn Sie Pech haben, dann behindern hoch aufragende Kopfstützen die Sicht. Und links und rechts hinten machen sich als weitere Sichthindernisse – beispielsweise fette Dachstützen – breit. Auch die Seitenscheiben hinten ähneln manchmal eher Seiten“schlitzen“ als richtigen Scheiben.

[Bild Auto mit schlechter Sicht nach hinten]

Der tote Winkel ist groß
Es ist heute vom Autodesign her Mode geworden, die Autos mit viel Blech zu umkleiden und die Scheiben immer schlanker und schlitzförmig zu gestalten. Diese Autos ähneln schon kleinen Panzern.  Kaufen Sie sich bitte kein derartiges Auto. Sie werden beim Abbiegen, Ausweichen oder Einparken Angst empfinden, da die toten Winkel hier sehr hoch sind.  Außer wiederum, diese Autos haben elektronische Assistenten, die Sie vor einem Fahrzeug im toten Winkel warnen. In der Betreuung zeigt sich allerdings immer wieder, dass viele Angsthäsinnen den elektronischen Assistenten misstrauen.

Display der Rückfahrkamera – leider nur ungern beachtet
Design und Ausstattung vieler moderner Autos sind leider nicht umschaufreundlich, sondern eher umschaufeindlich. Immerhin haben viele dieser Autos wenigstens eine Rückfahrkamera mit starkem Weitwinkelobjektiv und Display. Dort sehen Sie eine schöne, übersichtliche Ansicht des Raumes hinter dem Auto. Eine willkommene Hilfe, die starken Sichteinschränkungen nach hinten zu verbessern. Leider sind viele Angsthäsinnen dagegen, mal zwischendurch – in einer kleinen Fahrpause während es Einparkens – aufs Display zu schauen. Mit dem Argument, bei ihren – vielleicht etwas älteren Autos – gäbe es so etwas gar nicht. Außerdem könnten Sie mit den verschiedenen Linien auf dem Bild nichts anfangen. Das ist so der Ausgangspunkt. Dennoch, sie lernen, mit den besseren Möglichkeiten der Beobachtung nach hinten umzugehen. Viele Dinge, die sonst im absoluten toten Winkel verschwinden – hohe Bordsteine, Poller, Bauschutt, Anhängerdeichseln, kleine Kinder – sind hier plötzlich zu sehen. Geduldiges Erklären der Sicht nach hinten im Display nimmt dann doch etwas von der etwas unerklärlichen Abneigung. Außerdem können wir das Display auch mal „zur Übung“ abschalten.

[Bild Display]

Auch das Lenken rückwärts fällt vielen schwer
Nicht nur das Schauen, sondern auch das Lenken rückwärts fällt schwer
Das Lenken rückwärts ist vielen ungewohnt. Dabei ist die Sache doch so einfach: Wohin das Auto auch fahren soll – dahin muss ich lenken.  Gemeint ist damit das Hinterteil des Autos, auch „Heck“ genannt. Dieses und seine Richtung müssen Sie beim Lenken rückwärts im Auge behalten. Wohin das Heck nach Ihrem Plan im Kopf auch soll – dahin lenken Sie auch. Verwirrend für viele ist die alte Gewohnheit, beim Lenken das Vorderteil des Autos mit der Motorhaube anzuvisieren. Nein, das gilt jetzt nicht mehr. Wenn Sie es richtig machen, dann schauen Sie nach hinten, und fragen sich: Wohin sollte ich denn jetzt das Heck lenken? Wenn Sie die Fahrlinie in die Parklücke seitlich neben dem Bordstein hinein im Kopf haben und wissen, dass Sie das Auto zuerst nach hinten rechts bewegen müssen, dann lenken Sie eben nach rechts. Und „wie von Zauberhand“ fährt das Auto tatsächlich nach rechts hinten.

Welche besondere Art einzuparken fällt am schwersten?
Angsthäsinnen nennen sehr oft das Einparken rückwärts längs zum  Bordstein als besonders schwer. Grund: Die schon bekannten Sichthindernisse. das Lenken rückwärts, das Schauen nach hinten, die sehr langsame Fahrt. Als besonders schwierig wird empfunden: Das Einparken  erfolgt beim Rückwärtsfahren in die Lücke zwischen zwei geparkten Autos hinein in einer Art gestutzter S-Kurve, die schräg nach schief in die Lücke hinein verlaufen soll. Dabei sollte die Raumeinschätzung stimmen, Fußgänger  dürfen nicht übersehen werden.

Belastung → Angst und Angstreaktion ← Beruhigung
Weil die Betroffenen diese Art zu parken besonders fürchten, behandle ich sie hier an erster Stelle. Wir sollten Angstsituationen nicht ausweichen, sondern lernen, mit ihnen umzugehen. Das ist ein wichtiger Grundsatz, um Ängste zu mildern. Diese Methode ist gut als „Konfrontation“ mit der Angst auslösenden Situation bekannt. Der Umgang mit den belastenden Situationen sollte aber in Ruhe erfolgen. Sonst käme es womöglich zu einer Überflutung mit Ängsten, Kontrollverlust würde drohen, die Verkehrssicherheit stände auf dem Spiel. Zu diesem Thema lesen Sie später in diesem Beitrag in Geschichten, die Angsthäsinnen erlebt haben.  Wir steigern die Belastung zwar, aber nur soweit den Betroffenen die nötigen Mittel zur Beruhigung zur Verfügung stehen.  Erfahrene Angsthäsinnen verfügen über einige Mittel der Angstmilderung und Beruhigung und bleiben auch in angstbetonten Situationen gelassen. Unerfahrene lassen sich leider in sehr angstbesetzte Situationen treiben, in denen die Kontrolle verloren geht.

Eine Warnung: Nicht ohne Schutz üben
Bitte üben Sie das Einparken, wenn Sie ängstlich sind, nicht ohne Schutz und nicht ohne kompetenten Begleiter. Es könnte sonst für alle Beteiligten gefährlich werden. Die persönliche Belastung durch Üben ohne Schutz und ohne kompetente Begleitung könnte stark ansteigen und womöglich zu einer panischen Reaktion führen.
Dazu lesen Sie später ein paar Geschichten aus der Angsthasenrunde.

Was sagt Ihr Betreuungsvertrag?
In Ihrem Betreuungsvertrag, den Sie zu Beginn der Betreuung zur Unterschrift erhalten, finden Sie auf S. 2 einen warnenden Hinweis zum Thema selbständiges Fahren: Ich rate Ihnen dringend davon ab, schon während der Betreuungszeit allein oder mit Partner/ Freundin selbständig mit dem eigenen Auto zu üben. Vom Programm her ist vorgesehen, das selbständige Fahren zuerst unter Begleitung des Angsthasenfahrlehrers, dann allein im Auto zu üben. Dies aber erst zu Ende der Betreuung, wenn Sie Ihre Angst gemildert und unter Kontrolle haben. Betreuungsvertrag

Denken Sie bitte daran: Selbständiges Fahren erhöht die Belastung, weil es von Ihnen Verantwortung verlangt. Auch das muss geübt werden. 

Für Anfänger:innen gilt, belastende Faktoren möglichst gering halten
Beispiel: Wir beginnen in einer ruhigen Wohnstraße mit dem Einparken, in einer schönen, großen Lücke. Das wäre ein idealer Fall. Doch müssen wir im Straßenverkehr immer mit Überraschungen rechnen. Durch das Auftauchen eines Lkw kann sich die Lage plötzlich ändern. Oder die Ängste entwickeln sich durch Überreaktion so stark, dass  auch die harmloseste Wohnstraße Anlass zur Sorge gibt. Schlecht ist auch sozialer Stress, wenn Partner beispielsweise baldige Ergebnisse verlangen.

Mangelndes Können Ursache der Angst?
Liegen die Schwierigkeiten und die Ängste wegen des Einparkens an mangelndem Können? Jein. Bei den praktische Übungen stellt sich oft heraus, dass die Betroffenen trotz Ausbildung und bestandener Prüfung wenig Ahnung vom Einparkvorgang haben. Nach den langen Jahren der Fahrvermeidung aus Angst sind viele der einst in der Ausbildung gelernten Tricks und Tipps zum Einparken vergessen. Dennoch sind einige der einst erlernten Routinen noch da. Und die Betroffenen trainieren aber mit großem Eifer. Das ist beinahe rührend und schön, wie Sie sich Mühe geben. Und Sie würden den eigentlichen Parkvorgang schaffen.   Hindernis auf dem Weg zum Erfolg sind aber oft die blockierenden Ängste. Diese können auch die schönsten Fertigkeiten zerbröseln lassen. Daher müssen wir immer zweigleisig üben, den Umgang mit den Ängsten und das Einüben und Auffrischen der nötigen Routinen.

Routinen beim Einparken
Für das Einparken brauchen Sie die oben im Eingangsbild besprochenen Routinen. Beispielsweise das Beobachten der Räume und des Verkehrs, das langsame Fahren, das Lenken vorwärts und rückwärts nach Ziel und die Möglichkeiten des Korrigierens und Vorstellung einer richtigen Fahrlinie, mit der Sie erfolgreich in die Lücke fahren.

Routinen erfolgreich einsetzen
Routinen sind automatisierte Abläufe bei der Autobedienung. Diese Gewohnheiten entstehen durch viele Übungen, bei denen, zumindest zu Anfang, noch der Verstand beteiligt ist. Im Gehirn werden sie als Routinen verankert,  wenn sie oft und erfolgreich ausgeführt worden sind.  Später erfolgen sie beinahe „wie von selbst“, eben automatisch, ohne Beteiligung des Verstandes. Es klappt eben, einfach so. Daher mildern sie auch die Angst. Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Bei hoher Angst können Routinen blockiert werden.

Routinen können zur Beruhigung beitragen
Die Routinen sollten auf möglichst ruhige, erholsame Weise ausgeführt werden. Es sollte bei der Ausführung der Routinen Zeit zum zum Schauen und Nachdenken Verbleiben. Beim langsamen Fahren in die Parklücke hinein sollten wir beispielsweise nicht durchgehend langsam fahren, sondern kleine Pausen oder sogar etwas längere  Zwischenhalte einlegen. So haben Sie Gelegenheit, sich kurz zu erholen, zu schauen und zu überlegen, wie es weiter geht. Damit tragen auch die Routinen zur Entspannung beim Einparken bei.

Schön langsam fahren beim Einparken
Bitte versuchen Sie nicht, womöglich „mit Schwung“ in die Lücke hinein zu fahren. Während dies für geübte Autofahrer:innen beinahe normal ist, wäre es für Sie als Angsthäsin verheerend. Sie hätten womöglich ein ganz schlechtes Gefühl, etwas Wichtiges übersehen zu haben. Hast und Hektik vergrößern nur die Angst. Also schön langsam in die Lücke fahren. Halten Sie bei allen Zwischenetappen beim Einparken kurz an. Lassen Sie sich Zeit, überlegen Sie, wie es weiter geht, schauen Sie in Ruhe. Dann sind die nächsten Entscheidungen wohl begründet.

Sind große Lücken besser?
Ich empfehle zu Anfang immer beim Einparken rückwärts seitlich am Bordstein gute, große Lücken von etwa 6 m Länge und mehr zu suchen.  Bei einem Pkw durchschnittlicher Länge von etwas über 4 m haben Sie dann immer noch vorne und hinten ein bisschen weniger als je 1 m Rangierplatz. Das ist gut fürs Einparken. Leider beträgt der Rangierplatz sogar noch weniger als 1 m, wenn Sie überlegen, dass Ihr Pkw beim Ein- oder Ausparken zwischendurch diagonal in der Lücke steht, dadurch sozusagen länger wird. Dann schrumpft Ihr Rangierplatz von 1 m auf weniger als 75 cm. Und nochmal leider auf noch weniger, denn Sie können diesen Rangierplatz in der Praxis gar nicht voll ausnützen. Sonst würden Sie die beiden anderen Pkw vorne und hinten womöglich touchieren. Ich bleibe dabei, die Empfehlung der 6 m großen Lücke ist richtig.

Große Lücken werden von Betroffenen abgelehnt
Die meisten Angsthäsinnen lehnen solche großen Lücken aber sofort ab, bestehen auf kleine Lücken. Neulich bekam ich sogar von einer Betroffenen zu hören, sie habe den Fahrlehrer gewechselt, weil der zu Anfang mit ihr große Lücken für das Einparken gesucht habe, sich auch nicht umstimmen ließ. Ich erklärte ihr lachend, dann müsste sie auch mich wechseln, denn ich fände es gut, zu Beginn mit großen Lücken zu üben. Sie lachte mit, aber ich merkte schon, dass sie enttäuscht war.

Was ist schwierig bei den kleinen Lücken?
Unter 5 m wird es ganz schwer, dann haben Sie vorne und hinten gerade mal 50 cm, mit den genannten zusätzlichen Einschränkungen vielleicht nur noch 25 cm. Bei kleinen Lücken ist alles knapp, was schon gefährlich ist. Wegen der Enge laufen Sie dauernd Gefahr, irgendwo anzustoßen. Die Fahrlinie muss exakt stimmen, Sie müssen schnell und gekonnt lenken, Korrekturen sind wegen der engen Räume nur schwer möglich. Wenn es nicht geklappt hat, dann fahren Sie am am besten wieder komplett raus aus der kleinen Lücke. Oft versuchen es die Betroffenen in der kleinen Lücke wieder und wieder, sind enttäuscht, weil es nicht klappt. Sie erwarten von mir einen „Zaubertrick“. Den gibt es leider nicht. Zurück bleibt viel Frust. Es ist eine Qual für alle Beteiligten, vertane Zeit. Richtig ist natürlich, zuerst mit größeren Lücken zu üben. Später können wir dann auch in einer ganz ruhigen Situation mit einer kleinen Lücke üben. Und da stellt sich heraus, dass die Betroffenen bei freier Wahl sich eine Lücke von 4 m Länge suchen. Das geht schon physikalisch gar nicht. Hier spielt ein anderer Grund herein: Sie können schlicht und einfach noch nicht richtig schätzen. Dazu dann eine der Aufgaben am Schluss des Beitrags: Ohne Druck, vielleicht bei einem Spaziergang, sich Parklücken ansehen, abschreiten und sich vorstellen, was geht und was nicht.

Welche Angst steckt hinter dem Wunsch nach kleinen Lücken? 
Oft in ihrer belasteten Vergangenheit waren die Betroffenen auf große Lücken angewiesen, 8, 9 m lang. Dort wurde dann bequemerweise vorwärts eingeparkt. Das Einparken vorwärts geht immer oder meistens, erfordert aber eine große Lücke. Da die großen Lücken im heftigen Großstadtverkehr eher selten sind, mussten die Betroffenen oft weit fahren, bis endlich eine derart große Lücke in Sicht kam. Leider weit entfernt vom angestrebten Ziel. Anschließend war ein ausgedehnter Fußmarsch zurück fällig. Zweierlei Ängste sind hier im Spiel: Einmal die Angst, auf der Suche nach großen Lücken sinnlos weit fahren und weit zurück gehen zu müssen, unnötig Zeit zu verlieren. Wichtiger aber die Angst, sich wieder mal als unfähig zu erweisen, weil kleine Lücken halt nicht geschafft werden.

Lassen Sie sich zu Anfang bitte beim Einparken auf große Lücken ein. Dort lernen oder wiederholen Sie das Einparken und mildern Ihre Angst. Kleine Lücken produzieren zu Anfang nur unnötige Misserfolge, belasten Sie und fördern die Angst. Verschieben Sie das Üben mit kleinen Lücken auf später. 

Stoff üben und Angstbewältigung: Die Angstbewältigung sollte zur Routine werden
So sollten Sie sich Betreuungsstunden vorstellen. Es wird eben nie nur der „Stoff“ geübt – wie parke ich richtig ein?, – sondern immer der Stoff im Zusammenhang mit der Angstbewältigung.  Angstbewältigung nicht „extra“, sondern immer auch in den Stoff verwoben. Auch die Methoden der Angstbewältigung sollten dann irgendwann Routine werden, so wie auch die Routinen beim Einparken in der Fahrzeugbedienung. Das macht es für Angsthäsinnen nicht gerade leichter. Aber sie sind ja auch angetreten mit dem Ziel, ihre Fahrängste zu überwinden. Die Aufgabe ist schwerer, als wenn Sie „nur“ wie Fahrschüler:innen den Stoff zu lernen haben. Jedoch leidet auch eine starke Minderheit dieser Gruppe unter heftigen Ängsten in der Prüfung.

In weiteren Beiträgen, die sich mit den einzelnen Arten des Einparkens beschäftigen, mache ich Sie mit dem genauen Ablauf des Einparkens bekannt. Und gleichzeitig erfahren Sie auch einige Möglichkeiten, Angstreaktionen beim Einparken gemildert und unter Kontrolle zu halten.

In den folgenden drei Geschichten schildere ich, mit welchen Schwierigkeiten ängstliche Anfängerinnen beim Einparken zu kämpfen haben. Für die Schwierigkeiten ist oft das soziale Umfeld verantwortlich. Aber auch die jeweilige Angsthäsin, die notgedrungen Selbstbewusstsein erlernen und sich gegen die Zumutungen wappnen muss.

3. Drei Geschichten über Einparken und Angst

1) Marianne fühlt sich nur noch fix und fertig

Marianne gibt dem Drängen ihres Freundes nur sehr widerwillig nach. Der Freund möchte, dass sie sich nach jahrelanger Fahrvermeidung wieder ins Auto traut. Er will mit ihr am Sonntag auf einem großen Parkplatz mit seinem Wagen das Einparken üben. Marianne will das nicht. Sie hat nach der Prüfung zwei kleine Unfälle im Zusammenhang mit Parken erlebt. Eigentlich nur kleinere Blechschäden. Sie dachte nach dem zweiten Vorfall, sie könne es nicht, vermied das Fahren. Die ganze Geschichte war seither ein kleiner Streitpunkt zwischen ihr und ihrem Freund. Sie wollte eigentlich nichts mehr zu tun haben mit dem Autofahren. Doch er war verbissen, sah es nicht ein.

Üben = Ängste weg?
An diesem Sonntagmorgen gibt sie schließlich nach. Er drängelt besonders heftig, hat einen schönen Plan. Sie soll auf einem heute verlassenen Parkplatz üben. Ein wenig lockt auch die vom Freund verkündete Hoffnung, durch das  Üben auf dem Parkplatz die Ängste zu verlieren. „Je mehr Du übst, umso schneller verschwinden Deine Ängste. Am Ende bist Du ganz locker und entspannt!“ So der Freund. Das glaubt sie eigentlich nicht, aber vielleicht doch ein bisschen?

Erschöpft – „ich will’s nur noch hinter mich bringen“
Auf dem Parkplatz ist sie sehr nervös. Dennoch klappt es zu Anfang einigermaßen. Der Freund ist hoch erfreut lobt sie pausenlos. Nach ca. einer halben Stunde ist sie müde, drängt auf den Schluss der Sache. In seiner Begeisterung geht der Freund noch weiter: Nun soll sie auch noch nach Hause fahren, was gar nicht geplant war. Er erklärt das wieder mit seiner „Üben = Angst weg!“ Sie erschrickt, ist aber   zu erschöpft, um sich dagegen zu wehren, möchte die Sache nur noch hinter sich bringen. Der Weg führt über die Ausfahrt aus dem Parkplatz auf eine Wohnstraße. Die Sicht auf die Wohnstraße ist wegen dort geparkter Autos schlecht, hier müsste sich Marianne vorsichtig nach vorne tasten und beobachten, ob alles frei ist.

Panische Reaktion, gefährlich
Das schafft sie nun gar nicht mehr. Sie hört ihren Freund wie weit entfernt auf sie einreden. Sie ist am Ende ihrer Kräfte, Ihr Herz klopft, die Konzentration ist weg, sie wäre so gern woanders. Plötzlich reagiert sie panisch, möchte eigentlich bremsen, gibt aber statt dessen Vollgas, lässt die Kupplung los. Der Wagen macht einen Satz nach vorne, landet mitten auf der Wohnstraße. Wenn da jetzt ein Radfahrer, Fußgänger oder ein anderes Auto gewesen wäre… Der Freund, hilflos und völlig durcheinander  schreit vor Schreck auf. Er schimpft, macht ihr Vorwürfe, die er gleich wieder zurück nimmt. Nichts ist passiert, es ist doch alles noch einmal gut gegangen. Nicht ganz. Marianne verlässt  weinend das Auto, will vom Freund nichts mehr wissen. Der versteht gar nichts.

Aufgaben 

Mehr üben = weniger Angst?
Um die zögernde Marianne zu überreden, gebraucht ihr Freund folgendes Argument: Sie müsse nur viel üben, je mehr sie übe, um so mehr verschwinde die Angst. Was halten Sie von dieser Aussage?

Wie werde ich entschlossen?
Die Aufgabe könnte heißen: Was sollte Marianne tun, um nicht in diese gefährliche Lage zu geraten? Denn im schlimmsten Fall wären vielleicht andere Verkehrsteilnehmer verletzt worden. Die Aufgabe ist eigentlich leicht zu lösen: Marianne hätte im Vorfeld und entschlossen „nein!“ zu ihrem Freund sagen müssen. In der Praxis ist solch ein entschlossenes Verhalten leider nicht immer so leicht, im Gegenteil: Partner, Freunde … können Sie mit ihren eigenen Vorstellungen und ihrem Unverständnis für Ihre Lage richtig überrennen, Ihre vielleicht zu schwache Gegenwehr zerbröselt. So, wie in Mariannes Fall geschehen. Überlegen Sie, wie Sie Ihre Gegenwehr noch entschlossener gestalten können. Bleiben Sie fest. Es geht doch um die Verkehrssicherheit und Ihre Verantwortung! Lesen Sie dazu bitte den Beitrag : „Autofahren ohne Panik – seit 12 Jahren mein Ziel“. In diesem Beitrag bitte das Schlusskapitel auswählen: „Mein Mann hat sich zu sehr eingemischt“. 

2) Sabine hält sich die Ohren zu

Freude: Sabine hat die Fahrprüfung bestanden
Sabine ist glücklich nach der bestandenen Fahrprüfung. Andererseits denkt sie eher zwiespältig an die Prüfung zurück. Vor allem beim Einparken hatte sie Angst und wusste zeitweise nicht mehr, wie es weiter geht. Eine Art „Gehirnlähmung“ hatte sie erfasst, so dass der Parkvorgang nicht mehr gewärtig war. Nur durch die Hilfe des Prüfers hat sie es dann geschafft. Der Prüfer händigt ihr anschließend den Führerschein mit Lob und Tadel aus: Der überwiegende Teil der Prüffahrt war seiner Meinung nach zwar in Ordnung. Aber das Einparken müsse sie noch üben. Alleine würde sie das wahrscheinlich nicht schaffen. Dieses halb abwertende Urteil trifft Sabine schwer. Sie grübelt und grübelt. Wie soll das nun weiter gehen?

Fahrschülerin ängstlich, Fahrlehrer ungeduldig
Auch an die Ausbildung denkt sie ungern zurück. Denn sie ist selbst eher ängstlich, sehr zurückhaltend. Unter der etwas barschen, ungeduldigen Art ihres Fahrlehrers hat sie gelitten. Er ist kein Bösewicht. Aber ihm geht es oft viel zu langsam. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie noch weiter geübt, vor allem das Einparken. Sie wollte noch gar nicht in die Prüfung. Doch ihr Fahrlehrer macht einfach Schluss mit der Ausbildung, er meldet sie ohne Rücksprache zur praktischen Prüfung an. Sabine nimmt das hin, ärgert sich insgeheim. Auch nach der Prüfung hat ihr Fahrlehrer sich kaum mit ihr gefreut, sondern sie angemeckert: Sie hätten das Einparken doch so oft geübt. Da sollte „man“ doch keine Angst mehr haben. Und dann so ein jämmerliches Schauspiel, nur noch Schiss und Herumzittern, und das nach so vielen Stunden! Die verletzenden Worte haben sie tief getroffen.

Aber das alles ist jetzt Geschichte. Sabine beschließt, sich nur zu freuen, all die niederdrückenden Beiworte zu vergessen. Aber es gelingt ihr nicht ganz. Immer wieder kehrt die unerfreuliche Erinnerung zurück.

Ihr Freund will mehr
Ihr Freund hat auf dem Hof der Prüfstelle auf sie gewartet. Er gratuliert ihr und umarmt sie. Sein Auto steht in der Nähe geparkt. Sie wollen nun zu seinen Eltern fahren, mit ihnen zusammen den Führerschein feiern. Ihre Eltern sind ebenfalls dort. Als er das Auto aufschließt, kommt ihm eine Idee: „Du hast doch jetzt den Führerschein. Du könntest uns zu den Eltern fahren?“ Einladend zeigt er auf den Sitzplatz links vorne. Sabine erschrickt und zögert. Sie wollte erst in Ruhe feiern, die Sache überschlafen. Die Fahrprüfung hat sie erschöpft. Über so etwas wie den Plan ihres Freundes hat sie gar nicht nachgedacht. Er drängelt weiter: „Versuch’s doch, ich bin ja dabei. Du wirst sehen, es geht immer besser. Und am Schluss macht es sogar Spaß!“ Der Freund lockt, und ein bisschen kann sie ihn verstehen. Schließlich gibt sie nach, ihr Herz klopft. Sie fühlt sich dem Alleinfahren noch gar nicht gewachsen. Sie hat sich das eher später und sehr vorsichtig vorgestellt, auf keine Fall gleich nach der Prüfung. Weil der Freund nicht nachgibt, setzt sie sich schließlich ans Steuer.

Das fremde Auto
Sabine ist eingeschüchtert von dem fremden Auto. Sie wollen losfahren, dabei würgt sie ein paar Mal den Motor ab. Schließlich schafft sie das Anfahren, es kostet Kraft. Sie fühlt sich durch das fremde Auto sehr abgelenkt, sie verschaltet sich, achtet mit Mühe auf den Verkehr. Ihr Freund freut sich und jubelt beinahe, spinnt Pläne, wie sie am Wochenende Ausflüge machen, irgendwo aufs Land nach Brandenburg. Sabine bleibt sehr angespannt, sie würde lieber aufhören. Sie konzentriert sich mit aller Energie, damit ihr keine wesentlichen Informationen verloren gehen. Merkt aber mit Entsetzen, dass ihr wegen der scharfen Konzentration etwas schummrig wird. Am liebsten würde sie das Auto einfach irgendwo abstellen und selbst einfach abhauen.

Die Eltern warten schon, wollen sich mit freuen
Nun haben Sie die Wohnstraße erreicht, in der die Eltern ihres Freundes wohnen. Ihr Freund entdeckt diese auf dem Balkon ihrer Wohnung, zusammen mit den Eltern der Freundin. Dort stehen sie und winken ihnen zu. Sie wollen ja gleich den Führerschein feiern. Der Freund berichtet ihr das alles genau. Parklücke in Sicht, auf der rechten Seite. „Da“ – so der Freund – „kannst Du gleich noch zum guten Schluss einparken. Die Eltern würde es so freuen, wenn sie vom Balkon aus zu gucken könnten.“

Rückwärts einparken, das nicht auch noch
Sabine erschrickt. Sie war doch so erleichtert, dass gleich Schluss ist. Und jetzt noch eins drauf auf ihre Schwierigkeiten. Nein, das nicht auch noch! Wo das Einparken auch nicht in der Prüfung geklappt hat. Die jetzige Parklücke ist zu kurz, um vorwärts einzuparken, das hätte sie vielleicht noch geschafft. Aber rückwärts in die Lücke, das geht gar nicht. Das Herz klopft wieder mehr, sie schwitzt, merkt, dass sie die Kupplung kaum noch ruhig halten kann. Sie spürt dieselbe Gehirnlähmung wie in der Prüfung. Die ganzen Abläufe beim Parken sind weg. Sie stellt sich zögernd neben das vordere Auto. Zum Freund: „Ich kann nicht mehr. Ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll.“ Der Freund ist enttäuscht, fasst sich aber sofort: „Das schaffen wir schon. Ich sage Dir alles an, was Du jetzt tun musst. Das kriegen wir hin. Wir sagen den Eltern nichts davon.“ Nun redet er auf sie ein, ein wirrer Wortsalat. Sie versteht nichts, legt den Rückwärtsgang ein, gibt heftig Gas. Der Motor brüllt auf, in der Panik lässt sie die Kupplung los. Der Wagen macht einen kleinen Satz nach hinten. Nichts ist passiert, dort ist frei.  Der Freund ist erschrocken, redet noch mehr.

Verantwortung
Sabine versucht es noch einmal, lässt den Motor an. Doch nun erlebt sie einen positiven Impuls: So geht es nicht weiter! Das ist ja nur noch Qual, und letztlich gefährlich. Sie besinnt sich auf ihre Verantwortung, dass weiter nichts passieren darf. Vom Fenster, das offen ist, weht ein kühler Hauch. Sie atmet tief ein, das erfrischt!  Nun weiß sie, was zu tun ist. Sie spricht laut: „So geht das nicht weiter, ich höre auf!“ Sie zieht die Handbremse ganz fest hoch, schaltet den Motor aus, lässt die Kupplung los. Alles gut. Dann bedeckt Sabine mit beiden Händen ihre Ohren, um dem aufgeregten Gebabbel ihres Freundes zu entgehen.   Der hält erschrocken inne. Sabine sagt kurz zu ihrem Freund, sie wolle jetzt mal allein sein. Sie geht nicht mit ihm zu den Eltern hoch. Vorsichtig öffnet sie die Autotür, steigt aus, macht zu, geht weg. Endlich Ruhe. Die hat sie verdient, nach der Fahrprüfung.

Aufgaben

Was tun bei einer Gehirnlähmung?
Sabine erlebt schon in der Prüfung eine Art „Gehirnlähmung“, wodurch die ganzen Abläufe beim Parken im Gedächtnis weg sind. Dies wird gemeinhin auch mit „Blackout“ bezeichnet. Später kommt die Lähmung wieder, als ihr Freund von verlangt, in der Wohnstraße unter den Augen der Eltern einzuparken. Bitte informieren sich über Möglichkeiten der Hilfe und lesen Sie den Beitrag über Blackout beim Einparken, was können Sie tun?

Der positive Impuls
Sabine lässt sich lange von ihrem Freund zu der qualvollen Fahrt treiben, bis zur Erschöpfung. Sie hätte gleich und standhaft „nein!“ sagen müssen. Nach dem missglückten Einparkversuch erlebt sie einen positiven Impuls: Sie möchte aufhören. Und sie setzt ihr Vorhaben entschlossen in die Tat um. Wie hat sie das geschafft, so dass es doch noch zu der glücklichen Wende kam? Was wäre noch besser gewesen?

3) Paula kommt nicht in die Lücke rein

Paulas Ängste – Drängler
Paula, 32, ist Verwaltungsangestellte, verheiratet, hat zwei Kinder . Außerdem ist sie Angsthäsin mit Führerschein. Sie möchte mit mir in einer stillen Wohnstraße das Einparken rückwärts seitlich am Bordstein üben. Paula ist nervös, schaut unruhig, schaltet hektisch, bremst heftig, auch wenn es gemütlich ginge. Sie hat Angst vor einem Drängler, der hinten nah auffährt, sie nicht in Ruhe lässt. Es geht hier vor allem um die Parkplatzsuche, wo wir etwas langsamer fahren müssen, um etwaige Lücken zu erkennen und einzuschätzen. Dann wird bisweilen gedrängelt, aber nie richtig heftig. Paula nennt solche Menschen „böse“, wundert sich, dass diese nicht ein bisschen Mitleid mit ihr als Fahranfängerin haben. Hinweis: Auf dem Dach des Fahrschulautos thront ein Fahrschulschild.

Korrekturzüge
Das letzte Mal beim Einparken kam sie nur schwer in die Lücke. Sie war verzweifelt, weil sie nicht sofort reinkam, sondern sich in vielen Korrekturzügen verzettelte. Das ist eine weitere Angst: Sie fürchtet sich vor Korrekturzügen, möchte sofort, auf einmal in die Lücke kommen. Sie findet das beschämend, ein Beweis ihres Nichtkönnens, dass es nicht gleich klappt.

Wie kommen wir der Drängler-Angst bei?
Wir haben vor der Fahrt über ihre Ängste gesprochen. Ich nehme diese ernst. Aber ich habe auch versucht, ihr nahe zu bringen, dass sie diese Drängler überzeichnet. Sie sind nicht „böse“, wir können auch nicht mit ihrem Einfühlungsvermögen rechnen. Sie haben es schlicht und einfach eilig. Deshalb fahren sie manchmal ruppig und zu nah. Wenn wir ihnen Platz machen, zack, sind sie weg, und versuchen, weitere „Hindernisse“ aus dem Weg zu schaffen. Paula nimmt aber meine Rede kaum an. Etwas nachdenklicher wird sie allerdings, als ich auf das Beispiel vieler Angsthäsinnen zu sprechen komme: Diese haben sich schließlich alle an das lästige Drängler-Unwesen gewöhnt, beachten die Drängler nur noch, wenn nötig. Sie reagieren gleichgültiger.

Rettungsmaßnahme: Dem Drängler ausweichen
Befragt, was ihr denn vorschwebt, wenn ein  Drängler auftaucht, schlägt sie folgendes vor: Sie möchte gerne irgendwohin ausweichen, warten bis der vorbei ist. Gut, ich bin einverstanden. Das wäre eine Art Rettungsmaßnahme, warum nicht? Wir sprechen kurz über die Möglichkeiten. Am besten wäre seitlich eine sehr große Parklücke, oder eine sehr breite Aus- oder Einfahrt. Dort könnten wir jeweils vorwärts hinein fahren. Dann geht es los. Wir warten auf den nächsten Drängler, fahren bewusst langsam, blinken rechts, wie auf der Suche nach einem Parkplatz. Ich hoffe laut, dass der nächste Fahrer wirklich ein bisschen drängelt, und nicht gerade super nett mit Abstand hinter uns her schleicht. Darüber müssen wir beide lachen. Gott sei Dank taucht ein wenn auch harmloser Drängler auf. Doch Paula nimmt ihn ernst, sie ist schnell auf 6. Ich ermuntere sie, weiter laut zu sprechen und sich an unseren Plan zu halten. Und sie redet weiter, sieht eine große Lücke, schaut in den Innenspiegel, schön, bremst ein bisschen, und zieht langsam, sehr vorsichtig da hinein. Ich lobe sie, gut gemacht!

Was bringt die Übung „dem Drängler ausweichen“?
Paula findet sie hervorragend, weil sie die Drängler so immer los werden kann. Weitere Wirkung? Ich frage sie, ob dieser Drängler gerade wirklich böse oder mitleidslos war? Nein, so die Antwort. Aber er war halt eine Ausnahme. Darüber muss ich wieder lachen und verkünde ihr: Es wird noch weitere Ausnahmen geben. Ich verspreche ihr, dass wir diese Übung noch ein paar mal wiederholen. Denn sie hat ihr viel gebracht. Aber gibt es auch ein bisschen Kritik? Ja, das fällt ihr sofort ein: Wenn wir jedem Drängler ausweichen, dann wird unsere Fahrt wahrscheinlich länger dauern. Das findet sie nicht so schlimm. Dennoch: Ich nehme Paula das Versprechen ab, dass wir auch mal üben, einem Drängler durch innere Beruhigung stand zu halten.

Einparken – große Not
Inzwischen hat Paula eine schöne Parklücke für unsere Einpark-Übung gefunden, mehr als 6 m lang. Sie steht mit reichlich einem halben m Abstand neben dem vorderen Auto, Spiegel an Spiegel. Das und weitere Punkte für das erfolgreiche Einparken haben wir schon oft besprochen. Außerdem hat sich Paula den ganzen Ablauf zu Hause aufgeschrieben, das Schreiben mitgebracht, von mir korrigieren lassen. Hervorragend.

Sie schaut nach hinten, möchte ein wenig zurück ziehen. Ich frage sie, nach dem Stand ihrer Nervosität – 5! Ein bisschen viel. Befragt, warum, antwortet sie: Sie möchte so gern die Sache „erfolgreich“ durchziehen, d.h. ohne Korrekturzüge, elegant, sofort und richtig in die Lücke hinein. Ich bitte sie darauf, laut zu sagen: „Ich liebe Korrekturzüge“! Das kommt mir inzwischen alles zu hastig, ich hätte gerne noch ein bisschen gesprochen. Aber sie hat schon los gelegt mit dem Einparken. Sie fährt langsam zurück, bis das Heck des des vorderen Autos im hinteren Seitenfenster auftaucht. Noch ein bisschen weiter, so dass wir später ganz sicher am vorderen Auto vorbei lenken können. Gut. Aber jetzt kommt etwas, was wir nie besprochen haben. Sie sollte eigentlich nach dem Zurückfahren kurz Pause machen, sich erholen, laut sprechen, wie es weiter geht.

Statt dessen zieht sie weiter, stumm, fährt scharf nach rechts in die Lücke hinein. Und sie zieht immer weiter scharf nach rechts, weiter, ohne irgendwann dagegen zu lenken. Unser Fahrschulwagen läuft immer mehr beinahe senkrecht auf den Bordstein zu. So kommen wir leider nicht in die Lücke hinein`. Ich warte gespannt. Schließlich kommt sie heraus, verzweifelt: „Es geht nicht, ich kann es nicht, das werde ich nie lernen!“ Ich sehe Tränen in ihren Augen. Frage sie, was sie jetzt vorschlägt. Gut, sie ist dafür, die Handbremse zu ziehen, den Motor auszumachen. Wir stören dadurch niemanden. Ich bitte sie, mit mir zusammen auszusteigen, Luft zu holen.

Sie kennt den Ablauf beim Parken, wir haben ihn in den vorigen Stunden schon besprochen  und geübt. Es hat ganz noch nicht so gut geklappt. Sie weiß, dass es für sie wichtig ist, sich auf die Stärke ihrer Nervosität hin zu beobachten. Sie soll diese  (zwischen 1 uns 10) auf meine Nachfrage hin laut benennen. Als Rettungsmaßnahme, beim Auftauchen eines sehr störenden Dränglers haben

Der böse Drängler. Die schwere Lücke, korrigieren klappt nicht.
Welche Ängste belasten Paula? Zuerst das Auftauchen eines Dränglers, der immer näher fährt, sie damit bedroht und nicht in Ruhe lässt. Sie nennt solche Menschen „böse“, wundert sich, dass diese nicht einmal ein bisschen Mitleid mit ihr als Fahranfängerin haben (zur Erinnerung: Wir haben ja ein Fahrschulschild auf dem Dach). Eine weitere Angst gilt dem Vorgang des Einparkens. Sie fürchtet, die Lücke ist zu schwer, sie kommt nicht in die Lücke rein, muss immer wieder korrigieren, schämt sich, verliert den Mut und die Besinnung, richtet Schaden an.

Immer noch langsamer
Nun suchen wir in der Wohnstraße einen Parkplatz, um dort rückwärts einzuparken. Vorher bitte ich sie, mir zur Sicherheit den Vorgang zu schildern: Sie blinkt rechts, beobachtet nach hinten, fährt etwas langsamer, unter 30, um eine etwaige Lücke rechtzeitig zu erkennen. Sollte diese auftauchen, beobachtet sie weiter, fährt noch langsamer. Kurz vor der Lücke beobachtet sie wieder, fährt ganz langsam, bleibt sogar kurz daneben stehen, um in Ruhe einzuschätzen, ob sie geeignet ist. Wenn ja, fährt sie vor, bis zur Position „Spiegel an Spiegel“ bleibt hier stehen.

Schon zu Beginn auf 5
Zu Beginn auf den Stand ihrer Nervosität befragt, gibt sie schon die 5 an. Das ist allerdings nicht wenig.  Warum so hoch? Sie erklärt das so: Sie hat Angst vor dem womöglich erforderlichen, immer langsameren Fahren, und dann mit einem Drängler hinter ihr. Im Augenblick ist allerdings noch alles frei hinter uns. So ist das mit der Angst. Paula hat Angst vor der Angst. Nun geht es los. Paula sucht einen Parkplatz. Sie blinkt rechts, fährt etwas langsamer,  ist ängstlich, freut sich, dass hinter ihr noch alles frei ist. Ich bin skeptisch.

Ein Drängler taucht auf
Und schon taucht hinter uns ein Pkw-Fahrer auf. Überholen geht schlecht, die Wohnstraße ist eng. Der Fahrer kommt näher, drängelt. Nicht sehr, aber er hält auch keinen superhöflichen Abstand ein. Paula gerät in Aufregung. Sie redet über den Drängler und spricht zu ihm, als ob er sie hören könnte. Sie fragt und bittet ihn beinahe flehentlich, er möge doch nicht so nahe heran fahren, sondern „netter“ sein und ihre Schwierigkeiten als Anfängerin am Steuer „nachempfinden“. Wir fahren ja den Fahrschulwagen mit deutlich sichtbarem Fahrschulschild.

Der Drängler ist „böse“
Eine mögliche Parklücke kommt in Sicht, wir müssen noch langsamer fahren, um die Lücke genauer einzuschätzen und, wenn passend, dort anzuhalten. Der Drängler zieht wieder näher, tänzelt nach links und dann rechts zurück. Das merkt Paula, sie ist enttäuscht und verwirrt, spricht davon, der Drängler sei „böse“. Der Druck auf Paula steigt. Sie wird noch nervöser, die Hände zittern, die ruhige, allseitige Aufmerksamkeit ist weg, der Blick fixiert den Innenspiegel, in dem der Drängler schon sehr nah zu sehen ist. Sozusagen Tunnelblick nach hinten. Das Tempo unseres Fahrschulwagens wechselt ruckhaft von etwas schneller zu langsam. Paulas Beinmuskulatur verkrampft immer mehr. Nun ist ein Punkt erreicht, ab dem es zu Fehlverhalten kommen könnte, beispielsweise zu heftigem Bremsen oder Gas geben, wegen der krampfenden Muskeln.

Paula ist auf 8. Ich muss eingreifen
Ich frage Paula, wie stark ihre Nervosität ist (auf einer Skala von 1 – 10). Die Selbstbeobachtung wegen der Höhe ihrer Nervosität funktioniert noch. Ihre Antwort: „8“. Mit der Antwort ist klar, dass sie kurz davor steht, die Kontrolle über den Vorgang zu verlieren. Das genügt. Ich kündige einen sachten Eingriff  an, bitte sie, alles loszulassen und lenke uns vorsichtig in eine rechts befindliche, breite Einfahrt. Der Drängler zieht mit viel Motorenlärm ab. Von der Einfahrt aus können wir jederzeit weiter fahren. Vorher aber gibt es noch einiges zu besprechen.

Rettungsmaßnahmen selbst durchführen
Ich frage Paula, wie es ihr geht? Schlecht, aber schon wieder ein bisschen besser. Dann lobe ich sie, dass ihr trotz der Anspannung die Selbstbeobachtung gelungen ist, so dass sie mir Auskunft über die Höhe ihrer Nervosität geben konnte: 8, also sehr hoch. Anschließend sind wir dann unter meiner Führung in die Einfahrt gefahren. Nun meine Frage: Ob sie diese Rettungsmaßnahme nach hoher Nervosität in Zukunft selbst unternehmen könnte? Das verspricht sie. Sie soll ja in Zukunft allein mit der Nervosität zurecht kommen. Solche Zusammenhänge sollten künftig Routine werden: Selbstbeobachtung in einer Angst erzeugenden Situation – hohe Nervosität bei 8 – lautes Ansprechen der Nervosität – nächster Plan: Rettungsmaßnahme, Ausweichen nach rechts in die Einfahrt. Wenn sie auch ihre Pläne laut anspricht, dann ergibt sich ein weiterer Vorteil, dass ich als Mitverantwortlicher rechtzeitig davon erfahre.

Wir üben „Rettungsmaßnahme“
Ihre Antwort: Ja, das würde sie gerne versuchen. Wir sprechen dies ab, sie soll die Sache erst einmal im Zusammenhang üben, ohne Belastung. Zur Kontrolle schiebe ich eine entsprechende Übungssequenz „Rettungsmaßnahmen“ ein. Irgendwann sage ich oder sagt sie „8“, dann beginnt sie eine breite Ausfahrt oder einen sehr großen Parkplatz für das Einparken rechts vorwärts zu suchen. Einmal taucht dann sogar ein Autofahrer hinter uns auf, eigentlich ganz harmlos, ohne nerviges Gedrängel. Paula sagt dennoch „8“, sucht eine Ausweichmöglichkeit, es klappt. Wir müssen beide lachen.  Das ist der Durchbruch.

Nervosität in der Angstsituation mildern
Wir üben auch weitere Routinen der Angstbewältigung. Denn mit den vorher geschilderten Rettungsmaßnahmen würde die Angsthäsin dem Einparken immer nur ausweichen. Wir wollen aber auch mal einparken, trotz erhöhter Nervosität wegen eines Dränglers. Nun sind Maßnahmen gefragt, die beruhigen und die Nervosität mildern, so  dass diese auf einem harmloseren Niveau  bleiben. Die Angstsituation „Drängler hinter uns“ sollte damit erträglich bleiben.

Hilfsmöglichkeiten gegen die starke Nervosität
Zu den Routinen der Nervositäts-Milderung gehören das schon erwähnte laute Sprechen über die Höhe der Nervosität, und weitere Planung, dann das bewusste, lebhafte Schauen in alle Richtungen, schließlich auch die Progressive Muskelentspannung (PME). Diese Maßnahmen helfen gegen die blockierenden Symptome wie den Tunnelblick nach hinten oder den Muskelkrampf. Besonders das laute Sprechen erweist sich in diesen angstbeladenen Situationen als segensreich. Es objektiviert das Verhältnis zur Angst, beruhigt den Atem. Paula kennt all diese Maßnahmen schon so etwa. Jetzt aber müssen wir diese gezielt üben und in Angstsituationen einsetzen, damit sie Routine werden. Gerade wenn der Drängler sehr nahe heran fährt, sollten wir nicht fixiert im Tunnelblick nach hinten, sondern lebhaft schauen, zwar nach hinten, sicher, aber auch locker in andere Richtungen. Damit signalisieren wir dem Angstzentrum: „He, es ist alles in Ordnung, ich kann locker schauen, ich muss nicht den Drängler fixieren!“

Paula macht diese Entspannungsübungen mit großer Freude mit. Sie fühlt sich gestärkter in Problemsituationen. Dennoch bleibt noch ein Hindernis anzugehen – ihre Haltung gegenüber dem Drängler.

Den Drängler „cooler“ einschätzen
Wir sprechen über ihre Haltung gegenüber dem Drängler. Diese muss „cooler“ oder gleichmütiger werden. Flehentliche Bitten um „Verständnis“ oder Beschimpfungen, er sei „böse“ sind  sind fehl am Platz. Das gilt auch für das fixierte Blicken auf den Drängler im Innenspiegel. All das schürt nur die Aufregung. Aber wie erreicht sie das, mehr Gleichmut, angesichts des Dränglers? Und nicht nur Paula, sondern auch Sie, Angsthäsin, die diese Zeilen gerade liest?

Den Drängler gleichmütiger nehmen
Betrachten wir den Drängler nüchtern. Er hat keinerlei Verständnis für Sie, stimmt. Er ist aber auch nicht „böse“. Er hat es schlicht und einfach eilig, möchte, dass Sie schneller fahren oder einfach verschwinden. Sie sind ein lästiges Hindernis. Er hat nichts gegen Sie, will einfach vorbei. Anschließend setzt er jemand anderen unter Druck. Das ist lästig. Aber bei dem langsamen Tempo ist das kaum gefährlich. Wenn Sie jetzt nachgeben und seitlich irgendwo ausweichen, dann ist er weg, ohne über Sie nachzudenken. Wenn das alles wäre, könnte man ihn ruhig vorbeilassen. Aber wie sieht es dann mit Ihrem Ziel aus? Eigentlich wollten Sie ja einparken und dazu einen geeigneten Parkplatz suchen. Und nicht nur anderen ausweichen. Sie haben das Recht, in Ruhe und langsam einen Parkplatz zu suchen. Sie dürfen bei der Parkplatzsuche die Fahrer hinter Ihnen einschließlich Dränglern behindern. Ist ein Drängler dabei, muss er es aushalten. Umso schneller geht die kleine Behinderung zu Ende. Gewöhnen Sie sich daran, Sie behindern manchmal, oder andere behindern Sie.

Behinderungen sind allgegenwärtig
Überall im Straßenverkehr gibt es kleine oder größere Behinderungen. Diesen etwaigen Frust muss jeder Autofahrer aushalten. Umgekehrt – Sie halten den Frust und das Gedrängel möglicher Drängler aus. Bekennen Sie sich dazu: Sie behindern halt manchmal, das ist normal. Stehen Sie dazu.

Alle Angsthäsinnen lernen zu behindern. Langsameres Fahren bedeutet mehr Sicherheit
Zum Trost für Sie: Zu Anfang fällt es Ihnen wahrscheinlich schwer, einen Drängler zu behindern. So geht es vielen Angsthäsinnen in der Frühphase der Betreuung. Aber dann, oh Wunder, werden Sie gleichgültiger, lassen alle möglichen Drängler hinter uns ihr Kasperletheater treiben. Es interessiert nur noch mäßig, was diese Leute wollen oder tun.  Sie haben sich an Drängler gewöhnt, beachten diese nur noch am Rande. Oft ist es so, dass Sie durch langsames Fahren auch die größere Sicherheit herstellen. Seien Sie verantwortlich, stehen Sie zu Ihrem Fahrstil!

Paulas Beruhigungsrede
Wir überlegen gemeinsam, was Paula in dieser für sie aufgeladenen Situation denken und laut sagen könnte. Nicht laut um Verständnis bitten oder mit dem Drängler schimpfen, er sei böse. Das bringt es nicht. Sondern Ihre eigene nervliche Situation ansprechen, sich beruhigen. Gefasst und freundlich zum eigenen Fahrstil stehen. Anschließend weitere Schritte planen, um erfolgreich einzuparken.
„Ich bin nervös, auf 6. Ich suche einen Parkplatz. Das ist anstrengend. Hinter mir fährt ein Drängler, etwas nah. Das macht mich noch nervöser. Ich beruhige mich. Ich schaffe das. Ich atme langsamer, schaue in die Spiegel und nach vorne, das tut mir gut. Ich fahre langsamer, damit bin ich sicher, kann die Lücke gut erkennen und rechtzeitig bremsen. Da sehe ich eine Lücke. Ich schaue nach hinten, bremse ein bisschen, das ist wichtig, damit ich mir die Lücke in Ruhe anschauen kann. Der Drängler kommt näher, soll er doch. Jetzt ist die Lücke da, ich atme wieder ruhig, schaue, bleibe neben der Lücke stehen. Herrlich, die Lücke ist lang genug. Ich bin jetzt nur noch auf 4. Ich ziehe ganz langsam noch ein bisschen vor, stehe Spiegel an Spiegel neben dem vorderen Auto, halte schönen Abstand. Uff, die erste Etappe ist geschafft. Super! Ich bin nur noch auf 3. Und der Drängler hat wunderbarerweise genug Abstand gehalten. Das ist gut. Nun muss ich trotzdem in Ruhe weitermachen, mich nicht hetzen lassen. Erst einmal überlegen, wie es weiter geht.“

Paula hat es weiter geschafft
Hier ist Paulas Drängler-Geschichte zu Ende. Sie hat auch die weiteren Schwierigkeiten während der Betreuung geschafft: Sie hat gelernt, beim Fahrstreifenwechsel im dichten Verkehr einigermaßen Ruhe zu behalten, desgleichen auf großen Kreuzungen oder beim Einfädeln in die schnell befahrene Autobahn. Auch das selbständige Fahren haben wir vorbereitet. Am Schluss musste ich sie zum Alleinfahren ziehen lassen. So ist es immer – ein bisschen Wehmut. Aber auch Freude. Paulas Wunsch war es, beim Urlaub mit ihrem Mann diesen auch mal ablösen zu können. Außerdem das Auto im Alltag gelegentlich zu benutzen, beispielsweise zum Großeinkauf am Wochenende.

4. Elektronische Assistenten für das Einparken

5. Aufgaben

Hier am Schluss des Beitrags erhalten Sie Aufgaben gestellt, die Sie beim Thema Einparken weiter bringen sollen. Diese sind nicht gefährlich. Sie erhalten dort Fragen zu sozialen Problemen, die bei der Betreuung eine Rolle spielen. Wie im obigen Fall Marianne, die entgegen Ihrem Wunsch sich dann doch vom Freund überreden ließ, das Fahren zu üben, trotz ihrer Angst. Oder Fragen zum Umgang mit Angst und Nervosität. Oder Fragen zur Bedienung des Pkw beim Einparken. Oder Aufgaben, sich in ein geparktes Auto zu setzen, das Blicken nach hinten zu üben.

Aufgabe: Schutz und Kompetenz?
Sie fühlen sich ängstlich im Straßenverkehr. Bitte überlegen Sie: Wer kann Ihnen Schutz und Kompetenz bieten bei Fahrten im Straßenverkehr?

Freund oder Partner?
Fahrlehrer?
Angsthasenfahrlehrer?

Aufgabe: Rollenspiel

Sie sollten sich auf die gerade geschilderte Situation vorbereiten. Menschen aus Ihrem engen sozialen Umfeld, die von Ihrer Ängstlichkeit wissen, haben den Plan gefasst, sie „mir nichts dir nichts“  von Ihrer Angst zu befreien. Das wäre dann ein kleiner Triumpf. Hintergrund bei diesen Leuten ist, dass sie Ihre Ängste gar nicht ernst nehmen. Wichtig ist, dass Sie sich auf diese Situation vorbereiten. Suchen Sie jemanden, dem Sie vertrauen, und üben Sie im Rollenspiel mit ihm/ihr die oben geschilderte Situation. Lehnen Sie die  Zumutungen klar ab, ohne viel zu argumentieren. Lassen Sie sich nicht soweit bringen, ins Auto zu steigen.  Besprechen Sie nach jedem Rollenspiel, ob Sie bestimmt genug waren. Sie sollten auch mal die Rollen tauschen: Sie spielen den überredenden Freund, Ihre Vertraute spielt Sie.

Aufgabe: Unterstützer suchen
Sie sollten sich Unterstützer/innen in Ihrem Umfeld suchen, die Ihnen angesichts der geballten Übermacht der „anderen“ hilfreich zur Seite stehen.  Vor allem, wenn Sie unsicher sind, und durch andere unter Druck geraten. Liebe, verständnisvolle Menschen,  die Sie in ihrem langsamen, sehr vorsichtigen Fahrstil bestärken, Sie in Ihrer Fahrweise verteidigen. Verstehen Sie mich recht: Diese sollten nicht „extra“ mit Ihnen bei Fahrten mitfahren. Wenn sich das so ergibt, dann ist es natürlich ok. Gemeint sind vor allem Situationen, bei denen Sie mit jemandem sprechen wollen, der Verständnis für Sie hat. Vielleicht nach einem besonders aufregenden Vorfall im Straßenverkehr. Wer käme dafür in Betracht? Stellen Sie eine kleine Liste zusammen. Sprechen Sie mit diesen vertrauten Menschen.

 

Beachten Sie bitte im   zu Beginn die grün markierten Buchsarkvorgang eine jeweilige Pause an! An dieser Stelle sollten Sie , sich entspannen, ein bisschen um sich schaue, vieht sogar kurz aussteigen (!), frische Luft atmen und sich die Lage von außen betrachten. Bitte üben Sie ein paar Mal dieses häufige Pausieren während des Einparkvorgangs mit Ihrem Angsthasenfahrlehrer. Sie werden überrascht und angetan sein, wie gut Ihnen die neue Gewohnheit tut, während des Parkvorgangs langsam zu fahren, Pause zu machen, Luft zu holen, in Ruhe zu beobachten. Durch das sehr ruhige Fahren mit Pause und Beobachtung klappt alles viel besser, Sie kommen gut in die Lücke hinein und sind sicher, nichts übersehen zu haben. Dadurch sinkt aber Ihre Angst vor dem Vorgang des Einparkens. Sie haben die Sache unter Kontrolle.  So wie es in der Überschrift heißt: Einparken – ruhig,  gekonnt und sicher.

Damit die neue Gewohnheit des Pausemachens Ihnen erhalten bleibt und ihre wohltätige Wirkung für Sie weiter entfaltet, sollten Sie fünf Punkte beachten:

  1. Einbindung: Verflechten und koppeln Sie Ihre Kurzpausen mit den einzelnen Etappen beim Einparken, so, wie ich es hier in Bild und Text beschrieben habe. Nach dem Motto „wer a sagt, muss auch b sagen.“
  2. Einfachheit: Die neue Gewohnheit ist vom Ablauf her einfach, nicht kompliziert. Sie leuchtet unmittelbar ein. Jedesmal nach einer Kurzetappe beim Einparken halten Sie an, erholen sich und beobachten ein bisschen. Wichtig ist dabei, laut zu sprechen, auch über die eigene Nervosität, und zu planen, wie es weiter geht.
  3. Gewohnheit: Eine Gewohnheit wird erst dadurch zur selbstverständlichen Routine, wenn sie x-mal erfolgreich wiederholt wird. Dann müssen sie nicht mehr darüber nachdenken, sie läuft von allein. Sie profitieren von ihr, einfach so, ganz nebenbei. Nun werden Sie fragen: Wie oft ist x-mal? Es kommt ja auch darauf an, dass die Gewohnheit noch unter Stress funktioniert. Aufgrund meiner eigenen Erfahrung mit Angsthäsinnen schätze ich: 30 bis 40 mal.
  4. Wohltat: das Einparken dauert mit den vielen Kurzpausen länger. Manche Angsthäsinnen haben so, mit Einhalten der empfohlenen Pausen, mehr als eine Viertelstunde gebraucht, bis sie endgültig in der Parklücke standen. Na und – sie waren hinterher glücklich, denn kein einziges Mal bei diesem Vorgang hatten sie Angst, nervös zu werden und etwas zu übersehen. Der Einparkvergang verlief ohne Angst, bewusst, konzentriert, sicher. Irgendwann durch mehr Übung wird sich diese Zeit sicher noch verkürzen. Aber das ist nicht das eigentliche Ziel. Ziel ist, jeden Meter beim Einparken ohne Nervosität, ruhig, erfolgreich und sicher zu fahren.
  5. Abgrenzung: Der Mensch neigt zur Herdenbildung. Das ist in Ordnung und hat sich durch die Menschheitsgeschichte als erfolgreich erwiesen.  Dennoch, als Angsthäsin misstrauen Sie zu Recht den gut gemeinten Ratschlägen geübter Autofahrer. Diese würden von Kurzpausen beim Einparken gar nichts halten. Beim Angsthasentreffen begegnen Sie wahrscheinlich zum ersten Mal einer Gruppe von Gleichgesinnten, alles Angsthäsinnen mit Fahrängsten. Diese Menschen verstehen und trösten  sich untereinander. Niemand stellt an Sie unerfüllbare Forderungen. Diesen Menschen können Sie trauen, und natürlich Ihrem Angsthasenfahrlehrer. Sie brauchen in Ihrem sozialen Umfeld auf jeden Fall weitere Unterstützung. Sprechen Sie mit „Ihren“ Leuten, schildern Sie ihre Lage, fordern Sie nachdrücklich ?????? ein.

Und was ist mit den von der Angsthäsin so gefürchteten Korrekturzügen? Damit ist sie übrigens nicht allein. Viele fürchten sich vor Fehlern, die die Korrekturzügen nötig machen Dann würden allerdings hunderttausenden Autofahrern beim Einparken solche Fehler passieren.

Wir üben auch solche genannten „Fehler“: Bewusst herbei geführte Falschstellungen beim Einparken, die Korrekturzüge oder einen völligen Neuanfang beim Einparken erfordern. Das ist sozusagen eine sehr menschliche Philosophie: Wir möchten gern und in jeder Lage richtig handeln, schaffen das aber nicht immer. Wir üben daher auch den Umgang mit dem vermeintlichen „Fehler“. Ziel ist natürlich, die Angst vor Fehlern und vor Behinderung anderer zu mildern. Haben wir diese neue Gewohnheit gelernt, wird uns wohl, denn wir haben wieder ein kleines Schrittchen gemacht auf dem Weg zu weniger Angst, zu mehr Gelassenheit und Kontrolle.

Bitte verstehen Sie mich recht: Ich würde den Wunsch der oben zitierten Angsthäsin respektieren, mit ihr das richtige, korrekte, gekonnte Einparken in die Lücke üben. Meinetwegen auch ohne Korrekturzüge. Sie finden in weiteren Beiträgen unter dem Menüpunkt Einparken genug Beispiele und Abläufe, was beim Einparken zu beachten ist, um gekonnt, „sofort, ohne hin und her zu fahren“, in die Lücke zu kommen.

Wir begeben uns aber auch in Angst auslösende Situationen, wie beispielsweise langsam einzuparken mit Pause, oder Fehlstellungen anzufahren und diese anschließend zu korrigieren. Man nennt dieses Verhalten mit einem Fremdwort „Konfrontation“, Konfrontation mit der Angst auslösenden Situation. Diese Situationen haben Sie lange aus Angst gemieden. Nun erlernen Sie neue Gewohnheiten, gehen mit der Angst um, werden weniger ängstlich, gelassener, ruhiger. Daher klappt das Einparken wieder besser, Sie fühlen sich mit den neuen Gewohnheiten sicher.

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhalt

Der Spruch stammt von einer Angsthäsin, die eifrig bei der Sache war, aber Angst vor Korrekturzügen hatte. Er ist ein bisschen typisch für jemanden mit Angst vor dem Einparken. Für einen geübten Autofahrer wäre der Spruch erstaunlich. Dessen größter Wunsch ist es, überhaupt und schnell eine Parklücke zu finden. Und dann rein in die Lücke, ob mit oder ohne „hin und her zu fahren“. Das ist alles so egal, der Parkvorgang verläuft locker und schnell. Hauptsache, das Auto steht in der Lücke.

Welche Haltung, oder genauer: Welche Angstgedanken stecken hinter dem oben zitierten Spruch der Angsthäsin? Es ist erstens die Furcht, bloß niemand anderen auf der Fahrbahn durch Korrekturzüge zu behindern. Und zweitens die Sorge, sich vor anderen durch Korrekturzüge  zu blamieren, schämen zu müssen, weil die Betroffene es nicht kann. Korrekturzüge sind nach Meinung vieler Angsthäsinnen „Fehler“.

Während der geübte Autofahrer locker und fix in seine Lücke fährt, mit oder ohne Korrekturzüge, wird es für die Angsthäsin kompliziert und zeitraubend: Schon der eigentliche Parkvorgang erfordert viel umständliche Gedankenarbeit: Wie weit muss ich jetzt fahren, wann lenke ich wohin ein, wohin muss ich das Lenkrad überhaupt drehen? Das dauert halt ein bisschen. Druck und Anspannung lässt die Angsthäsin verkrampfen, dadurch steigt die Angst, falsche Fahrzüge stellen sich ein, dadurch werden Korrekturzüge nötig. Da diese nicht erwünscht sind, vergrößert sich die Angst. Die Betroffene verheddert sich in unerwünschten Korrekturzügen, atmet heftig, das Herz schlägt, die innere Hitze steigt, die Konzentration nimmt ab, Tunnelblick stellt sich ein, die Muskeln verkrampfen – Folgen der größeren Angst. Nun klappt wahrscheinlich gar nichts mehr. Ein Teufelskreis der Angst. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu einer nervlichen Blockade, zu Fehlverhalten, einem kleinen Blechunfall oder sogar einer leichten Schädigung eines Fußgängers kommen. Am meisten bei den Angsthasentreffen werden Blechunfälle genannt.

Freunde oder Verwandte der Angsthäsin raten ihr vielleicht dringend: „Vergiss Deine Angst, bleib locker, zieh doch einfach rein in die Parklücke! Du wirst sehen, wenn das ein paar mal geklappt hat, geht es von ganz allein!“

Zwar könnte die Mahnung, locker zu fahren, nicht an die Angst zu denken, ein Ziel sein. Aber ein Fernziel. Das können wir nicht „einfach so“ erreichen. Zu Beginn der Betreuung müssen wir einen komplizierten, anstrengenden Umweg gehen. Der ist unser Nahziel. Wir vergessen die Angst nicht, das geht schon gar nicht. Wir lernen mit der Angst umzugehen. Das ist der Umweg.

Was folgt daraus? Etwa Angst vor dem Behindern, Angst vor Korrekturzügen? Nein, gerade nicht. Wenn ich vor etwas Angst habe, dann sollte ich den Umgang damit üben. Wenn ich Angst davor habe, andere zu behindern, dann sollte ich lernen, wenn nötig, andere zu behindern, Korrekturzüge einzusetzen, die Angst auszuhalten, zu mildern. Man nennt dieses förderliche Verhalten mit einem Fremdwort „Konfrontation“. Das bedeutet, sich in die angstauslösende Situation hinein zu begeben, zu lernen, die Angst auszuhalten, mit der Angst umzugehen, die Angst zu mildern und zu senken, so dass Sie wieder die Kontrolle über sich und Ihr Verhalten im Verkehr gewinnen.

Bitte verstehen Sie mich recht: Ich würde den Wunsch der oben zitierten Angsthäsin respektieren, mit ihr das richtige, korrekte, gekonnte Einparken in die Lücke üben. Meinetwegen auch ohne Korrekturzüge. Sie finden in weiteren Beiträgen unter dem Menüpunkt Einparken genug Beispiele und Abläufe, was beim Einparken zu beachten ist, um gekonnt, „sofort, ohne hin und her zu fahren“, in die Lücke zu kommen. Wir üben das Richtige.

Wir üben aber auch so genannte „Fehler“: Bewusst herbei geführte Falschstellungen beim Einparken, die Korrekturzüge erfordern. Das ist sozusagen eine sehr menschliche Philosophie: Wir möchten gern und in jeder Lage richtig handeln, schaffen das aber nicht immer. Wir üben daher auch den Umgang mit dem vermeintlichen „Fehler“. Ziel ist natürlich, die Angst vor Fehlern und vor Behinderung anderer zu mildern.

Nach Jahren der Fahrvermeidung wegen Ihrer Ängste sind Angsthäsinnen klug geworden. Sie haben gelernt, dass Sie mit der Fahrvermeidung nicht weiter kommen. Im Gegenteil, damit wird alles nur schlimmer, sozusagen versteinert. Sie brauchen und suchen eine Profi-Hilfsperson, die sie bei der Bewältigung Ihrer Fahrängste schützen kann (= Fahrlehrer, mit Fahrschulwagen), und die auch kompetent im Umgang mit Ängsten ist (= Angsthasenfahrlehrer).

Oberstes Gebot beim Programm zur Bewältigung der Fahrängste ist die Verkehrssicherheit. Die Betroffene sollte ihre überschießenden Angstreaktionen dämpfen und kontrollieren können. Letztlich ist die Angsthäsin ja verantwortlich für die Fahrt, so dass kein Schaden entsteht. Parkübungen mit bewusster Fehlstellung und Korrekturzügen sind zu Anfang wahrscheinlich viel zu überfordernd, überschwemmen die Betroffene mit Angst. Dabei kann es zu Fehlverhalten kommen, das ich als Angsthasenfahrlehrer zwar auffangen kann und muss. Besser wäre es, solche Parkübungen mit bewusster Fehlstellung und Korrekturzügen erst bei größerer Sicherheit in der Angstbewältigung abzuhalten. Dann sollte die oben zitierte Betroffene durch viele einleuchtende Schritte bei der Angstbewältigung solche Übungen mit einem guten Gefühl angehen wollen, dass die Sache gelingt.

Übungen und Training zur Bewältigung der Angst und ihrer Reaktionen gibt es genügende, sehr sinnvolle: Wir sprechen vernünftig über die Angstgedanken, wir mildern die heftigen, blockierenden Symptome durch innere Beobachtung und lautes Kommunizieren über die Angs, wir begeben uns bewusst in Fehlersituationen – wie gerade beschrieben -, versuchen diese zu korrigieren. Zu Beginn und am wichtigsten aber sind Rettungsmaßnahmen, damit es nicht zu Kontrollverlust und Unfall kommt.

Hier bekommen Sie Tipps für das gekonnte, ruhige und sichere Einparken.  Diese drei Eigenschaftswörtchen sind wichtig: nötigen Routinen, fahren langsam genug, haben die Fahrlinie

Der Spruch oben stammt von einer Angsthäsin.

Der Spruch oben stammt von einer Angsthäsin. Er ist ein bisschen typisch für jemanden mit Angst beim Parken. Für einen geübten Autofahrer ist der Spruch erstaunlich. Dessen größer Wunsch ist es, überhaupt und schnell eine Parklücke zu finden. Und dann rein in die Lücke, ob mit oder ohne „hin und her zu fahren“. Das ist alles so egal, der Parkvorgang verläuft locker und schnell. Hauptsache, das Auto steht in der Lücke.

    • Gekonntes Einparken heißt, Sie schätzen die Lücke ein, Sie beherrschen die nötigen Routinen, fahren langsam genug, haben die Fahrlinie im Kopf (s. Bild oben, grün markiert), wissen, wohin Sie zu lenken haben, beobachten gut, schätzen die Räume richtig ein.
    • Ruhiges Einparken heißt, Einparken ohne Angst, Nervosität, Hektik, mit Gelassenheit und eher langsam, mit kleinen Pausen zwischendurch, um sich zu vergewissern, ob alles in Ordnung ist. Sie beobachten Ihre innere Verfasstheit, achten auf sich, können die nötigen Gegenmaßnahmen einleiten, wenn es mal innerlich brenzlig wird. Solange Sie die nervliche Kontrolle behalten, werden Sie beim Einparken erfolgreich sein. Erscheinen Drängler auf der Bildfläche, geben Sie eventuell nach, suchen sich halt einen anderen Parkplatz. Besser so, als unter Stress einzuparken.
    • Sicheres Einparken heißt, Sie fahren ruhig und vorsichtig,  beobachten umfassend Hindernisse und Verkehrsteilnehmer, achten vor allem auf Verkehrssicherheit.

Inhalt

  1. Konfrontieren Sie sich mit der Angst.
    Nützliche Hinweise zum Beitrag Einparken
  2. Unglaublich viele Arten, einzuparken.
    Wir konzentrieren uns auf die wichtigen Arten, einzuparken
  3. Ist es wichtig, „auf einmal“ in die Lücke hinein zu kommen?
  4. Einparken rückwärts rechts längs
  5. Einparken vorwärts rechts längs
  6. Einparken rückwärts rechts quer
  7. Einparken rückwärts links quer
  8. Einparken vorwärts rechts quer
  9. Zusammenfassung
  10. Aufgaben
  11. Nützliche Links

1. Konfrontieren Sie sich mit der Angst.
Nützliche Hinweise zum Thema Einparken

Der Sinn des Beitrags
Viele Angsthäsinnen klagen über Schwierigkeiten beim Einparken. Sie finden den Vorgang schon kompliziert genug, an den anderen Autos vorbei in die Lücke zu finden, den Kopf überall zu haben, nichts zu übersehen, ohne dabei Schaden anzurichten. Sie fürchten Druck durch andere Autofahrer, so dass Hektik aufkommt, Übersicht und Kontrolle verloren gehen.  Insgesamt schätzen sie ihre Fähigkeiten beim Einparken eher als gering ein. Daher stimmt es einerseits, dass das Einparken für sie schwierig ist.

Mit Feuereifer beim Einparken
Andererseits sind sie beim praktischen Training mit Feuereifer bei der Sache, möchten das Einparken von Grund auf wieder lernen, dazu die jeweils nötige Kontrolle über Angst und Nervosität. Das finde ich als Angsthasenfahrlehrer wieder schön. Es ist eine Haltung, mit der sich erfolgreich weiter arbeiten lässt! Der Beitrag hier kann Sie dabei unterstützen. Sie erhalten einen Überblick über die Abläufe beim Parken. Und Sie erfahren, wie Sie sich bei jeder einzelnen Etappe im Parkvorgang  beruhigen und Kontrolle verschaffen können.

Beginn mit dem Schwierigen: Rückwärts rechts längs einparken
Im Bildbeispiel oben sehen Sie in einer Schemazeichnung das Einparken rückwärts rechts, dazu längs, parallel oder seitlich zum Bordstein. Ich kürze in Zukunft ab „Einparken rückwärts rechts längs“. Mit dieser Art einzuparken beginne ich den nachfolgenden Beitrag. Denn so müssen Sie im Stadtverkehr oft einparken, wenn Sie auch kürzere Parklücken ausnützen wollen. Diesen Vorgang sollten Sie  gut beherrschen. Ich weiß aus vielen Erzählungen, dass Angsthäsinnen diesen Parkvorgang geradezu meiden, weil er als „schwierig“ gilt.  Und weil sie überdies noch fürchten, durch einen Drängler unter Druck zu geraten, in Hektik und Nervosität etwas zu übersehen, womöglich einen Unfall zu verschulden. Wir sollten gerade aus diesen Gründen das Schwierige und Nerven Anspannende versuchen. Das wird Ihnen gut tun! Mit einem Fremdwort nennen wir das „Konfrontation“, zu lernen, mit der belastenden Situation umzugehen.

Einparken nicht nur rückwärts, sondern auch vorwärts
Zur Erholung gibt’s im selben Beitrag noch ein Kapitel über ein leichteres Einparken: Nicht rückwärts, sondern vorwärts rechts parallel zum Bordstein. Angsthäsinnen lieben diese Art, einzuparken, denn der Vorgang ist bedeutend einfacher. Allerdings ist dazu ein wesentlich längerer Platz erforderlich. Statt der sonst üblichen 6 m sind es hier 8 m. Solch schön langen Parkplätze sind aber im Stadtverkehr nicht gerade reichlich zu finden. Von vielen Angsthäsinnen habe ich schon Geschichten gehört, wie sie aus Angst vor dem „schwierigen“ Einparken rückwärts lieber stundenlang weiter gefahren und einen „leichteren“ Parkplatz zum Einparken vorwärts gesucht haben.

Konfrontieren Sie sich mit Ihrer Angst
Sie sollten beim Parkvorgang zwei Dinge üben: Das Einparken rückwärts rechts längs; und den Umgang mit Ihrer Angst, wenn ein anderer Fahrer hinter Ihnen auftaucht, und Sie in der Hektik nervös werden und die Kontrolle womöglich verloren geht. 

Unglaublich viele Arten, einzuparken
Ich werde hier im Beitrag nicht nur das Einparken rückwärts rechts längs behandeln. Sondern auch weitere Arten einzuparken, die in der Praxis  wichtig sind, oder auch den Angsthäsinnen wichtig. Hier die Übersicht:

  • Einparken rückwärts rechts längs
  • Einparken vorwärts rechts längs
  • Einparken rückwärts rechts quer (so wie auf dem Parkplatz eines Supermarktes)
  • Einparken vorwärts rechts quer
  • Einparken rückwärts links quer

Einparken rückwärts links längs
Alle Arten, einzuparken, kann und will ich nicht behandeln. Das würde zu weit führen. Ein Beispiel wäre, in einer Einbahnstraße rückwärts nach links parallel zum Bordstein einzuparken. Das heißt spiegelbildlich zu der normalen Variante rückwärts rechts. Oder noch abseitiger: Rückwärts links, aber so, dass Ihr Auto mit seinen linken Rädern auf dem Bordstein steht. Wer die vorher erwähnten Varianten des Einparkens beherrscht, wird sich auch  mal an andere Möglichkeiten heran trauen.

Ich mache einen Fehler – na und? 
Nochmal zum Thema „Konfrontation“:  Ich komme auf  das Eingangszitat über der Überschrift zu diesem Beitrag zurück: „Ich möchte auf einmal in die Parklücke rein kommen. Meinetwegen langsam, aber gleich richtig. Ohne hin und her zu fahren.“ Diese Angsthäsin spricht mit ihrer Äußerung für viele andere: Sie möchten beim Einparken „gleich“ in die Lücke kommen, ohne „hin und her zu fahren“. d.h. ohne zu korrigieren. Korrigieren bedeutet, einen „Fehler“ gemacht zu haben und diesen zu verbessern. Offensichtlich „schämen sich diese Angsthäsinnen davor, quasi öffentlich vor allen anderen diesen „Fehler“ gemacht zu haben und korrigieren zu müssen.

Korrigieren – ein Fehler??
Demzufolge müssten sich täglich tausende von Autofahrern beim Einparken „schämen“, die nicht „gleich“ in die Lücke kommen und den „Fehler“ korrigieren müssen. Dieser Vorgang ist beinahe normal. So sollten Sie darüber denken. Und wieder kommen wir auf die Konfrontation mit der Angst zu sprechen: Wir fahren beim Einparken ganz bewusst auch in „Fehlerstellungen“ beim Parken hinein, um diese dann in aller Ruhe wieder zu beheben. Ich nenne diese Übungen „Fehlerkorrektur-Training.

Ich korrigiere gern
Sie lernen, bei einem „Fehler“ gelassen zu bleiben. Sie können ihn ja wieder korrigieren. Alles kein großer Aufwand. 

Die Routinen fürs Einparken beherrschen
Voraussetzung für das Einparken sind einige Routinen, die ich im vorigen Beitrag beschrieben habe. Routinen sind automatisierte Handlungsabläufe, die Ihnen bei der Autobedienung sehr helfen. Beispielsweise für Routinen beim Einparken:

  • Wie fahre ich sehr langsam?
  • Wie schätze ich die Räume und die nötigen Abstände richtig ein?
  • Wie und wohin sollte ich lenken?
  • Welche Fahrlinie brauche ich bei einer bestimmten Parklücke?
  • Wie beobachte ich richtig?

Bitte schauen Sie sich bei Bedarf den Beitrag zu den Routinen für das Einparken an

Diese Routinen treten hier im Beitrag wieder auf. Aber in verbundener , koordinierter Form, bei einem gesamten Parkablauf. Sie können mit locker und langsam ausgeführten Routinen Entspanung ins Geschehen bringen. Im Routinen-Beitrag wird dazu an vielen Stellen hingewiesen.

Verschiedene Wagenarten, elektronische Assistenzsysteme
Die Routinen fallen leichter, wenn Sie in Ihrem Wagen kein Schaltgetriebe mit Kupplung haben, sondern ein Automatik-Getriebe Ihnen diese Arbeit abnimmt. Auf solche Besonderheiten gehe ich ein. Genauso behandle ich den Einsatz von elektronischen Assistenzsystemen, die auch das Parken inzwischen leichter machen. Die meisten Angsthäsinnen lehnen den Einsatz dieser Hilfsmittel strikt ab. Sie wollen die Sache „von Grund auf“ lernen, ohne den elektronischen „Firlefanz“. Das ist erst einmal verständlich. Des weiteren kann ich nur geduldig darum bitten, sich den „Firlefanz“ erst einmal anzuschauen, um in der Praxis damit umgehen zu können.

2. Einparken rückwärts rechts längs

Parken rückwärts rechts längs. Fahrlinie grün. Einparken in drei Etappen
Parken rückwärts rechts längs. Fahrlinie grün gepunktet.. Einparken in drei Etappen. 

Der eigentliche Ablauf dieses Einparkens lässt sich in drei Abschnitte gliedern. Den vierten Abschnitt, Fehlstellung und deren Korrektur, behandle ich im Kapitel extra, wegen der Bedeutung für die Angstbewältigung: 

  1. Suchen und Auswählen der Lücke, Anfangsaufstellung
  2. Hineinfahren in die Lücke nach einem Plan
  3. Rangieren bis zur richtigen Endaufstellung
  4. Fehlstellungen und deren Korrektur

1. Anfangsaufstellung: Eine Parklücke suchen, sich links neben dem vorderen Auto aufstellen, ein Stück weit zurück fahren

Langsam und sehr langsam fahren, beobachten und suchen
Sie suchen eine Parklücke, rückwärts, rechts, längs einzuparken, parallel zum Bordstein. Atmen Sie ruhig. Sagen Sie laut „ich parke gern“. Beobachten Sie den Verkehr, blinken Sie rechts, fahren Sie langsamer. Fährt jemand hinter Ihnen, und es ist zu eng für ihn zum Überholen, sagen Sie: „Der Fahrer ist nett, das wird schon!“ Drängelt der hintere Fahrer sehr, dann lassen Sie sich auf keinen Kampf ein, fahren Sie weiter. Bei einer Einfahrt können Sie ihn vorbei lassen. Dann suchen Sie halt weiter nach einem anderen Parkplatz.

Weitersuchen, ca. 6-m-Lücke finden, aufstellen Spiegel an Spiegel, ein Stück weit zurück kriechen
Blinken Sie weiter rechts. Suchen Sie vor Ihnen eine vielleicht geeignete Lücke. Die Lücke sollte vor und hinter Ihrem Auto jeweils einen knappen Meter länger sein als Ihr Auto, also insgesamt ca. 6 m. Das sehen Sie noch vor der Lücke nicht so genau, wegen der Perspektive. Daher fahren Sie „auf Verdacht“ vor einer etwaigen Lücke langsamer. Neben der Lücke befindlich beobachten Sie nach hinten, halten halten Sie kurz an, schätzen Sie die Lücke ein: Die Lücke sollte etwa 6 m lang sein, also vorne und hinten etwa einen Meter länger als Ihr Auto, wesentlich größer als Ihr Auto! Ist das der Fall, beobachten Sie wieder, fahren oder besser kriechen Sie langsam weiter. Halten Sie links  neben dem vorderen Auto an, ungefähr auf Höhe Spiegel an Spiegel, Abstand zum jetzt rechts neben Ihnen stehenden Auto reichlich, etwa ein guter halber Meter. Bevor Sie zur Tat schreiten, beobachten Sie wieder. Fährt ein Nachfolgender vorbei, oder kommt Gegenverkehr, erst einmal warten. Beim Warten ruhig atmen, laut sprechen: „Das schaffe ich gut, ich weiß, wie ich in die Lücke hinein komme!“ Drängelt der nachfolgende Fahrer sehr, fahren Sie halt weiter. Lieber nachgeben, als im Stress einzuparken. Und sei der Parkplatz noch so einladend.

Ein kleines Stück zurück fahren. „Ich atme ruhig, lasse mir Zeit!“
Wenn alles frei ist oder der Nachfolgende ruhig wartet, ziehen Sie vorsichtig weiter zurück, so weit, bis Sie das Hinterteil des rechten vorderen Autos in Ihrem Dreiecksfenster rechts hinten sehen. Fahren Sie ruhig noch ein ganz bisschen zurück. Damit wandert das Hinterteil des rechts von Ihnen stehenden Autos in Ihrem Dreiecksfenster noch ein wenig nach vorne. Bleiben Sie erst einmal stehen. Atmen Sie ruhig und sagen Sie: „Ich atme ruhig, lasse mir Zeit, so komme ich am besten in die Lücke!“ Sollte dann immer noch alles frei sein, der Nachfolgende steht noch hinter Ihnen, winken Sie ihn vorbei, wenn das überhaupt möglich ist. Ihnen ist dann wohler zumute. Jetzt haben Sie schon ein wichtiges Stück Ihres Parkvorgangs geschafft, Sie stehen in der Ausgangsposition.

2. Hineinfahren in die Lücke nach einem Plan

„Ich lasse mir Zeit, ich beobachte rundum“
Sie haben die Fahrlinie wie in der Zeichnung oben im Kopf. Beobachten Sie wieder nach hinten, ob alles in Ordnung ist, fahren Sie sehr langsam los, ziehen Sie dabei den Wagen scharf nach rechts in die Lücke hinein. Sie drehen dabei das Lenkrad nach rechts mit der Methode des Übergreifens. Es sind ungefähr 1 1/2 Umdrehungen erforderlich, bis zum Anschlag der Lenkung.  Fahren Sie sehr langsam, wie im Beitrag „Routinen für das Einparken“ beschrieben. Atmen Sie ruhig, sagen Sie laut: „Ich lasse mir Zeit, umso sicherer bin ich und sind die anderen.“ Beobachten Sie in Ihrem linken Außenspiegel den hinten geparkten Pkw. Dieser gerät beim Hineinfahren Ihres Pkw immer mehr in Sicht durch den linken Außenspiegel.

„Ich fahre schräg nach schief in die Lücke hinein, bin erleichtert“
Erscheint der Pkw hinten mittig in Ihrem linken Außenspiegel, machen Sie eine kurze Pause, atmen Sie ruhig, beobachten Sie die Umgebung. Dann fahren Sie weiter, drehen Sie das Lenkrad 1 1/2 Umdrehungen zurück nach links, So fährt Ihr Wagen nicht mehr scharf nach rechts, sondern auf einer Geraden schräg in die Lücke hinein. Und Ihr Wagen  entfernt sich  immer mehr aus der Mitte der Fahrbahn. Das ist vorteilhaft für alle Beteiligten. Ein hinter Ihnen wartender Fahrer kann jetzt weiter fahren. Lassen Sie ihn fort, warten Sie und atmen Sie erleichtert durch. Sie haben das Wichtigste geschafft. Nun  fahren Sie weiter schräg nach schief mit gerade gelenkten Rädern  in die Lücke hinein – bis der linke, hintere Blinker des vorderen Autos Ihre Umweltplakette vorne rechts unten an der Frontscheibe überdeckt.
Nun haben Sie den Vorgang beinahe geschafft. Bleiben Sie kurz stehen, atmen Sie ruhig. Sagen Sie laut: „Wunderbar, gleich habe ich es geschafft. Ich kann es!“

Ein Stück eines Linkskreises fahren
Fahren Sie sehr langsam weiter, drehen Sie dabei das Lenkrad scharf nach links! Das kommt Ihnen komisch vor, wenn Sie diese Routine vorher nicht geübt haben. Sie müssen ein Stück eines Linkskreises fahren, damit Ihr Auto vorne rechts in Richtung Bordstein fährt. Wenn Sie sich mit Ihrem Auto vorne dem Bordstein nähern, fahren Sie sehr langsam, drehen Sie das Lenkrad gerade, etwa 1 1/2 Umdrehungen nach rechts. Machen Sie wieder eine kleine Pause, atmen Sie ruhig. Beobachten Sie nach hinten den hinteren Wagen. Wenn Sie sich ihm nähern und die Motorhaube noch gut sichtbar ist, stimmt alles. Freuen Sie sich, entspannen Sie sich, Sie haben es schon so weit geschafft.

3. Rangieren in der Lücke bis zur endgültigen Aufstellung

Rangieren nach vorne, annähern an den Bordstein, Schlussaufstellung: „Ich bin glücklich!“
Beobachten Sie im rechten Außenspiegel, ob der Abstand zum Bordstein richtig ist. 10 – 20 cm wäre schön. Wenn Sie unsicher sind, ziehen Sie die Handbremse, machen Sie den Motor aus, steigen Sie aus (bitte vorher den Verkehr beobachten!!) und schauen Sie nach. Ziehen Sie nach vorne in Richtung vorderer Wagen. Lassen Sie dort noch Platz, so dass dessen Kennzeichen unten gerade mal gerade mal noch zu sehen ist. Nun seien Sie glücklich, dass Sie das Einparken so gut geschafft haben. Gratulieren Sie sich. Dann die Handbremse ziehen, Gang rein, bei Automatik Wählhebel auf P. Vor dem Aussteigen schauen, auf anderen Verkehr, beispielsweise Radfahrer. Nach dem Aussteigen Türen verschließen.

 

2 Gedanken zu „Angst vor dem Einparken? Einparken ruhig, gekonnt und sicher“

  1. Ich habe irgendwie einparken nie wirklich gelernt und bin jetzt morgens immer sehr gestresst wenn ich bei der Arbeit einen Parkplatz suchen muss. Ein Glück habe ich in der Nähe meiner Wohnung einen gemietet. Ich denke auch, dass es gerade beim Einparken eine Sache der Gewohnheit ist.

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