Angstbewältigung für Menschen mit Fahrangst

“Als Autofahrerin fürchte ich mich vor der Hektik und dem Gedrängel im Großstadtverkehr. Was ist, wenn ich eine wichtige Information übersehe?”

Angstbewältigung für Menschen mit Fahrangst

Millionen Menschen mit Fahrangst. In Deutschland gibt es wahrscheinlich Millionen Menschen mit Fahrangst. Sie haben den Führerschein, können ihn leider nicht nutzen, da sie am Steuer eines Autos zuviel Angst empfinden. Menschen mit Fahrangst haben nicht nur Angst vor dem Auto, sondern vor allen möglichen Situationen im Straßenverkehr große Angst: Parken, enge Wohnstraßen, Überqueren von Kreuzungen, Abbiegen, große Straßen mit dichtem, schnellen Verkehr, Drängler, Autobahn, Angst vor ihrem eigenen Unvermögen im Wirrwarr des Verkehrs. Es sind Situationen, an die ein normaler, geübter, lockerer Autofahrer keinen Gedanken verschwenden würde. Diese Menschen mit Fahrangst vergrößern unwillentlich ihre Angst, da sie aus Sorge, unangenehm aufzufallen, lieber versuchen, beim allgemeinen Tempo und der Hektik mitzuhalten.

Menschen mit Fahrangst leiden an einer Mischung mehrerer Ängste:

  • Angst vor dem Auto, das mit ihnen macht, was es will,
  • Angst vor komplizierten Rangiermanövern, Angst vor dem Chaos und Durcheinander, wenn viele Autos zugange sind,
  • Angst vor aggressiven Dränglern oder vor Fußgängern und Radfahrern, die sich, so die Furcht, nur irrational verhalten.
  • Angst vor der eigenen Nervosität, die in Drucksituationen hochschießt, so dass sie die Kontrolle verlieren und irrational handeln.
  • Angst davor, in Hektik und Nervosität eine wichtige Information zu übersehen,  Angst vor Fehlern und der eigenen Unfähigkeit, so dass es, so die Furcht, womöglich durch ihre Schuld zu gefährlichen Situationen und Unfällen kommt, bei denen andere Schaden erleiden.

Kontrollverlust – die schlimmste Angst. Viele sind schon immer ein bisschen ängstlich, fühlen sich aber bis zur Führerscheinprüfung vom Fahrlehrer beschützt. Hinterher fahren sie ängstlich und allein weiter, bemühen sich krampfhaft, alles richtig zu machen, Fehler zu vermeiden. Das kann sogar eine Zeit lang klappen. Aber irgendwann kommt es zu einer größeren Belastung mit hoch schießender Nervosität. Die Kontrolle geht verloren, ein Fehler passiert, vielleicht sogar ein kleiner Unfall. Beispielsweise ein Blechunfall beim Einparken. Durch die Angst kommt es hinterher zu wild kreisenden Angstgedanken: “Das nächste Mal fahre ich vielleicht einen Fußgänger um, der fällt auf den Kopf, muss ins Krankenhaus, liegt dort im Koma.” An Ort und Stelle beschließen sie dann, nicht mehr zu fahren, vermeiden das Fahren jahrelang.

“Weg mit den Zwängen der Angst!” Jahrelang sind sie in dieser Sache passiv. Aber da die Angst “nur” auf die Angst am Steuer eines Autos beschränkt ist, meistern sie ihr sonstiges Leben und ihre Probleme gut. Und irgendwann kommt der Punkt, ab dem sie sagen “jetzt lasse ich mich nicht mehr von den Zwängen der Angst beherrschen.” Sie suchen nach einem Fahrlehrer, der kompetent ist und ihnen helfen kann: Das kann nur ein Angsthasenfahrlehrer sein. Und wenn sie einen solchen gefunden haben, sind sie aktiv und eifrig bei der Sache.

Wie kann ich als Angsthasenfahrlehrer Menschen mit Fahrangst helfen?

  1. Einladung zum Angsthasentreffen: Die Betroffenen müssen vor Gleichgesinnten erzählen können, wie es ihnen ergangen ist. Das ist ein wichtiger Punkt, denn sie werden von “normalen” Autofahrern oft nicht verstanden oder gar abgelehnt. Das läuft in der Angsthasenfahrschule bei den gemeinsamen Angsthasentreffen. Das Erzählen und Diskutieren mit den anderen Angsthasen, welche Probleme man beim Autofahren immer wieder hatte, was man vielleicht hätte besser machen können, ist ein wichtiger Punkt beim Abbau der Angst.
  2. Schutz und Sicherheit. Sie brauchen zu Anfang Betreuungsfahrten Schutz und Sicherheit durch mich als kompetenten Fahrlehrer mit Fahrschulwagen. Sie brauchen ein ruhiges Übungsgebiet, müssen den Umgang mit dem Auto üben können, vor allem das langsame Fahren. Damit entsteht wieder eine Art Urvertrauen zu sich und den Fahrkünsten. Wenn die Anforderungen zu groß werden, kann ich als Angsthasenfahrlehrer den Fahrschulwagen übernehmen. Das ist eine Rettungsmaßnahme.
  3. Umgang mit der starken Nervosität. Sie lernen mit ihrer überbordenden Nervosität umzugehen. Hier gibt es viele Hilfen, vor allem solche, die den Verstand, der sich im Stress zurück ziehen möchte, wieder aktivieren.
  4. Selbständiges Fahren. Sie lernen von Anfang an, auch selbständig zu fahren, beispielsweise auf Strecken, die sie schon kennen. Immer noch mit meiner Begleitung im Fahrschulwagen, aber ohne Hilfe, oder nur im Notfall. Das ist eine wesentliche angstauslösende Situation, in der sie auch selbständig den Umgang mit den nervositätssenkenden Maßnahmen trainieren. Ein Erfolgserlebnis stellt sich ein, wenn es zu einer Belastung mit Nervositätsanstieg kommt, die Nervosität gesenkt werden kann, kein Kontrollverlust eintritt. Das ist dann doch sehr erleichternd!
Betreuungsfahrt im Gewerbegebiet. Ziel: Vorbeifahren am Lkw, schlechte Sicht. Angstbewältigung
Betreuungsfahrt im Gewerbegebiet. Ziel: Vorbeifahren am Lkw, schlechte Sicht. Angstbewältigung

Schauen Sie sich bitte das Betragsbild oben und ein weiteres Bild hier an:  Im ruhigen Gewerbegebiet treffen wir auf Lkw und Anhänger, die in zweiter Reihe stehen. Was macht an der Situation Angst?

  • Wo ist hier die richtige Aufstellung vor dem Vorbeifahren am Lkw?
    Die Aufstellung halb links, um vor dem Vorbeifahren erstmal nach vorne zu schauen, macht schon Angst, denn sie erfordert, etwas in die Fahrbahn des Gegenverkehrs hinein zu ragen, damit man möglichen Gegenverkehr sehen kann. Würden wir das aber nicht tun, uns sozusagen hinterm dem Lkw verstecken, stünden wir zwar sehr sicher. Wir würden aber nichts sehen. Dann, sozusagen blind, loszufahren, wäre sehr gefährlich. Also müssen wir ganz vorsichtig ein wenig nach links ziehen, um bessere Sicht zu haben. Aber nur mit ganz langsamem Tasten. Und sobald ein Fahrzeug im Gegenverkehr sichtbar ist, wieder stehen bleiben! Angsthäsinnen verhalten sich typischerweise so: Sie stehen ganz rechts, verstecken sich hinter dem Lkw. Dort bleiben sie am liebsten.
  • Bild ganz oben, über der Seite, und wiederholt hier weiter unten: Die Lkw ragen hoch auf, perspektivisch verengt sich die Strecke, es kommt vielleicht ein bisschen klaustrophobisches Gefühl auf. Die Strecke ist eigentlich nicht zu eng, aber ist man da sicher?
  • Kein Gegenverkehr, aber Nachfolgende? Sind wir uns klar, dass kein Gegenverkehr auftaucht, sollten wir uns noch um die hinteren Fahrer kümmern. Dies geschieht durch Spiegel- und Seitenblick nach links. Und nicht den Blinker vergessen!
  • Welches Tempo beim Vorbeifahren? Die Strecke ist frei, dennoch kann unverhofft Gegenverkehr auftauchen. Nachfolgende Pkw-Fahrer drängeln,  Wegen der Verengung durch die rote Fahrertür des vorderen Lkw würde man gern langsamer fahren. Doch das Gebot ist ja eigentlich, schneller zu passieren, damit man nicht dem vielleicht auftauchendem Gegenverkehr im Wege ist. Aber da ist, wie gesagt, auch noch die geöffnete rote Fahrertür…
  • Viele Dinge, die man falsch machen kann, zu schnell, zu langsam, zu weit links, zu weit rechts, dauern können Fehler passieren.
  • Angst und Nervosität steigen, das Herz klopft, der Atem geht schneller, die Gedanken kreisen – wo ist nur mein Verstand??
Betreuungsfahrt im Gewerbegebiet. An Lkw in zweiter Reihe vorbeifahren, Angst hinterm Steuer bewältigen
Bild Im Gewerbegebiet Neukölln, Wiederholung des Bildes ganz oben über dem Beitrag. Lkw in zweiter Reihe. Betreuungsfahrt im Gewerbegebiet: An Lkw in zweiter Reihe vorbeifahren, Angst hinterm Steuer bewältigen

Nervositätstraining in der belastenden Situation:  Ohne Nervositätstraining würde die Angsthäsin hektisch vorbeifahren, womöglich nicht auf Gegenverkehr oder hinten fahrenden Verkehr oder auf die geöffnete Tür des zweiten Lkw achten. Bei der Betreuungsfahrt würde sie sich dagegen beruhigen und ihren Verstand gebrauchen. Sie würde sich vorsichtig hinter dem Lkw einigermaßen links aufstellen und warten und nach vorne und hinten schauen. Sie würde bewusst langsam atmen und laut (!) sprechen: “Ich bleibe ruhig, ich fahre nicht los, sondern achte darauf, dass hinter mir und vorne frei ist.” In einer weiteren Stufe der Entspannung könnte sie sogar dem hinter ihr stehenden, vielleicht hektischen Fahrer ein Handzeichen geben, vor ihr loszufahren. Vorbeifahren an den Lkw würde sie eher langsam, sorgsam schauen, vor der Tür angekommen, beinahe kriechen und auf den eventuell erscheinenden Fahrer achten.

Der nächste Schritt: Sie fährt ruhig atmend und laut sprechend an den beiden Lkw vorbei. Nicht schnell, eher kontrolliert langsam. Denn die Angst sagt ja, schnell, Flucht. Wir wollen aber, dass Vernunft waltet. Ja, die Angsthäsin schafft es sogar, nach hinten zu schauen und vor der geöffneten Türe des hinten stehenden Lkw kurz stehen zu bleiben. Gefahr: Der Fahrer steigt aus. Weitere Gefahr: Unser nachfolgender Verkehr. Weitere Gefahr: Vielleicht kommt inzwischen jemand von vorne. Immer weiter ruhig atmen und laut sprechen. Schöne Übung!!

Keine übertriebene Angst – Sicherheit ist wichtig. Die Betroffenen lernen, in den angstauslösenden Situationen ihre Angst auszuhalten und zu kontrollieren. Dabei ist immer zu beachten, dass wir es mit der Angst nicht übertreiben dürfen. Denn die Betroffenen sind auch verantwortliche Führer des Kfz, sie müssen in der Lage bleiben, auf die Sicherheit zu achten. Zwar bin ich als Fahrlehrer auch noch dabei. Aber ich sollte möglichst nur im Notfall eingreifen. Mein Geschick als Angsthasenfahrlehrer ist es, die Angstsituationen im Rahmen zu halten, so dass die Belastung nicht zu hoch wird.

Fahrschulwagen Blick auf die Doppelbedienung der Pedale
Fahrschulwagen Blick auf die Doppelbedienung der Pedale. Auch auf der Fahrlehrerseite sind – von links – Kupplung, Bremse und Gaspedal eingebaut. Entgegen der Vermutung vieler Angsthäsinnen gibt es im Fahrschulwagen keine zwei Lenkräder. Auf der Autobahn komme ich als Fahrlehrer damit gut zurecht. Im Stadtverkehr wird es bei sehr engen Kurven schwierig. Dann müsste ich sehr langsam fahren oder besser mich selbst nach links hinter das Steuer setzen. Hier an dieser Stelle gibt es keine großen Anforderungen an das Lenken. 

Rettungsmaßnahme: Im Zweifel lieber das Fahrschulauto übergeben. Bevor wir im ruhigen Gewerbegebiet mit dem Training beginnen, üben wir die wichtigste Rettungsmaßnahme: Mir als verantwortlichem Angsthasenfahrlehrer den Fahrschulwagen zu übergeben. Das ist nicht immer leicht, denn die Angsthäsinnen haben ja den Führerschein! Die Abgabe der Verantwortung für das Fahren fällt nicht leicht. Doch falls die Anforderungen plötzlich hoch und die Nervosität übergroß wird, ist es besser, eine Rettungsmaßnahme im Kopf zu haben, mir den Fahrschulwagen zu übergeben. Wir wollen ja keinen Kontrollverlust. Das sehen alle ein sind schließlich über den möglichen, ungewohnten Schutz ganz froh. Die Übergabe muss geübt werden: Wir fahren auf gerade Strecke dahin, ich bitte um Übergabe. Sodann lässt die Angsthäsin alles los, Pedale und vor allem das Lenkrad. Ich übernehme, kann von der Seite aus wenigstens eingeschränkt lenken und mit Hilfe der Doppelbedienung Gas geben, bremsen und kuppeln. Diese Übung trägt sehr zur Beruhigung bei.


Praktikum für Fahrlehrer bei der Angsthasenfahrschule

Praktikum für Fahrlehrer in der Angsthasenfahrschule Frank Müller

Sehr ruhiges Gewerbegebiet
Sehr ruhiges Gewerbegebiet. Normalerweise wird hier mehr geparkt. Für die Erklärung der Fahrbahn ist das Bild dennoch gut. Die schwarzen, längs laufenden Linien teilen die Fahrbahn ein: a) in die rechte und die linke Seite. b) auf der rechten Seite in unseren Fahrstreifen und in den Fahrstreifen fürs Parken. Für Anfänger/innen und für Angsthäsinnen mit mangelnder Raumeinschätzung ist das wunderbar!

Erste Betreuungsstunde mit einer Angsthäsin. Sie leidet unter Fahrangst. Ich bin mit ihr ins sehr ruhige Industriegebiet gefahren. Sie hat mir schon beim Vorgespräch versichert, sie habe „sehr große“ Angst vor dem Autofahren, sei nach dem Führerschein immer mutloser geworden, habe das Auto kaum benutzt. Nun stehen wir im Industriegebiet, breite Straße, große Lücke, kein Auto kommt. Ich erkläre ihr viel. Wir üben spielerisch mit Gas und Kupplung, lassen das Auto noch stehen.

Die Angsthäsin soll nun ein paar Meter aus der Lücke fahren, dann anhalten. Alles ist frei.  Doch es geht nicht, zuviel Angst… So kommen wir nicht mehr weiter. Was zeichnet Angsthasenfahrlehrer/innen aus?

Der Freund versagt

Ein geübter Autofahrer und Begleiter, Freund dieser Angsthäsin, wäre jetzt völlig überfordert. Er würde sie vielleicht ermuntern, doch „einfach“ loszufahren, es sei doch alles frei. Darauf würde sie wahrscheinlich entsetzt reagieren, aussteigen und sowieso nicht mehr weiter fahren. Schon gar nicht mehr mit dem Freund.

Der Fahrlehrer weiß nicht weiter

Auch ein tüchtiger, freundlicher Fahrlehrer käme hier wahrscheinlich an seine Grenzen. Er würde die Angsthäsin wahrscheinlich als “Auffrischerin” behandeln – jemand mit Führerschein, die lange mit dem Fahren pausiert hat und nun wieder üben und wiederholen muss. Aber noch so viel Erklären und Üben der Bedienschritte brächte die Angsthäsin nicht weiter – denn sie hat ja Angst! Vielleicht würde sie sogar unter dem Erklär- und Erwartungsdruck losfahren, wäre aber hinterher umso verwirrter und ängstlicher. Es könnte auch beim Losfahren zu irritierenden Fehlreaktionen kommen, Vollgas, heftiges Bremsen. Danach wäre das Vertrauensverhältnis gestört.

Als Angsthasenfahrlehrer nehmen Sie Ängste ernst

Empfindungen wahrnehmen: Als Angsthasenfahrlehrer/in sind Sie geschult und bereit, Empfindungen Ihres Gegenübers wahrzunehmen. Sie bemerken die Angst, Sie respektieren die Angst, Sie nehmen die Angst sehr ernst. So lautet der erste Schritt zur Angstbewältigung in unserem Ratgeber „Keine Angst mehr hinterm Steuer“. Über diesen Schritt und alle weiteren Schritte zur Angstbewältigung können Sie nachlesen unter dem Link Sieben Schritte.

Schon im Vorgespräch hat die Angsthäsin ihre Ängste angedeutet. Jetzt, sozusagen wo es „ernst“ wird, schildert sie diese so: Sie sieht sich trotz aller Erklärungen und Vorversuche immer noch unfähig, mit dem Auto umzugehen. Sie hat Angst vor dem Auto. Sie würde, so ihr Gefühl, das Auto falsch bedienen, womöglich aus der Lücke heraus schießen. In diesem Augenblick wäre aber schon ein schnell fahrendes Auto aufgetaucht. Der Fahrer könnte nicht mehr bremsen. Da käme es zu einem schrecklichen Zusammenstoß.

Sie geben Tipps zur Angstbewältigung

Als Angsthasenfahrlehrer nehmen Sie die Ängste ernst und bieten der Angsthäsin Möglichkeiten zur Angstbewältigung an. Sie bieten ihr größtmögliche

Die Kupplung ist Dein Freund
Gespräch in der Betreuungsstunde: Die wenigsten Angsthäsinnen wissen Bescheid über die Funktion/en der Kupplung. Man braucht die Kupplung beim Schalten, beim Anfahren. Gerade in dieser Funktion wird etwas Gefährliches vermutet: Das Auto haut plötzlich ab, oder man würgt den Motor ab, das Auto hoppelt von alleine weiter, in die Kreuzung, ohne Kontrolle. 
Die Kupplung ist Dein Freund: Wir lernen die Kupplung als sicheres und und uns und anderen gegenüber freundliches Instrument kennen. Denn wir können mit ihr ganz, ganz langsam fahren, und sogar anhalten, wenn irgend etwas aus dem Ruder läuft. Wir müssen sie nur fest durchdrücken.  Mit der Kupplung können wir sehr langsam fahren und sogar “bremsen” und anhalten, je nachdem, wie weit wir sie drücken. Das kommt der Angst der Angsthäsinnen tatsächlich weit entgegen. Die Kupplung wird zum “Freund”. Die Kupplung ist eine Art Notrettung. Wenn es schief läuft – dann Kupplung drücken.  Wir können in gefährlichen Situationen mit ihr auch sehr, sehr langsam fahren, indem wir die Kupplung, ganz getreten, nur ein bisschen loslassen, bis zum sogenannten “Schleifpunkt”. Und wenn der Wagen dann losfährt, ein bisschen zu schnell, dann bremsen wir sofort mit der Kupplung, indem wir sie ein bisschen treten. Später üben wir auch Fehlerkorrektur, in einer ruhigen Sackgasse: Wir geben Gas, lassen die Kupplung schnell los. Oder wir würgen den Motor ab, lassen die Kupplung los, ohne Gas. Das, um die Angst vor dem Fehler zu nehmen. 

Sicherheit an: Sie fährt nicht aus der Lücke heraus, sie bleibt drin, fährt dort höchstens einen halben Meter vorwärts. Sie achten darauf, die Kupplung als Sicherheitsinstrument zu erklären und zu gebrauchen: Jedes Mal, wenn der Wagen zu „schnell“ wird, kann die Angsthäsin sofort die Kupplung treten, so dass er noch langsamer fährt und ausrollt. Damit gewinnt sie Vertrauen zu sich und zu dem Auto, das sich in dem Moment nicht mehr wie eine gefährliche Maschine anfühlt. Sie kontrolliert das Auto bei der Fahrt von einem halben Meter und entspannt sich langsam.

 

 

So wird aus der “gefährlichen” Kupplung ein freundliches Element der Bedienung.

Größtmögliche Sicherheit ist gut. Jedoch wird das unruhige Denken der Angsthasen noch immer mehr Sicherheit verlangen. Das können wir nicht bieten. Im Gegenteil, wir müssen damit leben, dass es keine Perfektion, sondern Fehler gibt. Besser ist es, wir trainieren, mit den – wahrscheinlich doch auftretenden Fehlern – umzugehen. Wenn die Angsthäsin Angst hat, die Kontrolle zu verlieren, dann versuchen wir es später, nach einigen Betreuungsstunden, an einer ganz ungefährlichen Stelle, einer ruhigen Sackgasse:  Die Angsthäsin “verwechselt” Gas und Bremse, gibt Gas, der Wagen fährt “unversehens” los, dann jedoch gibt sie sich einen Ruck und bremst. Nichts ist geschehen.

Wir erreichen keine Perfektion, Fehlerfreiheit gibt es nicht. Besser ist es, die Angsthäsin lernt den Umgang mit  Fehlern. 

Sie achten auf den Umgang mit Nervosität

Als Angsthasenfahrlehrer achten Sie auf die Bewältigung der Nervosität. Die Angsthäsin spricht vor der Übung laut die Stärke ihrer Nervosität an, auf einer Skala von 1 (sehr gering) bis 10 (sehr stark, bis zur Panik). Vor der Übung gibt sie die Stärke mit 7 an. Sie machen nun beispielsweise eine Atemübung mit ihr oder eine progressive Muskelentspannung. Vor und nach der Fahrübung in der Lücke achten Sie auf eine Pause. Nun werden Sie beide feststellen, dass die Nervosität nach der kurzen Übung und den Entspannungstechniken gesunken ist, vielleicht auf 4. Das ist ein wertvolles Ergebnis, das Sie unbedingt mit ihr zusammen festhalten.

Sie haben eine Programm im Kopf, das den Angsthasen aus ihren Zwängen hilft und zu einem realistischen Ergebnis führt

Als Angsthasenfahrlehrer werden Sie oft von “Ihrer” Angsthäsin den Wunsch hören, wieder “normal” fahren zu können. Genauer erklärt, heißt “normal”: Routiniert, locker und entspannt, frei im Kopf, womöglich auch mit ein bisschen Fahrfreude. Sie werden der Angsthäsin den Wunsch nicht ausreden, er ist ja irgendwie verständlich.

Realistisches Ziel – Kontrolle über die Ängste

Aber realistisch ist der Wunsch vorläufig nicht, das müssen Sie der Angsthäsin klarmachen. Und Sie wird Ihnen hoffentlich zustimmen. Denn vor dem “normalen” Fahren stehen Ängste, die sich wie drohende Berge auftürmen. Sie erzeugen blockierende Angstgedanken, führen zu extremen körperlichen Symptomen und zu irrationalem Fehlverhalten.  So kann niemand sicher Auto fahren, geschweige denn “normal”, locker, entspannt. Als richtiges und realistisches Zwischenziel sollten wir uns vornehmen, Emotionen und deren Auswirkungen zu kontrollieren, so dass wir wieder aufmerksam, konzentriert und bediensicher, d.h. letztlich sicher fahren.

Angstspitzen vermeiden

Am gefährlichsten sind wohl die sogenannten Angstspitzen, die Angsthasen/häsinnen in angespannten Situationen überwältigen können. Dadurch geht im Augenblick die Kontrolle über das Geschehen verloren. Nun ist die Sache ja nicht verloren, denn Sie als künftiger Angsthasenfahrlehrer begleiten und schützen die noch unsichere Angsthäsin. Diese sollte aber zunehmend lernen, Situationen und innere Zustände aufmerksam zu beobachten und sich schon im Vorfeld gegen Angstspitzen zu wappnen.

Auf dem Weg dahin gilt es viele Hindernisse zu bewältigen. Der wichtigste Stoff, der nun verinnerlicht und routiniert in belastenden Situationen angewendet werden muss, ist  der gekonnte Umgang mit der eigenen Angst: Welche Möglichkeiten habe ich, wenn Angst und Nervosität mich plagen und am sicheren Fahren hindern? Das ist das Kernstück der Betreuung und dabei sollen Sie als Angsthasenfahrlehrer natürlich mit vielen Tipps helfen.

Selbstbeobachtung der Nervosität: Ein wichtiger Tipp ist, ich habe es schon erwähnt, die ständige Beobachtung der eigenen Nervosität und das laute Ansagen, nach einer Skala der Stärke von 1 (= ruhig, locker) bis 10 (= sehr nervös bis panisch). Das laute Ansagen des Skalenwerts der Nervosität beruhigt den Atem und schafft ein distanzierteres, objektives Verhältnis zu Angst und Nervosität. Wir ächzen nicht “weh” und “ach”, sondern reden vernünftig über unsere Angst. Das verschafft auch Ihnen, dem begleitenden Angsthasenfahrlehrer, einen Überblick über die Lage.

Steigerung der Belastung – Milderung der Angst

Nach den ersten Betreuungstunden suchen wir mit dem Fahrschulwagen belastendere Situationen auf : Für viele ist es das Parken oder das Fahren in engen Wohnstraßen oder der Fahrstreifenwechsel im dichten Fließverkehr. Oder schließlich sogar die Autobahn. Wir begeben uns in Angstsituationen hinein, dürfen diese nicht scheuen. Aber Schritt für Schritt. Und immer achten wir darauf, Angst und Nervosität zu mildern und unter Kontrolle zu halten. Das ist der sechste Schritt der insgesamt sieben Schritte zur Bewältigung der Angst hinterm Steuer: “Das Vermeiden vermeiden.”

Testfahrten – ruhig und sicher fahren: Bevor Sie diese letzte Phase des selbständigen Fahrens angehen, sollten Sie unbedingt – noch im Fahrschulwagen – eine Testfahrt ansetzen. Dabei sollte die Angsthäsin ruhig fahren, d.h. a) ihre Emotionen unter Belastung kontrollieren, und b) sicher fahren, d.h. fähig sein, die Regeln der StVO im Wagen umzusetzen.

Die wichtige Schlussphase – selbständiges Fahren

Ein neues Aufflackern der Angst droht, wenn sie vom Fahren im Fahrschulauto übergehen zum Fahren im eigenen oder gemieteten Auto. Jetzt können Sie nicht mehr schützen, sondern sind nur noch Begleiter, geben vielleicht mal einen freundlichen Rat. Eingreifen ist Ihnen verboten. Die Angsthäsin trägt nun die volle Verantwortung. Gerade deshalb können die alten Ängste wieder aufflackern. Nehmen Sie daher diese Phase der Betreuung sehr ernst. Achten Sie auf erleichternde Zwischenschritte.

Zusammengefasst:  Angsthasenfahrlehrer/innen setzen realistische Ziele. Es geht in der Betreuung vor allem um die Kontrolle über die Angst. Sie haben große Geduld, Einfühlungsvermögen, Wissen um Ängste und können mit Tipps bei der Angstbewältigung helfen.

Was ist mit dem ursprünglichen Wunsch – entspannt, locker, sicher und mit ein bisschen Freude zu fahren?

Als realistisches Ergebnis der Angsthasenbetreuung habe ich “Kontrolle der Emotionen” und damit sicheres Fahren definiert. Ohne dieses Ergebnis zu erreichen laufen wir bei jeder Anspannung im Straßenverkehr Gefahr, Angst zu bekommen, sehr nervös zu werden und schlimmes Fehlverhalten zu produzieren.

So notwendig dieses Ergebnis auch ist, wir sollten den ursprünglichen Wunsch der Angsthäsin nicht vergessen. Während unser Ergebnis irgendwie pflichtgemäß und knochentrocken wirkt, wünscht sich die Angsthäsin einfach mehr Lockerheit und ein bisschen mehr Entspanntheit und Freude beim  Fahren. Das ist auch wichtig, denn ohne Freude zerbröselt uns unsere schwere Anstrengung vielleicht wieder unter den Händen. Freude macht das Leben doch erst schön.

Ziel: Freundliche, vertrauensvolle Gedanken: Vielleicht können wir schon für dieses schöne Gefühl Vorbereitungen treffen. Angsthasen sind generell misstrauisch: Andere im Verkehr sind Bösewichte , irreal oder gar Verbrecher. Aber auch für sich selbst haben sie nur schlechte Gefühle übrig: Sie beherrschen angeblich das Auto nicht und den Verkehr, verschulden daher womögliche schlimme Unfälle. Hoffentlich gelingt es uns während der Betreuung, die schwarzen Gedanken anderen und sich selbst gegenüber aufzuheben und zu ersetzen durch freundliche, vertrauensvolle Gedanken: “Andere fahren anständig. Sie helfen mir!” – “Ich kann gut fahren. Auch ich kann anderen helfen!” Damit wäre der Boden bereitet für Lockerheit, Entspannung, Sicherheit beim Fahren und für ein bisschen Freude.

Berufliche Perspektive für Angsthasenfahrlehrer/innen

Die Beschäftigung mit Angsthasen schafft berufliche Zufriedenheit. Sie bedeutet große geistige Herausforderung. Es geht hier ja nicht um Kreuzungen (oder dies nur nebenher), sondern um die Psyche und die Belastung für die Betroffenen, denen wir helfen wollen. Geistige Herausforderungen lohnen immer. Zusätzlich erhalten Sie viel Dankbarkeit der Betroffenen, denen Sie aus ihren Zwängen geholfen haben.

Die Zahl der Betroffenen in Deutschland geht wahrscheinlich in die Millionen, so lauten sehr grobe Schätzungen. Fahrängste gehören zu den weit verbreiteten Ängsten. Angsthasenfahrlehrer/innen werden dringend gebraucht. Dies beginnt sich auch unter den Psychotherapeuten herum zu sprechen. Diese sind oft schon froh, wenn sie einen Patienten, der Angst vor Panik auf der Autobahn hat, wegen der praktischen Konfrontation zu einem Angsthasenfahrlehrer schicken können.

Umgekehrt sinkt die Zahl der Fahrschüler. Wer sich als Fahrlehrer/in nur auf die Ausbildung von Fahrschülern verlässt, sieht sich oft in schwerer Konkurrenz mit anderen Fahrschulen, die sich einen harten Preiskampf liefern. Wenn alle dann mit den Preisen runter gegangen sind, werden die Aussichten auf ein auskömmliches Wirtschaften immer schlechter.

Von daher kann man die Kollegen/innen nur ermuntern, sich ein neues berufliches Betätigungsfeld zu suchen.

Ich finde das ökonomische Argument wichtig, aber nicht entscheidend. Man wird sowieso einige Jahre Erfahrungen sammeln müssen, bis man als Angsthasenfahrlehrer beruflich fit ist und gut davon leben kann. Entscheidend ist, wie immer in solchen Fällen, die Einstellung zu der neuen Tätigkeit und zu der neuen Zielgruppe der Angsthasen.

Die Einstellung als Angsthasenfahrlehrer/in sollte positiv, engagiert sein, begleitet vom festen Willen, den betroffenen Menschen zu helfen und sich daher von überallher weiter zu bilden.

Wie sehen es die beteiligten Fahrlehrer/innen?

Fahrlehrer wollen vor allem beruflich befriedigend arbeiten: Interessant ist, dass die meisten der Fahrlehrer/innen, die bei mir ein Praktikum absolvierten, ganz gut verdienten. Ihnen war der ökonomische Aspekt gar nicht so wichtig. Sie erhofften sich schlicht und einfach eine neue berufliche Perspektive, neue Herausforderungen, neue Menschen mit ganz anderen Problemen, als von Fahrschülern gewohnt. Kurz gesagt, sie wollten beruflich befriedigender arbeiten.

Auch hatten sie es schon oft erlebt, dass Angsthasen in ihren Fahrschulen vorsprachen und um Hilfe baten. Einige hatten es es schon mit ihnen versucht, waren aber letztlich daran gescheitert. Sie hatten die Angsthasen behandelt wie sogenannte “Auffrischer”.

Angsthasen sind keine Auffrischer!

Gemeinsam ist beiden Gruppen, dass sie den Führerschein besitzen und längere Zeit nicht mehr gefahren sind.

Die Gründe der Fahrvermeidung sind jedoch verschieden:

  • Angsthasen leiden durch ihre je individuelle Vorgeschichte an Fahrängsten, daher meiden sie das Fahren. Sie fürchten durch weiteres Fahren anderen zu schaden, schwere Unfälle zu verschulden. Im Mittelpunkt der Betreuung steht bei ihnen daher die Beschäftigung und der Umgang mit ihren Ängsten. Nebenbei spielt bei ihnen wegen der langen Fahrvermeidung auch die Wiederholung des Stoffs eine gewisse, aber nicht entscheidende Rolle.
  • Auffrischer sind ebenfalls lange nicht gefahren, jedoch nicht aus Angst, sondern aus äußeren, außerhalb ihrer Person liegenden Gründen: Familiäre, berufliche, finanzielle Gründe. Bei ihnen spielt die Schulung, die Wiederholung des Stoffs eine große Rolle. Sie haben keine Angst vor dem Fahren, sondern höchstens, wie sie es selbst sagen, “Respekt”.

Wenn Sie mit einer Angsthäsin Stoffwiederholung üben, so ist das nicht schlecht. Dennoch geht es am Kern ihrer Probleme vorbei. Genau das ist ja dem Fahrlehrer im obigen Beispiel passiert, der mit der Angsthäsin nur  das Anfahren übte, nicht mehr, und sich wunderte, dass sie immer noch verzweifelt war. Er hatte geglaubt, er könne die psychischen Probleme der Angsthäsin mit Fahrlehrererfahrung lösen. Komplett daneben!

Aus meiner langen Erfahrung in der Fortbildung von Fahrlehrern kann ich nur vor der verbreiteten Einstellung warnen, man könne Angsthasen so nebenbei, mit dem vorhandenen Wissen, “schulen”.

Es geht bei Angsthasen nicht um “Schulung”, sondern um Betreuung!

Betreuung und die davon abgeleiteten Betreuungsstunden, das sind nun ganz wichtige Begriffe. Sicher, auch Angsthasen müssen nach langer Fahrvermeidung ihre Fähigkeiten wieder auffrischen, sie müssen wieder lernen, wie man über Kreuzungen fährt oder den Fahrstreifen wechselt. Darin unterscheiden sie sich in nichts von Fahrschülern.

Darüber hinaus aber lernen Angsthasen mit Ihrer Hilfe, mit ihren Ängsten fertig zu werden. Dabei müssen Sie das ganze Arsenal der Angstbewältigung vermitteln. Das ist der Teil der Arbeit mit Angsthasen, die ich Betreuung nenne. In Betreuungsstunden wird beispielsweise sehr viel gesprochen, während einer regelrechten Fahrpause, über blockierenden Gedanken, oder es werden Entspannungsübungen trainiert. Im Schnitt wird in Betreuungsstunden die Hälfte der Zeit gesprochen, in Fahrstunden wie bekannt meistens zum Schluss.

Überblick über das Praktikum Betreuung fahrängstlicher Menschen:
Keine Angst vor dem Auto , keine Angst vor dem Autofahren

a) Ablauf des Praktikums

  • Dauer: 5 Tage, von Montag bis Freitag. Eventeuell auch Teilnahme am Angsthasentreffen am Sonnabend.
  • 4 Tage je eine Doppelstunden praktische Betreuung im Fahrschulwagen oder im Wagen der Betroffenen. Freitag nur eine Doppelstunde, Sonnabend Angsthasentreff.
  • Folgende Betroffene mit Angst beim Fahren werden vorgestellt und betreut (eine Garantie, dass all diese Ängste in der einen Woche gerade behandelt werden können, gebe ich natürlich nicht. Ich bemühe mich selbstverständlich):- Fahrschüler: Prüfungsangst. Angst vor der Ausbildung, vor den Fahrlehrer
    – Führerscheinbesitzer: Fahrangst im Großstadtverkehr.
    Beispielsweise Unfallangst und große Verunsicherung, nach mehreren Beinah-Unfällen; soziale Angst, d.h. Angst vor dem Autofahren im Verkehr, Angst vor anderen Verkehrsteilnehmern, soweit sie hinten auftauchen, hupen und drängeln.
    – Autoangst, Angst vor dem Auto als gefährlicher Maschine.
    – Angst vor Panik auf der Autobahn (in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Therapeuten).
    Nach und vor der Stunde gibt es Gespräche zur Angstbewältigung:
    Welcher Art sind die Ängste? Wie lassen sie sich mildern?
    In welchen Situationen traten Ängste auf? Wie stark?
    Welche körperlichen Symptome traten auf? Wie konnten sie gemildert werden?
    Welche Angstgedanken plagten die Betroffenen? Wie ließen sich diese bewältigen?
    Wie lässt sich die Angst vor Fehlern und Fehlverhalten mildern (Fehlerkorrektur-Übungen)?

    • Methoden der Gesprächsführung: Beim einführenden Interview, zur Entstehung, Art und Intensität der Angst; bei den Betreuungstunden, zur Überwindung blockierender Gedanken
    • Diskussion von Fachthemen, darunter:
      • Wünsche und realistische Ziele der Betreuung. Hindernisse. Planung
      • Rechtliche Regelungen; wie sieht die AGB aus?
      • Wirtschaftliche Chancen; Preisgestaltung
      • berufliche Kompetenz des Fahrlehrers für fahrängstliche Menschen;
      • Hintergründe der Angstentstehung und Angstbewältigung; Überblick über das Programm Fahrangstbewältigung;
      • Zusammenarbeit mit Therapeuten, mit Prüfern; Tipps zum Neustart.
      • Zu den Fachthemen erhalten die Teilnehmer schriftliche Unterlagen ausgehändigt.
      • Zum Schluss des Praktikums gibt es eine Bilanz und eine kleine, schriftliche Arbeit mit Sachfragen, inwieweit die wichtigsten Punkte verstanden worden sind.

b) Behandlung wichtiger Bestandteile des Programms Bewältigung von Fahrangst

  • Einführungsgespräch und Probefahrt: Wie führe ich ein strukturiertes Interview, wie gestalte ich eine Probefahrt, um mir ein gründliches Bild der Vorgeschichte zu verschaffen?
  • Einzelgespräch: Wie gestalte ich ein Einzelgespräch über die Angstgedanken oder über die Angst vor körperlichen Symptomen? Wie kann ich die Angstbewältigung im Gespräch voranbringen? Was verhalte ich mich, wenn der Betroffene auf seinen Angstgedanken beharrt und Widerstand leistet?
  • Betreuungsstunden: Wie geschieht Angstbewältigung in den Betreuungsstunden, mit dem Fahrschulfahrzeug oder mit dem eigenen Fahrzeug?
  • Wie bringe ich die Betroffenen dazu, mit dem eigenen Auto selbständig und angstfrei zu fahren?
  • Sie bauen eine Homepage auf oder entwickeln diese weiter? Auf der Homepage sollte auf die Angsthasenbetreuung und die 7 Schritte der Bewältigung von Fahrangst verwiesen werden. Die 7 Schritte sind beschrieben im Ratgeber zur Bewältigung von Fahrangst: F. Müller und H.J. Ruhr: Keine Angst mehr hinterm Steuer. Springer Heidelberg 2009.
  • Wir empfehlen, nach etwa einem halben Jahr und ersten Erfahrungen in der Betreuung fahrängstlicher Menschen das Praktikum zu wiederholen.

Am wichtigsten ist für Sie ist der praktische Einstieg in die Angsthasenbetreuung. Den vermittelt Ihnen das Praktikum. Damit haben Sie den ersten Schritt getan.

Alle Teilnehmer können sich bei Problemen an die Angsthasenfahrschule Frank Müller wenden und um Rat bitten. Mobil 0163 4281079 oder info@auto-angst.de

Kosten des Praktikums  und Bescheinigung

Das Praktikum kostet 400 €.

Darin sind folgende Leistungen enthalten:

  • Vier Tage Teilnahme an Betreuungsfahrten,
  • gemeinsame Auswertung,
  • Einzelschulung über die entsprechenden Fachthemen
  • und abschließender Test.
  • Teilnahme am Angsthasentreff und gemeinsame Auswertung.

Am Schluss erhalten Sie eine Bescheinigung über das Praktikum, in dem alle Teile des Praktikums aufgeführt sind, die Sie absolviert haben.

Achtung, für Fahrlehrer außerhalb Berlins: Bei der Unterkunftssuche können wir gern helfen.

Netzwerk von Angsthasenfahrschulen

Wenn Sie sich an dem Praktikum beteiligen und nach einem halben Jahr ein Folgepraktikum besuchen, werden sie mit ihrer Fahrschule in ein Online-Netzwerk von Angsthasen-Fahrschulen aufgenommen. Das Ziel ist, dass Betroffene sich im Online-Netzwerk informieren und eine Fahrschule aus ihrer Region finden. So müssen die Betroffenen zu ihrer Betreuung nicht mehr kreuz und quer durch Deutschland reisen.

Leider ist das Netzwerk, das muss man hier auch selbstkritisch sagen, bis jetzt kein bisschen weiter gekommen. Warum?? Dabei warten Millionen (!!) Betroffene auf unsere Hilfe.

Auf jeden Fall, das will ich hier noch einmal anmerken, können Sie sich bei schwierigen Problemen jederzeit an mich wenden:

Frank Müller

Email info@auto-angst.de

Mobil 0163 4281079

Leitfaden für künftige Angsthasenfahrlehrer und für Angsthasen

Für alle Interessenten steht der Ratgeber von F.Müller und H.J. Ruhr “Keine Angst mehr hinterm Steuer” bereit. Dieser ist nach wie vor aktuell und gültig, vor allem mit den  dort entwickelten sieben Schritten zur Bewältigung der Fahrangst.

Darüber hinaus ist es wichtig, einen Leitfaden für Fahrlehrer und Betroffene zu verfassen, in den die vielen praktischen Erfahrungen seit der Herausgabe des gerade erwähnten Ratgebers einfließen. Dafür soll diese Webseite stehen, die den Ratgeber bewahrt, aber die neuen Erfahrungen mit einbezieht.

Der Leitfaden steht bald allen Interessierten zur Verfügung, er ersetzt aber nicht die Erfahrungen eines Praktikums. Vor allem soll der Leitfaden die Arbeit künftiger Angsthasenfahrlehrer erleichtern.

Ihre ersten praktischen Aufgaben: Angst vor dem Auto, vor dem Autofahren? Hier lernen Sie, sich zu beruhigen!

 

 

Angst vor dem Auto, das Auto macht, was es will, bis zum Kontrollverlust
 Angst vor dem Auto?  In der Geschichte, die die Angsthäsin in der Angsthasenrunde erzählt hat,  ist die Rede von “Angst vor dem Auto”. Was ist passiert? Sie steht an der Spitze einer Kolonne anderer Fahrer, möchte wie diese nach links abbiegen. Leider klappt es nicht gleich, denn es kommt viel Gegenverkehr. Sie spürt den Druck der hinter ihr stehenden Fahrer, wird nervös, verliert ihre warnende Vernunft, fährt in diesem Zustand los, merkt, dass die Muskeln in den Beinen krampfen und zittern. Zu ihrem Entsetzen merkt sie, dass das Auto bei der Fahrt nach links störrisch und viel zu langsam durch die Kreuzung hoppelt. Durch die Nervosität kommt es zu einer Fehlbedienung. Sie lässt die Kupplung zu schnell los, gibt kaum Gas. Doch sie schiebt alles auf das Auto, hat Angst vor dem Auto. Nur durch das beherzte Bremsen des Fahrers im Gegenverkehrs wird ein Unfall vermieden. Die Angsthäsin fürchtet anschließend, bei weiteren Fahrten die Kontrolle über das Auto zu verlieren, einen schweren Unfall zu verschulden. 

Praktische Aufgaben zu Beginn: Angst vor dem Auto? Hier lernen Sie, sich zu beruhigen!

Eine Angsthäsin biegt nach links ab, obwohl Gegenverkehr kommt. Ein Drängler hinter ihr hat wiederholt gehupt. In der Aufregung fährt sie nicht zügig, sondern hoppelt etwas hilflos und viel zu langsam durch die Kreuzung. Gut, dass der Fahrer im Gegenverkehr bremst. Anschließend hat die Angsthäsin jedes Vertrauen in das Auto und in ihre Fähigkeiten zum Autofahren verloren. Sie fürchtet, einen schweren Unfall zu verschulden und steuert jahrelang kein Auto mehr.

Sie bekommen auf dieser Webseite Aufgaben gestellt. Diese sollen Ihnen helfen, mit der Bewältigung Ihrer Angst hinterm Steuer besser zurecht zu kommen. Die Aufgaben machen Sie mit den Abläufen, den Grundsätzen und der Art der Angstbewältigung vertraut, nehmen Ihnen schon ein bisschen die Angst vor dem Auto und dem Autofahren. Hier folgen Aufgaben, die Sie auf den ruhigen, vernünftigen Umgang mit dem Auto vorbereiten.

Wir gehen hier Schritt für Schritt vor. Um mit der Angst umgehen zu lernen, müssen Sie sich in eine Angstsituation begeben. Dabei lernen Sie, mit der Angst umzugehen – beispielsweise durch Entspannungsübungen. Es darf bei allen Aufgaben und sonstigen Übungen keinesfalls zu einer Überforderung kommen. Sonst würden Sie überschwemmt werden mit Angst, sich und andere gefährden. Sie sollten als Fahrerin jederzeit die Kontrolle behalten. Die Verkehrssicherheit hat Vorrang. 

Daher ist Grundvoraussetzung, gerade zu Anfang, die Angstsituation im Rahmen Ihrer Möglichkeiten und leicht zu halten. Wir verringern die äußeren Belastungsfaktoren. Sie stellen sich die Belastungssituation nur vor. Oder Sie setzen sich in ein stehendes Auto, machen Entspannungsübungen, fühlen sich  möglichst wohl. Weitere Möglichkeit: Sie stellen sich an eine belebte Kreuzung, beobachten die Fahrer und ihre Manöver, stellen sich vor, Sie seien beteiligt.  

Diese Aufgaben gehören zur Stufe 1, der Stufe der Vorbereitung auf das entspannte, sichere Autofahren. Die Aufgaben sind eher von einfacher, objektiv ungefährlicher Art. Sie stellen sich eine bestimmte, Angst auslösende Situation sehr lebhaft vor, machen bestimmte Übungen zur Angstbewältigung am Steuer. In weiteren Aufgaben setzen Sie sich in ein Auto und üben dort ebenfalls. Das Auto, in dem Sie die Aufgabe ausführen, steht fest, es wird nicht bewegt, der Motor ist aus. Sie können die Aufgabe allein durchführen, benötigen noch keinen Angsthasenfahrlehrer.

Ob im Verkehr, oder im stehenden Auto – für das Gehirn ist es beinahe gleich! Wenn Sie Ihrem Gehirn einen äußeren Rahmen bieten (das stehende Auto), dazu eine passende Szenerie (die Vorstellung einer Kreuzung, belebt mit Autos) und entsprechendes Handeln (ein Drängler hupt, sie werden nervös, beschließen laut, nicht gleich loszufahren), dann werden sie sicher nervös – und können üben, die richtigen Hilfen dagegen einzusetzen. Für das Gehirn ist es beinahe gleich, ob sie ungefährlich stehen, sich die Vorstellung einer Szenerie machen, oder mitten im Verkehr sind. Na ja, beinahe. Aber üben können Sie schon einmal auf diese Weise, und zwar ungefährlich. Und darauf kommt es an!

Wer kann von diesen Aufgaben profitieren?

Achtung: Diese Aufgaben sind für Fahrängstliche mit Führerschein geeignet, aber auch für Prüfungsängstliche, die noch keinen Führerschein haben. Denn das Auto, in das Sie sich bei diesen Aufgaben hinein setzen werden, steht, der Motor bleibt aus.

Halten Sie durch!

Behalten Sie das Ziel und den Weg bis zum Ziel vor Augen: Nach der Stufe 1 (Vorbereitung)  folgen die Stufe 2 (Fahrten mit dem Fahrschulwagen im Verkehr, begleitet vom Angsthasenfahrlehrer), und die Stufe 3, Fahrten selbständig, nur zu Anfang noch begleitet vom Angsthasenfahrlehrer. 

Sie machen mit diesen Aufgaben einen ersten Schritt zum erwünschten Ziel – keine Angst mehr hinterm Steuer: Selbständig, ruhig und sicher Auto fahren!

Warnung: Diese Übungen finden ohne Wagen oder nur im stehenden Wagen statt. Wenn Sie sich mit dem Pkw in den Verkehr begeben wollen, sind Sie auf Schutz und Rat angewiesen:

Als Fahrschüler dürfen Sie im Verkehr laut Gesetz nur mit Begleitung eines Fahrlehrers und im Fahrschulwagen mit Doppelbedienung der Pedale fahren. Nur mit Hilfe eines Angsthasenfahrlehrers können Sie allerdings Ihre Prüfungsangst oder weitere Ängste beim Autofahren bewältigen.

Als Angsthäsin benötigen Sie dringend einen Angsthasenfahrlehrer, mit Fahrschulwagen, wenn Sie sich per Auto in den Verkehr begeben wollen. Fahren Sie nicht mit irgendwelchen Begleitern und in einem normalen Pkw. Sie haben keinerlei Schutz und kompetenten Rat!

Ihre ersten praktischen Aufgaben: Angst vor dem Auto, vor dem Autofahren? Hier lernen Sie, sich zu beruhigen! weiterlesen