Blackout beim Einparken. Aufgaben und Hilfe gegen die Angst

Ein Prüfling leidet an schwerer Nervosität in der Fahrprüfung, ein Blackout. Beim Einparken droht ein Blechunfall.   Was kann der Prüfling tun? Was können Sie mit Ihrer Angst hinterm Steuer gegen Ihre Nervosität tun? Hier erhalten Sie Hilfe bei Angst vor dem Einparken. 

Nach einer misslungenen Fahrprüfung begann ich als künftiger Angsthasenfahrlehrer über Nervosität am Steuer, über einen Blackout beim Einparken und die Möglichkeiten der Hilfe nachzudenken. Heraus kamen erste Schritte, die Nervosität beim Einparken, allgemein die Nervosität beim Autofahren, zu mildern. Ein guter Einstieg, den ich jedem Prüfling und Fahrlehrer empfehlen kann.

Damals habe ich gemerkt: Allein mit dem Üben des Stoffs  kommt man hier nicht weiter.  Der Prüfling sollte lernen, mit seiner Nervosität umzugehen, Fahrlehrer/innen könnten ihm dabei helfen. 

Wer kann von den Aufgaben profitieren?

Für wen? Im Rahmen der Vorbereitung – Programmstufe 1 – weisen wir alle Betroffenen auf diese und weitere Aufgaben auf dieser Webseite hinDie Aufgaben sind vor allem für ängstliche Prüflinge gedacht. Aber auch Angsthasen im Stadtverkehr mit Führerschein können daraus lernen. Allgemein für alle, die sich für das Thema Milderung der Nervosität beim Autofahren interessieren – insbesondere für das Thema Hilfe bei Angst vor dem Einparken. Die Aufgaben passen zur Programmstufe eins, der Vorbereitung auf die Bewältigung der Angst im Straßenverkehr. Sie ersetzen allerdings nicht die weiteren Stufen im Programm, Fahrten im Straßenverkehr unter Begleitung des Angsthasenfahrlehrers.

Art der Aufgaben. Die Aufgaben sind teils theoretischer, teils praktischer Art. Zuerst verschaffen wir uns Wissen zur Milderung der Nervosität. Bitte lesen und studieren Sie das  Infopapier zur Nervosität und deren Milderung. Dann gehen wir über zu praktischen Aufgaben. Sie stellen sich Situationen vor oder begeben sich in welche hinein, die Sie immer mehr belasten und Nervosität erzeugen. Wir üben gleichzeitig und gezielt die Beruhigung der blockierenden Symptome, fühlen uns wieder entspannter, kontrollieren die Lage. Die Übungen finden im stehenden Auto statt. Keine Sorge, all das ist ungefährlich. Der Motor ist aus, die Handbremse angezogen.

Warnung 1: Prüfungsängstliche  sind auf einen unterstützenden, kompetenten Fahrlehrer angewiesen. 
Sollten Sie die Aufgaben auch während einer Fahrt umsetzen wollen, dann dürfen Sie als Prüfungsängstlicher im Straßenverkehr nur begleitet von einem Fahrlehrer üben. Dasselbe gilt für die praktische Prüfung. Schwierigkeiten kann es geben, da Fahrlehrer eigentlich gar keine Ausbildung zum Thema Abbau von Prüfungsangst haben. Viele der hier vorgestellten Hilfen gegen die Prüfungsangst werden bei den beteiligten Fahrlehrern auf Unverständnis stoßen. Da wird es darauf hinaus laufen, dass der begleitende Fahrlehrer die für ihn neuen Abläufe und Verhaltensweisen bestenfalls duldet. Sie brauchen aber ein gutwilliges, unterstützendes soziales Umfeld! Zur Not müssen Sie den Fahrlehrer wechseln. Darauf nehme ich am Schluss des Artikels Stellung. Auch zu diesem Problem erhalten Sie Aufgaben.

Warnung 2: Fahrängstliche mit Führerschein brauchen bei Fahrten im Straßenverkehr Schutz und Rat durch den Angsthasenfahrlehrer.  Fahrängstliche mit Führerschein sollten folgendes beachten: Die Aufgaben gehören zur Vorbereitung auf die wichtigen Stufen zwei und drei im Programm Bewältigung der Angst hinterm Steuer: Betreuungsfahrten im Straßenverkehr unter Begleitung des Angsthasenfahrlehrers, bei immer stärkerer Belastung und Milderung der Angst durch besondere Übungen. Die Aufgaben ersetzen diese beiden wichtigen Stufen zwei oder drei nicht, sondern dienen eben nur der Vorbereitung darauf. Alle drei Programmstufen gehören eng zusammen.

Soweit Sie schon den Führerschein haben, und noch in Ihrer Angst befangen sind, sollten Sie weder allein, noch mit unkundigen Personen – Freunden, Partnern, Verwandten – im Straßenverkehr üben, mit einem normalen, Nicht-Fahrschul-Pkw. Das kann bei Ihrer Angst zu gefährlichen Situationen führen. Niemand kann Sie dann schützen! Diese Warnung finden Sie auch auf der Rückseite des Infoblattes zu den AGB der Angsthasenfahrschule und zum Programm Angstbewältigung hinterm Steuer
Üben Sie im Straßenverkehr nur begleitet von Ihrem Angsthasenfahrlehrer!

Marianne verwechselt Gas und Bremse. Marianne hat den Führerschein, ist etwas ängstlich. Nach einem leichten Parkschaden vermeidet sie das Autofahren. Nun hat ihr Freund sie überredet, am Wochenende mit ihm auf einem großen, einsamen Parkplatz zu üben. Sie möchte das nicht, hat ein ganz schlechtes Gefühl, doch er lässt nicht locker. Sein Argument: Damit wirst Du sicherer, traust Dich wieder allein in den Verkehr. Schließlich stimmt sie widerwillig zu. Der Freund fährt sie zum Parkplatz. Sie üben am Rande des Parkplatzes. Dort stehen Bäume, es ist schattig, sehr ruhig, niemand stört sie. 

Sie beginnen mit Rückwärtsfahren. Sie schafft das unter großer Anstrengung. Ihr wird immer unwohler, sie fühlt sich erschöpft. Er lobt sie dagegen. „Noch einen Versuch“, bettelt er. Sie fahren rückwärts, hinter ihnen ein Baum. Der Freund macht sie darauf aufmerksam, bittet um langsameres Fahren. In diesem Moment fühlt sie Panik aufsteigen. In der Aufregung verwechselt sie Gas und Bremse, drückt mit dem rechten Fuß voll aufs Gaspedal. Der Wagen beschleunigt rückwärts. Sie fahren immer schneller auf den Baum zu. Der Freund schreit vor Schreck „Du machst mein Auto kaputt!“ Irgendwie schafft sie es noch, zu bremsen. Völlig erschöpft vor Schreck und Angst sitzt sie da. Der Freund sagt kein Wort mehr. Da steigt sie aus, rennt davon. Nie wieder Autofahren! Dem Freund sagt sie später Bescheid, kann er denn nur an sein Auto denken?

Doch nun lesen Sie die Geschichte vom misslungenen Einparken in der Prüfung 

Der Prüfling auf dem Hof der Prüfstelle – sehr nervös

Der drohend aufragende Berg - Sinnbild für die Angst vor der Fahrprüfung.
Berg Wiggis, Kanton Glarus, Schweiz. Bild Jochen Müller.        Der drohend aufragende Berg, davor die gerade, zu ihm hinführende Straße – Sinnbild für die Angst vor der Fahrprüfung. Zu dieser Angst gehört die Angst vor hohen Anforderungen in der Prüfung, die Angst vor Fehlern und vor Nichtbestehen der Prüfung. Dazu die Angst vor dem abwertenden Urteil des sozialen Umfeldes (soziale Angst). Auch eine mitleidige Reaktion wird oft als abwertend empfunden. Angesichts des Drucks, der auf ihnen lastet, fürchten die Betroffenen heftig ihr eigenes Unvermögen. Sie fühlen sich, mit einem hässlichen Begriff, als „Versager“: Alle anderen bestehen locker, nur ich nicht!“  Die Sorge kann auch weit in die Zukunft reichen: Dann wird wegen des Versagens in der Führerscheinprüfung auch das berufliche Weiterkommen bezweifelt. Nervosität: Die Angst vor der Fahrprüfung führt zu starker Nervosität, die wiederum blockiert das entspannte, vernünftige Handeln während der Prüfungsfahrt. Auch die starke Nervosität wird gefürchtet, beispielsweise in Form eines Blackouts, eines teilweisen Verlust des Gedächtnisses. Ein erster Schritt, um sich vor den gefürchteten Folgen der starken Nervosität und gar vor Fehlverhalten zu schützen, sind Rettungsmaßnahmen. Viele Prüflinge wissen gar nicht, dass sie eine Pause während der Prüfungsfahrt verlangen können (das Wort „bitte“ sollte dabei nicht fehlen).  Weitere Schritte sind Hilfen gegen die starke Nervosität. Langfristig nützlich können auch Gespräche und Übungen über die überzogenen, scheinbar ausweglosen  Ängste sein.

Ausgangssituation – wir warten auf den Prüfer

Der Prüfling, ein junger Mann, war gut ausgebildet, auch im Einparken, allerdings nervös. Mir fiel sein Zustand auf dem Hof der Prüfstelle auf, als wir auf den Prüfer warteten. Für den jungen Mann war es die erste Prüfung. Der Prüfling war unruhig, in sich gekehrt, zitterte ein bisschen. Meinem Gespräch hörte er kaum zu. Heute bin ich aufmerksam auf solche körperlichen Signale. Auch die Betroffenen sind von mir geschult, darauf zu achten, sie laut zu benennen und und sich an ihre Übungen erinnern, die hemmenden Symptome zu mildern. Dafür gibt es inzwischen eine Palette von Hilfsmöglichkeiten. Ja, das erfordert Training, genauso, wie das Üben des Stoffs. Damals fiel mir die Nervosität nur am Rande auf. Ich legte vielmehr großen Wert auf die Beherrschung des Stoffs. Das ist nicht schlecht. Reicht aber in diesem Falle nicht.

Viel geübt und geredet, leider erdrückt die Nervosität alles

Ich spürte zwar, dass etwas mit dem Prüfling nicht stimmte. Aber mir war nicht  klar, was die Symptome bedeuteten und welche Hilfe der Prüfling brauchte. Tatsächlich sah meine Hilfe so aus: Ich beschrieb ihm die ersten, möglichen Schwierigkeiten der kommenden Fahrt. Es ging um die Ausfahrt aus der Prüfstelle und eine danach auftauchende, etwas verwirrende Möglichkeit, nach links abzubiegen. Das alles hatten wir schon x-mal geübt. Ich merkte jedoch, dass meine eifrige Rede an ihm vorbei ging, dass er immer nervöser wurde. Ich spürte meine vergebliche Mühe, wusste nicht weiter und schwieg. Auch ich wurde nun nervös.

Der Prüfer erscheint, begrüßt. Hohe Nervosität beim Prüfling

Nun kam der Prüfer, die Begrüßung war kurz und sachlich. Der Prüfling zeigte seinen Ausweis, blieb stumm, in sich gekehrt. Die Fahrt begann, beim Abfahren aus dem Parkplatz der Prüfstelle würgte der Prüfling zweimal den Motor ab. Schließlich schaffte er es doch. Der Prüfer war einsilbig, ich versuchte vergeblich, ihn zu einem Gespräch zu bringen. Das hätte das Klima im Auto vielleicht aufgelockert. So hatten es mir viele Kollegen geraten. Schließlich gab ich es auf. Die Stimmung wirkte gedrückt. Der Prüfling, das bemerkte ich wieder, war nicht gut drauf. Er war stumm, äußerte sich mit keinem Wort. So hatte ich es ihm vorher in der Ausbildung für die Prüfung angeraten. Damit er sich besser auf die Prüfungsfahrt konzentrieren konnte, nicht durch seine Beteiligung an einem Gespräch abgelenkt wurde. Er atmete stoßweise, manchmal gar nicht, und schwitzte. Die Bewegungen bei der Autobedienung wirkten ruckig. Nach einer guten Viertelstunde Fahrt, die recht und schlecht verlief, sollte der Prüfling rückwärts parallel zum Bordstein einparken.

Eine Parklücke für beinahe zwei Lastwagen

Der Prüfer wies ihm eine Lücke zu. Diese war außergewöhnlich groß. Da hätten beinahe zwei Lastwagen rein gepasst. Dort sollte er rückwärts einparken. Ich grübelte kurz über die Absichten des Prüfers: War die große Lücke sozusagen eine nette Geste gegenüber dem nervösen Prüfling? Oder sollte sie ihn gerade durch ihre Länge heraus fordern? So könnte der Prüfling womöglich in seiner Angst denken. Wahrscheinlich traf keine der beiden Vermutungen zu. Der Prüfer hatte einfach die nächstbeste Lücke gewählt. Jedoch, wie ich deutlich sehen konnte, wurde der Prüfling angesichts der großen Lücke noch nervöser.  

Parken rückwärts seitlich, Parklücke sehr lang. Zu früh nach rückwärts rechts gelenkt. Schlechte Stellung, Korrektur nicht möglich? Hilfen bei Angst vor dem Einparken
Parken rückwärts seitlich, Parklücke sehr lang. Zu früh nach rückwärts rechts gelenkt. Das rechte Hinterrad stößt an den Bordstein. Vorne rechts sind nur noch winzige paar Zentimeter vorhanden, um zu rangieren. So kann man sich aber nicht mehr in die Lücke „quetschen“, ein Blechschaden droht. Warum die schlechte „Lösung“, die keine ist? Durch Prüfungsdruck und Blackout ist der Verstand nicht mehr da, herrscht Tunnelblick. Der gesamte freie Raum hinter dem roten Auto wird gar nicht mehr wahrgenommen.  In der Drucksituation wird zur Primitivlösung gegriffen, rückwärts nach rechts und dann sofort nach links zu lenken. Die Primitivlösung bringt nichts, genauso der anschließende, verzweifelte Versuch des Hineinquetschens. Das macht die Sache nur schlimmer. Rettungsmaßnahmen:  Wir müssen jetzt sozusagen einen Strich ziehen, alle weiteren Bemühungen einstellen, für Erholung und unseren armen, darnieder liegenden Verstand sorgen: Motor aus, Handbremse ziehen, Fenster auf, rausschauen, ruhig atmen, sich entspannen. Laut reden, über die Nervosität. Bitte auch für eine Weile aussteigen, sich dehnen, Luft holen, umschauen. Damit ist der Verstand wieder da, die Erinnerung an richtiges Parken setzt wieder ein. Kein Blackout mehr! Laut Planen: Und nun wieder laut reden, das weitere Vorgehen planen: Wieder ganz heraus fahren, dabei weit ausholen, weg von dem blauen Auto. Beim Herausfahren auf den Verkehr achten. Ganz von vorne beginnen, dieses Mal darauf achten, erst später in die Lücke hinein zu drehen, weit nach hinten fahren, Richtung graues Auto. Dann nach vorne rechts Richtung Bordstein ziehen. Den gesamten Vorgang laut kommentieren. Wie einfach kann das Parken sein! Aber nur ohne Blackout.

Große Aufregung – Erinnerung und Verstand sind weg

Wahrscheinlich wegen seiner Angst und Aufregung wählte der Prüfling die einfachste – zu einfache – Lösung. Er zog nicht weit nach hinten rechts, wie es die Größe der Lücke nahe gelegt hätte. Von dort aus hätte er bequem nach vorne Richtung Bordstein fahren und den Wagen parallel zum Bordstein aufstellen können. Statt dessen wählte er eine Primitivlösung.

Die Primitivlösung, wegen des Blackouts. Er lenkte sofort scharf nach rechts. Zu spät drehte er dann das Lenkrad nach links. Das rechte Hinterrad prallte so gegen den Bordstein. Und die Motorhaube wanderte bedenklich nah zum Heck des vorderen Pkw. Weiter nach hinten zu fahren, war damit unmöglich. Nach vorne rechts zu korrigieren war ebenfalls nicht vorstellbar, denn der Abstand zum vorderen Wagen war zu gering (s. Bild). Am besten wäre jetzt gewesen, alle weiteren Parkversuche zu unterlassen, eine Pause einzulegen, sich zu beruhigen. Und dann vorsichtig, mit Abstand zum vorderen Wagen, wieder ganz heraus zu fahren, von vorne zu beginnen.

Hineinquetschen ist kein Ausweg. Doch der Prüfling kam auf keine brauchbare Lösung, hatte offensichtlich keinen nützlichen Plan mehr im Kopf. In seiner Aufregung versuchte er vergeblich, den Wagen durch winzige Fahrzüge – vorwärts rechts, rückwärts links – doch noch  in die „Lücke“ zu quetschen. Angesichts der eigentlich riesengroßen Lücke weiter hinter uns war das ein Wahnsinn. Ich hätte ihn am liebsten geschüttelt – „komm zu Dir, atme mal tief durch, schau Dich um, Du bist ja blind!“

Doch er versuchte es weiter mit dem Hineinquetschen, der falsche, gefährliche Weg! Mit dem Hin und Her wurde er immer nervöser, es ging nur noch um Zentimeter, alles vergeblich, ein Blechunfall drohte. Schließlich musste ich eingreifen. Nicht bestanden! Hinterher weinte der Prüfling, war aber auch sichtbar erleichtert.

Der Schock nach der Prüfung

Nach der Prüfung war ich geschockt und hilflos. Eigentlich war der Prüfling doch gut ausgebildet. Wie konnte das passieren? Mir tat der Prüfling leid. Ich hätte ihm gerne geholfen. Nicht gerade während der Prüfung, aber vorher, so dass er sich aus seiner Nervosität hätte selbst befreien können. Aber kein Fahrlehrer, kein Prüfer konnte mir Tipps geben.  

Die Suche nach der Lösung

Darauf suchte ich energisch nach Lösungen, gründete eine Fahrschule (Fahrschule Schaffen Wir), in der ich meine Ideen verwirklichen wollte. Viel habe ich damals durch das Gespräch mit Therapeuten und durch unzählige Erfahrungen mit den Betroffenen gelernt. Es ging am Schluss nicht nur um die Prüfungsangst, sondern allgemein um Ängste hinterm Steuer. Inzwischen hatten sich zahlreiche Angsthäsinnen (mit Führerschein) bei mir gemeldet, die ebenfalls mitmachen und ihre Angst bewältigen wollten.

Seither konnte ich vielen helfen, schön. Diese Prüfung hat bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

Hilfe bei Angst vor dem Einparken

Und nun sollen Sie etwas für sich tun! Mildern Sie Ihre Prüfungsangst und Nervosität. Haben Sie keine Angst mehr vor einem möglichen Blackout beim Einparken! Arbeiten Sie an den folgenden Aufgaben zu der gerade erzählten Geschichte über Prüfungsangst. Ihr Ziel: Ruhe in der Fahrprüfung, kein Blackout mehr beim Einparken!

Aufgaben und Hilfen bei Angst vor dem Einparken

1. Lesen  Sie die Geschichte vom missglückten Parken in der Fahrprüfung durch, achten Sie auf Ihren inneren Zustand.
Versetzen Sie sich in den Prüfling hinein. Beachten Sie Ihren Zustand – werden Sie beim Lesen selbst etwas nervös? Keine Sorge, das ist normal. Nur ein ganz cooler Mensch kann sich bei solch einer Geschichte abschotten. Sie werden es nicht schaffen, Sie werden eine leichte Unruhe verspüren, störende Gedanken treiben sich im Kopf herum, schwächen die Konzentration, ihr Atem geht schneller. Aber nun sollen Sie ja lernen und üben, die Unruhe zu mildern, die störenden Gedanken nicht zu beachten.
Aufgabe 1: Benennen Sie Ihren Zustand laut.
Sie haben das vorher genannte Infopapier zur Milderung der Nervosität durch gelesen. Versuchen Sie folgendes: Beobachten Sie Ihre Nervosität, stellen Sie fest, wie heftig sie ist (in Zahlen von 1 – 10). Benennen Sie Ihren Zustand laut, beispielsweise so: „Ich bin tatsächlich etwas nervös, bei 4.“ –  „Ich atme ruhig.“ Schon, wenn Sie diese beiden einfache Sätze gesagt haben, werden Sie spüren, dass Sie ruhiger werden und die Konzentration zurück kehrt. Der Grund: Das laute Sprechen holt den Verstand zurück, der in der Nervosität schwindet. Außerdem beruhigt es den Atem, durch das Sprechen selbst und die innere Aufforderung. Zusätzlich atmen sie ruhig, 3 – 4 mal durch die Nase ein, durch den gespitzten Mund wieder aus.
Aufgabe 2: Mit den störenden Gedanken umgehen.
Setzen Sie sich entspannt auf einen Stuhl, atmen Sie ruhig, konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem. Bemerken Sie, wie immer wieder störende Gedanken durch Ihren Kopf huschen? Beispiel: „Du wirst nervös, das Einparken schaffst Du nie!“ Kämpfen sie nicht dagegen an, sagen Sie auch nicht „Stopp“ zu den Gedanken. Damit werden diese zu sehr beachtet. Lassen Sie die Gedanken einfach kommen und gehen. Beachten Sie sie nicht, konzentrieren Sie sich immer wieder auf Ihren ruhigen Atem. Das ist eine Vorübung aus der Schule der Meditation. Diese Übung können Sie bei einer Fahrpause einsetzen, beispielsweise im Laufe des Einparkens, wenn Sie wegen eines Blackouts nicht mehr weiter wissen und eine Pause einlegen.

2. Ihre eigene Geschichte aufschreiben:
Ihre eigene Geschichte wird Ihnen vielleicht jetzt beim Lesen dieser Geschichte durch den Kopf gehen. Wie Sie befürchtet haben, von anderen kritisch beurteilt zu werden, wenn Sie nicht gleich bestehen. Was Ihnen wegen der Fahrprüfung Sorgen bereitet. Ob Sie die Prüfung überhaupt schaffen oder als Versager dastehen. Sie denken sicher oft in solchen Befürchtungen, schlagen sich mit einem Wirrwarr schwarzer Gedanken herum.
Aufgabe: Durch Aufschreiben Struktur  und Verstand in das gedankliche Chaos bringen.
Schreiben Sie Ihre Geschichte auf! Bringen Sie Ihre Geschichte in eine zeitliche Reihenfolge (vor der Prüfung, eventuelle Prüfungen, nachher).  Beschreiben Sie Ihre Befürchtungen, Ihre Nervosität. Beschreiben Sie den Ablauf eventueller Prüfungen. Schreiben Sie auch, an welcher Stelle Sie Fehler hätten korrigieren können. Schreiben Sie, wie peinlich es Ihnen war, vor anderen die vergeigten Prüfungen eingestehen zu müssen.Auch wenn die Erzählung der Erinnerung nach nicht mehr ganz stimmt, das Aufschreiben wird Ihnen gut tun. Sie werden durch das Schreiben und das Nachdenken mit Verstand an die Sache heran gehen, nicht mehr nur mit Angst.
Schicken Sie Ihr Schreiben an einen lieben Freund oder eine Freundin. Sie können es auch mir schicken, ich werde darauf antworten:
Frank Müller, info@auto-angst.de

3. Den Prüfer freundlich begrüßen:
Nun wollen wir einen Schritt weiter gehen, uns die Passage im Text vornehmen, als der Prüfer erscheint und Sie und Ihren Fahrlehrer begrüßt. Lesen Sie die Stelle aufmerksam durch. Stellen Sie sich die Szene intensiv vor. Sie werden spüren, dass Sie wieder nervös werden, dieses Mal wahrscheinlich noch mehr als vorher. Vielleicht sind Sie dieses Mal auf der Skala der Nervosität bei fünf. Oft ziehen sich Ängstliche in solchen Situationen in ihr Schneckenhaus zurück, würden am liebsten verschwinden. Das geht aber nicht, daher bleiben sie passiv und abgewandt, bis zum letzten Moment. So steigt aber die Angst. Wir wollen lieber aktiv und freundlich sein.
Aufgabe 1: Dem Prüfer entgegen gehen, freundlich, lächeln.
Sprechen Sie wieder laut, über Ihre Situation, atmen Sie ruhig und „handeln“ Sie: Gehen Sie dem Prüfer in Gedanken ein paar Schritte entgegen, strecken Sie die Hand aus zur Begrüßung, versuchen Sie zu lächeln (!) und begrüßen Sie ihn.
Aufgabe 2: Mit einem Bekannten die Begrüßung durch den Prüfer simulieren:
Das nächste Mal beziehen Sie einen Bekannten oder Freund in Ihr Vorhaben ein. Er ist nett und unterstützt Sie wohlwollend bei Ihrem Plan, Ihre Nervosität zu dämpfen. Der Bekannte soll den Prüfer spielen.

4. Die Anspannung steigern, eine Prüfstelle aufsuchen:
Besuchen Sie eine Prüfstelle, ganz allein (in Berlin gibt es zwei, TÜV oder DEKRA). Stellen Sie sich auf den Hof der Prüfstelle, auf dem die Fahrschulen mit ihren Fahrschulwagen kommen und abfahren. Beobachten Sie das Treiben. Dort wird eingeparkt. losgefahren, manchmal kommen auch Prüfer, begrüßen Prüfling und Fahrlehrer, dann fahren alle zusammen ab.
Aufgabe: Prüfungsbeginn und -ende und vor allem die eigenen Gefühle beobachten.
Beobachten Sie die Vorgänge, beobachten Sie vor allem Ihre Gefühle. Sind Sie sehr nervös? Wahrscheinlich, vielleicht bei sechs. Keine Sorge, atmen Sie ruhig, sprechen Sie laut vor sich hin. Gehen Sie in Gedanken auf den Prüfer zu,  begrüßen Sie ihn lächelnd.

5. Mit einem Bekannten die Begrüßung durch den Prüfer simulieren: Das nächste Mal nehmen Sie den netten Bekannten mit zur Prüfstelle. Er soll den Prüfer spielen.
Aufgabe: Den Prüfer über Ihre Nervosität informieren – und Ihre eigenen Hilfen dagegen.
Der Bekannte kommt als „Prüfer“ aus dem Gebäude der Prüfstelle, geht auf Sie zu und begrüßt Sie. Sie lächeln, stellen sich kurz vor, zeigen Ihren Ausweis. Beobachten Sie Ihre Nervosität, atmen Sie ruhig. Sagen Sie laut „ich bin nervös, auf 7.“ Informieren Sie dann kurz den Prüfer über Ihre Nervosität. Sagen Sie zusätzlich, dass Sie sich gegen Ihre Nervosität einige Hilfen ausgedacht haben. Sagen Sie ruhig ein paar Beispiele dafür. Sie werden vielleicht laut sprechen, über Ihren Zustand oder Ihre Vorhaben vor der nächsten schwierigen Verkehrssituation. Oder mit einer Progressiven Muskelentspannung die verspannten Muskeln lockern. Die Information des Prüfers über Ihren Zustand oder Ihre möglichen Hilfen gehört unbedingt dazu! Ja, Sie sind nervös, aber Sie werden sich selbst dagegen helfen! Ihre Information soll ja kein wehleidiges Gebettel sein, sondern eine selbstbewusste Aussage. Das offene Gespräch mit dem Prüfer wird Sie sehr entlasten. 

6. Einen Blackout und die Hilfe dagegen simulieren.
Setzen Sie sich in das Auto Ihres Bekannten. Keine Sorge, der Motor bleibt aus, das Auto steht, die Handbremse ist gezogen. Das Auto ist nur als Umgebung da, um Sie etwas nervös zu machen. Ihr Bekannter spielt den „Prüfer“, sitzt hinten rechts. Er fordert Sie auf, rückwärts rechts parallel zum Bordstein in die Parklücke einzuparken. Sie schauen, blinken rechts, treten die Kupplung, legen den Rückwärtsgang ein, geben ein wenig Gas, lassen die Kupplung in den Schleifpunkt kommen, „fahren“ los,  „drehen“ dabei heftig nach rechts am Lenkrad. Dann „merken“ Sie, dass Sie rückwärts an den Bordstein stoßen, nicht mehr weiter können. „Korrigieren“ Sie ein paarmal vorwärts, rückwärts. Kein Erfolg. Bei dem Vorgang sind Sie wahrscheinlich nur mäßig nervös geworden, nicht so sehr bis in den Blackout hinein. Aber darauf kommt es nicht an. Wir simulieren den Blackout. Wichtig ist vor allem Ihre Eigenhilfe. Also, jetzt der Blackout, wir simulieren, Sie sind furchtbar nervös, wissen nicht mehr weiter.
Aufgabe 1: Sich aus dem Blackout heraus helfen – Rettungsübung.  Sprechen Sie laut „ich bin sehr nervös, ich weiß nicht  mehr weiter.“ Atmen Sie ein paarmal ruhig. „Ziehen“ Sie die Handbremse – die in Wirklichkeit schon gezogen ist -, „drehen“ Sie den Zündschlüssel, um den Motor auszumachen. Zum „Prüfer“ gewandt, laut: „Mir geht es nicht gut, meine Erinnerung ist kurz weg. Ich brauche eine kleine Pause.“ Ihr hinten sitzender „Prüfer“ wird Sie gerne unterstützen, eine Pause einzulegen.
Die Pause ist so wichtig, damit Sie sich beruhigen, wieder zu sich kommen und Ihr Verstand funktioniert. Lassen Sie den Wagen so stehen, wie er steht. Schnallen Sie sich ab, schauen Sie, ob frei ist, und steigen Sie aus. Ausgestiegen, atmen Sie ruhig, dehnen Sie Ihren Körper ein wenig, schauen Sie sich ein bisschen um. Das wird Ihnen gut tun. Sie sind wieder ruhig, können nachdenken. Prüfen Sie die Lage des Fahrschulwagens und auch die gesamte Lücke. Dabei wird Ihnen einiges klar werden. Verstand und Erinnerung sind wieder da. Sie wissen jetzt, wie Sie sich aus ihrer eingequetschten Lage befreien und anschließend richtig einparken können. Planen Sie laut, wie Sie herausfahren wollen, und das anschließende Einparken, mit großzügigem Rückwärtsfahren.

7. Fehlerkorrektur-Übungen.
Die allermeisten Fahrschüler/innen wünschen sich fürs Parken nichts so sehnlich, wie „in einem Zug“ korrekt in die Lücke zu kommen. Sie müssen dazu fleißig das Parken üben. Allerdings ist der Wunsch meistens vergeblich. Oft kommen sie falsch in die Lücke, eben „schräg nach schief“. Verzweiflung? Es darf keine Fehler passieren??
Grundsätzlich ist es für Sie natürlich wichtig, den Parkvorgang mit allen Besonderheiten im Gedächtnis und oft geübt zu haben. Am besten schon so oft, dass dieser komplizierte Vorgang mit seinen vielen Teilvorgängen automatisiert ist. Wie beispielsweise das Verhalten vor einer Ampel mit Rot: In den Innenspiegel schauen, bremsen mehr, auskuppeln, weniger bremsen, den Wagen vor der Haltlinie sanft zum Stehen bringen. Aber, wie schon mal gesagt: Solche Automatismen tragen zur Entlastung bei, doch bei großer Angst sind sie leider „weg“. Daher üben wir auch den Fehler und die Fehlerkorrektur. Und wir üben den Blackout. 
Aufgabe: Fehlerhaft einparken, die Stellung korrigieren.
Lassen Sie sich auf den „Fehler“ ein, stellen Sie während Ihrer Parkübungen das Fahrschulauto ganz bewusst mehr oder weniger „fehlerhaft“ in die Lücke. Dann üben Sie, den Fehler wieder zu korrigieren.  Diese Übung wird sie erleichtern, denn sie werden die Angst vor einem Fehler verlieren – sie können den Fehler doch korrigieren.

8. Prüfungsangst – soziale Angstgedanken in Gesprächen mildern: Womöglich fürchten Sie Kritik, Tadel oder Mitleid bei anderen, wenn Sie die Prüfung nicht bestehen. Sie schämen Sie sich schon im Voraus, dass Sie die Prüfung nicht bestehen und die „peinliche“ Wahrheit Ihren nächsten Menschen mitteilen müssen.  Verheimlichen Sie Ihre Angst und Befürchtungen nicht. Sowenig wie vor dem Prüfer!
Aufgabe: Mit dem näheren sozialen Umfeld sprechen.
Sprechen Sie mit Freunden oder mit dem Partner über Ihre Angst und Befürchtungen.  Bitten Sie um deren Unterstützung. Sie werden wohlwollende Unterstützung erleben. Niemand wird Sie im Falle einer nicht bestandenen Prüfung zurück weisen, im Gegenteil. Der Zuspruch der anderen wird Ihnen gut tun.

9. Prüfungsangst – den schlimmsten Fall bedenken:
Rabenschwarze Gedanken kreisen in Ihrem Kopf: „Der Prüfer ist gemein zu mir.“ Oder: „Die Anforderungen sind sehr hart. Das schaffe ich nie. Andere schaffen es locker. Ich falle wahrscheinlich immer durch.“ Einfach „Stopp“ zu den Gedanken zu sagen oder zu denken, hilft nur für den Augenblick. Leider kommen sie dann wieder. Besser ist, wir machen die Atemübung, wie zuvor beschrieben, lassen Sie die Gedanken einfach vorbei huschen. Eine weitere Möglichkeit ist, die schwarzen Gedanken nicht als nebulöse Sorgen Sie bedrücken zu lassen, sondern sie ganz konkret durch zu denken oder gar gegen die schwarzen Gedanken in der Simulation oder im Rollenspiel zu trainieren. Dann merken wir, dass es doch nicht ganz so schlimm kommt, wie vorgestellt.
Aufgabe 1: Prüfungssimulation – bestanden.
Bitten Sie Ihren Fahrlehrer, mit Ihnen eine Prüfungssimulation zu fahren. Wenn er Sie ordentlich ausgebildet hat, dann werden Sie merken, dass Sie die Anforderungen dabei alle schon kennen. Nichts davon ist „sehr hart“. Und Sie schaffen diese sehr wohl. Nur Ihre Angst, die steht wahrscheinlich immer noch dagegen. Nun wollen wir weiter gehen, die Prüfung noch konkreter simulieren. Sie sollen nun mal nicht bestehen.
Aufgabe 2: Prüfungssimulation – nicht bestanden.
Laden Sie einen Bekannten mit Führerschein zur Prüfungssimulation ein. Bitte vorher mit dem Fahrlehrer absprechen. Der Bekannte kommt Ihnen als „Prüfer“ auf dem Hof der Prüfstelle entgegen. Sie begrüßen sich. Sie sagen Ihr „Bekenntnis“, dass Sie nervös sind, aber etwas dagegen unternehmen werden. Dann geht die Fahrt los. Der Bekannte soll Sie scharf testen und hart beurteilen. Sie bestehen nicht. Atmen Sie ruhig, bleiben Sie gelassen, wenn er Ihnen Ihre Fehler vorhält. Seien Sie freundlich zum „Prüfer“, sprechen Sie: „Wegen des schlechten Ergebnisses bin ich traurig. Andererseits ist es gut, dass da noch ein paar Fehler heraus gekommen sind.  So lerne ich schon dazu bis zum nächsten Mal. Mir ist es wichtig, ruhig und sicher zu fahren. Ich kann es gut aushalten, wenn ich nicht bestehe.“ Beim nächsten Mal bestehen Sie wieder. Gewöhnen Sie sich daran. Die Prüfung zu bestehen, das ist schön. Nicht zu bestehen – das ist noch lange kein Weltuntergang. Weitermachen und dann doch bestehen! Auf diese Art und Weise können Sie noch mehr Befürchtungen austesten – beispielsweise „der Prüfer ist gemein zu mir“. Bei all diesen Rollenspielen gilt allerdings: Sie haben jederzeit das Recht, „Stopp!“ zu sagen, wenn es zu hart wird für Sie. 

Bitte schreiben Sie mir, ob und wie Ihnen diese Aufgaben geholfen haben.  (info@auto-angst.de). Sie können gerne auch ganz unten auf dieser Seite einen Kommentar eingeben. Ich werde Ihnen antworten!

Ihr Fahrlehrer sollte Sie unterstützen

Sie brauchen bei einigen dieser Übungen und Aufgaben die Unterstützung Ihres Fahrlehrers. Viele Fahrprüfungen laufen beispielsweise so wie in der Eingangsgeschichte ab – der Prüfling hat zu schweigen, um nicht abgelenkt zu werden. Sprechen dürfen dagegen nur Fahrlehrer und Prüfer, um den Prüfling  hinwiederum ein bisschen abzulenken. Absurd!

Leider ist es so: Wenn Sie wirklich Prüfungsangst haben, werden solche gut gemeinten Gespräche zwischen Fahrlehrer und Prüfer Sie nicht mehr ablenken können. Dagegen braucht es effektive Methoden, die Sie vorher kennen gelernt und eingeübt haben.

Sie haben jetzt gelernt, dass es für Sie wichtig ist, laut zu sprechen, über Ihren Zustand, über Ihre weitere Planung, um ruhig zu bleiben und Ihren Verstand präsent zu halten. Ihr Fahrlehrer sollte Sie wohlwollend bei Ihren Bemühungen unterstützen, während der Prüfung psychisch stabil und konzentriert zu bleiben. Zeigen Sie ihm zur Not die von hier herunter geladenen und ausgedruckten Papiere zur  Milderung der Nervosität. Reden Sie ihm gut zu. Ein einleuchtendes Argument wäre, dass Sie die Prüfung mit der nervlichen Beruhigung besser schaffen. Dieses Argument zählt auch für den Prüfer. Einen vor Nervosität zitternden Prüfling mit halbem Blackout kann er wohl nicht auf seine Leistung testen!

Warnung: Leider haben viele Fahrlehrer nur wenig Ahnung von der Hilfe bei psychischen Blockaden. Da fehlt es schlicht und einfach an der nötigen Ausbildung und Erfahrung. Wenn Ihr Fahrlehrer sich hartnäckig weiter verweigert, schreiben Sie mir. Ich kann gerne mit ihm reden. Nützt auch das nicht, dann sollten Sie die Fahrschule wechseln, sich einen aufgeschlosseneren Fahrlehrer an Ihrer Seite suchen. Sie schaffen das!

Aber auch, wenn Ihr Fahrlehrer Sie wohlwollend unterstützt, gibt es leider einen großen Mangel – er ist ja kein ausgebildeter Angsthasenfahrlehrer!  Nur ein Angsthasenfahrlehrer kann Ihnen im ganzen Ablauf der Ausbildung, Betreuung und Prüfung die nötige und kompetente Unterstützung im Umgang mit der Prüfungsangst geben. Sie werden einen Angsthasenfahrlehrer auch dann brauchen, wenn Angst und Nervosität besonders hoch sind, wenn Sie deswegen schon öfter nicht bestanden haben, wenn Sie wegen Ihrer Angst gar nicht mehr in die Prüfung gehen.

10. Mein Fahrlehrer unterstützt mich nicht oder nur widerwillig:
Sie haben ein bisschen Angst vor dem Gespräch. Schließlich ist Ihr Fahrlehrer für Sie eine Autorität, nun soll er sich von Ihnen etwas sagen lassen? Ihr Fahrlehrer hält vielleicht nur wenig von Ihren neuen Gedanken. Er fühlt sich ein bisschen belehrt und so halb für unfähig erklärt. Er hat doch so viele Fahrprüfungen erlebt und Erfahrungen mit nervösen Prüflingen gemacht. Zählen die gar nichts? Und eigentlich hat doch er pädagogisch das Sagen! Er könnte äußern, dass der Prüfer Sie wahrscheinlich für „bekloppt“ hält, wenn Sie laut über Ihre Nervosität und Ihre konkrete Planung bei der Prüfungsfahrt sprechen. Außerdem würden Sie dadurch abgelenkt. Er kenne einen sehr netten Prüfer. Mir ein bisschen Glück würde er am Prüfungstag prüfen. Sei dieser Vorschlag nicht besser?
Aufgabe 1: Rollenspiel – mit dem widerwilligen Fahrlehrer reden, ihm Ihr neues Verhalten erklären, womit Sie Ihre starke Nervosität kontrollieren können.
Versuchen Sie es zuerst mit einem Rollenspiel, dabei hilft Ihnen sicher der nette Bekannte. Der Bekannte spielt den Fahrlehrer, Sie spielen sich. Bleiben Sie freundlich und zugewandt. Gehen Sie auf seine Argumente ein („bekloppt“), bringen Sie Argumente, die ihm einleuchten müssten („mit der neuen Methode fahre ich ruhiger und sicherer. Der Prüfer kann mich dann besser beurteilen, als wenn ich nervös bin und zittre.“). Entscheidend beim Rollenspiel ist, dass Sie die Rollen auch mal umdrehen: Sie spielen Ihren Fahrlehrer, der Bekannte spielt Sie. So lernen Sie die Argumente des anderen besser zu verstehen. Zögert Ihr „Fahrlehrer“, so können Sie ihm beispielsweise ein Angebot machen, die neue Methode einfach mal probeweise zu testen. 
Aufgabe 2: Rollenspiel – der widerwillige „Fahrlehrer“ gibt nicht nach, lehnt Ihre Wünsche ab.
Sie sollten sich auch darauf einstellen, dass der Fahrlehrer nicht nachgibt. Seine Argumente und Erfahrungen sind halt die besseren. Wenn Sie darauf gefasst sind, haben Sie die besseren Karten: Sie ärgern sich. Aber Sie werden nicht wütend, treiben es nicht zum offenen Streit. Das würde Ihnen schaden, auch Ihrem Ziel. Bleiben Sie im Rollenspiel ruhig, atmen sie tief. Verdeutlichen Sie Ihren Ärger und Ihre Ziele. Kündigen Sie an, die Fahrschule zu wechseln.
Aufgabe 2: Mit Ihrem Fahrlehrer über Ihren Wunsch zu Ihrer Unterstützung sprechen: Nun versuchen Sie es mit Ihrem Fahrlehrer. Sie sind durch Ihr Rollenspiel schon vorbereitet. Bleiben Sie, so wie vorgeübt, freundlich, sehen Sie in ihm keinen Gegner. Wenn er kategorisch ablehnt, zeigen Sie Ihren Ärger und kündigen Sie Konsequenzen an. Sie können dann immer noch die Fahrschule wechseln. Vielleicht springt auch der Chef ein, der den Verlust des Kunden und die schlechte Werbung fürchtet.

Zusammenfassung: Hilfen zur Bewältigung der Prüfungsangst, die in den Aufgaben behandelt werden:

  • Vor, bei und nach den Fahrten: Auf den inneren Zustand achten. Den inneren Zustand und die Stärke der Nervosität laut benennen (von 1 = ruhig bis 10 = sehr nervös)
  • Vorbereitungsphase: Ihre Geschichte aufschreiben, diese weiter leiten an eine kompetente Person
  • Bei starker Anspannung und Angst: Mit störenden Angstgedanken umgehen („ich schaffe es nicht, ich versage“): Ruhig atmen, weiter auf den Atem achten, die Gedanken durchhuschen lassen
  • Den Prüfer freundlich begrüßen (Gedankenspiel): Angstgedanken wegen des Prüfers mildern
  • Den Prüfer freundlich begrüßen (Rollenspiel mit einem Bekannten), eigentlich hohe Anspannung, Angst: Statt dessen freundliche, positive Gedanken aufbauen
  • Den Hof einer Prüfstelle aufsuchen, Prüfungsbeginn und -ende beobachten: Die Nervosität kontrollieren, freundliche Gedanken wegen der eigenen Prüfung aufbauen. 
  • Ein Bekannter spielt den Prüfer, Sie machen sich bekannt, informieren den „Prüfer“ über die Nervosität (Rollenspiel auf der Prüfstelle). Sehr hohe Anspannung und Angst: Angst und Schwäche eingestehen (bedeutet auch Stärke!), über Hilfen gegen Angst informieren (bedeutet ebenfalls Stärke).
  • Während der Fahrausbildung, Parkübungen, bewusst falsch einparken:  Fehlerkorrektur-Übungen versuchen, lernen, mit Fehlern umzugehen. 
  • Mit dem engeren sozialen Umfeld sprechen, die Angst schildern. Unterstützung erhalten, die Ängste abbauen.
  • Simulationsfahrten der Prüfung mit Bekannten (sitzt im Auto hinten rechts) abhalten. Sie bestehen, oder auch nicht. Sie gehen mit Ihrer Prüfungsangst um. Sie freuen sich über das Bestehen, lernen aber auch, das Nichtbestehen auszuhalten. 
  • Ihr Fahrlehrer ist widerwillig gegenüber diesen Vorschlägen zur Bewältigung der Prüfungsangst. Sie brauchen seine Unterstützung. Sie möchten den Fahrlehrer zur Unterstützung dieser Hilfemaßnahmen bewegen. Rollenspiel mit Bekannten. Dieser spielt den widerwilligen Fahrlehrer. Dabei auch Rollenwechsel, Sie spielen den Fahrlehrer. Sie proben eine Einigung, aber auch keine Einigung. In diesem Falle bleiben Sie ruhig, zeigen Sie ruhig Ihren Ärger, kündigen Sie den Fahrschulwechsel an. 

In weiteren Geschichten mit Aufgaben auf dieser Webseite werde ich Ihnen Einblick in praktische Betreuungsstunden zur Milderung und Kontrolle von Prüfungsangst geben. Dies unter Anleitung des Angsthasenfahrlehrers.

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