Selbständiges Fahren auf der Autobahn, Überholen von Lkw

Angst vor Panikattacken auf der Autobahn bewältigen

Zum Beitragsbild: Angsthäsin im eigenen Pkw auf der Autobahn, überholt einen Lkw. Angsthasenfahrlehrer begleitet, fährt auf der Rückbank mit. Dritte Programmstufe des Programms zur Bewältigung von Angst hinterm Steuer. 
Das Bild entstand während einer Betreuungsfahrt auf der Autobahn. Die Angsthäsin hat im Stadtverkehr keine Angst hinterm Steuer. Dort fährt sie locker und gut. Ihre Angst wird durch die Autobahn und die Angst vor dem Auftreten einer Panikattacke ausgelöst. Zu Beginn der Betreuung lauerte die Hauptangst, auf der Autobahn, beim Überholen von Lkw, aber auch schon bei Stress und Grübeleien, mehr oder wenig plötzlich eine Panikattacke zu erleiden und nicht mehr schnell genug raus aus der Autobahn zu können. Und dabei die Überholspur der Autobahn durch Fehlreaktionen zu blockieren, sogar einen Unfall zu verschulden.
Jetzt befindet sich die junge Frau am Schluss der Betreuung, fährt locker und sicher selbständig am Steuer in die schwierige Überholsituation. Als Angsthasenfahrlehrer kann ich nur noch mit beobachten und eventuell einen Rat geben. 

 

„Ich habe Angst vor Panikattacken auf der Autobahn: Was kann ich tun?“ 

Angst vor Panikattacken auf der Autobahn:
Ursachen und Hilfsmöglichkeiten

Der Sinn  des Beitrags: In diesem Beitrag geht es um den Umgang mit  Angst vor Panikattacken  auf der Autobahn. Sie lernen die Angst und ihre Ursachen kennen. Und Sie erfahren die nötigen Programmschritte, um wieder ruhig und sicher auf der Autobahn zu fahren.

Als weiteren Beitrag empfehle ich Ihnen ein Interview mit einer ehemaligen Angsthäsin, mit vielen Hinweise zu Hilfen aus der Praxis.

Inhalt

  1. Sie leiden an Angst vor Panikattacken auf der Autobahn.
    Was passiert dabei mit Ihnen?
  2. Hilfe für Sie: Wie läuft die Betreuung ab?
    Drei pädagogische Stufen zum Abbau der Angst hinterm Steuer
  3. Sieben Schritte sollst Du tun. Angstbewältigung konkret
  4. Letzte Etappe im Programm: Die Alleinfahrt.
    Von der Angsthäsin zur Muthäsin
  5. Links zum Thema  Panikattacken auf der Autobahn, und allgemein zur Bewältigung von Fahrangst, Angst hinterm Steuer

1. Sie leiden an Angst vor Panikattacken auf der Autobahn. Was passiert dabei mit Ihnen?

Ich möchte im Beitrag zuerst beginnen, das Auftreten der Panikattacken auf der Autobahn zu erklären und aus meiner Praxis zu berichten. Das genauere Wissen sollte am Beginn der Betreuung stehen.

Für Panikattacken ist die Autobahn nicht geeignet
Eigentlich ist die Autobahn eine gute, sichere Straßenform, mit weniger Unfällen als auf Bundesstraßen oder im Stadtverkehr. Für jemanden mit Angst vor Panikattacken ist die Autobahn aber gerade verhängnisvoll, durch ihre Bauweise und das Tempo, das hier gefahren wird. Denn die Betroffenen können nirgendwo in Ruhe langsam fahren oder anhalten, wenn eine Panikattacke über sie kommt. Eine der Betroffenen hat es mir gegenüber sehr klar und drastisch formuliert: „Ich hätte nichts gegen die Autobahn, wenn dort alle 100 m ein Parkplatz käme.“

Weder Autoangst noch Autobahnangst
Die Betroffenen meiden zwar die Autobahn strikt, fahren jedoch im Stadtverkehr locker und sicher mit dem Auto. Viele kommen schon mit dem eigenen Auto zu den Betreuungsfahrten. Da sie im Stadtverkehr beim möglichen Auftreten einer Panikattacke jederzeit irgendwo anhalten können, haben sie auch keinerlei Angst davor. Ihre Angst ist verschieden von denen der Angsthäsinnen. Diese haben Angst vor unverhofften Reaktionen des Autos (= Autoangst), oder Angst vor der Hektik und dem Tempo im Stadtverkehr oder auf der Autobahn (= Fahrangst). Paniker/innen haben eigentlich keine Angst vor der Autobahn. Soweit die Angst vor Panikattacken ausbleibt, fahren sie dort wunderbar weich und sicher.  Gleich ist zwischen den beiden Gruppen, dass sie die auslösenden Situationen meiden.

Warum Panikattacken?
Doch warum erleiden die Betroffenen überhaupt auf der Autobahn eine Panikattacke? Es passiert immer bei Fahrten auf der Autobahn. Die Erzählung lautet immer so, dass  sie gern auf der Autobahn gefahren sind, auch schnell. Doch irgendwann gab es es Momente des Erschreckens über eine ängstigende äußere Situation, oder von starkem innerem Stress, die unglücklicherweise mit einer heftigen – zu heftigen! – körperlichen Angstreaktion beantwortet werden. In meiner langen Praxisbetreuung habe ich schon folgende Beispiele gehört:

Autobahn bergab, Lkw überholen - für viele Paniker Angst auslösende Situation
Autobahn bergab, Lkw überholen – für viele Paniker/innen eine Angst auslösende Situation. Vom Gefühl her sehr gefährlich, Furcht, ins Bodenlose zu fallen. Vergleichbar mit der Höhenangst. Solche Situationen zu Anfang besser meiden. Später, in der mittleren Stufe der Betreuung, lieber hinter dem Lkw fahren. Überholen üben nicht hier, lieber bei ebener Fahrt, höchstens im sanfteren Gefälle. Zurück zum Bild: Auf der Strecke jenseits des Gefälles geht es wieder bergauf. Dort würde Entspannung einkehren. Man kann aber leider nicht immer nur Steigung fahren. 
  • Autobahnkurve, Seitenwind
  • Autobahn, starkes Gefälle
  • Hohes Tempo, Lkw mit Anhänger überholt, Anhänger schlängelt ein bisschen
  • Regen, Lkw mit Tempo überholt, plötzlich Gischt auf der Frontscheibe
  • Linkskurve, Tempo, plötzlich die Angst, gegen die Leitplanke gedrückt zu werden
  • Drängler fährt nah auf
  • Nachts gefahren, Regen, viele Autos überholen, überall Lichter, und Blendung
  • Fahrt zur Arbeit, heftiges Grübeln über Vorwürfe des Chefs
  • Junger Mann, fährt zur Arbeit. Hattew morgens Streit mit der Ehefrau. Sie ist halb berufstätig, fühlt sich wegen ständiger Überstunden ihres Mannes allein gelassen mit Haushalt und zwei Kleinkindern. Ihr Mann wird wiederum vom Chef unter Druck gesetzt.

Und nun kommen zwei beängstigende Drucksituationen zusammen, die die Angst schüren:
a) die Angst vor einer Wiederkehr der heftigen Symptome
b) die Unmöglichkeit, diese auf der Autobahn in Ruhe zu mildern, wegen der besonderen Bauweise der Autobahn  und dem „Zwang“, immer weiter und schnell zu fahren.

 Die Panikattacken sind gefürchtet: Droht Kontrollverlust?
Die äußere oder innere Belastung kann zu Angst und und in einer Überreaktion zu kurzzeitig heftigen Symptomen führen, beispielsweise Herzklopfen, keuchender Atem, Muskelkrampf, Schwitzen, Hitze im Kopf,  Schwindel, Tunnelblick,  Konzentrationsschwäche, bis zu einem Gefühl der Unwirklichkeit und Unmöglichkeit der Kontrolle. Die heftigen Symptome wiederum machen Angst und führen zu neuer Ängstlichkeit: Hoffentlich kommen sie nicht noch einmal! Und da die Betroffenen sich nun beinahe verkrampfen vor Angst, kommen sie tatsächlich wieder – dieses Mal “einfach so”, ohne ersichtlichen Grund. Und die Panikattacken selbst sind tatsächlich ein Grund zur Angst: Denn so kann man ja nicht mehr sicher fahren, die Angst vor dem Verlust der Kontrolle schleicht sich ein, ja, es drohen gefährliche Situationen, gar Unfälle. Und dies, ohne dass man im Vorfeld, bei erstem Auftreten der gefürchteten Symptome, in Ruhe anhalten kann!

Panikattacken: In vielen Lebensbereichen, oder nur auf der Autobahn?
Bei Nachfragen an die Betroffenen stellt sich heraus, dass viele die Panikattacken nicht nur auf der Autobahn, sondern in weiteren, örtlichen Situationen erleiden. Man spricht bei dieser Angstkrankheit von einer Agoraphobie (aus dem griech., von agora = der Markt, der Platz, und Phobie = Angst). Solche Situationen sind beispielsweise Tunnel, U-Bahn, Aufzug, Flugzeug, Höhe. Die Krankheit hat das Leben schon weitgehend belastet. Für mich ist das ein Kriterium, die Betroffenen zu einem Therapeuten (vorzugsweise für Verhaltenstherapie) zu schicken. Ich selbst bekomme manchmal selbst von Therapeuten Patienten/innen geschickt, denen es an der praktischen Konfrontation auf der Autobahn fehlt. Die Therapeuten können ihnen ja auf der Autobahn keinen Schutz verschaffen.

Therapie-Empfehlung
Ist die Panikattacke nur auf die Autobahn beschränkt (was auf etwa die Hälfte der Betroffenen zutrifft), also eine mildere, eingeschränkte Form der Krankheit, gebe ich ebenfalls die Empfehlung einer Therapie.  Diese wird jedoch meistens abgelehnt. Sie wollen nur praktisch mit mir trainieren. Einige Stunden Training auf der Autobahn genügen, um ihnen den Umgang mit Rettungsmöglichkeiten und den blockierenden Symptomen beizubringen. Ich rate allerdings nach wie vor zu einer Therapie.

Erste Hilfe: Rettungsmaßnahmen
Die Betroffenen fürchten, so habe ich vorher festgestellt, zwei Drucksituationen, nämlich
a) die Überwältigung durch eine Panikattacke und
b) die Unmöglichkeit, auf der Autobahn anzuhalten und sich zu beruhigen.
Ich beginne in den meisten Fällen mit der Aufarbeitung von Punkt b), nämlich der Angst davor, bei einer möglichen Panikattacke nirgendwo auf der Autobahn anhalten und sich  beruhigen zu können. Wir sprechen viel über Rettungsmaßnahmen beim Auftreten einer Panikattacke, so dass ihnen klar ist, dass es doch Auswege gibt. Meistens haben die Betroffenen schon alle künftigen Ausfahrten und Parkplätze im Kopf. Wir sprechen aber über viel mehr Möglichkeiten, als ihnen schon bekannt sind und und üben diese. Zu Beginn ist sehr wichtig, die Übergabe des Fahrschulwagens an mich als Angsthasenfahrlehrer zu üben, eine beinahe „erlösende“ Maßnahme. Sie können sich anschließend in Ruhe den Panikattacken widmen, was aber wahrscheinlich gar nicht mehr nötig ist. Einigen Betroffenen fällt die Übergabe nicht leicht, sie sind schließlich gestandene Kraftfahrer/innen.

Kommen die Symptome „blitzartig“?
Nach den Rettungsmaßnahmen beschäftigen wir uns mit Punkt a), der Angst, dass die befürchteten Symptome „blitzartig“ über die Betroffenen kommen, ohne Möglichkeit, sich in Ruhe darauf konzentrieren zu können. Sie würden dann schnell dem Druck der blockierenden Symptome ausgesetzt sein, ohne sich darauf einstellen zu können.  Das würde sofort zu einer gefährlichen Lage führen. Eine der wichtigsten Hilfemaßnahmen ist, selbst zu spüren, dass die Symptome nicht blitzartig auftreten, sondern im Vorfeld schon gut eingeschätzt werden können. Wir üben die Einschätzung der Symptome im Vorfeld .

Unser Ziel ist es, die heftigen Symptome bei Stress und Fahrten auf der Autobahn wieder zu mildern und zu kontrollieren.
Wir fahren hinein in die angstauslösende Situation, die Autobahn, mildern und kontrollieren die aufkommende Nervosität. Wir versuchen, für die heftigen, blockierenden Symptome eine eigene, individuelle Lösung zu finden. In der Szene auf dem Bild ist die Angsthäsin schon so weit, dass sie im eigenen Auto auf der Autobahn fährt, den Lkw überholt. Sie spricht dabei laut, über ihre Befindlichkeit, über ihre Beobachtungen. Das ist wichtig, um das Atmen zu beruhigen und den Verstand präsent zu halten. Als Angsthasenfahrlehrer sitze ich hier hinten rechts auf der Rückbank. Die Angsthäsin entscheidet selbstverantwortlich, ich kann allerdings noch auf Nachfrage einen Rat geben.

2. Hilfe für Sie: Wie läuft die Betreuung ab?
Drei pädagogische Stufen zum Abbau der Angst hinterm Steuer

Sie werden  nach einem wohlüberlegten, bewährten und erfolgreichen Programm zur Angstbewältigung hinterm Steuer trainiert.  Dieses erfolgt in drei Stufen:
Vorbereitung – Betreuung im Fahrschulwagen – Betreuung im eigenen Wagen

1. Vorbereitung
(Angsthasentreffen), die eigene Geschichte der Angst erzählen, evtl. persönliches Gespräch, Probefahrt). In dieser Phase klären wir auch, ob die Betroffene eine Therapie oder ärztlichen Rat benötigt.
2. Fahrten mit Angsthasenfahrlehrer und Fahrschulwagen,
in anfangs ruhige, dann mehr belastende Situationen im Straßenverkehr, bei Milderung der Angst. Sie brauchen in dieser Stufe noch unbedingt den Schutz durch den Angsthasenfahrlehrer im Fahrschulwagen.
3. Selbständiges Fahren,
zu Beginn noch begleitet vom Angsthasenfahrlehrer. Das selbstverantwortliche Autofahren bringt höhere Anspannung und Angst mit sich. Jetzt kommt es darauf an, alle Hilfen der Angstmilderung zu gebrauchen. In dieser Stufe darf ich als Angsthasenfahrlehrer nicht mehr eingreifen.  Ich kann aber sehr wohl auf Nachfrage einen Rat geben. Im Laufe der Fahrten setze ich mich dann nach hinten rechts auf die Rückbank. Die letzte Etappe in dieser Stufe ist das Alleinfahren, vielleicht auf Strecken, die wir schon vorher gefahren sind. Hier geraten alle noch einmal in eine belastende, aufregende Lage, denn sie müssen endgültig, allein verantwortlich fahren, mit ihrer inneren und äußeren Situation umgehen können.

Die drei Programmstufen führen zu unserem Nahziel. Dieses heißt kontrollierter Umgang mit der Angst, entspannt, ruhig und sicher Auto fahren. 

Wir dürfen auch ein Fernziel bestimmen, einen schönen Zukunftstraum. Alle Angsthäsinnen lieben und beschwören die glückliche Erinnerung herauf: Sie möchten wieder so locker und entspannt mit dem Auto fahren wie früher, ohne einen Gedanken an die Angst zu verschwenden. Und sie möchten schöne Reisen mit dem Auto unternehmen, die Fahrt und die Reise genießen, frei von Angst.

Ostsee, bei Kühlingsborn
Ostsee, bei Kühlingsborn

Ich selbst betreue nur bis zum Erreichen des Nahziels. Jedoch unterstütze ich die weitergehenden Träume. Ich habe schon erlebt, dass Angsthäsinnen Teilstrecken auf der Autobahn locker und angstfrei fahren konnten. Dabei waren sie glücklich. Ohne das Fernziel anzustreben, diesen schönen Zukunftstraum, wäre die Angelegenheit tatsächlich ein wenig freudlos. Leider haben Ängste die schlechte Eigenschaft, sich tief ins Gedächtnis einzufressen. Daher ist es nicht so leicht, den alten Zustand wieder zu finden.

3. Sieben Schritte sollst Du tun. Angstbewältigung konkret

Das pädagogische Programm zur Angstbewältigung lautet, Sie erinnern sich: „Vorbereitung – praktisches Training mit Angsthasenfahrer im Fahrschulwagen – selbständiges Fahren“.

Zusätzlich aber brauchen wir noch eine Übersicht, welche Möglichkeiten wir haben, mit Angst und Angstreaktionen umzugehen, um die Ängste zu bewältigen und ein lockereres, sicheres Fahren zu erreichen. In unserem Ratgeber zur Bewältigung von Angst hinterm Steuer haben wir sieben Schritte zur Bewältigung der Angst vorgestellt. Zu den sieben Schritten gebe ich anschließend einige Beispiele, bezogen auf die Angst vor Panikattacken auf der Autobahn.

  • Der erste Schritt lautet, Ängste ernst zu nehmen.
    Wenn die vorher geschilderte Angst besteht, Panikattacken auf der Autobahn zu erleiden. dann nehmen wir die Angst ernst, überlegen gemeinsam Rettungsmaßnahmen, wenn es zur Panikattacke kommt. Wir überlegen aber nicht nur, sondern üben die Rettungsmaßnahmen. Das gibt schon sehr viel Zuversicht. Nach diesen Übungen entspannen sich die Betroffenen schon merklich.
  • Der zweite und dritte Schritt: Wir überlegen und üben die Milderung der körperlichen Symptome, und der damit verknüpften Ängste,
    die bei einer Panikattacke auftreten. Das ist Schritt Nummer zwei und drei der gerade erwähnten sieben Schritte zur Bewältigung der Angst hinterm Steuer.
    Ein Beispiel für heftige körperliche Symptome, für Angstgedanken und deren Milderung:
    Heftiges Atmen und Herzklopfen, Tunnelblick. Angstgedanken: „Mein Herz setzt gleich aus, ich kann nicht mehr denken, sehe nichts mehr. Womöglich sterbe ich. Ein schwerer Verkehrsunfall droht.“ Milderung: Lautes Sprechen über die Nervosität und deren Heftigkeit (auf einer Skala von 1 – 10), laut beruhigen,  lebhaftes Schauen, Sprechen über die Beobachtungen des Verkehrs.
    Ergebnis: Der Atem normalisiert sich, der Verstand kehrt zurück, ebenso die Verkehrsbeobachtung. Wenn das immer noch zu wenig bringt, muss eine Rettungsmaßnahme einsetzen.
  • Der vierte Schritt lautet Auffrischen der Fähigkeiten. Diesen brauchen wir hier eigentlich nicht, da die Betroffenen nie richtig Fahrvermeidung betrieben haben, sondern wenigstens im Stadtverkehr weiter gefahren sind. Auch auf der Autobahn fahren sie locker und weich, soweit nicht gerade Panikattacken drohen.
  • Der fünfte Schritt ist der Angsthasenfahrstil, ein sehr ruhiger, eher vorsichtiger Fahrstil.
    Das heißt, wir fahren auf der Autobahn zuerst nur rechts, Tempo etwa 80. Sie dürfen sich gerne auch rechts hinter einem Lkw einreihen. Sie bleiben immer rechts, fahren für die Autobahn relativ langsam = 80 km/. So können Sie sich bei Aufkommen einer Panikattacke besser hinaus retten oder beruhigen. 
  • Der sechste Schritt ist sehr wichtig: Sie suchen die Konfrontation mit angstauslösenden Situationen, betreiben gleichzeitig die Milderung der körperlichen Symptome. Sie erleben damit, dass Sie diese Situationen aushalten können, auch sicher fahren. Beispiel: Überholen von Lkw, wie im Beitragsbild vorne. Angstauslösend, weil die Angsthäsin beim Überholen und Furcht vor einer möglichen Panikattacke nicht nach rechts könnte. Denn da ist ja der Lkw. Angstauslösend zum zweiten, weil beim Überholen schnell gefahren werden muss, etwa 120. Schnelles Tempo (über 80) ist meistens ein Angsttreiber.
    Die Angsthäsin spricht beim Überholen laut über Ihre Befindlichkeit und wendet weitere Hilfemaßnahmen an, wie oben beschrieben.
  • Der letzte und siebte Schritt, die Krönung der Betreuung, lautet, das selbständige Fahren zu trainieren.
    Jetzt ist die Angsthäsin soweit, dass sie diese eigentlich Angst auslösende Überholsituation  am Steuer ihres eigenen Wagens, bewältigen kann. Sie fährt selbständig mit ihrem Wagen auf der Autobahn, überholt dort auf dem linken Fahrstreifen mehrere Lkw. Ich als Angsthasenfahrlehrer sitze rechts hinten, kann eigentlich nur noch zuschauen, vielleicht mal einen Ratschlag geben, eine Pause empfehlen.

Selbständiges Fahren steigert zu Anfang Angst und Nervosität
Damit setzt sich die Betroffene im höchsten Maße der Angst aus, steigert diese. Bei dieser Programmstufe werden die Ängste wieder anwachsen, denn sie trägt nun die Verantwortung am Steuer. Einerseits. Andererseits achtet sie gerade deshalb auf  die Milderung und Entspannung der körperlichen Symptome.

In dieser Phase achte ich als Angsthasenfahrlehrer darauf, dass die Maßnahmen zur Angstbewältigung schon von selbst und routiniert kommen. 

Wichtig für das Wohlbefinden der Angsthäsin ist es, bei den Fahrten auf der Autobahn auf die eigene Befindlichkeit zu achten, Angstspitzen zu mildern, laut über ihren inneren Zustand zu sprechen, lebhaft zu schauen, auch darüber zu sprechen, immer den Verstand zu behalten, ruhig und sicher zu fahren.

4. Letzte Etappe im Programm – die Alleinfahrt. Von der Angsthäsin zur Muthäsin

Das Alleinfahren, ohne Angsthasenfahrlehrer, gehört mit zum selbständigen Fahren. Es ist der Höhepunkt der Betreuung und weckt noch einmal Ängste. Alleinfahren heißt wirklich Alleinfahren, die Verantwortung liegt nun ohne hin und her bei der Angsthäsin. Um die Sache dennoch leichter zu gestalten, üben wir vorher eine bestimmte Strecke – eine Wunschstrecke – auf der Autobahn. Vor der Fahrt werden sich allerlei Bedenken melden. Dies müssen die Betroffenen wissen, und trainieren, mit den letzten Hemmungen umzugehen. Das ist schön zur Vorbereitung. Aber schöner ist es, wenn sich inzwischen Selbstbewusstsein eingestellt hat, mit der Angst gut umzugehen, die Sache endlich zu schaffen. Nun heißt es, ganz allein die Angst zu kontrollieren, sich zu lockern, sicher zu fahren – ohne meine Begleitung als Angsthasenfahrlehrer. Das bedeutet noch einmal eine große Belastung. Die Angsthäsin möchte diesen Versuch irgendwann an einem Sonntag wagen. Am Sonntag dürfen bekanntlich keine Lkw auf der Autobahn fahren, mit ein paar Ausnahmen. Auch die Alleinfahrt ist noch einmal eine Herausforderung.

Wenn Sie es nicht schaffen, bitte nicht aufgeben: Weiter kämpfen. Rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir eine Email. Ich helfe Ihnen!

Mutiger Angsthase verkloppt den Fuchs
Mutiger Angsthase verkloppt den Fuchs

Wenn Sie es schaffen und allein weiter fahren, dann ist aus Ihnen, aus der ehemaligen Angsthäsin, endgültig eine Muthäsin geworden. Wie im Kinderbuch von Elisabeth Shaw: Der kleine Angsthase. Wollen auch Sie die Zwänge der Fahrangst abschütteln und ebenfalls Muthäsin werden? Fassen Sie Mut. Schreiben Sie mir eine Email, schildern Sie Ihre Angst beim Autofahren. Oder kommen Sie zum Angsthasentreffen

Frank Müller, Angsthasenfahrlehrer


5. Links zum Thema Panikattacken auf der Autobahn, und allgemein zur Bewältigung von Fahrangst, Angst hinterm Steuer

Ein ausführliches Interview mit einer Angsthäsin, hier auf der Homepage, mit vielen Hinweisen zur Rettung und zur Milderung von Symptomen bei Angst vor Panikattacken auf der Autobahn. Dort finden Sie alle nützlichen Hinweise in einer Tabelle zusammen gefasst. Und Sie finden auf dieser Seite auch Aufgaben zur Vorbereitung auf die Angstbewältigung

Ratgeber „Keine Angst mehr hinterm Steuer“, von F. Müller und H.J. Ruhr, mit ausführlichem Kapitel zur Hilfe bei Angst vor Panikattacken auf der Autobahn (9. Kapitel ab S. 165)

Wertvolle Hinweise vom ADAC: „Angst beim Autofahren: Woher sie kommt und was dagegen hilft“

Ein Artikel aus der Wikipedia zu dem Begriff „Fahrangst“, mit Erklärung zu besonderen und allgemeinen Fahrängsten und zu Panikattacken

 

 

 

 

3 Gedanken zu „Angst vor Panikattacken auf der Autobahn bewältigen“

  1. Hallo Herr Müller,
    gerade habe ich Ihre Seite entdeckt.
    Auch ich habe mich gleich wiedererkannt. Ich bin viele Jahre täglich 80 KM Autobahn gefahren. Dann wurde mir vor 3 Jahren bei einem Überholvorgang plötzlich übel, schwindelig. Ich hatte Schweißausbrüche. Ab diesem Moment habe ich dann regelmäßig darauf gewartet, dass dies wieder passiert.. und mich so verkrampft, dass es wieder passiert ist.
    Ich vermeide Autobahnfahrten, da es eine zu große Qual für mich ist.

    Viele Grüße Ella

  2. Hallo ich habe eben den Artikel gelesen und konnte mich absolut wiedererkennen, denn ich fahre nun seit 7 Jahren keine Autobahn mehr und wenn ich als Beifahrer dabei bin ist es der blanke Horror. Ich komme aus Ludwigsburg leider ist ihre Schule zu weit weg:-(

    1. liebe Frau Schneider, vielen Dank für Ihren Kommentar.Ich freue mich, dass ich Ihre Gefühle getroffen habe. Beim letzten Angsthasentreffen waren vier Panikerinnen dabei. Ich fühle mich auch heimatlich berührt, denn als Schwabe stamme ich ungefähr aus der Gegend. Es ist aber verständlich, dass Ihnen meine Angsthasenfahrschule zu weit weg ist. Nun meine Frage: Was passiert denn, wenn Sie als Beifahrerin mitfahren?

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